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Entwicklung eines Auswertungsverfahrens zur Erfassung der Mentalisierungsfähigkeit anhand des Adult Attachment Projective Picture Systems
Entwicklung eines Auswertungsverfahrens zur Erfassung der Mentalisierungsfähigkeit anhand des Adult Attachment Projective Picture Systems
Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, ein einfacheres und ökonomischeres Auswertungverfahren zur Erfassung der Reflexionsfähigkeit (RF) zu entwickeln. Diese wurde bisher im Adult Attachment Interview (AAI) erhoben. Die Reflexionsfähigkeit bezeichnet die wichtige Fertigkeit, über sich selbst, als auch über den Seelenzustand des Gegenübers reflektieren zu können und die eigene erlebte Wirklichkeit von der umgebenden Realität, abzugrenzen (Fonagy, Target, Steele, & Steele, 1998). Die Begriffe ,Reflexionsfähigkeit‘ und ,Mentalisierung‘ werden in der Literatur meist als Synonym verwendet. Die Mentalisierungsfähigkeit kann als aktiver Ausdruck der Reflexionsfähigkeit betrachtet werden. Neben der Entwicklung eines Selbst, das über den Seelenzustand reflektiert, ist die Mentalisierungsfähigkeit auch für die Fähigkeit verantwortlich, Sinn und Bedeutung herzustellen und hat dadurch Einfluss auf das Verhalten (Daudert, 2002). In der neuen Auswertungsmethode wurde ein anderes Interviewverfahren, das Adult Attachment Projective Picture System (AAP) verwendet, das wesentlich kürzer und kostengünstiger ist als das AAI. Da das RF-Manual nicht auf das AAP anwendbar ist, wurde ein der Reflexionsfähigkeit ähnliches Konstrukt, das der Mind-Mindedness, auf das neue Interviewverfahren angewendet. Das Manual der Mind-Mindedness (Meins, 2015) wurde bisher noch nicht auf das AAP angewendet, deshalb wurde das Manual in dieser Arbeit an das AAP angepasst. In der Annahme, dass das neue Auswertungsverfahren die Gütekriterien erfüllt, wurden es hinsichtlich der Reliabilität, der konvergenten-, Inhalts- und prospektiven Validität überprüft. Dafür wurden die AAPs von N=140 schwangeren Frauen der SAFE -Studie ausgewertet. Es konnte eine hohe Interraterreliabilität nachgewiesen werden. Die konvergente Validität zeigte sich darin, dass Personen, die über eine hohe RF im AAI verfügen, in bestimmten Kategorien der Mind-Mindedness, wie der Emotion, erhöhte Werte im AAP aufzeigen. Die prospektive Validität konnte ebenso aufgezeigt werden, da gewisse Untergruppen der Mind-Mindedness mit bestimmten Dimensionen der Mutter-Kind-Interaktion korrelieren. Zusammenfassend zeigt diese Arbeit einen ersten erfolgreichen Versuch auf, anhand der Mind-Mindedness einer Person, einen Rückschluss auf dessen RF zu erlangen. Weitere Studien in diese Richtung könnten dafür sorgen, dass die RF einer Person schneller und einfacher zu erfassen ist, was aus klinischer Perspektive von großem Nutzen wäre.
Mentalisierungsfähigkeit, Reflexionsfähigkeit, Adult Attachment Projective Picture Systems, Mind-Mindedness
Gehbald, Lucia
2020
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Gehbald, Lucia (2020): Entwicklung eines Auswertungsverfahrens zur Erfassung der Mentalisierungsfähigkeit anhand des Adult Attachment Projective Picture Systems. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, ein einfacheres und ökonomischeres Auswertungverfahren zur Erfassung der Reflexionsfähigkeit (RF) zu entwickeln. Diese wurde bisher im Adult Attachment Interview (AAI) erhoben. Die Reflexionsfähigkeit bezeichnet die wichtige Fertigkeit, über sich selbst, als auch über den Seelenzustand des Gegenübers reflektieren zu können und die eigene erlebte Wirklichkeit von der umgebenden Realität, abzugrenzen (Fonagy, Target, Steele, & Steele, 1998). Die Begriffe ,Reflexionsfähigkeit‘ und ,Mentalisierung‘ werden in der Literatur meist als Synonym verwendet. Die Mentalisierungsfähigkeit kann als aktiver Ausdruck der Reflexionsfähigkeit betrachtet werden. Neben der Entwicklung eines Selbst, das über den Seelenzustand reflektiert, ist die Mentalisierungsfähigkeit auch für die Fähigkeit verantwortlich, Sinn und Bedeutung herzustellen und hat dadurch Einfluss auf das Verhalten (Daudert, 2002). In der neuen Auswertungsmethode wurde ein anderes Interviewverfahren, das Adult Attachment Projective Picture System (AAP) verwendet, das wesentlich kürzer und kostengünstiger ist als das AAI. Da das RF-Manual nicht auf das AAP anwendbar ist, wurde ein der Reflexionsfähigkeit ähnliches Konstrukt, das der Mind-Mindedness, auf das neue Interviewverfahren angewendet. Das Manual der Mind-Mindedness (Meins, 2015) wurde bisher noch nicht auf das AAP angewendet, deshalb wurde das Manual in dieser Arbeit an das AAP angepasst. In der Annahme, dass das neue Auswertungsverfahren die Gütekriterien erfüllt, wurden es hinsichtlich der Reliabilität, der konvergenten-, Inhalts- und prospektiven Validität überprüft. Dafür wurden die AAPs von N=140 schwangeren Frauen der SAFE -Studie ausgewertet. Es konnte eine hohe Interraterreliabilität nachgewiesen werden. Die konvergente Validität zeigte sich darin, dass Personen, die über eine hohe RF im AAI verfügen, in bestimmten Kategorien der Mind-Mindedness, wie der Emotion, erhöhte Werte im AAP aufzeigen. Die prospektive Validität konnte ebenso aufgezeigt werden, da gewisse Untergruppen der Mind-Mindedness mit bestimmten Dimensionen der Mutter-Kind-Interaktion korrelieren. Zusammenfassend zeigt diese Arbeit einen ersten erfolgreichen Versuch auf, anhand der Mind-Mindedness einer Person, einen Rückschluss auf dessen RF zu erlangen. Weitere Studien in diese Richtung könnten dafür sorgen, dass die RF einer Person schneller und einfacher zu erfassen ist, was aus klinischer Perspektive von großem Nutzen wäre.