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Auswirkungen Partizipatorischer Entscheidungsfindung auf die Impfraten von Erwachsenen in der ambulanten Versorgung. systematischer Review und Metaanalyse
Auswirkungen Partizipatorischer Entscheidungsfindung auf die Impfraten von Erwachsenen in der ambulanten Versorgung. systematischer Review und Metaanalyse
Hintergrund Partizipatorische Entscheidungsfindung (PEF) in der klinischen Praxis gilt als ein patienten-zentrierter Ansatz, der den Patienten in alle Stadien der Entscheidungsfindung miteinbezieht. PEF stellt einen vielversprechenden Ansatz bei Impfentscheidungen dar, da durch Patientenedukation und die persönliche Interaktion von Patient*in und medizinischem Fachpersonal (MFP) zugleich verbreitete Impfbarrieren adressiert werden. Wünschenswerte Effekte der Anwendung von PEF wurden bereits in anderen präventiven, diagnostischen oder kurativen Bereichen gezeigt, beispielsweise eine verbesserte Adhärenz, mehr Wissen und weniger Entscheidungsunsicherheit der Patienten, sowie ein erhöhtes Vertrauen in den Arzt. In der vorliegenden Arbeit beinhaltet ein partizipatorischer Entscheidungsfindungsprozess (PEF Prozess) folgende Aspekte: Patientenaktivierung, zweiseitiger Informationsaustausch und gemeinsames Abwägen der Optionen. Fragestellung Ziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen von PEF Prozessen auf die Impfraten zu untersuchen und das Ausmaß der PEF Prozesse in verschiedenen Interventionen (oder sogar „Interventionstypen“) zu beschreiben. Methoden Wir führten eine systematische Literatursuche in den Datenbanken MEDLINE, CENTRAL, EMBASE, ERIC und PsycINFO durch. Randomisiert kontrollierte Studien (RCTs) und Cluster-randomisiert kontrollierte Studien (Cluster RCTs), die auf eine Impfratensteigerung bei Erwachsenen im ambulanten Setting abzielten, wurden eingeschlossen, insofern Hinweise auf eine persönliche Interaktion gegeben waren. Es erfolgte eine narrative Datensynthese bezüglich der berichteten Impfraten und der erhobenen Ausmaße des PEF Prozesses in den Interventionen. Für Studien, die sich der Influenzaimpfung widmeten, führten wir außerdem eine quantitative Datensynthese (Metaanalyse) durch. Das Ausmaß des PEF Prozesses in den Interventionen und weitere mögliche Effektmodulatoren bezüglich der Impfraten wurden in Subgruppenanalysen untersucht. Das Protokoll wurde im Vorfeld bei PROSPERO veröffentlicht (CRD42020175555). Ergebnisse Wir identifizierten 26 Studien, die vorwiegend auf die Steigerung von Influenza- und Pneumokokkenimpfungen abzielten. Interventionen beinhalteten unter anderem persönliche Treffen oder Telefoninterventionen für den Patienten, oder Schulungen für MFP und konnten das zur Verfügung stellen von zusätzlichem Informationsmaterial beinhalten. Die Impfraten zeigten sich in 17 der eingeschlossenen Studien signifikant erhöht im Vergleich zur Kontrollgruppe. Für die Metaanalyse waren 15 Studien geeignet, deren gepoolter Effekt auf die Influenzaimpfrate OR (95 % KI): 1.96 (1.31–2.95) betrug. Während alle Studien eine Art der Patientenaktivierung implementierten, wurden nur in 14 der 26 Studien alle drei Kriterien eines PEF Prozesses erfüllt. Patientenzufriedenheit, Entscheidungsunsicherheit, Wissen oder Lebensqualität der Patienten wurden kaum in den Studien adressiert. Die Subgruppenanalysen zeigten höhere gepoolte Effektgrößen für Interventionen mit vollständigem PEF Prozess, verglichen mit Interventionen, die nur die Patientenaktivierung implementierten. Außerdem schienen Interventionen, in denen eine 2-stufige Interaktion (durch verschiedenes MFP) stattfand, Interventionen durch einzelnes MFP hinsichtlich der Effekte auf die Impfraten überlegen zu sein. Schlussfolgerungen PEF stellt einen effektiven Ansatz zur Steigerung der Impfraten dar. Trotz beachtlicher Heterogenität der eingeschlossenen Studien ist von einem positiven Effekt auf die Impfraten über verschiedene Impfungen und Patientengruppen hinweg auszugehen. