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Ernährungsgewohnheiten und Störungen des Essverhaltens bei Frauen nach Gestationsdiabetes, einer Hochrisikogruppe für Typ-2-Diabetes
Ernährungsgewohnheiten und Störungen des Essverhaltens bei Frauen nach Gestationsdiabetes, einer Hochrisikogruppe für Typ-2-Diabetes
Hintergrund und Zielsetzung Typ 2 Diabetes mellitus (T2DM) ist eines der weltweit wichtigsten Gesundheitsprobleme. Die Erkrankung führt zu gravierenden Komplikationen, verminderter Lebensqualität, frühzeitigem Tod und enormen Kosten für die Gesellschaft. Gestationsdiabetes (GDM) ist eine vorübergehende Stoffwechselstörung in der Schwangerschaft, die ein deutlich erhöhtes Risiko anzeigt, dass die betroffene Frau später an einem T2DM erkrankt. Somit bietet sich nach GDM eine einzigartige Präventionsmöglichkeit, um die Konversion in einen T2DM zu verhindern. Übergewicht, falsche Ernährungsgewohnheiten und Störungen des Essverhaltens sind wesentliche Risikofaktoren für T2DM und deshalb in der Prävention der Erkrankung besonders relevant. Bezüglich Frauen nach GDM ist allerdings unklar, wie deren Ernährungsgewohnheiten beschaffen sind, ob Störungen des Essverhaltens vermehrt vorkommen, und welche Konsequenzen sich daraus für Präventionsprogramme ergeben. Die vorliegende Arbeit untersucht daher die Ernährungsgewohnheiten von Frauen nach GDM im Vergleich zu einer Kontrollgruppe und im Vergleich zu aktuellen Ernährungsempfehlungen. Darüber hinaus wird die Prävalenz von Störungen des Essverhaltens und deren Zusammenhang mit Übergewicht/Adipositas analysiert. Material und Methoden Es handelt sich um eine Querschnittsuntersuchung von 118 Teilnehmerinnen der prospektiven, monozentrischen Studie PPSDiab, rekrutiert von 2012-2014, 3-16 Monate nach Entbindung, 75 Teilnehmerinnen nach einer Schwangerschaft mit GDM, sowie 43 nach einer normoglykämen Schwangerschaft (Kontrollgruppe). Die Erhebung der Daten erfolgte über den EPIC-FFQ (food frequency questionnaire) zu den Ernährungsgewohnheiten und über weitere Fragebögen zu Störungen des Essverhaltens (EDE-Q und FEV) und zur medizinischen Vorgeschichte. Zudem wurden anthropometrische und laborchemische Untersuchungen durchgeführt. Die Auswertung erfolgte mittels deskriptiver Statistik, Chi-Quadrat-, Mann-Whitney-U- und T-Test.   Ergebnisse Die Ernährungsgewohnheiten von Frauen nach GDM unterscheiden sich hinsichtlich der Energieaufnahme und der Nährstoffzusammensetzung nicht von denen der Kontrollgruppe. Bezogen auf die aktuellen Ernährungsempfehlungen der DGE ernähren sich alle Probandinnengruppen zu „fettreich“ (~40% Energieaufnahme aus Fett versus der empfohlenen 30%) und mit einer erhöhten Zufuhr an gesättigten Fettsäuren (16,6 bzw. 17,3% Energieaufnahme aus Fett versus der empfohlenen 10%). Sie erreichen in der Zufuhr an Kohlenhydraten und Ballaststoffen im Mittel nicht die empfohlenen Mindestmengen. Der Anteil an Disacchariden ist im Durchschnitt größer als die empfohlenen 10% der Gesamtenergiezufuhr pro Tag. Störungen im Essverhalten sind bei Frauen nach GDM nicht häufiger anzutreffen, als bei Frauen nach einer normoglykämen Schwangerschaft. In Abhängigkeit vom Körpergewicht zeigen sich jedoch bei den übergewichtigen/adipösen Frauen nach GDM (BMI≥25kg/m²) signifikant mehr Störungen im Essverhalten als bei den normalgewichtigen Probandinnen (EDE-Gesamtscore 1,76 [0; 4] versus 0,45 [0; 3]; p<.001). Insbesondere die Subskalen „Kontrollverlust“ und „stressbedingtes Essen“ des FEV und die Subskalen „Essanfälle“, „Restriktives Essverhalten, „Sorge bezüglich der Nahrungsaufnahme“, „Sorge wegen des Gewichts“ und „Sorge wegen der Figur“ des EDE sind hier auffällig. Schlussfolgerungen Die Ernährungsgewohnheiten von Frauen nach GDM sind verbesserungswürdig, insbesondere mit Blick auf das erhöhte T2DM-Risiko dieser Gruppe. Darüber hinaus sind übergewichtige und adipöse Frauen nach GDM vermehrt von Störungen des Essverhaltens betroffen. Diese werden in aktuellen Präventionsempfehlungen kaum beachtet, sind jedoch wahrscheinlich für die langfristige Gesundheit der betroffenen Frauen höchst relevant. Eine Ergänzung der aktuellen Präventionsempfehlungen um entsprechende diagnostische und psychotherapeutische Maßnahmen erscheint deshalb sinnvoll., UNSPECIFIED
