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Cinemeducation: eine Mixed-Methods-Studie über das Lernen durch reflektierendes Denken, Perspektivenübernahme und emotionale Narrative
Cinemeducation: eine Mixed-Methods-Studie über das Lernen durch reflektierendes Denken, Perspektivenübernahme und emotionale Narrative
Hintergrund Cinemeducation ist eine Lehrmethodik, die mithilfe von Filmen oder Filmausschnitten und einer anschließenden Diskussion der Teilnehmenden mit Expert:innen und Betroffenen medizinische Themen aufbereitet. Das M23-Kino an der Medizinischen Fakultät der LMU München ist eine solche, sehr umfassende, Cinemeducation-Lehrveranstaltung, bei der bis zum Zeitpunkt der Dissertation nicht klar war, wie das Lernen in dieser eigentlich stattfindet. Methodik Mittels einer fokussierten Literaturrecherche, der Forschungsergebnisse und Diskussionen zwischen den Autor:innen wurde ein konzeptuelles Framework des M23-Kinos entwickelt. Für die Mixed Methods Studie wurde ein Exploratory Sequential Design verwendet, bei dem die erste Auswertung der qualitativen Daten die quantitative Methodik informierte. Für die qualitative Methodik wurden drei Fokusgruppen, ein Gruppeninterview, vier Ex-pert:inneninterviews und ein narratives Interview durchgeführt, die anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse analysiert wurden. Für die quantitative Methodik wurde ein Fragebogen mit Likert-Skalen über den zeitlichen Verlauf des Lernens sowie über die beiden Lernmethodi-ken „Reflektierendes Denken“ und „Perspektivenübernahme“ entwickelt und deskriptiv aus-gewertet. Im Anschluss wurden über das ‚Following a thread‘-Protokoll die qualitativen mit den quantitativen Daten in Joint Displays integriert. Ergebnisse Insgesamt wurden im Rahmen der qualitativen Datenerhebung 28 Personen interviewt und 503 Personen füllten den Fragebögen an sieben M23-Kinoabenden im Sommersemester 2017 und im Wintersemester 2017/2018 aus. Die Teilnehmenden lassen sich grob in drei Gruppen einteilen: Medizinstudierende, Studierende bzw. Auszubildende anderer Gesund-heitsfächer sowie Studierende von nicht-medizinischen Fächern. Die Gründe für eine Teilnahme am M23-Kino sind laut des Fragebogens ein Interesse am Film, dem Thema und der Diskussion, ein gemeinsamer Abend mit Freund:innen sowie der Wunsch den eigenen Horizont durch den Kinoabend zu erweitern. Hierbei zeigte sich, dass die Diskussion und das Thema für diejenigen, die bereits mehrfach am M23-Kino teilge-nommen hatten, als Grund für die Teilnahme wichtiger war als der Film. Das M23-Kino lässt sich in fünf Phasen einteilen. Insbesondere die Filmvorführung, die Publikumsdiskussion und der Austausch mit anderen Studierenden nach dem Kinoabend scheinen eine wichtige Rolle beim Lernprozess zu spielen. Das Lernen findet überwiegend durch reflektierendes Denken, Perspektivenübernahme und die Verknüpfung von Wissen mit emotionalen Narrativen statt. Die Teilnahme am M23-Kino ermöglicht es Studierenden, die eigenen Einstellungen oder Meinungen zu hinterfragen, neues Wissen zu erlernen, Empathie zu erleben und eine Of-fenheit gegenüber einem Arbeiten im interprofessionellen Team zu entwickeln. Ein indirekter Nutzen aus der Teilnahme ließ sich dadurch erkennen, dass sich der Großteil der Teilnehmenden im alltäglichen Leben, in der Klinik oder einer universitären Veranstal-tung an einen Kinoabend zurückerinnerten. Schlussfolgerungen Die durchgeführte Studie und die Daten in den beiden Publikationen deuten darauf hin, dass das M23-Kino als umfangreiches Beispiel für Cinemeducation herangezogen werden kann. Es wurde gezeigt, dass in dem Cinemeducation-Kurs durch reflektierendes Denken, Perspektivenübernahme und emotionale Narrative gelernt wird. Das Lernen findet während des Filmscreenings, der Publikumsdiskussion, aber auch in den anschließenden Peerdis-kussionen nach der Veranstaltung statt. Die Teilnehmenden befassen sich thematisch um-fassend nach dem biopsychosozialen Modell mit unterschiedlichen medizinischen und ge-sellschaftlich relevanten Themen. Cinemeducation als Lehrmethodik scheint sich beson-ders für transformatives Lernen zu eignen, durch das Studierende zu kritischen Gesund-heitsfachkräften ausgebildet werden., Background Cinemeducation is a teaching methodology that uses films or film excerpts and a subse-quent discussion between the participants and experts and those affected by present me-dical topics. The M23 Cinema at the Medical Faculty of the LMU Munich is such a highly comprehensive cinemeducation course, for which it was not clear until the time of the disser-tation how learning actually takes place. Methods Through a focused literature search, research findings, and discussions among the authors, a conceptual framework of the M23 Cinema was developed. For the mixed methods study, an exploratory sequential design was used, in which the initial analysis of the qualitative data supported the quantitative methodology. For the qualitative methodology, three focus groups, one group interview, four expert interviews and one narrative interview were con-ducted and analysed using qualitative content analysis. For the quantitative methodology, a questionnaire with Likert