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die alleinige Patientenaktivierung möglicherweise nicht ausreicht, um die Impfraten wesentlich zu steigern. Eine Aufteilung von Verantwortlichkeiten unter MFP, um PEF zu ermöglichen, scheint vielversprechend hinsichtlich der Effekte auf die Impfraten, sowie der Durchführbarkeit in der klinischen Praxis. Weitere Forschung könnte durch Verwendung standardisierter (validierter) Messmethoden für PEF dazu beitragen, die Perspektiven des MFP und des Patienten abzubilden und die Effektivität einzelner Aspekte von PEF auf die Impfraten zu untersuchen., Background Shared decision making (SDM) is a patient-centred approach in clinical practice that involves the patient in all stages of decision making. SDM represents a promising approach to vaccination decisions, since patient education and personal interaction between patient and health care providers address common vaccination barriers at the same time. Desirable effects of SDM have already been shown in other preventive, diagnostic or curative areas, such as improved adherence, better knowledge and less decision uncertainty of patients, as well as increased confidence in the physician. In the present work, a shared decision making process (SDM process) includes the following aspects: patient activation, bidirectional exchange of information and bidirectional deliberation of options. Objective The aim of the present work is to assess the impact of SDM processes on vaccination rates, and to describe the extent of SDM processes in different interventions (or even "intervention types"). Methods We conducted a systematic literature search in the databases MEDLINE, CENTRAL, EMBASE, ERIC and PsycINFO. Randomised controlled trials (RCTs) and cluster-randomised controlled trials (cluster RCTs) aiming at increasing vaccination rates in adults in the outpatient setting were included if there were indications for personal interaction between patient and health care provider. A narrative data synthesis was performed of reported vaccination rates and the extent of the SDM process in interventions. For studies examining influenza vaccination rates, we also performed a quantitative data synthesis (meta-analysis). The extent of the SDM process in the interventions and other possible effect modifiers on vaccination rates were investigated in subgroup analyses. The protocol was previously published at PROSPERO (CRD42020175555). Results We identified 26 studies mainly aiming to increase influenza and pneumococcal vaccination rates. Interventions included face-to-face meetings or telephone interventions for patients, or training for health care providers and may have included the provision of additional information material. Vaccination rates were significantly increased in 17 of the included studies compared to the control group. For the meta-analysis, 15 studies were suitable, resulting in a pooled effect of OR (95 % CI): 1.96 (1.31-2.95) on influenza vaccination rates. While all studies implemented a type of patient activation, only 14 of the 26 studies met all three criteria of a SDM process. Patient satisfaction, decisional uncertainty, level of knowledge or quality of life of patients were seldom addressed in the included studies. Subgroup analyses showed higher pooled effect sizes for interventions with a full SDM process, compared to interventions that only implemented patient activation. Furthermore, interventions with a 2-phased interaction (by different healthcare providers) seemed to be superior to interactions by a single health care provider with respect to effects on vaccination rates. Conclusion SDM represents an effective approach to enhance vaccination rates. Despite the considerable heterogeneity of the included studies, a positive effect on vaccination rates across different vaccinations and patient groups can be expected. Our results suggest that patient activation alone may not be sufficient to considerably increase vaccination rates. Sharing responsibilities among health care providers to enable SDM seems promising in terms of effects on vaccination rates and feasibility in clinical practice. Further research could help to reproduce the perspectives of health care providers and patients by using standardized (validated) measurement methods for SDM and to investigate the effectiveness of individual components of SDM on vaccination rates.
