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Autonomie und neue biomedizinische Technologien
Autonomie und neue biomedizinische Technologien
Überlegungen zum Begriff der Autonomie stellen einen Grundpfeiler moderner (Medizin-) Ethik dar. Während traditionell Diskussionen um die Handlungsautonomie von Patientinnen und Patienten in konkreten Situationen, beispielsweise bei Entscheidungen für oder gegen eine Behandlung, im Zentrum der Debatten standen, drängen sich in den letzten Jahren neue Fragestellungen auf. Mit teils rasant fortschreitenden Entwicklungen in der Forschung und teils auch medial hitzig geführten Debatten um neue biomedizinische Technologien wird immer häufiger gefragt, welche Auswirkungen solche Technologien auf die Autonomie von Patientinnen und Patienten oder auch „gesunden“ Nutzerinnen und Nutzern haben könnten. Diese Arbeit versammelt Analysen zum Begriff der Autonomie in zwei dieser aktuellen Debatten: der Debatte um sogenanntes pharmakologisches und genetisches „Neuroenhancement“ und derjenigen um „Brain-Computer Interfaces“, Schnittstellen zwischen Gehirn und Computern. Veröffentlichung I ist zunächst eine detaillierte Analyse eines Argumentationsstranges, der Verletzungen von Autonomie eines noch nicht geborenen Menschen durch genetische Manipulationen am Embryo als Einwand gegen solche Manipulationen auszuhebeln versucht. Veröffentlichung II bietet eine eigenständige Konzeption von Autonomie als Heuristik zur Analyse von Brain-Computer Interfaces und deren mögliche Auswirkungen auf autonomes Leben. Dabei zeigen sich auch diskussionsübergreifende Resultate: so ist das Offenlegen von und der Umgang mit Limitationen der eigenen Arbeit, wie ein notgedrungen unvollkommenes Verständnis für Details der jeweiligen technologischen Fortentwicklungen oder das Argumentieren mit Konzeptionen von Autonomie, die nicht alle relevanten Überlegungen miteinschließen können, für eine Einordnung von Diskussionsbeiträgen entscheidend. Zudem stößt man bei der Vermengung ethisch-philosophischer Diskurse und Konstrukte und empirischer Forschung immer wieder auf Hürden, die deutlich problematisiert werden sollten, wenn man reduktionistische Fehlschlüsse vermeiden möchte. Je analytisch klarer und differenzierter Beiträge zum Begriff der Autonomie und neuer biomedizinscher Technologien gestaltet werden, desto facettenreicher können moralische Implikationen dargestellt werden, und desto hilfreicher werden Diskussionsbeiträge aus dem Bereich der biomedizinischen Ethik für die Gestaltung einer Zukunft, in der die Grenzen zwischen Mensch und Technik mehr und mehr verschwimmen, sein., Autonomy and new biomedical technologies To engage with notions of autonomy constitutes a cornerstone of modern (medical) ethics. Traditionally, discussions about the autonomy of patients in certain situations, i.e. when deciding for or against a treatment, have been at the centre of debates, but in the last years new questions have arisen. What kinds of consequences such new technologies could have on the autonomy of patients or “healthy” users has moved more and more centre stage in these discussion, partly due to rapid developments in scientific research and partly due to heated discussions and media-coverage on new biomedical technologies. The following work presents an analysis of the concept of autonomy in two of these debates: the debate on so-called pharmacological and genetic “neuroenhancement” and the debate on brain-computer interfaces. Publication I entails a detailed analysis of an argument that has been put forward to counter the notion that genetic manipulations on embryos should be considered a violation of the autonomy of these unborn humans. Publication II offers a heuristic conception of autonomy to analyse brain-computer interfaces and their possible consequences for autonomous living. This yields results which seem to be relevant across all debates on autonomy and new biomedical technologies: In order to put the contributions to relevant debates into perspective, it is necessary to disclose and to discuss certain limitations – such as an incomplete comprehension of every technical detail or such as building arguments around concepts of autonomy that cannot possibly include all relevant aspects. Furthermore, mixing ethical and philosophical discourses and concepts with empirical research produces obstacles that have to be addressed if reductionist fallacies are to be avoided. The more we can provide analytically clear and differentiated contributions to the debate on autonomy and new biomedical technologies, the more we can show moral implications in detail, and the more helpful contributions from biomedical ethics will be in a world where borders between humans and technology become increasingly blurred.
