| Stadelmeier, Leo Federico (2025): Einflussfaktoren auf die Auswahl des behandelnden Arztes und auf die Arzt-Patienten-Beziehung bei urologischen Patienten. Dissertation, LMU München: Medizinische Fakultät |
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Abstract
Eine alternde Bevölkerung, mit einer steigenden Inzidenz urologischer Erkrankungen wird in den kommenden Jahren auf eine durch Alterung ausgedünnte Ärzteschaft treffen [22, 23, 25-27]. Um weiterhin eine hohe Behandlungsqualität zu gewährleisten und hohe Patientenzufriedenheit zu erzielen, müssen wir genau wissen, von welchen Faktoren diese abhängen. Ein positives Behandlungserlebnis auf Patientenseite ist unerlässlich für eine gute Arzt-Patienten-Beziehung, welche wiederum für Compliance und langfristige Therapiekonzepte unabdingbar ist [5, 6, 69]. Patienten wählen ihren Arzt nach zahlreichen, interindividuell differierenden Kriterien aus. Für die behandelnden Ärzte ist es wichtig, eine möglichst große Anzahl dieser Kriterien zu kennen und, sofern möglich, zu berücksichtigen, denn speziell in der Urologie ist eine gute Arzt-Patienten-Beziehung noch wichtiger als in vielen anderen Disziplinen. Noch heute werden eine Vielzahl zeitlich dringender Erkrankungen und Traumata aus dem urologischen Spektrum, die für die Betroffenen mit einem erheblichen Leidensdruck einhergehen, lieber schweigend in Kauf genommen, als sich zu einer Beratung und Therapie zu entscheiden, wobei die Gründe hierfür häufig Scham, Unwohlsein oder Furcht vor den Konsequenzen sind [4, 54, 56, 59, 60, 63]. Hier ist es unerlässlich, den Patienten das Gefühl zu vermitteln, dass sich ihrer Probleme ohne Stigmatisierung und unter Achtung und Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse angenommen wird. Im Rahmen unserer Studie erhoben wir von insgesamt 1002 Patienten anonymisierte Umfragebögen. In diesen wurden in zwölf Fragen sowohl vier interne Faktoren, die den Patienten kategorisierbar machten als auch acht externe Faktoren, die die individuellen Präferenzen abbildeten, erhoben. Frauen verhalten sich anders als Männer bei der Wahl ihres urologischen Behandlers. Sie geben der Empathie des Behandlers eine größere Gewichtung, auch wenn beide Geschlechter sich unter Berücksichtigung der Grunderkrankung ähnlich verhalten. Grundsätzlich sollte gerade bei schmerzhaften, als peinlich oder belastend empfundenen Erkrankungen eruiert werden, ob eine Geschlechtspräferenz bezüglich des Behandlers besteht. Speziell bei älteren Männern, die das Hauptkollektiv urologischer Patienten stellen, ist hier vermehrt darauf zu achten. Männer scheinen zudem stärker auf Onlinedienste zurückzugreifen. Junge Menschen nutzen bei der Arztwahl erwartungsgemäß mehr digitale Medien als ältere Patienten, der angestammte Arzt als Ansprechpartner bleibt jedoch geschlechts- und altersunabhängig der wichtigste Ratgeber bei der Wahl eines neuen Behandlers. Interessanterweise rückt die berufliche Qualifikation bei jungen Patienten als Kriterium bei der Arztsuche in den Hintergrund und weicht Qualitäten wie zum Beispiel der Empathie. Der Bildungshintergrund hat erheblichen Einfluss auf die Art und Weise, wie Patienten ihren Arzt aussuchen. Patienten, die studiert haben, sind gegenüber ihren unstudierten Vergleichspartnern häufiger finanziell besser situiert, haben höhere Ansprüche an den beruflichen Werdegang ihres Behandlers und klare Vorstellungen bezüglich Praxisform und -einrichtung. Auch privatversicherte und selbstzahlende Patienten haben sowohl im Hinblick auf den Leistungserbringer als auch die Umgebung höhere Ansprüche an die ihnen gegenüber erbrachte Gesundheitsdienstleistung. Gesetzlich krankenversicherte Patienten bevorzugen in ihrer Behandlung einen familiäreren Rahmen und verzichten dafür gerne auf erbrachte akademische Leistungen ihres Behandlers. Patienten aller Bildungshintergründe und Versicherungsarten assoziieren mit dem Professorentitel ein besonders hohes Maß an Fachkompetenz, diese Tendenz ist bei Akademikern und Privatversicherten besonders stark ausgeprägt. Der wichtigste Faktor in der Auswahl eines Behandlers ist für alle Patientengruppen die fachliche Kompetenz. Diese wird ohne weitere Kenntnis des Werdegangs besonders Trägern des akademischen Titels Professor und Dr. med. zugeschrieben. Die Ergebnisse der hier vorliegenden Arbeit konnten zeigen, dass neben ökonomischen Faktoren der Bildungshintergrund, das Alter und das Geschlecht eines Patienten großen Einfluss darauf haben, welchem Behandler und in welchem Rahmen er sich diesem gerne anvertrauen möchte. Fachliche Kompetenz, akademische Leistungen und Empathie eines Urologen werden jedoch mit großem Vertrauen und Treue des Patienten belohnt.