Not available
Kühne, Flora Theresa
2021
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Kühne, Flora Theresa (2021): Auswirkungen Partizipatorischer Entscheidungsfindung auf die Impfraten von Erwachsenen in der ambulanten Versorgung: systematischer Review und Metaanalyse. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Hintergrund Partizipatorische Entscheidungsfindung (PEF) in der klinischen Praxis gilt als ein patienten-zentrierter Ansatz, der den Patienten in alle Stadien der Entscheidungsfindung miteinbezieht. PEF stellt einen vielversprechenden Ansatz bei Impfentscheidungen dar, da durch Patientenedukation und die persönliche Interaktion von Patient*in und medizinischem Fachpersonal (MFP) zugleich verbreitete Impfbarrieren adressiert werden. Wünschenswerte Effekte der Anwendung von PEF wurden bereits in anderen präventiven, diagnostischen oder kurativen Bereichen gezeigt, beispielsweise eine verbesserte Adhärenz, mehr Wissen und weniger Entscheidungsunsicherheit der Patienten, sowie ein erhöhtes Vertrauen in den Arzt. In der vorliegenden Arbeit beinhaltet ein partizipatorischer Entscheidungsfindungsprozess (PEF Prozess) folgende Aspekte: Patientenaktivierung, zweiseitiger Informationsaustausch und gemeinsames Abwägen der Optionen. Fragestellung Ziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen von PEF Prozessen auf die Impfraten zu untersuchen und das Ausmaß der PEF Prozesse in verschiedenen Interventionen (oder sogar „Interventionstypen“) zu beschreiben. Methoden Wir führten eine systematische Literatursuche in den Datenbanken MEDLINE, CENTRAL, EMBASE, ERIC und PsycINFO durch. Randomisiert kontrollierte Studien (RCTs) und Cluster-randomisiert kontrollierte Studien (Cluster RCTs), die auf eine Impfratensteigerung bei Erwachsenen im ambulanten Setting abzielten, wurden eingeschlossen, insofern Hinweise auf eine persönliche Interaktion gegeben waren. Es erfolgte eine narrative Datensynthese bezüglich der berichteten Impfraten und der erhobenen Ausmaße des PEF Prozesses in den Interventionen. Für Studien, die sich der Influenzaimpfung widmeten, führten wir außerdem eine quantitative Datensynthese (Metaanalyse) durch. Das Ausmaß des PEF Prozesses in den Interventionen und weitere mögliche Effektmodulatoren bezüglich der Impfraten wurden in Subgruppenanalysen untersucht. Das Protokoll wurde im Vorfeld bei PROSPERO veröffentlicht (CRD42020175555). Ergebnisse Wir identifizierten 26 Studien, die vorwiegend auf die Steigerung von Influenza- und Pneumokokkenimpfungen abzielten. Interventionen beinhalteten unter anderem persönliche Treffen oder Telefoninterventionen für den Patienten, oder Schulungen für MFP und konnten das zur Verfügung stellen von zusätzlichem Informationsmaterial beinhalten. Die Impfraten zeigten sich in 17 der eingeschlossenen Studien signifikant erhöht im Vergleich zur Kontrollgruppe. Für die Metaanalyse waren 15 Studien geeignet, deren gepoolter Effekt auf die Influenzaimpfrate OR (95 % KI): 1.96 (1.31–2.95) betrug. Während alle Studien eine Art der Patientenaktivierung implementierten, wurden nur in 14 der 26 Studien alle drei Kriterien eines PEF Prozesses erfüllt. Patientenzufriedenheit, Entscheidungsunsicherheit, Wissen oder Lebensqualität der Patienten wurden kaum in den Studien adressiert. Die Subgruppenanalysen zeigten höhere gepoolte Effektgrößen für Interventionen mit vollständigem PEF Prozess, verglichen mit Interventionen, die nur die Patientenaktivierung implementierten. Außerdem schienen Interventionen, in denen eine 2-stufige Interaktion (durch verschiedenes MFP) stattfand, Interventionen durch einzelnes MFP hinsichtlich der Effekte auf die Impfraten überlegen zu sein. Schlussfolgerungen PEF stellt einen effektiven Ansatz zur Steigerung der Impfraten dar. Trotz beachtlicher Heterogenität der eingeschlossenen Studien ist von einem positiven Effekt auf die Impfraten über verschiedene Impfungen und Patientengruppen hinweg auszugehen. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die alleinige Patientenaktivierung möglicherweise nicht ausreicht, um die Impfraten wesentlich zu steigern. Eine Aufteilung von Verantwortlichkeiten unter MFP, um PEF zu ermöglichen, scheint vielversprechend hinsichtlich der Effekte auf die Impfraten, sowie der Durchführbarkeit in der klinischen Praxis. Weitere Forschung könnte durch Verwendung standardisierter (validierter) Messmethoden für PEF dazu beitragen, die Perspektiven des MFP und des Patienten abzubilden und die Effektivität einzelner Aspekte von PEF auf die Impfraten zu untersuchen.

