Logo Logo
Help
Contact
Switch language to German
Einfluss der Psychotherapie auf Zytokine bei Patienten mit Depression
Einfluss der Psychotherapie auf Zytokine bei Patienten mit Depression
Entzündungsreaktionen können die Entstehung einer Depression begünstigen. Ebenso zeigen sich bei Patienten mit diagnostizierter Depression erhöhte Zytokinspiegel. Zytokine wie TNF-α aktivieren das Tryptophan abbauende Enzym Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO), sodass weniger Serotonin als Neurotransmitter zur Verfügung steht. Die Monoamin-Hypothese, die von einem Serotonin-Noradrenalinmangel ausgeht, gilt aktuell als eine der gängigsten Erklärung der Pathogenese der Depression. Diese Erkenntnisse rücken die Immunologie immer mehr ins Zentrum zur Entwicklung neuer Ansätze bei der Therapie einer Depression. Diese Ergebnisse als Vorlage nutzend, untersuchte die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführte Studie den Einfluss alleiniger Psychotherapie auf die Zytokinspiegel von Interleukin-6, MIF, TNF-α, sowie den Spiegel des Akute-Phase-Proteins CRP. Aus drei Zentren wurden insgesamt 65 Patienten eingeschlossen. Der Großteil der Patienten war stationär in einer psychosomatischen Klinik. Sieben Patienten waren teilstationär in einer Tagesklinik. Bei allen rekrutierten Patienten wurde eine mittelschwere Depression diagnostiziert, die mit Psychotherapie behandelt wurde. Psychopharmakaeinnahmen, Infekte oder antientzündliche Medikation waren entscheidende Ausschlusskriterien. Die meisten Studienteilnehmer hatten an 2 Visiten teilgenommen, vor und nach abgeschlossener Therapie. Einige Patienten waren auch noch in Follow-Up-Untersuchungen nach vier und nach sechs Monaten nach Therapiebeginn visitiert worden. In den Visiten erfolgten Blutabnahmen, in denen die Zytokinspiegel sowie CRP bestimmt wurden, außerdem wurde der Schweregrad und der Therapieerfolg mittels Ratingbögen quantifiziert. Bei allen Patienten zeigte sich nach abgeschlossener Psychotherapie eine signifikante Besserung der depressiven Symptomatik. So waren die Patienten vor Therapiebeginn als mittelgradig depressiv eingeschätzt worden. In Visite 2 nach abgeschlossener Psychotherapie bestand entsprechend der Beurteilungsbögen HAMD 17 und MADRS durchschnittlich keine depressive Symptomatik mehr. Es ließ sich jedoch fast kein signifikanter Unterschied bezüglich der Zytokinspiegel vor und nach abgeschlossener Therapie nachweisen. Das APP CRP ist im Rahmen einer Depression erhöht. Auch in unserer Studie bestand durchschnittlich ein leicht erhöhtes CRP über dem Cut-off-Wert, wobei es keine gesunde Vergleichsgruppe gab. Nach aktueller Studienlage wäre entsprechend der Besserung der depressiven Symptomatik auch eine Abnahme der Zytokinspiegel zu erwarten gewesen. Dies ist am ehesten auf die zu kleine Fallzahl der Studie zurückzuführen. Auch wenn kein signifikanter Abfall nachgewiesen werden konnte, zeigte sich bezüglich der Mittelwerte von MIF und Il-6 ein abnehmender Trend in Visite 3 und 4. In Visite 4 war ein fast signifikanter p-Wert bezüglich der Korrelation zwischen TNF-α und MADRS sowie eine signifikante, positive Korrelation zwischen TNF-α und PSQI nachweisbar. Diese Ergebnisse sprechen für eine Abnahme der depressiven Symptomatik (insbesondere der Schlafstörungen) sowie der Zytokinlevel unter alleiniger Psychotherapie und unterstreichen die Wirksamkeit der Psychotherapie, die eventuell zukünftig auch durch Biomarker bekräftigt werden könnte.
Not available
Niedeggen, Julia
2021
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Niedeggen, Julia (2021): Einfluss der Psychotherapie auf Zytokine bei Patienten mit Depression. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
[img]
Preview
PDF
Niedeggen_Julia.pdf

