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Untersuchung der Suppressionskapazität der polymorphonuclear myeloid derived suppressor cells (PMN-MDSCs) in der chronischen HIV-1-Infektion
Untersuchung der Suppressionskapazität der polymorphonuclear myeloid derived suppressor cells (PMN-MDSCs) in der chronischen HIV-1-Infektion
Die HIV-1-Infektion ist durch die Ausbildung einer progredienten Immunschwäche gekennzeichnet. Zahlreiche Zellen des Immunsystems, darunter CD4+ T-Zellen, zytotoxische CD8+ T-Zellen und B-Zellen verlieren im Verlauf der Erkrankung essentielle Effektorfunktionen. Insbesondere der persistenten Immunaktivierung wird eine wesentliche Rolle in diesem Prozess zugeschrieben, welcher als Immunerschöpfung bezeichnet wird. Myeloid-derived suppressor cells (MDSCs) beschreiben eine heterogene Population unreifer myeloischer Zellen, die sich hauptsächlich in zwei Subgruppen untergliedert: monozytäre MDSCs (M-MDSCs) und polymorphonukleäre MDSCs (PMN-MDSCs). MDSCs expandieren in einer Vielzahl von Erkrankungen und zeichnen sich durch ihre Fähigkeit, T-Zellantworten zu hemmen, aus. Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin, die immunsuppressive Funktion der PMN-MDSCs in der chronischen HIV-1-Infektion zu untersuchen und zu eruieren, ob sie dem Phänomen der Immunerschöpfung unterliegt. Zu diesem Zweck wurden PMN-MDSCs des peripheren Bluts mit CD8+ T-Zellen in Proliferationsassays koinkubiert. Die Blutproben wurden Patienten in der chronischen HIV-1-Infektion, HIV-Controllern, Bronchialkarzinompatienten und gesunden Probanden entnommen. Nach der Koinkubation wurde die Suppressionskapazität, welche ein Maß für die Hemmung der T-Zellproliferation durch die PMN-MDSCs darstellt, zwischen den Studiengruppen verglichen. Zusätzlich wurde die PMN-MDSC-Frequenz und das Ausmaß der Immunaktivierung der CD8+ T-Zellen bestimmt. Die suppressive Aktivität der PMN-MDSCs bestätigte sich in allen untersuchten Studiengruppen. Dabei konnte erstmals nachgewiesen werden, dass PMN-MDSCs in der unbehandelten, chronischen HIV-1-Infektion ihre Suppressionskapazität verlieren. Es zeigte sich, dass die Hemmung der T-Zellproliferation bei PMN-MDSC-Frequenzen > 2,5 % niedriger ausfiel als bei Frequenzen < 2,5 %. Darüber hinaus wurden Korrelationen zwischen der PMN-MDSC-Frequenz, Viruslast und CD4-Zellzahl festgestellt. Zwischen quantitativen und qualitativen Eigenschaften der PMN-MDSCs und den Immunaktivierungsmarkern CD38 und HLA-DR bestand hingegen kein signifikanter Zusammenhang. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass PMN-MDSCs in der fortgeschrittenen HIV-1-Infektion ihre immunsuppressive Funktion verlieren und somit von der Immunerschöpfung betroffen sind.
PMN-MDSCs, myeloid derived suppressor cells, HIV
Neizert, Ashley
2020
Deutsch
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Neizert, Ashley (2020): Untersuchung der Suppressionskapazität der polymorphonuclear myeloid derived suppressor cells (PMN-MDSCs) in der chronischen HIV-1-Infektion. Dissertation, LMU München: Medizinische Fakultät
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Abstract

Die HIV-1-Infektion ist durch die Ausbildung einer progredienten Immunschwäche gekennzeichnet. Zahlreiche Zellen des Immunsystems, darunter CD4+ T-Zellen, zytotoxische CD8+ T-Zellen und B-Zellen verlieren im Verlauf der Erkrankung essentielle Effektorfunktionen. Insbesondere der persistenten Immunaktivierung wird eine wesentliche Rolle in diesem Prozess zugeschrieben, welcher als Immunerschöpfung bezeichnet wird. Myeloid-derived suppressor cells (MDSCs) beschreiben eine heterogene Population unreifer myeloischer Zellen, die sich hauptsächlich in zwei Subgruppen untergliedert: monozytäre MDSCs (M-MDSCs) und polymorphonukleäre MDSCs (PMN-MDSCs). MDSCs expandieren in einer Vielzahl von Erkrankungen und zeichnen sich durch ihre Fähigkeit, T-Zellantworten zu hemmen, aus. Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin, die immunsuppressive Funktion der PMN-MDSCs in der chronischen HIV-1-Infektion zu untersuchen und zu eruieren, ob sie dem Phänomen der Immunerschöpfung unterliegt. Zu diesem Zweck wurden PMN-MDSCs des peripheren Bluts mit CD8+ T-Zellen in Proliferationsassays koinkubiert. Die Blutproben wurden Patienten in der chronischen HIV-1-Infektion, HIV-Controllern, Bronchialkarzinompatienten und gesunden Probanden entnommen. Nach der Koinkubation wurde die Suppressionskapazität, welche ein Maß für die Hemmung der T-Zellproliferation durch die PMN-MDSCs darstellt, zwischen den Studiengruppen verglichen. Zusätzlich wurde die PMN-MDSC-Frequenz und das Ausmaß der Immunaktivierung der CD8+ T-Zellen bestimmt. Die suppressive Aktivität der PMN-MDSCs bestätigte sich in allen untersuchten Studiengruppen. Dabei konnte erstmals nachgewiesen werden, dass PMN-MDSCs in der unbehandelten, chronischen HIV-1-Infektion ihre Suppressionskapazität verlieren. Es zeigte sich, dass die Hemmung der T-Zellproliferation bei PMN-MDSC-Frequenzen > 2,5 % niedriger ausfiel als bei Frequenzen < 2,5 %. Darüber hinaus wurden Korrelationen zwischen der PMN-MDSC-Frequenz, Viruslast und CD4-Zellzahl festgestellt. Zwischen quantitativen und qualitativen Eigenschaften der PMN-MDSCs und den Immunaktivierungsmarkern CD38 und HLA-DR bestand hingegen kein signifikanter Zusammenhang. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass PMN-MDSCs in der fortgeschrittenen HIV-1-Infektion ihre immunsuppressive Funktion verlieren und somit von der Immunerschöpfung betroffen sind.