scales on learning over time and the two learning methodologies of reflective thinking and perspective taking was developed and descriptively analysed. Sub-sequently, the qualitative data was integrated with the quantitative data in joint displays via the 'following a thread' protocol. Results A total of 28 people were interviewed as part of the qualitative data collection and 503 people completed the questionnaire on seven M23 Cinema evenings in the summer semes-ter 2017 and winter semester 2017/2018. The participants can be roughly divided into three groups: Medical students, students or apprentices of other health disciplines, and students of non-medical disciplines. According to the questionnaire, the reasons for attending the M23 Cinema are an interest in the film, the topic and the discussion, an evening together with friends and the desire to broaden one’s horizon through the cinema evening. The questionnaire showed that the discussion and the topic were more important than the film for those who had already partic-ipated in the M23 Cinema several times. The M23 Cinema can be divided into five phases. In particular, the film screening, the audi-ence discussion, and the exchange with other students after the cinema evening seem to play an important role in the learning process. Learning takes place predominantly through reflective thinking, perspective taking and the linking of knowledge with emotional narra-tives. Participation in the M23 Cinema enables students to question their attitudes or opinions, gain new knowledge, experience empathy and develop an openness towards working in an interprofessional team. An indirect benefit of the participation could be seen in the fact that most participants re-called a cinema evening in their everyday life, in the clinic or at a university event. Conclusion The study conducted and the data in the two publications indicate that the M23 Cinema can be used as a comprehensive example of cinemeducation. It was shown that in the cinemeducation course learning takes place through reflective thinking, perspective taking and emotional narratives. Learning takes place during the film screening, the audience dis-cussion, but also the subsequent peer discussions after the course. The participants deal comprehensively with different medical and socially relevant topics according to the biopsy-chosocial model. Cinemeducation as a teaching methodology seems to be particularly suitable for transformative learning, through which students are trained to become critical health professionals.
Cinemeducation, Medical Humanities, reflektierendes Denken, Perspektivenübernahme, emotionale Narrative
Rüb, Mike
2024
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Rüb, Mike (2024): Cinemeducation: eine Mixed-Methods-Studie über das Lernen durch reflektierendes Denken, Perspektivenübernahme und emotionale Narrative. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Hintergrund Cinemeducation ist eine Lehrmethodik, die mithilfe von Filmen oder Filmausschnitten und einer anschließenden Diskussion der Teilnehmenden mit Expert:innen und Betroffenen medizinische Themen aufbereitet. Das M23-Kino an der Medizinischen Fakultät der LMU München ist eine solche, sehr umfassende, Cinemeducation-Lehrveranstaltung, bei der bis zum Zeitpunkt der Dissertation nicht klar war, wie das Lernen in dieser eigentlich stattfindet. Methodik Mittels einer fokussierten Literaturrecherche, der Forschungsergebnisse und Diskussionen zwischen den Autor:innen wurde ein konzeptuelles Framework des M23-Kinos entwickelt. Für die Mixed Methods Studie wurde ein Exploratory Sequential Design verwendet, bei dem die erste Auswertung der qualitativen Daten die quantitative Methodik informierte. Für die qualitative Methodik wurden drei Fokusgruppen, ein Gruppeninterview, vier Ex-pert:inneninterviews und ein narratives Interview durchgeführt, die anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse analysiert wurden. Für die quantitative Methodik wurde ein Fragebogen mit Likert-Skalen über den zeitlichen Verlauf des Lernens sowie über die beiden Lernmethodi-ken „Reflektierendes Denken“ und „Perspektivenübernahme“ entwickelt und deskriptiv aus-gewertet. Im Anschluss wurden über das ‚Following a thread‘-Protokoll die qualitativen mit den quantitativen Daten in Joint Displays integriert. Ergebnisse Insgesamt wurden im Rahmen der qualitativen Datenerhebung 28 Personen interviewt und 503 Personen füllten den Fragebögen an sieben M23-Kinoabenden im Sommersemester 2017 und im Wintersemester 2017/2018 aus. Die Teilnehmenden lassen sich grob in drei Gruppen einteilen: Medizinstudierende, Studierende bzw. Auszubildende anderer Gesund-heitsfächer sowie Studierende von nicht-medizinischen Fächern. Die Gründe für eine Teilnahme am M23-Kino sind laut des Fragebogens ein Interesse am Film, dem Thema und der Diskussion, ein gemeinsamer Abend mit Freund:innen sowie der Wunsch den eigenen Horizont durch den Kinoabend zu erweitern. Hierbei zeigte sich, dass die Diskussion und das Thema für diejenigen, die bereits mehrfach am M23-Kino teilge-nommen hatten, als Grund für die Teilnahme wichtiger war als der Film. Das M23-Kino lässt sich