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Lokalisation von interiktalen epilepsietypischen Potentialen und Anfallsmustern bei pädiatrischen Epilepsiepatienten mit Läsionen in der cerebralen Magnetresonanztomographie
Lokalisation von interiktalen epilepsietypischen Potentialen und Anfallsmustern bei pädiatrischen Epilepsiepatienten mit Läsionen in der cerebralen Magnetresonanztomographie
Hintergrund: Bei der präoperativen Evaluation zur Epilepsiechirurgie ist die Beurteilung der Kongruenz der Ergebnisse von MRT und EEG-Video-Monitoring ein wichtiger Bestandteil. In der vorliegenden Studie soll untersucht werden inwieweit Anfallsmuster (AM) und epilepsietypische Potentiale (ETP) im EEG mit verschiedenen Lokalisationen der MRT-Läsion übereinstimmen. Methoden: Es wurden retrospektiv pädiatrische Patienten mit läsionellen Epilepsien bis einschließlich 18 Jahren untersucht. Dabei wurden Befunde aus dem EEG-Video-Monitoring und MRT von 1994 bis 2017 herangezogen. Die Patienten wurden nach der Lokalisation der Läsion im MRT in 7 Gruppen aufgeteilt und mit Hilfe des Kruskal-Wallis-Tests auf Verteilungsunterschiede untersucht. Beschrieben werden demographische Daten, Lokalisation der AM und der ETP im EEG jeweils im Verhältnis zur Lokalisation der MRT-Läsion und die Verlaufsbeobachtung der Patienten. Ergebnisse: Insgesamt konnten 71 Patienten in die Studie eingeschlossen werden, davon waren 42,3% weiblich. In der Gruppe mit frontalen Läsionen (n = 21) stimmten bei 77,5% die Lokalisation der AM im EEG mit der Lokalisation der MRT-Läsion überein. Bei den Patienten mit temporalen Läsionen (n = 24) waren dies 40,7%, mit parietalen Läsionen (n = 5) 74,0% und mit okzipitalen Läsionen (n = 4) 58,3%. Ein statistisch signifikanter Verteilungsunterschied (p = 0,009) zwischen Patienten mit frontalen und temporalen Läsionen konnte gezeigt werden. Bei der Lokalisation der ETP im EEG konnten keine signifikanten Verteilungsunterschiede gefunden werden (p = 0,455). Prozentual stimmten bei jeweils 70,2% der Patienten mit frontalen, 49,3% mit temporalen, 42,6% mit parietalen und 38,0% mit okzipitalen Läsionen die Lokalisation der ETP im EEG mit der Lokalisation der MRT-Läsion überein. Von den 71 Patienten wurden 28 (39,4%) operiert, davon erreichten 82,1% postoperativ die Engel-Klassifikation I. Schlussfolgerung: Die Lokalisation der EEG-Befunde und MRT-Läsionen sind selten vollständig kongruent. Die Kongruenz von EEG-AM und MRT-Läsion war bei Kindern mit frontalen Läsionen am höchsten. Im Gegensatz hierzu ist die Kongruenz bei erwachsenen Patienten mit temporalen Läsionen am höchsten. ETP besitzen keine verlässliche Aussagekraft zur Lokalisation der AUZ. Läsionelle pädiatrische Patienten mit medikamentös-refraktärer Epilepsie sollten immer zur epilepsiechirurgischen Evaluation vorgestellt werden, da auch bei inkongruenten Befunden ein guter Therapieerfolg möglich ist.
Pädiatrische Epilepsie, Anfallsmuster, Interiktale epilepsietypische Potentiale, Epilepsiechirurgie, MRT-Läsion
Shen, Sophie
2021
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Shen, Sophie (2021): Lokalisation von interiktalen epilepsietypischen Potentialen und Anfallsmustern bei pädiatrischen Epilepsiepatienten mit Läsionen in der cerebralen Magnetresonanztomographie. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Hintergrund: Bei der präoperativen Evaluation zur Epilepsiechirurgie ist die Beurteilung der Kongruenz der Ergebnisse von MRT und EEG-Video-Monitoring ein wichtiger Bestandteil. In der vorliegenden Studie soll untersucht werden inwieweit Anfallsmuster (AM) und epilepsietypische Potentiale (ETP) im EEG mit verschiedenen Lokalisationen der MRT-Läsion übereinstimmen. Methoden: Es wurden retrospektiv pädiatrische Patienten mit läsionellen Epilepsien bis einschließlich 18 Jahren untersucht. Dabei wurden Befunde aus dem EEG-Video-Monitoring und MRT von 1994 bis 2017 herangezogen. Die Patienten wurden nach der Lokalisation der Läsion im MRT in 7 Gruppen aufgeteilt und mit Hilfe des Kruskal-Wallis-Tests auf Verteilungsunterschiede untersucht. Beschrieben werden demographische Daten, Lokalisation der AM und der ETP im EEG jeweils im Verhältnis zur Lokalisation der MRT-Läsion und die Verlaufsbeobachtung der Patienten. Ergebnisse: Insgesamt konnten 71 Patienten in die Studie eingeschlossen werden, davon waren 42,3% weiblich. In der Gruppe mit frontalen Läsionen (n = 21) stimmten bei 77,5% die Lokalisation der AM im EEG mit der Lokalisation der MRT-Läsion überein. Bei den Patienten mit temporalen Läsionen (n = 24) waren dies 40,7%, mit parietalen Läsionen (n = 5) 74,0% und mit okzipitalen Läsionen (n = 4) 58,3%. Ein statistisch signifikanter Verteilungsunterschied (p = 0,009) zwischen Patienten mit frontalen und temporalen Läsionen konnte gezeigt werden. Bei der Lokalisation der ETP im EEG konnten keine signifikanten Verteilungsunterschiede gefunden werden (p = 0,455). Prozentual stimmten bei jeweils 70,2% der Patienten mit frontalen, 49,3% mit temporalen, 42,6% mit parietalen und 38,0% mit okzipitalen Läsionen die Lokalisation der ETP im EEG mit der Lokalisation der MRT-Läsion überein. Von den 71 Patienten wurden 28 (39,4%) operiert, davon erreichten 82,1% postoperativ die Engel-Klassifikation I. Schlussfolgerung: Die Lokalisation der EEG-Befunde und MRT-Läsionen sind selten vollständig kongruent. Die Kongruenz von EEG-AM und MRT-Läsion war bei Kindern mit frontalen Läsionen am höchsten. Im Gegensatz hierzu ist die Kongruenz bei erwachsenen Patienten mit temporalen Läsionen am höchsten. ETP besitzen keine verlässliche Aussagekraft zur Lokalisation der AUZ. Läsionelle pädiatrische Patienten mit medikamentös-refraktärer Epilepsie sollten immer zur epilepsiechirurgischen Evaluation vorgestellt werden, da auch bei inkongruenten Befunden ein guter Therapieerfolg möglich ist.