Autonomy, Neuroethics, Cognitive Enhancement, Genetic Enhancement, Brain-Computer Interfaces, Brain-Machine Interfaces
Pömsl, Johannes
2021
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Pömsl, Johannes (2021): Autonomie und neue biomedizinische Technologien. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Überlegungen zum Begriff der Autonomie stellen einen Grundpfeiler moderner (Medizin-) Ethik dar. Während traditionell Diskussionen um die Handlungsautonomie von Patientinnen und Patienten in konkreten Situationen, beispielsweise bei Entscheidungen für oder gegen eine Behandlung, im Zentrum der Debatten standen, drängen sich in den letzten Jahren neue Fragestellungen auf. Mit teils rasant fortschreitenden Entwicklungen in der Forschung und teils auch medial hitzig geführten Debatten um neue biomedizinische Technologien wird immer häufiger gefragt, welche Auswirkungen solche Technologien auf die Autonomie von Patientinnen und Patienten oder auch „gesunden“ Nutzerinnen und Nutzern haben könnten. Diese Arbeit versammelt Analysen zum Begriff der Autonomie in zwei dieser aktuellen Debatten: der Debatte um sogenanntes pharmakologisches und genetisches „Neuroenhancement“ und derjenigen um „Brain-Computer Interfaces“, Schnittstellen zwischen Gehirn und Computern. Veröffentlichung I ist zunächst eine detaillierte Analyse eines Argumentationsstranges, der Verletzungen von Autonomie eines noch nicht geborenen Menschen durch genetische Manipulationen am Embryo als Einwand gegen solche Manipulationen auszuhebeln versucht. Veröffentlichung II bietet eine eigenständige Konzeption von Autonomie als Heuristik zur Analyse von Brain-Computer Interfaces und deren mögliche Auswirkungen auf autonomes Leben. Dabei zeigen sich auch diskussionsübergreifende Resultate: so ist das Offenlegen von und der Umgang mit Limitationen der eigenen Arbeit, wie ein notgedrungen unvollkommenes Verständnis für Details der jeweiligen technologischen Fortentwicklungen oder das Argumentieren mit Konzeptionen von Autonomie, die nicht alle relevanten Überlegungen miteinschließen können, für eine Einordnung von Diskussionsbeiträgen entscheidend. Zudem stößt man bei der Vermengung ethisch-philosophischer Diskurse und Konstrukte und empirischer Forschung immer wieder auf Hürden, die deutlich problematisiert werden sollten, wenn man reduktionistische Fehlschlüsse vermeiden möchte. Je analytisch klarer und differenzierter Beiträge zum Begriff der Autonomie und neuer biomedizinscher Technologien gestaltet werden, desto facettenreicher können moralische Implikationen dargestellt werden, und desto hilfreicher werden Diskussionsbeiträge aus dem Bereich der biomedizinischen Ethik für die Gestaltung einer Zukunft, in der die Grenzen zwischen Mensch und Technik mehr und mehr verschwimmen, sein.

Abstract

Autonomy and new biomedical technologies To engage with notions of autonomy constitutes a cornerstone of modern (medical) ethics. Traditionally, discussions about the autonomy of patients in certain situations, i.e. when deciding for or against a treatment, have been at the centre of debates, but in the last years new questions have arisen. What kinds of consequences such new technologies could have on the autonomy of patients or “healthy” users has moved more and more centre stage in these discussion, partly due to rapid developments in scientific research and partly due to heated discussions and media-coverage on new biomedical technologies. The following work presents an analysis of the concept of autonomy in two of these debates: the debate on so-called pharmacological and genetic “neuroenhancement” and the debate on brain-computer interfaces. Publication I entails a detailed analysis of an argument that has been put forward to counter the notion that genetic manipulations on embryos should be considered a violation of the autonomy of these unborn humans. Publication II offers a heuristic conception of autonomy to analyse brain-computer interfaces and their possible consequences for autonomous living. This yields results which seem to be relevant across all debates on autonomy and new biomedical technologies: In order to put the contributions to relevant debates into perspective, it is necessary to disclose and to discuss certain limitations – such as an incomplete comprehension of every technical detail or such as building arguments around concepts of autonomy that cannot possibly include all relevant aspects. Furthermore, mixing ethical and philosophical discourses and concepts with empirical research produces obstacles that have to be addressed if reductionist fallacies are to be avoided. The more we can provide analytically clear and differentiated contributions to the debate on autonomy and new biomedical technologies, the more we can show moral implications in detail, and the more helpful contributions from biomedical ethics will be in a world where borders between humans and technology become increasingly blurred.