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Übergewicht ist ein unabhängiger negativer prognostischer Faktor in der akuten myeloischen Leukämie
Übergewicht ist ein unabhängiger negativer prognostischer Faktor in der akuten myeloischen Leukämie
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Rolle des BMI auf Mortalität und Krankheitsverlauf der akuten myeloischen Leukämie (AML) näher zu untersuchen. Ist das Risiko, an einer AML zu erkranken, bei erhöhten BMI-Werten durch Studien belegt, zeigen sich in der Literatur widersprüchliche Ergebnisse bezüglich des BMI und der Mortalität der AML. Für die post-hoc-Analyse in der vorliegenden Arbeit wurde ein Patientenkollektiv mit 2923 Patienten untersucht, die im Rahmen einer kontrollierten, randomisierten klinischen Studie zur Induktionstherapie der AML behandelt worden waren (AMLCG1999). Für alle Patienten lagen neben den Überlebensparametern und den damals etablierten AML-Prognosefaktoren die bei Studieneinschluss gemessenen Körpermaße zur Berechnung des BMI vor. In Überlebenszeitanalysen und in multivariaten Analysen konnte neben den bekannten ungünstigen prognostischen Faktoren für die Mortalität der AML (Alter, ECOG, genetisches Risikoprofil, FLT3/NPM1-Mutationsstatus) auch Übergewicht (BMI > 25) bei jüngeren Patienten (< 60 Jahre) als ein negativer prognostischer Parameter identifiziert werden. So wies die Gruppe der jüngeren Übergewichtigen im Vergleich zu den Normalgewichtigen eine Reduzierung der medianen Zeit des Gesamtüberlebens von mehr als einem Jahr sowie des rezidivfreien Überlebens mit knapp unter einem Jahr auf. In der multivariaten Analyse zeigte sich eine Steigerung der Mortalität um das 1,24-fache bei Vorliegen von Übergewicht. Zudem verringerte Übergewicht auch die CR-Rate im Vergleich zu den Normalgewichtigen um 5,5 % von 68,2 % auf 62,7 % (p = 0,04). Ein Teil dieses prognostisch ungünstigen Einflusses des Übergewichts ist hierbei evtl. auf das weit verbreitete und auch in der ursprünglichen Studie angewendete dose capping der Induktionschemotherapie zurückzuführen. Dabei handelt es sich um eine Dosisbegrenzung der Chemotherapie auf eine Körperoberfläche von maximal 2 m2. Dabei zeigte sich, dass Patienten mit einem intermediären genetischen Risikoprofil, die eine Dosisreduktion erhielten, ein deutlich verkürztes Gesamtüberleben aufwiesen und diese mit 85,0 % zu überwiegender Mehrheit auch übergewichtig waren. Dass der BMI aber auch einen von der Dosisreduktion unabhängigen negativen prognostischen Faktor darstellt, zeigte sich darin, dass Übergewichtige mit einer KOF < 2 m² (die also keine Dosisreduktion erhalten hatten) im Vergleich zu Normalgewichtigen ein um mehr als ein Jahr kürzeres Gesamtüberleben aufwiesen (35,0 vs. 18,8 Monate, p = 0,009). In Microarray-Analysen von 474 Patienten (< 60 Jahre) fand sich in der vorliegenden Arbeit keine signifikante Korrelation zwischen der Genexpression von AML Blasten und erhöhten BMI-Werten, was den Schluss zulässt, dass übergewichtige Patienten nicht an einer aggressiveren Form der AML leiden bzw. der Metabolismus des Patienten nicht die AML beeinflusst. Offen bleibt die Frage, ob das erhöhte Risiko für chronische Erkrankungen und die erhöhte Mortalität, welches für Übergewicht allgemein etabliert ist, für die von der Dosisreduktion unabhängigen negativen prognostischen Bedeutung des BMI im Patientenkollektiv der vorliegenden Arbeit mitverantwortlich ist. Nur wenige Studien beschäftigen sich bis dato mit der Auswirkung einer Gewichtsintervention bei Übergewichtigen auf die Prognose von Krebserkrankungen und weitere Studien vor allem auch bei Patienten mit einer AML-Erkrankung wären zur Klärung dieser Frage notwendig.
