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Katheterinterventionelle Behandlung der akuten und chronischen Becken-/Beinvenenthrombose
Katheterinterventionelle Behandlung der akuten und chronischen Becken-/Beinvenenthrombose
Die therapeutische Antikoagulation ist bei einer Becken-/Beinvenenthrombose sowohl in den nationalen als auch in den internationalen Leitlinien weiterhin der Goldstandard. In Anbetracht des Risikos für das PTS im Verlauf und des technischen Fortschritts bei den endovaskulären Kathetertechniken rückten in der Vergangenheit interventionelle Therapieverfahren wie die kathetergesteuerten Thrombolyse, Thrombektomie und Stentimplantation in den Vordergrund. Das Ziel ist, das Risiko eines PTS durch die Senkung der Thrombuslast und die Wiederherstellung des venösen Abstroms zu minimieren. Randomisierte, kontrollierte Studien haben diesen Nach-weis bislang nicht erbringen können. Aufgrund des, mit dem Eingriff assoziierten, Blutungsrisikos und des unklaren Stellenwertes des Therapieverfahrens wurden bisher sowohl in den nationalen als auch internationalen Leitlinien keine klaren Empfehlungen für die interventionelle Therapie ausgesprochen. Die interventionelle Therapie wird heute daher selten und nur in bestimmten Zentren durchgeführt. Vor diesem Hintergrund haben wir in der Sektion Angiologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV an der Uniklinik München die Ergebnisse der katheterinterventionellen Behandlung der akuten und chronischen Becken-/Beinvenenthrombose im Zeitraum von 2013 bis 2016 sowie den Verlauf nach der Intervention in einer retrospektiven Untersuchung analysiert. Es wurden insgesamt 27 konsekutive Patienten mit einem Durchschnittsalter von 34 Jahren (14 - 78 Jahre) mit 23 akuten sowie vier chronischen Becken-/Beinvenenthrombosen in die Untersuchung eingeschlossen. Präinterventionell waren am häufigsten die Iliakalvenen, gefolgt von der VFC sowie die femoropopliteale Strombahn, thrombosiert. Zielsegmente für die Rekanalisation waren primär die Beckenvenen. Am häufigsten wurde eine katheterinterventionelle Thrombolyse mittels EKOS-Systems (81,5%) sowie eine PTA mit anschließender Stentimplantation (81,5%) durchgeführt. Im Rahmen des stationären Verlaufs betrug die primäre Offenheitsrate 70,4% und die sekundäre Offenheitsrate 81,5%. Blutungskomplikationen traten bei drei Patienten (11%) auf. Im Rahmen des Follow-Up nach im Mittel 37,8 (±18,2) Monaten kam es bei drei Patienten zu Reverschlüssen im Bereich der intervenierten Venensegmente. Bei einem der drei Patienten waren zwei Reeingriffe notwendig, sodass insgesamt vier Reeingriffe bei den drei Patienten während der Follow-Up-Phase durchgeführt wurden. Der im Follow-Up bestimmte Villalta-Score, als Maß für den Schweregrad eines PTS, lag bei den intervenierten Extremitäten signifikant höher als bei den nicht-intervenierten Extremitäten (p=0,031). Im Rahmen der Follow-Up Untersuchungen ließ sich kein Zusammenhang zwischen klinischem Befund (PTS, Villalta-Score), der Morphologie der venösen Strombahn (Duplexsonographie) und der venösen Hämodynamik (VVP) nachweisen. In der Nachbeobachtung zeigte die allgemeine gesundheitsbezogene Lebensqualität im Vergleich zu einem Standardkollektiv aus der Normalbevölkerung keinen signifikanten Unterschied bzgl. der körperlichen Funktion (KSK). Im Vergleich zu einem Standardkollektiv von TVT-Patienten lag der mittlere KSK-Wert unseres Patientenkollektivs signifikant höher (p-Wert= 0,01). Patienten mit akuter iliofemoraler Thrombose auf dem Hintergrund einer Azygoskontinuation sowie Patienten mit chronischen iliofemoralen venösen Verschlüssen stellen besondere Situationen dar. Im ersten Fall ist eine höheren Rethrombosierungsrate bei eingeschränktem, zentralem venösem Abfluss in die Überlegungen zur Indikationsstellung einzubeziehen. Im zweiten Fall steht nicht die Thrombolyse, sondern die PTA und Stentimplantation technisch im Vordergrund. Aufgrund der aktuell widersprüchlichen bzw. unvollständigen Datenlage und der weiterhin zurückhaltenden Empfehlungen der nationalen und internationalen Leitlinien bleibt der Stellenwert des interventionellen Therapieverfahrens bei der akuten und chronischen Becken-/Beinvenenthrombose weiterhin unklar. Daher sollte vor der Indikationsstellung einer interventionellen Therapie stets eine Nutzen-Risiko-Analyse eines jeden Patienten individuell erfolgen.