Abstract
In the coming years an aging population with an increasing incidence of urological diseases will encounter a medical workforce that is thinning due to equal aging [22, 23, 25-27]. To ensure a high quality of treatment and patient satisfaction, it is crucial to understand the factors on which these depend. A positive treatment experience on the patient's side is essential for a good doctor-patient relationship, which is indispensable for compliance and long-term treatment concepts [5, 6, 69]. Patients choose their doctor based on various individual criteria. For treating physicians, it is important to know and, if possible, consider as many of these criteria as possible, especially in urology, where a good doctor-patient relationship is even more critical than in many other disciplines. Even today, a variety of urgent urological conditions and traumas, which are associated with significant suffering for those affected, are preferred to be silently endured rather than seeking advice and treatment because of shame, discomfort, or fear of the consequences [4, 54, 56, 59, 60, 63]. It is essential to make patients feel that their problems are accepted without stigmatization and with respect and consideration for their needs. For our study we gathered anonymized data from 1002 patients from our outpatient office. The survey tested for twelve different items thereof four internal factors categorizing the patient and eight items representing the individual preferences in choice of urologist. Women behave differently than men in choosing their urologist. They place greater emphasis on the physician's empathy, even though both genders behave similarly when the underlying condition is taken into account. In cases of painful, embarrassing, or distressing conditions, it should be explored whether there is a gender preference by the patient, especially among older men, who constitute the main group of urological patients. Men also appear to rely more on online services. Young people understandably use more digital media in choosing a doctor than older patients, but the established doctor as a point of contact remains the most important advisor in choosing a new healthcare provider, regardless of gender and age. Interestingly, professional qualifications are less important for younger patients when selecting a doctor, while qualities such as empathy come to the fore. Educational background significantly influences the way patients choose their doctor. Patients with higher education are often financially better situated, have higher expectations regarding their doctor's professional background, and clear preferences regarding the practice's form and facilities. Private and self-paying patients have higher expectations regarding the healthcare service provided, both in terms of the service provider and the environment. Statutorily insured patients prefer a more familiar setting and are willing to forgo their doctor's academic achievements. Patients of all educational backgrounds and insurance modalities associate a high degree of competence with the academic title „Professor“. This tendency is most expressed in patients who have an academic background or private health insurance. The most important factor in choosing a healthcare provider for all patient groups is their professional competence. This is attributed without further knowledge of their career path, particularly to individuals with the academic titles of Professor and Dr. med. The results of this study have shown that, in addition to economic factors, a patient's educational background, age, and gender have a significant influence on which healthcare provider they prefer and in what setting they are willing to entrust themselves. Professional competence, academic achievements and the empathy of a urologist are rewarded with patient trust and loyalty.
| Dokumententyp: | Dissertationen (Dissertation, LMU München) |
|---|---|
| Keywords: | Arzt-Patienten-Beziehung, Urologie |
| Themengebiete: | 600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften
600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin und Gesundheit |
| Fakultäten: | Medizinische Fakultät |
| Sprache der Hochschulschrift: | Deutsch |
| Datum der mündlichen Prüfung: | 12. März 2025 |
| 1. Berichterstatter:in: | Buchner, Alexander |
| MD5 Prüfsumme der PDF-Datei: | 3cc019363202746c23bccc0275c6f117 |
| Signatur der gedruckten Ausgabe: | 0700/UMD 22699 |
| ID Code: | 35029 |
| Eingestellt am: | 16. Mar. 2026 09:51 |
| Letzte Änderungen: | 16. Mar. 2026 09:51 |