akute myeloische Leukämie, prognostische Faktoren, BMI, Übergewicht
Capovilla, Simon Johannes
2021
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Capovilla, Simon Johannes (2021): Übergewicht ist ein unabhängiger negativer prognostischer Faktor in der akuten myeloischen Leukämie. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Rolle des BMI auf Mortalität und Krankheitsverlauf der akuten myeloischen Leukämie (AML) näher zu untersuchen. Ist das Risiko, an einer AML zu erkranken, bei erhöhten BMI-Werten durch Studien belegt, zeigen sich in der Literatur widersprüchliche Ergebnisse bezüglich des BMI und der Mortalität der AML. Für die post-hoc-Analyse in der vorliegenden Arbeit wurde ein Patientenkollektiv mit 2923 Patienten untersucht, die im Rahmen einer kontrollierten, randomisierten klinischen Studie zur Induktionstherapie der AML behandelt worden waren (AMLCG1999). Für alle Patienten lagen neben den Überlebensparametern und den damals etablierten AML-Prognosefaktoren die bei Studieneinschluss gemessenen Körpermaße zur Berechnung des BMI vor. In Überlebenszeitanalysen und in multivariaten Analysen konnte neben den bekannten ungünstigen prognostischen Faktoren für die Mortalität der AML (Alter, ECOG, genetisches Risikoprofil, FLT3/NPM1-Mutationsstatus) auch Übergewicht (BMI > 25) bei jüngeren Patienten (< 60 Jahre) als ein negativer prognostischer Parameter identifiziert werden. So wies die Gruppe der jüngeren Übergewichtigen im Vergleich zu den Normalgewichtigen eine Reduzierung der medianen Zeit des Gesamtüberlebens von mehr als einem Jahr sowie des rezidivfreien Überlebens mit knapp unter einem Jahr auf. In der multivariaten Analyse zeigte sich eine Steigerung der Mortalität um das 1,24-fache bei Vorliegen von Übergewicht. Zudem verringerte Übergewicht auch die CR-Rate im Vergleich zu den Normalgewichtigen um 5,5 % von 68,2 % auf 62,7 % (p = 0,04). Ein Teil dieses prognostisch ungünstigen Einflusses des Übergewichts ist hierbei evtl. auf das weit verbreitete und auch in der ursprünglichen Studie angewendete dose capping der Induktionschemotherapie zurückzuführen. Dabei handelt es sich um eine Dosisbegrenzung der Chemotherapie auf eine Körperoberfläche von maximal 2 m2. Dabei zeigte sich, dass Patienten mit einem intermediären genetischen Risikoprofil, die eine Dosisreduktion erhielten, ein deutlich verkürztes Gesamtüberleben aufwiesen und diese mit 85,0 % zu überwiegender Mehrheit auch übergewichtig waren. Dass der BMI aber auch einen von der Dosisreduktion unabhängigen negativen prognostischen Faktor darstellt, zeigte sich darin, dass Übergewichtige mit einer KOF < 2 m² (die also keine Dosisreduktion erhalten hatten) im Vergleich zu Normalgewichtigen ein um mehr als ein Jahr kürzeres Gesamtüberleben aufwiesen (35,0 vs. 18,8 Monate, p = 0,009). In Microarray-Analysen von 474 Patienten (< 60 Jahre) fand sich in der vorliegenden Arbeit keine signifikante Korrelation zwischen der Genexpression von AML Blasten und erhöhten BMI-Werten, was den Schluss zulässt, dass übergewichtige Patienten nicht an einer aggressiveren Form der AML leiden bzw. der Metabolismus des Patienten nicht die AML beeinflusst. Offen bleibt die Frage, ob das erhöhte Risiko für chronische Erkrankungen und die erhöhte Mortalität, welches für Übergewicht allgemein etabliert ist, für die von der Dosisreduktion unabhängigen negativen prognostischen Bedeutung des BMI im Patientenkollektiv der vorliegenden Arbeit mitverantwortlich ist. Nur wenige Studien beschäftigen sich bis dato mit der Auswirkung einer Gewichtsintervention bei Übergewichtigen auf die Prognose von Krebserkrankungen und weitere Studien vor allem auch bei Patienten mit einer AML-Erkrankung wären zur Klärung dieser Frage notwendig.