| Phan Chung, Hieu (2025): Inzidenz und Outcome von Patienten mit kardiogenem Schock und Nachweis von Herpes Simplex Virus in den unteren Atemwegen. Dissertation, LMU München: Medizinische Fakultät |
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Abstract
Der kardiogene Schock ist ein durch Herzversagen verursachter Zustand der Minderdurchblutung der Endorgane mit einer hohen intrahospitalen Sterblichkeit von ungefähr 50%. Dieser hat bekanntermaßen einen ungünstigen Einfluss auf das Imunsystem. Dies könnte eine HSV-Reaktivierung begünstigen. Der Zusammhang zwischen dem Vorkommen einer pulmonalen HSV-Reaktivierung und einem kardiogenen Schock bei invasiv beatmeten Patienten wurde bisher nicht erforscht. Die vorliegende Arbeit widmet sich diesem Zusammenhang. Hierbei wurden insgesamt 837 Patienten mit einer künstlichen Beatmung und einem kardiogenen Schock eingeschlossen. Von diesen wurden 181 Patienten im klinischen Alltag einer Bronchiallavage bei Anstieg der Entzündungszeichen unterzogen, wobei sich bei 44 Patienten (5,3%) eine pulmonale HSV-Reaktivierung mittels PCR nachweisen ließ. Im Schnitt betrug der Durchschnittszeitraum von Intubation bis nachgewiesener Reaktivierung von HSV 11 Tage. Ebenfalls hat sich herausgestellt, dass die Durchschnittskopienzahl pro ml 32,5 Millionen betrug. Zudem konnte ein Anstieg des C-reaktiven Proteins und der Fraktion des eingeatmeten Sauerstoffs (FiO2) innerhalb des HSV-Nachweiszeitraumes beobachtet werden. Ein arterieller Bluthochdruck, das bei der Aufnahme auf der Intensivstation gemessene Bilirubin, die Dauer der mechanischen Beatmung und der präklinische Herzstillstand wurden bei der multivariaten Analyse als unabhängige Risikofaktoren für die HSV-Reaktivierung bei Patienten mit einem kardiogenen Schock und einer künstlichen Beatmung identifiziert. Es wurde jedoch keine erhöhte Sterblichkeit innerhalb der ersten 30 Tage (30-Tages-Mortalität) bei Patienten mit pulmonaler HSV-Reaktivierung (22,7%) gegenüber Patienten ohne HSV nachgewiesen (50%). Ein großer Selektionsfehler in Richtung einer längeren Beatmungs- und Aufenthaltsdauer sowie einer erniedrigten Mortalität könnte bei diesen Beobachtungen allerdings eine Rolle spielen, da Patienten, die früh versterben, keine HSV Reaktivierung mehr erleben können. Die Auswirkung einer antiviraler Therapie auf das Behandlungsergebnis der Patienten konnte hierbei nicht erforscht werden, da die Mehrheit der Patienten, bei denen eine pulmonale HSV-Reaktivierung zustande kam, eine Therapie mit Aci- clovir erhalten haben. Hierbei könnten insbesondere prospektive multizentrische Studien wichtige Erkenntnisse liefern. Diese werden allerdings realistischerweise nicht durchgeführt, sodass eine retrospektive, multizentrische Analyse hierbei sinnvoller erscheint, um die Daten der vorliegenden Arbeit zu erhärten. Nichtsdestotrotz war die Sterblichkeit der Patienten mit HSV-Reaktivierung gering, sodass ein Nachteil durch die Therapie eher unwahrscheinlich ist. Basierend auf den Ergebnissen dieser Studie sollte eine HSV-Reaktivierung bei längerfristig beatmeten Patienten mit einem kardiogenen Schock, einem Anstieg der Entzündungsparameter sowie der FiO2 ab der 2. Behandlungswoche in Betracht gezogen und therapiert werden.
| Dokumententyp: | Dissertationen (Dissertation, LMU München) |
|---|---|
| Themengebiete: | 600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften
600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin und Gesundheit |
| Fakultäten: | Medizinische Fakultät |
| Sprache der Hochschulschrift: | Deutsch |
| Datum der mündlichen Prüfung: | 24. Oktober 2025 |
| 1. Berichterstatter:in: | Orban, Martin |
| MD5 Prüfsumme der PDF-Datei: | 365caf9a39567b77a7cf2b5df587ed86 |
| Signatur der gedruckten Ausgabe: | 0700/UMD 22632 |
| ID Code: | 36170 |
| Eingestellt am: | 10. Feb. 2026 14:39 |
| Letzte Änderungen: | 10. Feb. 2026 14:40 |