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Prognostische Faktoren und klinische Ergebnisse von Verletzungen mit Bulbuseröffnung
Prognostische Faktoren und klinische Ergebnisse von Verletzungen mit Bulbuseröffnung
Ziele: Auswertung der Charakteristika und klinischen Ergebnisse nach offener Bulbusverletzung in einer großen deutschen Augenklinik mit Evaluierung der prognostischen Faktoren in einem aktuellen Zeitraum und deren Übereinstimmung mit bisher publizierten Studien sowie einer möglichen Auswirkung von neuen chirurgischen Ansätzen bei der Behandlung von okulären Traumata. Methode: In einer retrospektiven Studie erfolgte die Analyse der Krankenakten von Patienten, welche sich nach der Einführung von minimalinvasiven Standards in der Ophthalmochirurgie (23G Vitrektomie und 2,2 mm koaxiale Phakoemulsifikation, Januar 2008) zwischen Juni 2008 und Oktober 2013 mit offenen Bulbusverletzungen in unserer Klinik vorstellten und eine primäre Wundversorgung erhielten. Mithilfe der Birmingham Eye Trauma Terminology (BETT) wurden alle Fälle klassifiziert und anhand des Ocular Trauma Scores (OTS) hinsichtlich des Visus und verschiedener klinischer Parameter untersucht. Ergebnis: Von den insgesamt 222 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 42 Jahren ± 23,99 SD waren 80,2% männlich und 19,8% weiblich. Die Unfälle ereigneten sich hauptsächlich am Arbeitsplatz (38,3%) und zuhause (25,2%). In 70,3% wurden die Verletzungen durch spitze Gegenstände hervorgerufen, wobei es sich mit 38,7% am häufigsten ursächlich um Metall-Fremdkörper handelte. 13,5% der Unfälle ereigneten sich sturzbedingt. Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug 8,4 Monate (2d – 84,2 Monate). Im Durchschnitt stellten sich die Patienten mit einer OTS-Kategorie von 3.33 ± 1.04 SD vor. Bei 131 Fällen handelte es sich um eine penetrierende Verletzung gemäß der BETT-Klassifikation. Ein intraokularer Fremdkörper (IOFK) lag bei 59 Patienten vor. Signifikante Faktoren für ein schlechtes klinisches Ergebnis waren ein reduzierter Ausgangsvisus (p < 0,001), eine zunehmende Latenz zwischen Trauma und Erstversorgung (p = 0,012), eine posteriore Ausdehnung der Wunde entsprechend Zone III (p < 0,001) und eine Glaskörperblutung im Verlauf (p = 0,011). Als häufigste postoperative Komplikationen stellten sich eine traumatische Katarakt (38,7%), Aderhautamotio (20,3%), Glaskörperblutung (18%) und Netzhautablösung (14.4%) dar. Eine traumaassoziierte Endophthalmitis trat bei 2,7% der Patienten nach durchschnittlich 20 Tagen auf (2-52d). 50% dieser Patienten hatten einen IOFK. Fehlende Lichtscheinwahrnehmung bei Erstvorstellung bedingte einen signifikant schlechteren Visus (p < 0,001), wobei 38,9% dieser Patienten letztlich mindestens Lichtschein wahrnehmen konnten. Insgesamt wurde eine gute Korrelation unserer Ergebnisse mit dem OTS beobachtet (R2 = 0,242). Weiterer operativer Handlungsbedarf wie in Form einer Vitrektomie oder Katarakt-Extraktion lag in 32,9% der Patienten vor. Ebenso lag bei diesen Patienten eine gute Korrelation mit dem OTS vor (R2 = 0,208). Schlussfolgerung: Die Bedeutung der BETT-Klassifikation und deren prospektive Gültigkeit in einem aktuelleren Patientenkollektiv konnte nachgewiesen werden. Es scheint, als hätten die neuen ophthalmochirurgischen Entsicklungen wie die 23G Vitrektomie oder die mikroinzisionale Kataraktoperation keinen Einfluss auf das klinische Ergebnis, welches mittels der OTS-Korrelation bestimmt werden kann. Während in 38,9% der Fälle, die initial keine Lichtscheinwahrnehmung zeigten, eine Visusverbesserung im Verlauf erzielt werden konnte, scheinen neue Operationsmethoden die Prognose des OTS-Scores nicht zu beeinflussen., Purpose: To report characteristics and outcome of patients with open globe injury (OGI) in a current setting of a large German tertiary referral center and investigate a possible impact of recent surgical approaches in the management of ocular trauma. Setting/Venue: Retrospective chart review of 222 consecutive patients in total who presented with OGI and were primarily treated at the LMU University Eye Hospital Munich between June 2008 and October 2013. Methods: The medical records of all patients with OGI after introduction of minimal invasive intraocular surgery standards (23g vitrectomy and 2.2 mm coaxial phacoemulsification, January 2008) were evaluated to determine the functional outcome and prognostic factors. All factors for assessment of the Ocular Trauma Score (OTS) according to the Birmingham Eye Trauma Terminology (BETT) were recorded. Additionally, other factors such as no light perception (NLP) at presentation, the context of trauma or characteristic complications were analysed. Results: The mean age of the 222 patients analysed was 42 years ± 23.99 SD (SD = standard deviation). 80.2% were male and 19.8% female. Work-related (38.3%) or domestic accidents (25.2%) were the most frequent context of trauma. 70.3% of the accidents were caused by a sharp object and metal objects were the most common cause of injury (38.7%). 13.5% of the injuries were fall-related. Mean follow-up time was 8.4 months (range 2d – 84.2 months). On average, patients presented with an OTS-category of 3.33 ± 1.04 SD. The most common mechanism of injury was penetrating trauma (n = 131) and 59 presented with intraocular foreign body (IOFB). Clinical features that resulted in bad functional outcome were poor corrected distance visual acuity (CDVA) at presentation (p < 0.001), increasing interval between trauma and surgical treatment (p = 0.012), posterior extension of wound in accordance with zone III (p < 0.001) and vitreous hemorrhage during follow-up (p = 0.011). Most frequent postoperative complications were traumatic cataract (38.7%), choroidal detachment (20.3%), vitreous hemorrhage (18%) and retinal detachment (14.4%). Trauma associated endophthalmitis (TAE) occurred in 2.7% after 20 days on average (range 2 – 52d) and 50% of these had an IOFB. Initial NLP showed a reduced outcome (p < 0.001). However, 38.9% of patients with NLP initially had a final CDVA of light perception or better. Overall, a good correlation of our results with OTS was observed (R2 = 0.242). 32.9% of the patients needed additional surgery involving vitrectomy or cataract extraction. In these patients correlation with OTS was also found (R2 = 0.208). Conclusions: The importance of the classification by BETT and its prospective significance in a more current collective of patients with OGI could be demonstrated. It seems that recent surgical developments such as 23g vitrectomy or small incision cataract surgery do not have an impact on outcome as measured by OTS correlation. While NLP at presentation showed an increase of VA in 38.9% of cases, new surgical techniques don’t seem to affect the prognosis of the OTS.
