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Analyse unfallbedingter Zahnverletzungen aus den Jahren 2004 - 2017 in Bezug auf Diagnose, Therapie und Komplikationen unter besonderer Berücksichtigung der Avulsion
Analyse unfallbedingter Zahnverletzungen aus den Jahren 2004 - 2017 in Bezug auf Diagnose, Therapie und Komplikationen unter besonderer Berücksichtigung der Avulsion
Die regelmäßige Erfassung und Publikation aktueller klinischer Daten von unterschiedlichen Behandlungsstandorten bildet die wissenschaftliche Grundlage der modernen evidenzbasierten Medizin. Dies stellt die Reproduzierbarkeit bisheriger Ergebnisse sicher, definiert den aktuellen Wissensstand des jeweiligen Fachgebiets und dient schlussendlich der steten Optimierung vorhandener Behandlungskonzepte. Außerdem ermöglicht die multizentrische Berichterstattung auch in Forschungsgebieten mit begrenzten Fallzahlen die Zusammenstellung umfangreicherer Datensätze. Dadurch können beispielsweise bei der Untersuchung seltener Verletzungsmuster explorative statistische Analysemöglichkeiten zur Anwendung kommen. Das Gesamtprojekt zur Publikation klinischer Daten der dentalen Traumaversorgung an der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Ludwig-Maximilians-Universität München im Zeitraum von 2004 bis 2017 dient diesem Zweck. Das Projekt beinhaltet die retrospektive Aufarbeitung von 898 Patientenfällen mit 1756 verunfallten Zähnen und die Veröffentlichungen in mehreren verletzungsmusterspezifischen Artikeln. Die vorliegende Studie legte den Schwerpunkt auf das Verletzungsmuster Avulsion und untersuchte Zahnüberleben und Auftreten von Komplikationen, wie Ersatzresorption oder entzündlicher Resorption, gegenüber der funktionellen Heilung, nach der Replantation von avulsierten bleibenden Zähnen. An der Universitätsklinik erfolgte die Therapie verunfallter Zähne gemäß den Leitlinien der International Association of Dental Traumatology (IADT), die 2007 herausgegeben und seitdem stetig aktualisiert wurden. Die Studienpopulation umfasste 36 Patienten mit 49 behandelten Zähnen, welche mindestens für einen Zeitraum von 60 Tagen zur Nachbehandlung und Beobachtung verfügbar waren. Der durchschnittliche Beobachtungszeitraum betrug 3,5 Jahre. Bei 26,5% (N = 13/49) der untersuchten Avulsionsfälle konnte eine funktionelle Heilung beobachtet werden. Weitere 51,0% (N = 25/49) der replantierten Zähne zeigten Ersatzresorptionen, wovon rund ein Viertel (N = 6/25, 24,0%) im weiteren Verlauf verloren ging (Mittelwert 6,1 Jahre). Im Vergleich dazu führte die entzündliche Resorption bei allen betroffenen Zähnen (N=11/49, 22,5%) zu ausgesprochen frühen Zahnverlusten (Mittelwert, 1,7 Jahre). Somit konnte in dieser Studie eine Gesamtüberlebensrate von 65,3% (N = 32/49) ermittelt werden. Dieses Ergebnis zeigt eindrucksvoll, dass die Avulsion eine schwerwiegende Zahnverletzung mit weitgehend unvorhersehbarer Prognose ist. Weitere Grundlagenforschung ist notwendig, um eine erfolgsversprechende Therapie avulsierter Zähne, insbesondere des durch Austrocknung und Kontamination kompromittierten Zahnhalteapparates, zu etablieren., The frequent publication of clinical data from various treatment facilities is the foundation of modern evidence-based medicine. This procedure ensures the reproducibility of previous results and helps to determine the current state of knowledge, ultimately aiming at the constant improvement of existing treatment procedures. Furthermore, it enables the accumulation and evaluation of substantial data sets, even when the number of available cases is limited, for example due to rarely occurring injury patterns. The overarching project for the publication of clinical data on dental trauma care provided between 2004 and 2017 at the Department of Conservative Dentistry and Periodontology of the Ludwig-Maximilians-University in Munich is designed to fulfil this purpose. It includes the retrospective review of 898 patient cases with 1756 injured teeth and the publication in multiple articles, assorted according to the specific injury pattern. The present study focused on avulsion of permanent teeth. The investigation of tooth survival rates and the occurrence of complications, such as replacement resorption or inflammatory resorption compared to functional healing, affecting avulsed teeth after replantation was the primarily object. The treatment principles for injured teeth at the university hospital followed the guidelines of the International Association of Dental Traumatology (IADT), which have been constantly updated. The study population was composed of 36 patients with 49 affected teeth who received at least 60 days of follow-up treatment and monitoring. The average observation period amounted to 3.5 years. Functional healing was observed in 26.5% (N = 13/49) of the evaluated cases. Another 51.0% (N = 25/49) of the replanted teeth were affected by replacement resorption, of which about one quarter (N = 6/25, 24.0%) was lost in the further course (mean 6.1 years). In contrast to this, inflammatory resorption led to rapid tooth loss (mean, 1.7 years) in all affected teeth (N=11/49, 22.5%). Conclusively, an overall survival rate of 65.3% (N = 32/49) was determined in this study. This relatively low rate demonstrates that avulsion is a serious dental injury with a largely unpredictable prognosis. Further research seems to be needed in order to develop regenerative treatment options for avulsed teeth with seriously damaged periodontal structures.