Abstract

Background Shared decision making (SDM) is a patient-centred approach in clinical practice that involves the patient in all stages of decision making. SDM represents a promising approach to vaccination decisions, since patient education and personal interaction between patient and health care providers address common vaccination barriers at the same time. Desirable effects of SDM have already been shown in other preventive, diagnostic or curative areas, such as improved adherence, better knowledge and less decision uncertainty of patients, as well as increased confidence in the physician. In the present work, a shared decision making process (SDM process) includes the following aspects: patient activation, bidirectional exchange of information and bidirectional deliberation of options. Objective The aim of the present work is to assess the impact of SDM processes on vaccination rates, and to describe the extent of SDM processes in different interventions (or even "intervention types"). Methods We conducted a systematic literature search in the databases MEDLINE, CENTRAL, EMBASE, ERIC and PsycINFO. Randomised controlled trials (RCTs) and cluster-randomised controlled trials (cluster RCTs) aiming at increasing vaccination rates in adults in the outpatient setting were included if there were indications for personal interaction between patient and health care provider. A narrative data synthesis was performed of reported vaccination rates and the extent of the SDM process in interventions. For studies examining influenza vaccination rates, we also performed a quantitative data synthesis (meta-analysis). The extent of the SDM process in the interventions and other possible effect modifiers on vaccination rates were investigated in subgroup analyses. The protocol was previously published at PROSPERO (CRD42020175555). Results We identified 26 studies mainly aiming to increase influenza and pneumococcal vaccination rates. Interventions included face-to-face meetings or telephone interventions for patients, or training for health care providers and may have included the provision of additional information material. Vaccination rates were significantly increased in 17 of the included studies compared to the control group. For the meta-analysis, 15 studies were suitable, resulting in a pooled effect of OR (95 % CI): 1.96 (1.31-2.95) on influenza vaccination rates. While all studies implemented a type of patient activation, only 14 of the 26 studies met all three criteria of a SDM process. Patient satisfaction, decisional uncertainty, level of knowledge or quality of life of patients were seldom addressed in the included studies. Subgroup analyses showed higher pooled effect sizes for interventions with a full SDM process, compared to interventions that only implemented patient activation. Furthermore, interventions with a 2-phased interaction (by different healthcare providers) seemed to be superior to interactions by a single health care provider with respect to effects on vaccination rates. Conclusion SDM represents an effective approach to enhance vaccination rates. Despite the considerable heterogeneity of the included studies, a positive effect on vaccination rates across different vaccinations and patient groups can be expected. Our results suggest that patient activation alone may not be sufficient to considerably increase vaccination rates. Sharing responsibilities among health care providers to enable SDM seems promising in terms of effects on vaccination rates and feasibility in clinical practice. Further research could help to reproduce the perspectives of health care providers and patients by using standardized (validated) measurement methods for SDM and to investigate the effectiveness of individual components of SDM on vaccination rates.