| Till, Anna Christina (2026): Zusammenhänge des Oxytocin-Plasmaspiegels mit dem Psychotherapie-Outcome bei Patientinnen und Patienten mit persistierender depressiver Störung. Dissertation, LMU München: Medizinische Fakultät |
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Abstract
Bis zu einem Drittel der Depressionen nehmen einen chronischen Verlauf und stel-len eine große Herausforderung für das Gesundheitssystem dar. Seit Einführung des DSM-5 werden chronische Formen unter dem Begriff der Persistierenden de-pressiven Störung (PDS) zusammengefasst. Charakteristische Defizite wie Schwie-rigkeit in sozialer Interaktion und Aufbau funktionierender zwischenmenschlicher Beziehungen sind Kernpunkte, die in dem spezifisch angepassten Behandlungs-konzept CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy) adres-siert werden. In den letzten Jahrzehnten wurde zunehmend nach neurobiologi-schen Korrelaten gesucht um eine Diagnostik / Therapie psychischer Erkrankungen zu erweitern / unterstützen. Einen vielversprechenden Kandidaten stellt dabei das Neuropeptid Oxytocin (OT) dar, dem eine entscheidende Rolle in zwischenmenschlichen Bindungen zuge-sprochen wird. Dieses Forschungsprojekt basierte auf einer durchgeführten Pilot-studie, bei der bereits Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Oxytocinplas-maspiegel und Psychotherapieoutcome gefunden wurden. Im Rahmen dieser Promotionsarbeit wurde versucht anhand von OT-Plasmaspiegel vor / nach 10-wöchiger CBASP-Therapie OT- Veränderungen darzustellen und die-se anschließend mit klinischen Parametern der Patient*innen mit PDS in Zusam-menhang zu bringen. Wir konnten insgesamt 110 Patient*innen mit PDS, die am 10-wöchigen CBASP-Therapieprogramm teilnahmen, auf der Spezialstation für affektive Erkrankungen der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums der LMU München rekrutieren. Bei allen Patient*innen erfolgte zum Zeitpunkt der Aufnahme und Entlassung eine Blutentnahme zur OT Bestimmung und die Durchführung ver-schiedener psychometrischer Fragebögen (BDI-II, HAMD-17). Mit den Fragebögen konnte somit das Depressionsausmaß aus subjektiver Sicht (BDI-II) und aus Sicht der Behandelnden (HAMD-17) bestimmt werden und eine klinische Verbesserung / Verschlechterung durch CBASP gemessen werden. Zudem wurde bei Aufnahme auf Traumatisierungserfahrungen in Kinder- / Jugendzeit gescreent, die gehäuft bei Betroffenen mit PDS auftreten. Ein Hauptergebnis unserer Datenanalyse war die signifikante klinische Verbesse-rung der Depressionssymptomatik durch CBASP sowohl im Selbstrating (BDI-II) als auch im Fremdrating (HAMD-17). Daher können wir mit unseren Ergebnissen be-stätigen, dass CBASP als störungsspezifischer Psychotherapieansatz wirksam ist. Unsere Datenanalyse zeigte im Gesamtsample einen Anstieg der OT-Plasmaspiegel, der allerdings mit durchschnittlich 6% gering ausgeprägt war und sich nicht signifikant abhängig von Ansprechen oder Nicht-Ansprechen auf CBASP unterschied. Allerdings erbrachte eine weitere Analyse diskrete Hinweise auf einen positiven Zusammenhang zwischen Zunahme an OT und klinischer Verbesserung der Depressionssymptomatik. Dies galt nur für die Selbsteinschätzung (BDI-II) und vor allem für Männer mit einem höherem Ausgangsniveau des OT. Ein gegenteili-ger Zusammenhang als Pendant bei den Frauen wurde nicht beobachtet. Bei den Frauen zeigte sich hingegen bei niedrigem Ausgangsniveau des OT ein positiver Zusammenhang zwischen Zunahme des OT und der Depressionsschwere bei Auf-nahme und Entlassung (BDI-II). Im Gegensatz zur Pilotstudie von Jobst et al. konnten wir in unserer Datenanalyse keine Hinweise darauf finden, dass OT-Plasmaspiegel bei Aufnahme als Prädiktor für eine erfolgreiche Psychotherapie herangezogen werden kann, somit erscheint diese Hypothese als fraglich. Bei Patient*innen mit PDS liegt charakteristisch ein erhöhtes Ausmaß an Traumati-sierungserfahrungen in der Kinder- / Jugendzeit vor, dies konnten wir mit unserem Datensatz bestätigen (CTQ). Des Weiteren zeigte sich ein Zusammenhang zwi-schen einzelnen CTQ-Subskalen und dem OT-Plasmaspiegel bei Aufnahme, dieser verhielt sich allerdings abhängig vom Geschlecht konträr. Ein weiterer Zusammen-hang zwischen CTQ-Subskalen und OT-Parameter konnte nicht entdeckt werden. Festhalten lässt sich, dass unsere Ergebnisse vor allem abhängig vom Geschlecht unterschiedlich waren. Die geschlechterspezifischen Rollen von OT waren bereits in einigen wenigen Studien beobachtet worden. Gründe dafür stehen aktuell zur Diskussion. So könnten eine unterschiedliche Verteilung der Oxytocinrezeptoren in bestimmten Gehirnregionen bei Frauen und Männern, ein unterschiedliches Bin-dungsverhalten des OT, oder Polymorphismen des OT-Gens verschiedene Mög-lichkeiten darstellen und die teils konträren und inkonsistenten Ergebnisse erklä-ren. Zudem besteht weiterhin die Problematik einer geeigneten Messmethode und die Frage ob peripher gemessenes OT zentrales OT widerspiegeln kann. Allerdings kann man in diesem Sachverhalt davon ausgehen, dass jede Messmethode für sich einen Teilaspekt in einem komplexen OT-System abbildet und dieses bis dato noch nicht vollständig verstanden wird. Aus diesem Grund ist weitere Forschung not-wendig.
