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Expression und prognostische Bedeutung von Glycodelin beim Endometriumkarzinom
Expression und prognostische Bedeutung von Glycodelin beim Endometriumkarzinom
Das Wissen über immunsuppressive Faktoren bei der Pathogenese von Endometriumkarzi-nomen ist begrenzt. Glycodelin (Gd) ist ein Glykoprotein, welches in reproduktivem Gewe-bewie sekretorischem und dezidualisiertem Endometrium exprimiert wird. Es hat mehrere reproduktionsbezogene Funktionen, die von der spezifischen Glykosylierung abhängen. Es ist bekannt, dass Gd auch bei verschiedenen Tumorerkrankungen exprimiert wird. Das Ziel dieser Arbeit war es, die Expression von Gd und seine immunsuppressive Isoform Glycode-lin A (GdA) in Endometriumkarzinomgewebe zu untersuchen und die Auswirkungen auf klinische und pathologische Merkmale und das Überleben zu analysieren. Dafür wurde an Gewebeproben von 292 Patientinnen mit Endometriumkarzinom mittels Immunhistochemie die Gd und GdA-Proteinexpression bestimmt und In-situ-Hybridisierung zum Nachweis von Gd-mRNA durchgeführt. Es konnte gezeigt werden, dass die untersuchten Endometriumkarzinome in 72,8% eine mitt-lere (52,2%) oder hohe (20,6%) Expression von Gd zeigten und in 71,6% eine mittlere (62,6%), oder hohe (9,0%) Expression von GdA. Die glykosylierungsabhängige Färbung von GdA ist tumorspezifisch und korreliert mit der Gd-Färbung. Sie ist weder mit Östrogen-rezeptorstatus, Progesteronrezeptorstatus noch klinisch-pathologischen Merkmalen assozi-iert. Zusätzlich konnten wir mit Hilfe der In-situ-Hybridisierung zeigen, dass die Gd-Proteinexpression positiv mit der Gd-mRNA korreliert. Patientinnen mit Gd-positiver An-färbereaktion haben eine günstige Prognose (p = 0,039), während GdA-positive Patientinnen eine eher schlechte Prognose haben (p = 0,003). Die Cox-Regressionsanalyse zeigte, dass GdA neben dem Tumorstadium, dem Grading und der Begleitdiagnose Hypertonie ein un-abhängiger Prognosemarker für das Patientenüberleben ist (p = 0,002). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Gd und GdA häufig im Endometriumkarzinomge-webe exprimiert werden und für die Tumorgenese relevant zu sein scheinen. Sie unterschei-den sich nicht nur in der Glykosylierung, sondern auch in ihrer biologischen Aktivität, da nur GdA eine prognostische Bedeutung für ein schlechtes Gesamtüberleben bei Endometri-umkarzinompatientinnen hat. Dieser Befund kann durch die immunsuppressive Kapazität von GdA erklärt werden. Möglicherweise können durch die Bestimmmung der Glycodelin-expressionsmuster in Zukunft Endometriumkarzinompatientinnen für ein individualisiertes Therapieregime identifiziert werden.
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Auer, Isabel
2022
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Auer, Isabel (2022): Expression und prognostische Bedeutung von Glycodelin beim Endometriumkarzinom. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Das Wissen über immunsuppressive Faktoren bei der Pathogenese von Endometriumkarzi-nomen ist begrenzt. Glycodelin (Gd) ist ein Glykoprotein, welches in reproduktivem Gewe-bewie sekretorischem und dezidualisiertem Endometrium exprimiert wird. Es hat mehrere reproduktionsbezogene Funktionen, die von der spezifischen Glykosylierung abhängen. Es ist bekannt, dass Gd auch bei verschiedenen Tumorerkrankungen exprimiert wird. Das Ziel dieser Arbeit war es, die Expression von Gd und seine immunsuppressive Isoform Glycode-lin A (GdA) in Endometriumkarzinomgewebe zu untersuchen und die Auswirkungen auf klinische und pathologische Merkmale und das Überleben zu analysieren. Dafür wurde an Gewebeproben von 292 Patientinnen mit Endometriumkarzinom mittels Immunhistochemie die Gd und GdA-Proteinexpression bestimmt und In-situ-Hybridisierung zum Nachweis von Gd-mRNA durchgeführt. Es konnte gezeigt werden, dass die untersuchten Endometriumkarzinome in 72,8% eine mitt-lere (52,2%) oder hohe (20,6%) Expression von Gd zeigten und in 71,6% eine mittlere (62,6%), oder hohe (9,0%) Expression von GdA. Die glykosylierungsabhängige Färbung von GdA ist tumorspezifisch und korreliert mit der Gd-Färbung. Sie ist weder mit Östrogen-rezeptorstatus, Progesteronrezeptorstatus noch klinisch-pathologischen Merkmalen assozi-iert. Zusätzlich konnten wir mit Hilfe der In-situ-Hybridisierung zeigen, dass die Gd-Proteinexpression positiv mit der Gd-mRNA korreliert. Patientinnen mit Gd-positiver An-färbereaktion haben eine günstige Prognose (p = 0,039), während GdA-positive Patientinnen eine eher schlechte Prognose haben (p = 0,003). Die Cox-Regressionsanalyse zeigte, dass GdA neben dem Tumorstadium, dem Grading und der Begleitdiagnose Hypertonie ein un-abhängiger Prognosemarker für das Patientenüberleben ist (p = 0,002). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Gd und GdA häufig im Endometriumkarzinomge-webe exprimiert werden und für die Tumorgenese relevant zu sein scheinen. Sie unterschei-den sich nicht nur in der Glykosylierung, sondern auch in ihrer biologischen Aktivität, da nur GdA eine prognostische Bedeutung für ein schlechtes Gesamtüberleben bei Endometri-umkarzinompatientinnen hat. Dieser Befund kann durch die immunsuppressive Kapazität von GdA erklärt werden. Möglicherweise können durch die Bestimmmung der Glycodelin-expressionsmuster in Zukunft Endometriumkarzinompatientinnen für ein individualisiertes Therapieregime identifiziert werden.