Katheterinterventionelle Behandlung, akute und chronische TVT, CDT, Azygoskontinuität
Saber, Fatima
2024
Deutsch
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Saber, Fatima (2024): Katheterinterventionelle Behandlung der akuten und chronischen Becken-/Beinvenenthrombose. Dissertation, LMU München: Medizinische Fakultät
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Abstract

Die therapeutische Antikoagulation ist bei einer Becken-/Beinvenenthrombose sowohl in den nationalen als auch in den internationalen Leitlinien weiterhin der Goldstandard. In Anbetracht des Risikos für das PTS im Verlauf und des technischen Fortschritts bei den endovaskulären Kathetertechniken rückten in der Vergangenheit interventionelle Therapieverfahren wie die kathetergesteuerten Thrombolyse, Thrombektomie und Stentimplantation in den Vordergrund. Das Ziel ist, das Risiko eines PTS durch die Senkung der Thrombuslast und die Wiederherstellung des venösen Abstroms zu minimieren. Randomisierte, kontrollierte Studien haben diesen Nach-weis bislang nicht erbringen können. Aufgrund des, mit dem Eingriff assoziierten, Blutungsrisikos und des unklaren Stellenwertes des Therapieverfahrens wurden bisher sowohl in den nationalen als auch internationalen Leitlinien keine klaren Empfehlungen für die interventionelle Therapie ausgesprochen. Die interventionelle Therapie wird heute daher selten und nur in bestimmten Zentren durchgeführt. Vor diesem Hintergrund haben wir in der Sektion Angiologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV an der Uniklinik München die Ergebnisse der katheterinterventionellen Behandlung der akuten und chronischen Becken-/Beinvenenthrombose im Zeitraum von 2013 bis 2016 sowie den Verlauf nach der Intervention in einer retrospektiven Untersuchung analysiert. Es wurden insgesamt 27 konsekutive Patienten mit einem Durchschnittsalter von 34 Jahren (14 - 78 Jahre) mit 23 akuten sowie vier chronischen Becken-/Beinvenenthrombosen in die Untersuchung eingeschlossen. Präinterventionell waren am häufigsten die Iliakalvenen, gefolgt von der VFC sowie die femoropopliteale Strombahn, thrombosiert. Zielsegmente für die Rekanalisation waren primär die Beckenvenen. Am häufigsten wurde eine katheterinterventionelle Thrombolyse mittels EKOS-Systems (81,5%) sowie eine PTA mit anschließender Stentimplantation (81,5%) durchgeführt. Im Rahmen des stationären Verlaufs betrug die primäre Offenheitsrate 70,4% und die sekundäre Offenheitsrate 81,5%. Blutungskomplikationen traten bei drei Patienten (11%) auf. Im Rahmen des Follow-Up nach im Mittel 37,8 (±18,2) Monaten kam es bei drei Patienten zu Reverschlüssen im Bereich der intervenierten Venensegmente. Bei einem der drei Patienten waren zwei Reeingriffe notwendig, sodass insgesamt vier Reeingriffe bei den drei Patienten während der Follow-Up-Phase durchgeführt wurden. Der im Follow-Up bestimmte Villalta-Score, als Maß für den Schweregrad eines PTS, lag bei den intervenierten Extremitäten signifikant höher als bei den nicht-intervenierten Extremitäten (p=0,031). Im Rahmen der Follow-Up Untersuchungen ließ sich kein Zusammenhang zwischen klinischem Befund (PTS, Villalta-Score), der Morphologie der venösen Strombahn (Duplexsonographie) und der venösen Hämodynamik (VVP) nachweisen. In der Nachbeobachtung zeigte die allgemeine gesundheitsbezogene Lebensqualität im Vergleich zu einem Standardkollektiv aus der Normalbevölkerung keinen signifikanten Unterschied bzgl. der körperlichen Funktion (KSK). Im Vergleich zu einem Standardkollektiv von TVT-Patienten lag der mittlere KSK-Wert unseres Patientenkollektivs signifikant höher (p-Wert= 0,01). Patienten mit akuter iliofemoraler Thrombose auf dem Hintergrund einer Azygoskontinuation sowie Patienten mit chronischen iliofemoralen venösen Verschlüssen stellen besondere Situationen dar. Im ersten Fall ist eine höheren Rethrombosierungsrate bei eingeschränktem, zentralem venösem Abfluss in die Überlegungen zur Indikationsstellung einzubeziehen. Im zweiten Fall steht nicht die Thrombolyse, sondern die PTA und Stentimplantation technisch im Vordergrund. Aufgrund der aktuell widersprüchlichen bzw. unvollständigen Datenlage und der weiterhin zurückhaltenden Empfehlungen der nationalen und internationalen Leitlinien bleibt der Stellenwert des interventionellen Therapieverfahrens bei der akuten und chronischen Becken-/Beinvenenthrombose weiterhin unklar. Daher sollte vor der Indikationsstellung einer interventionellen Therapie stets eine Nutzen-Risiko-Analyse eines jeden Patienten individuell erfolgen.