Essstoerung
Heinrich, Sabine
2021
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Heinrich, Sabine (2021): Ernährungsgewohnheiten und Störungen des Essverhaltens bei Frauen nach Gestationsdiabetes, einer Hochrisikogruppe für Typ-2-Diabetes. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Hintergrund und Zielsetzung Typ 2 Diabetes mellitus (T2DM) ist eines der weltweit wichtigsten Gesundheitsprobleme. Die Erkrankung führt zu gravierenden Komplikationen, verminderter Lebensqualität, frühzeitigem Tod und enormen Kosten für die Gesellschaft. Gestationsdiabetes (GDM) ist eine vorübergehende Stoffwechselstörung in der Schwangerschaft, die ein deutlich erhöhtes Risiko anzeigt, dass die betroffene Frau später an einem T2DM erkrankt. Somit bietet sich nach GDM eine einzigartige Präventionsmöglichkeit, um die Konversion in einen T2DM zu verhindern. Übergewicht, falsche Ernährungsgewohnheiten und Störungen des Essverhaltens sind wesentliche Risikofaktoren für T2DM und deshalb in der Prävention der Erkrankung besonders relevant. Bezüglich Frauen nach GDM ist allerdings unklar, wie deren Ernährungsgewohnheiten beschaffen sind, ob Störungen des Essverhaltens vermehrt vorkommen, und welche Konsequenzen sich daraus für Präventionsprogramme ergeben. Die vorliegende Arbeit untersucht daher die Ernährungsgewohnheiten von Frauen nach GDM im Vergleich zu einer Kontrollgruppe und im Vergleich zu aktuellen Ernährungsempfehlungen. Darüber hinaus wird die Prävalenz von Störungen des Essverhaltens und deren Zusammenhang mit Übergewicht/Adipositas analysiert. Material und Methoden Es handelt sich um eine Querschnittsuntersuchung von 118 Teilnehmerinnen der prospektiven, monozentrischen Studie PPSDiab, rekrutiert von 2012-2014, 3-16 Monate nach Entbindung, 75 Teilnehmerinnen nach einer Schwangerschaft mit GDM, sowie 43 nach einer normoglykämen Schwangerschaft (Kontrollgruppe). Die Erhebung der Daten erfolgte über den EPIC-FFQ (food frequency questionnaire) zu den Ernährungsgewohnheiten und über weitere Fragebögen zu Störungen des Essverhaltens (EDE-Q und FEV) und zur medizinischen Vorgeschichte. Zudem wurden anthropometrische und laborchemische Untersuchungen durchgeführt. Die Auswertung erfolgte mittels deskriptiver Statistik, Chi-Quadrat-, Mann-Whitney-U- und T-Test.   Ergebnisse Die Ernährungsgewohnheiten von Frauen nach GDM unterscheiden sich hinsichtlich der Energieaufnahme und der Nährstoffzusammensetzung nicht von denen der Kontrollgruppe. Bezogen auf die aktuellen Ernährungsempfehlungen der DGE ernähren sich alle Probandinnengruppen zu „fettreich“ (~40% Energieaufnahme aus Fett versus der empfohlenen 30%) und mit einer erhöhten Zufuhr an gesättigten Fettsäuren (16,6 bzw. 17,3% Energieaufnahme aus Fett versus der empfohlenen 10%). Sie erreichen in der Zufuhr an Kohlenhydraten und Ballaststoffen im Mittel nicht die empfohlenen Mindestmengen. Der Anteil an Disacchariden ist im Durchschnitt größer als die empfohlenen 10% der Gesamtenergiezufuhr pro Tag. Störungen im Essverhalten sind bei Frauen nach GDM nicht häufiger anzutreffen, als bei Frauen nach einer normoglykämen Schwangerschaft. In Abhängigkeit vom Körpergewicht zeigen sich jedoch bei den übergewichtigen/adipösen Frauen nach GDM (BMI≥25kg/m²) signifikant mehr Störungen im Essverhalten als bei den normalgewichtigen Probandinnen (EDE-Gesamtscore 1,76 [0; 4] versus 0,45 [0; 3]; p<.001). Insbesondere die Subskalen „Kontrollverlust“ und „stressbedingtes Essen“ des FEV und die Subskalen „Essanfälle“, „Restriktives Essverhalten, „Sorge bezüglich der Nahrungsaufnahme“, „Sorge wegen des Gewichts“ und „Sorge wegen der Figur“ des EDE sind hier auffällig. Schlussfolgerungen Die Ernährungsgewohnheiten von Frauen nach GDM sind verbesserungswürdig, insbesondere mit Blick auf das erhöhte T2DM-Risiko dieser Gruppe. Darüber hinaus sind übergewichtige und adipöse Frauen nach GDM vermehrt von Störungen des Essverhaltens betroffen. Diese werden in aktuellen Präventionsempfehlungen kaum beachtet, sind jedoch wahrscheinlich für die langfristige Gesundheit der betroffenen Frauen höchst relevant. Eine Ergänzung der aktuellen Präventionsempfehlungen um entsprechende diagnostische und psychotherapeutische Maßnahmen erscheint deshalb sinnvoll.

Abstract