Abstract
Up to one third of cases of depression are chronic and pose a major challenge to the healthcare system. Since the introduction of DSM-5, chronic forms have been grouped under the term persistent depressive disorder (PDD). Characteristic deficits such as difficulty in social interaction and social bonding are key issues that are ad-dressed in the specifically adapted treatment concept CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy). In recent decades, there has been an increas-ing search for neurobiological correlates to expand/support the diagnosis/treatment of mental illnesses. The neuropeptide Oxytocin (OT) promises to play a key role in interpersonal bonds. This research project was based on a pilot study that already found evidence of a connection between oxytocin plasma levels and psychotherapy outcomes. As part of this doctoral thesis, an attempt was made to use OT plasma levels before and after 10 weeks of CBASP therapy to illustrate OT changes and then correlate these with clinical parameters of patients with PDD. We were able to recruit a total of 110 patients with PDD who participated in the 10-week CBASP therapy program at the special ward for affective disorders at the Clin-ic and Polyclinic for Psychiatry and Psychotherapy at LMU Munich Hospital. At the time of admission and discharge, blood samples were taken from all patients for OT determination and various psychometric questionnaires (BDI-II, HAMD-17) were conducted. The questionnaires were used to determine the severity of depression from a subjective perspective (BDI-II) and from the perspective of the treating pro-fessionals (HAMD-17) and to measure clinical improvement/deterioration through CBASP. In addition, patients were screened upon admission for traumatic experi-ences in childhood/adolescence, which occur frequently in individuals with PDD. A key finding of our data analysis was the significant clinical improvement in de-pressive symptoms through CBASP, both in self-ratings (BDI-II) and in external rat-ings (HAMD-17). Our results therefore confirm that CBASP is an effective disorder-specific psychotherapeutic approach. Our data analysis showed an increase in OT plasma levels in the overall sample, but this was modest at an average of 6% and did not differ significantly depending on response or non-response to CBASP. However, further analysis provided dis-crete evidence of a positive association between increases in OT plasma levels and clinical improvement in depressive symptoms. This was only true for self-assessment (BDI-II) and especially for men with a higher baseline level of OT. A contrary correlation was not observed in women. In women, however, a positive cor-relation was found between an increase in OT plasma levels and the severity of de-pression at admission and discharge (BDI-II) when the baseline level of OT was low. In contrast to the pilot study by Jobst et al., we found no evidence in our data analy-sis that OT plasma levels at admission can be used as a predictor of successful psychotherapy, thus this hypothesis appears questionable. Patients with PDD typically have a higher level of traumatic experiences in child-hood/adolescence, which we were able to confirm with our data set (CTQ). Further-more, there was a correlation between individual CTQ subscales and OT plasma levels at admission, but this was contrary depending on gender. No further correla-tion between CTQ subscales and OT plasma levels parameters could be detected. It can be concluded that our results varied primarily depending on gender. The gender-specific roles of OT had already been observed in a few studies. The rea-sons for this are currently under discussion. For example, a different distribution of oxytocin receptors in certain brain regions in women and men, different binding be-havior of OT, or polymorphisms of the OT gene could represent various possibilities and explain the partly contradictory and inconsistent results. In addition, there is still the problem of finding a suitable measurement method and the question of whether peripherally measured OT can reflect central OT. However, in this context, it can be assumed that each measurement method represents a partial aspect of a complex OT system that is not yet fully understood. For this reason, further research is neces-sary.
| Dokumententyp: | Dissertationen (Dissertation, LMU München) |
|---|---|
| Themengebiete: | 600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften
600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin und Gesundheit |
| Fakultäten: | Medizinische Fakultät |
| Sprache der Hochschulschrift: | Deutsch |
| Datum der mündlichen Prüfung: | 29. Januar 2026 |
| 1. Berichterstatter:in: | Padberg, Frank |
| MD5 Prüfsumme der PDF-Datei: | 443a19e433010ed373a5465ec9b0202f |
| Signatur der gedruckten Ausgabe: | 0700/UMD 22679 |
| ID Code: | 36566 |
| Eingestellt am: | 04. Mar. 2026 10:58 |
| Letzte Änderungen: | 04. Mar. 2026 10:58 |