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Risikoanalyse und Häufigkeitsbestimmung der HPV-Subtypen in Zellabstrichen und Gewebeproben von Hauttumoren bei immunsupprimierten Patienten
Risikoanalyse und Häufigkeitsbestimmung der HPV-Subtypen in Zellabstrichen und Gewebeproben von Hauttumoren bei immunsupprimierten Patienten
Humane Papillomaviren können eine Vielzahl von Erkrankungen verursachen. Bei persistierenden Infektionen mit onkogenen HPV-Typen kann es im anogenitalen Bereich zur Entwicklung von intraepithelialen Neoplasien unterschiedlichster Invasivitäten oder eines anogenitalen Karzinoms kommen. In 60–70 % der Fälle sind dafür die HPV-Typen 16 und 18 verantwortlich. Immunsuppressive Erkrankungen wie HIV begünstigen eine Erkrankung an HPV-Kontagion und erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer intraepithelialen Neoplasie (IN) oder eines anogenitalen Karzinoms um ein Vielfaches. So war das Ziel dieser Studie, aus einem Patientenkollektiv aus immungeschwächten HIV-positiven Probanden und nicht immunsupprimierten HIV-negativen Probanden das HPV-Infektionsmuster mit der Histologie von anogenitalen IN zu vergleichen. Dafür wurden Gewebeproben (n = 210) aus dem anogenitalen Bereich retrospektiv neu analysiert, auf die HPV-DNA-Prävalenz untersucht und den histologischen Befunden gegenübergestellt. Es konnte in dieser Studie bei Condylomata acuminata ein stark erhöhtes Auftreten von High-Risk-HPV-Subtypen bei HIV-infizierten im Vergleich zu HIV-negativen Gewebeproben nachgewiesen werden (15,4 % zu 47,5 %). Bei der Entität IN III konnte ebenso eine erhöhte Prävalenz bei den immunsupprimierten HIV-positiven Patienten bestimmt werden (20,5 % zu 53,0 %). Die Untersuchung der Häufigkeitsverteilung von HPV-Subtypen bei intraepithelialen Neoplasien unterschiedlicher Entitäten und Lokalisationen zeigte eine Zunahme der HPV-Prävalenz mit steigendem Invasivitätsgrad IN I zu IN III (41,9 % zu 86,7 %). Dabei konnte eine Abnahme von Low-Risk-HPV 6 von IN I zu IN III festgestellt werden (26,67 % zu 15,7 %), während eine Zunahme von High-Risk-HPV 16 und 18 beobachtet werden konnte (6,67 % zu 50,6 % und 0,0 % zu 7,2 %). Außerdem konnte gezeigt werden, dass die Entität Condylomata acuminata einen hohen Anteil an verschiedensten HPV-Subtypen enthält, unter denen sich in 29,5 % der Fälle auch Hoch-Risiko-Typen für dysplastische Gewebeveränderungen befinden. Dabei waren die drei am häufigsten vertretenen Hoch-Risiko-Subtypen 16 (13,6 %), 18 (6,8 %) und 39 (5,7 %). Die Studiendaten belegen, dass auch vermeintlich gutartige Tumore wie Condylomata acuminata onkogenes Potential besitzen und intraepitheliale Neoplasien als Vorläuferläsionen für anogenitale Karzinome angesehen werden können. Somit ist vor allem bei immunsupprimierten Patienten die Etablierung eines erfolgreichen Screening-Programms zur rechtzeitigen Erkennung und Behandlung von HPV-Infektionen anzustreben. Darüber hinaus bedarf es geeigneter Präventionsmaßnahmen zur Senkung der Prävalenz von HPV-Infektionen.
HPV-Subtypen, Hauttumore, low risk HPV-Typen, high risk HPV-Typen, HIV Patienten
Hundsdörfer, Bruno
2023
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Hundsdörfer, Bruno (2023): Risikoanalyse und Häufigkeitsbestimmung der HPV-Subtypen in Zellabstrichen und Gewebeproben von Hauttumoren bei immunsupprimierten Patienten. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Humane Papillomaviren können eine Vielzahl von Erkrankungen verursachen. Bei persistierenden Infektionen mit onkogenen HPV-Typen kann es im anogenitalen Bereich zur Entwicklung von intraepithelialen Neoplasien unterschiedlichster Invasivitäten oder eines anogenitalen Karzinoms kommen. In 60–70 % der Fälle sind dafür die HPV-Typen 16 und 18 verantwortlich. Immunsuppressive Erkrankungen wie HIV begünstigen eine Erkrankung an HPV-Kontagion und erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer intraepithelialen Neoplasie (IN) oder eines anogenitalen Karzinoms um ein Vielfaches. So war das Ziel dieser Studie, aus einem Patientenkollektiv aus immungeschwächten HIV-positiven Probanden und nicht immunsupprimierten HIV-negativen Probanden das HPV-Infektionsmuster mit der Histologie von anogenitalen IN zu vergleichen. Dafür wurden Gewebeproben (n = 210) aus dem anogenitalen Bereich retrospektiv neu analysiert, auf die HPV-DNA-Prävalenz untersucht und den histologischen Befunden gegenübergestellt. Es konnte in dieser Studie bei Condylomata acuminata ein stark erhöhtes Auftreten von High-Risk-HPV-Subtypen bei HIV-infizierten im Vergleich zu HIV-negativen Gewebeproben nachgewiesen werden (15,4 % zu 47,5 %). Bei der Entität IN III konnte ebenso eine erhöhte Prävalenz bei den immunsupprimierten HIV-positiven Patienten bestimmt werden (20,5 % zu 53,0 %). Die Untersuchung der Häufigkeitsverteilung von HPV-Subtypen bei intraepithelialen Neoplasien unterschiedlicher Entitäten und Lokalisationen zeigte eine Zunahme der HPV-Prävalenz mit steigendem Invasivitätsgrad IN I zu IN III (41,9 % zu 86,7 %). Dabei konnte eine Abnahme von Low-Risk-HPV 6 von IN I zu IN III festgestellt werden (26,67 % zu 15,7 %), während eine Zunahme von High-Risk-HPV 16 und 18 beobachtet werden konnte (6,67 % zu 50,6 % und 0,0 % zu 7,2 %). Außerdem konnte gezeigt werden, dass die Entität Condylomata acuminata einen hohen Anteil an verschiedensten HPV-Subtypen enthält, unter denen sich in 29,5 % der Fälle auch Hoch-Risiko-Typen für dysplastische Gewebeveränderungen befinden. Dabei waren die drei am häufigsten vertretenen Hoch-Risiko-Subtypen 16 (13,6 %), 18 (6,8 %) und 39 (5,7 %). Die Studiendaten belegen, dass auch vermeintlich gutartige Tumore wie Condylomata acuminata onkogenes Potential besitzen und intraepitheliale Neoplasien als Vorläuferläsionen für anogenitale Karzinome angesehen werden können. Somit ist vor allem bei immunsupprimierten Patienten die Etablierung eines erfolgreichen Screening-Programms zur rechtzeitigen Erkennung und Behandlung von HPV-Infektionen anzustreben. Darüber hinaus bedarf es geeigneter Präventionsmaßnahmen zur Senkung der Prävalenz von HPV-Infektionen.