in fünf Phasen einteilen. Insbesondere die Filmvorführung, die Publikumsdiskussion und der Austausch mit anderen Studierenden nach dem Kinoabend scheinen eine wichtige Rolle beim Lernprozess zu spielen. Das Lernen findet überwiegend durch reflektierendes Denken, Perspektivenübernahme und die Verknüpfung von Wissen mit emotionalen Narrativen statt. Die Teilnahme am M23-Kino ermöglicht es Studierenden, die eigenen Einstellungen oder Meinungen zu hinterfragen, neues Wissen zu erlernen, Empathie zu erleben und eine Of-fenheit gegenüber einem Arbeiten im interprofessionellen Team zu entwickeln. Ein indirekter Nutzen aus der Teilnahme ließ sich dadurch erkennen, dass sich der Großteil der Teilnehmenden im alltäglichen Leben, in der Klinik oder einer universitären Veranstal-tung an einen Kinoabend zurückerinnerten. Schlussfolgerungen Die durchgeführte Studie und die Daten in den beiden Publikationen deuten darauf hin, dass das M23-Kino als umfangreiches Beispiel für Cinemeducation herangezogen werden kann. Es wurde gezeigt, dass in dem Cinemeducation-Kurs durch reflektierendes Denken, Perspektivenübernahme und emotionale Narrative gelernt wird. Das Lernen findet während des Filmscreenings, der Publikumsdiskussion, aber auch in den anschließenden Peerdis-kussionen nach der Veranstaltung statt. Die Teilnehmenden befassen sich thematisch um-fassend nach dem biopsychosozialen Modell mit unterschiedlichen medizinischen und ge-sellschaftlich relevanten Themen. Cinemeducation als Lehrmethodik scheint sich beson-ders für transformatives Lernen zu eignen, durch das Studierende zu kritischen Gesund-heitsfachkräften ausgebildet werden.

Abstract

Background Cinemeducation is a teaching methodology that uses films or film excerpts and a subse-quent discussion between the participants and experts and those affected by present me-dical topics. The M23 Cinema at the Medical Faculty of the LMU Munich is such a highly comprehensive cinemeducation course, for which it was not clear until the time of the disser-tation how learning actually takes place. Methods Through a focused literature search, research findings, and discussions among the authors, a conceptual framework of the M23 Cinema was developed. For the mixed methods study, an exploratory sequential design was used, in which the initial analysis of the qualitative data supported the quantitative methodology. For the qualitative methodology, three focus groups, one group interview, four expert interviews and one narrative interview were con-ducted and analysed using qualitative content analysis. For the quantitative methodology, a questionnaire with Likert scales on learning over time and the two learning methodologies of reflective thinking and perspective taking was developed and descriptively analysed. Sub-sequently, the qualitative data was integrated with the quantitative data in joint displays via the 'following a thread' protocol. Results A total of 28 people were interviewed as part of the qualitative data collection and 503 people completed the questionnaire on seven M23 Cinema evenings in the summer semes-ter 2017 and winter semester 2017/2018. The participants can be roughly divided into three groups: Medical students, students or apprentices of other health disciplines, and students of non-medical disciplines. According to the questionnaire, the reasons for attending the M23 Cinema are an interest in the film, the topic and the discussion, an evening together with friends and the desire to broaden one’s horizon through the cinema evening. The questionnaire showed that the discussion and the topic were more important than the film for those who had already partic-ipated in the M23 Cinema several times. The M23 Cinema can be divided into five phases. In particular, the film screening, the audi-ence discussion, and the exchange with other students after the cinema evening seem to play an important role in the learning process. Learning takes place predominantly through reflective thinking, perspective taking and the linking of knowledge with emotional narra-tives. Participation in the M23 Cinema enables students to question their attitudes or opinions, gain new knowledge, experience empathy and develop an openness towards working in an interprofessional team. An indirect benefit of the participation could be seen in the fact that most participants re-called a cinema evening in their everyday life, in the clinic or at a university event. Conclusion The study conducted and the data in the two publications indicate that the M23 Cinema can be used as a comprehensive example of cinemeducation. It was shown that in the cinemeducation course learning takes place through reflective thinking, perspective taking and emotional narratives. Learning takes place during the film screening, the audience dis-cussion, but also the subsequent peer discussions after the course. The participants deal comprehensively with different medical and socially relevant topics according to the biopsy-chosocial model. Cinemeducation as a teaching methodology seems to be particularly suitable for transformative learning, through which students are trained to become critical health professionals.