dental trauma, avulsion, extraarticulation, dental avulsion, survivalanalysis avulsion
Müller, Daniel David
2021
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Müller, Daniel David (2021): Analyse unfallbedingter Zahnverletzungen aus den Jahren 2004 - 2017 in Bezug auf Diagnose, Therapie und Komplikationen unter besonderer Berücksichtigung der Avulsion. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Die regelmäßige Erfassung und Publikation aktueller klinischer Daten von unterschiedlichen Behandlungsstandorten bildet die wissenschaftliche Grundlage der modernen evidenzbasierten Medizin. Dies stellt die Reproduzierbarkeit bisheriger Ergebnisse sicher, definiert den aktuellen Wissensstand des jeweiligen Fachgebiets und dient schlussendlich der steten Optimierung vorhandener Behandlungskonzepte. Außerdem ermöglicht die multizentrische Berichterstattung auch in Forschungsgebieten mit begrenzten Fallzahlen die Zusammenstellung umfangreicherer Datensätze. Dadurch können beispielsweise bei der Untersuchung seltener Verletzungsmuster explorative statistische Analysemöglichkeiten zur Anwendung kommen. Das Gesamtprojekt zur Publikation klinischer Daten der dentalen Traumaversorgung an der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Ludwig-Maximilians-Universität München im Zeitraum von 2004 bis 2017 dient diesem Zweck. Das Projekt beinhaltet die retrospektive Aufarbeitung von 898 Patientenfällen mit 1756 verunfallten Zähnen und die Veröffentlichungen in mehreren verletzungsmusterspezifischen Artikeln. Die vorliegende Studie legte den Schwerpunkt auf das Verletzungsmuster Avulsion und untersuchte Zahnüberleben und Auftreten von Komplikationen, wie Ersatzresorption oder entzündlicher Resorption, gegenüber der funktionellen Heilung, nach der Replantation von avulsierten bleibenden Zähnen. An der Universitätsklinik erfolgte die Therapie verunfallter Zähne gemäß den Leitlinien der International Association of Dental Traumatology (IADT), die 2007 herausgegeben und seitdem stetig aktualisiert wurden. Die Studienpopulation umfasste 36 Patienten mit 49 behandelten Zähnen, welche mindestens für einen Zeitraum von 60 Tagen zur Nachbehandlung und Beobachtung verfügbar waren. Der durchschnittliche Beobachtungszeitraum betrug 3,5 Jahre. Bei 26,5% (N = 13/49) der untersuchten Avulsionsfälle konnte eine funktionelle Heilung beobachtet werden. Weitere 51,0% (N = 25/49) der replantierten Zähne zeigten Ersatzresorptionen, wovon rund ein Viertel (N = 6/25, 24,0%) im weiteren Verlauf verloren ging (Mittelwert 6,1 Jahre). Im Vergleich dazu führte die entzündliche Resorption bei allen betroffenen Zähnen (N=11/49, 22,5%) zu ausgesprochen frühen Zahnverlusten (Mittelwert, 1,7 Jahre). Somit konnte in dieser Studie eine Gesamtüberlebensrate von 65,3% (N = 32/49) ermittelt werden. Dieses Ergebnis zeigt eindrucksvoll, dass die Avulsion eine schwerwiegende Zahnverletzung mit weitgehend unvorhersehbarer Prognose ist. Weitere Grundlagenforschung ist notwendig, um eine erfolgsversprechende Therapie avulsierter Zähne, insbesondere des durch Austrocknung und Kontamination kompromittierten Zahnhalteapparates, zu etablieren.

Abstract

The frequent publication of clinical data from various treatment facilities is the foundation of modern evidence-based medicine. This procedure ensures the reproducibility of previous results and helps to determine the current state of knowledge, ultimately aiming at the constant improvement of existing treatment procedures. Furthermore, it enables the accumulation and evaluation of substantial data sets, even when the number of available cases is limited, for example due to rarely occurring injury patterns. The overarching project for the publication of clinical data on dental trauma care provided between 2004 and 2017 at the Department of Conservative Dentistry and Periodontology of the Ludwig-Maximilians-University in Munich is designed to fulfil this purpose. It includes the retrospective review of 898 patient cases with 1756 injured teeth and the publication in multiple articles, assorted according to the specific injury pattern. The present study focused on avulsion of permanent teeth. The investigation of tooth survival rates and the occurrence of complications, such as replacement resorption or inflammatory resorption compared to functional healing, affecting avulsed teeth after replantation was the primarily object. The treatment principles for injured teeth at the university hospital followed the guidelines of the International Association of Dental Traumatology (IADT), which have been constantly updated. The study population was composed of 36 patients with 49 affected teeth who received at least 60 days of follow-up treatment and monitoring. The average observation period amounted to 3.5 years. Functional healing was observed in 26.5% (N = 13/49) of the evaluated cases. Another 51.0% (N = 25/49) of the replanted teeth were affected by replacement resorption, of which about one quarter (N = 6/25, 24.0%) was lost in the further course (mean 6.1 years). In contrast to this, inflammatory resorption led to rapid tooth loss (mean, 1.7 years) in all affected teeth (N=11/49, 22.5%). Conclusively, an overall survival rate of 65.3% (N = 32/49) was determined in this study. This relatively low rate demonstrates that avulsion is a serious dental injury with a largely unpredictable prognosis. Further research seems to be needed in order to develop regenerative treatment options for avulsed teeth with seriously damaged periodontal structures.