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Einfluss einer galvanischen vestibulären Rauschstimulation auf die Gangstabilität bei gesunden Probanden und bei Patienten mit bilateraler Vestibulopathie
Einfluss einer galvanischen vestibulären Rauschstimulation auf die Gangstabilität bei gesunden Probanden und bei Patienten mit bilateraler Vestibulopathie
Patienten mit einer bilateralen Vestibulopathie (BVP) leiden aufgrund fehlender vestibulookulärer und vestibulospinaler Reflexfunktionen unter Stand- und Gangunsicherheit, bewegungsabhängigem Schwindel, Oszillopsien mit unscharfem Sehen bei Kopfbewegungen und unter räumlichen Orientierungsstörungen (Zingler, Weintz et al. 2009). Die Patienten sind in Ihrem Alltag stark eingeschränkt und haben ein deutlich erhöhtes Sturzrisiko (Schlick, Schniepp et al. 2016). Die Standardbehandlung ist ein physiotherapeutisches Gleichgewichtstraining. Auf diese Behandlung spricht nur etwa die Hälfte der Patienten an mit meist nur moderatem Therapieeffekt (Gillespie and Minor 1999). Für die vorliegende Dissertation wurde ein alternativer Therapieansatz für Patienten mit BVP untersucht. Der Behandlungsansatz basiert auf dem Phänomen der stochastischen Resonanz, demzufolge sich die Signalverarbeitung von sensorischen Systemen durch die Beigabe eines schwachen Rauschsignals verbessern lässt. In einer vorangegangen Studie konnte bereits gezeigt werden, dass sich mit Hilfe einer nicht wahrnehmbaren galvanischen vestibulären Rauschstimulation die statische Haltungsstabilität bei Patienten mit BVP verbessern lässt (Iwasaki, Yamamoto et al. 2014). Darauf aufbauend wurde nun der Einfluss der vestibulären Rauschstimulation auf die dynamische Gangstabilisierung bei gesunden Probanden sowie bei Patienten mit BVP untersucht. Es zeigte sich, dass die vestibuläre Rauschstimulation bei Gesunden und insbesondere bei Patienten zu einer effektiven, objektiv messbaren sowie subjektiv empfundenen Stabilisierung des Gangverhaltens führt. Die Stimulation verringerte die spatiotemporale Gangvariabilität, die bei Patienten ein Indikator für ein erhöhtes Risiko zu stürzen darstellt. Zudem war der Einfluss der Stimulation vornehmlich während des langsamen Gehens zu beobachten, das bei Patienten am stärksten durch den vestibulären Funktionsausfall beeinträchtigt ist. Eine schwache Rauschreizung des vestibulären Systems führt also bei Patienten mit BVP zu einer effektiven Stabilisierung des statischen und dynamischen Gleichgewichts. Damit stellt diese Stimulation einen nicht invasiven vielversprechenden Therapieansatz für Patienten mit BVP dar.
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Nusser, Eva
2021
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Nusser, Eva (2021): Einfluss einer galvanischen vestibulären Rauschstimulation auf die Gangstabilität bei gesunden Probanden und bei Patienten mit bilateraler Vestibulopathie. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Patienten mit einer bilateralen Vestibulopathie (BVP) leiden aufgrund fehlender vestibulookulärer und vestibulospinaler Reflexfunktionen unter Stand- und Gangunsicherheit, bewegungsabhängigem Schwindel, Oszillopsien mit unscharfem Sehen bei Kopfbewegungen und unter räumlichen Orientierungsstörungen (Zingler, Weintz et al. 2009). Die Patienten sind in Ihrem Alltag stark eingeschränkt und haben ein deutlich erhöhtes Sturzrisiko (Schlick, Schniepp et al. 2016). Die Standardbehandlung ist ein physiotherapeutisches Gleichgewichtstraining. Auf diese Behandlung spricht nur etwa die Hälfte der Patienten an mit meist nur moderatem Therapieeffekt (Gillespie and Minor 1999). Für die vorliegende Dissertation wurde ein alternativer Therapieansatz für Patienten mit BVP untersucht. Der Behandlungsansatz basiert auf dem Phänomen der stochastischen Resonanz, demzufolge sich die Signalverarbeitung von sensorischen Systemen durch die Beigabe eines schwachen Rauschsignals verbessern lässt. In einer vorangegangen Studie konnte bereits gezeigt werden, dass sich mit Hilfe einer nicht wahrnehmbaren galvanischen vestibulären Rauschstimulation die statische Haltungsstabilität bei Patienten mit BVP verbessern lässt (Iwasaki, Yamamoto et al. 2014). Darauf aufbauend wurde nun der Einfluss der vestibulären Rauschstimulation auf die dynamische Gangstabilisierung bei gesunden Probanden sowie bei Patienten mit BVP untersucht. Es zeigte sich, dass die vestibuläre Rauschstimulation bei Gesunden und insbesondere bei Patienten zu einer effektiven, objektiv messbaren sowie subjektiv empfundenen Stabilisierung des Gangverhaltens führt. Die Stimulation verringerte die spatiotemporale Gangvariabilität, die bei Patienten ein Indikator für ein erhöhtes Risiko zu stürzen darstellt. Zudem war der Einfluss der Stimulation vornehmlich während des langsamen Gehens zu beobachten, das bei Patienten am stärksten durch den vestibulären Funktionsausfall beeinträchtigt ist. Eine schwache Rauschreizung des vestibulären Systems führt also bei Patienten mit BVP zu einer effektiven Stabilisierung des statischen und dynamischen Gleichgewichts. Damit stellt diese Stimulation einen nicht invasiven vielversprechenden Therapieansatz für Patienten mit BVP dar.