1MB

Abstract

Entzündungsreaktionen können die Entstehung einer Depression begünstigen. Ebenso zeigen sich bei Patienten mit diagnostizierter Depression erhöhte Zytokinspiegel. Zytokine wie TNF-α aktivieren das Tryptophan abbauende Enzym Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO), sodass weniger Serotonin als Neurotransmitter zur Verfügung steht. Die Monoamin-Hypothese, die von einem Serotonin-Noradrenalinmangel ausgeht, gilt aktuell als eine der gängigsten Erklärung der Pathogenese der Depression. Diese Erkenntnisse rücken die Immunologie immer mehr ins Zentrum zur Entwicklung neuer Ansätze bei der Therapie einer Depression. Diese Ergebnisse als Vorlage nutzend, untersuchte die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführte Studie den Einfluss alleiniger Psychotherapie auf die Zytokinspiegel von Interleukin-6, MIF, TNF-α, sowie den Spiegel des Akute-Phase-Proteins CRP. Aus drei Zentren wurden insgesamt 65 Patienten eingeschlossen. Der Großteil der Patienten war stationär in einer psychosomatischen Klinik. Sieben Patienten waren teilstationär in einer Tagesklinik. Bei allen rekrutierten Patienten wurde eine mittelschwere Depression diagnostiziert, die mit Psychotherapie behandelt wurde. Psychopharmakaeinnahmen, Infekte oder antientzündliche Medikation waren entscheidende Ausschlusskriterien. Die meisten Studienteilnehmer hatten an 2 Visiten teilgenommen, vor und nach abgeschlossener Therapie. Einige Patienten waren auch noch in Follow-Up-Untersuchungen nach vier und nach sechs Monaten nach Therapiebeginn visitiert worden. In den Visiten erfolgten Blutabnahmen, in denen die Zytokinspiegel sowie CRP bestimmt wurden, außerdem wurde der Schweregrad und der Therapieerfolg mittels Ratingbögen quantifiziert. Bei allen Patienten zeigte sich nach abgeschlossener Psychotherapie eine signifikante Besserung der depressiven Symptomatik. So waren die Patienten vor Therapiebeginn als mittelgradig depressiv eingeschätzt worden. In Visite 2 nach abgeschlossener Psychotherapie bestand entsprechend der Beurteilungsbögen HAMD 17 und MADRS durchschnittlich keine depressive Symptomatik mehr. Es ließ sich jedoch fast kein signifikanter Unterschied bezüglich der Zytokinspiegel vor und nach abgeschlossener Therapie nachweisen. Das APP CRP ist im Rahmen einer Depression erhöht. Auch in unserer Studie bestand durchschnittlich ein leicht erhöhtes CRP über dem Cut-off-Wert, wobei es keine gesunde Vergleichsgruppe gab. Nach aktueller Studienlage wäre entsprechend der Besserung der depressiven Symptomatik auch eine Abnahme der Zytokinspiegel zu erwarten gewesen. Dies ist am ehesten auf die zu kleine Fallzahl der Studie zurückzuführen. Auch wenn kein signifikanter Abfall nachgewiesen werden konnte, zeigte sich bezüglich der Mittelwerte von MIF und Il-6 ein abnehmender Trend in Visite 3 und 4. In Visite 4 war ein fast signifikanter p-Wert bezüglich der Korrelation zwischen TNF-α und MADRS sowie eine signifikante, positive Korrelation zwischen TNF-α und PSQI nachweisbar. Diese Ergebnisse sprechen für eine Abnahme der depressiven Symptomatik (insbesondere der Schlafstörungen) sowie der Zytokinlevel unter alleiniger Psychotherapie und unterstreichen die Wirksamkeit der Psychotherapie, die eventuell zukünftig auch durch Biomarker bekräftigt werden könnte.