Not available
Arda, Helin
2020
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Arda, Helin (2020): Prognostische Faktoren und klinische Ergebnisse von Verletzungen mit Bulbuseröffnung. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Ziele: Auswertung der Charakteristika und klinischen Ergebnisse nach offener Bulbusverletzung in einer großen deutschen Augenklinik mit Evaluierung der prognostischen Faktoren in einem aktuellen Zeitraum und deren Übereinstimmung mit bisher publizierten Studien sowie einer möglichen Auswirkung von neuen chirurgischen Ansätzen bei der Behandlung von okulären Traumata. Methode: In einer retrospektiven Studie erfolgte die Analyse der Krankenakten von Patienten, welche sich nach der Einführung von minimalinvasiven Standards in der Ophthalmochirurgie (23G Vitrektomie und 2,2 mm koaxiale Phakoemulsifikation, Januar 2008) zwischen Juni 2008 und Oktober 2013 mit offenen Bulbusverletzungen in unserer Klinik vorstellten und eine primäre Wundversorgung erhielten. Mithilfe der Birmingham Eye Trauma Terminology (BETT) wurden alle Fälle klassifiziert und anhand des Ocular Trauma Scores (OTS) hinsichtlich des Visus und verschiedener klinischer Parameter untersucht. Ergebnis: Von den insgesamt 222 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 42 Jahren ± 23,99 SD waren 80,2% männlich und 19,8% weiblich. Die Unfälle ereigneten sich hauptsächlich am Arbeitsplatz (38,3%) und zuhause (25,2%). In 70,3% wurden die Verletzungen durch spitze Gegenstände hervorgerufen, wobei es sich mit 38,7% am häufigsten ursächlich um Metall-Fremdkörper handelte. 13,5% der Unfälle ereigneten sich sturzbedingt. Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug 8,4 Monate (2d – 84,2 Monate). Im Durchschnitt stellten sich die Patienten mit einer OTS-Kategorie von 3.33 ± 1.04 SD vor. Bei 131 Fällen handelte es sich um eine penetrierende Verletzung gemäß der BETT-Klassifikation. Ein intraokularer Fremdkörper (IOFK) lag bei 59 Patienten vor. Signifikante Faktoren für ein schlechtes klinisches Ergebnis waren ein reduzierter Ausgangsvisus (p < 0,001), eine zunehmende Latenz zwischen Trauma und Erstversorgung (p = 0,012), eine posteriore Ausdehnung der Wunde entsprechend Zone III (p < 0,001) und eine Glaskörperblutung im Verlauf (p = 0,011). Als häufigste postoperative Komplikationen stellten sich eine traumatische Katarakt (38,7%), Aderhautamotio (20,3%), Glaskörperblutung (18%) und Netzhautablösung (14.4%) dar. Eine traumaassoziierte Endophthalmitis trat bei 2,7% der Patienten nach durchschnittlich 20 Tagen auf (2-52d). 50% dieser Patienten hatten einen IOFK. Fehlende Lichtscheinwahrnehmung bei Erstvorstellung bedingte einen signifikant schlechteren Visus (p < 0,001), wobei 38,9% dieser Patienten letztlich mindestens Lichtschein wahrnehmen konnten. Insgesamt wurde eine gute Korrelation unserer Ergebnisse mit dem OTS beobachtet (R2 = 0,242). Weiterer operativer Handlungsbedarf wie in Form einer Vitrektomie oder Katarakt-Extraktion lag in 32,9% der Patienten vor. Ebenso lag bei diesen Patienten eine gute Korrelation mit dem OTS vor (R2 = 0,208). Schlussfolgerung: Die Bedeutung der BETT-Klassifikation und deren prospektive Gültigkeit in einem aktuelleren Patientenkollektiv konnte nachgewiesen werden. Es scheint, als hätten die neuen ophthalmochirurgischen Entsicklungen wie die 23G Vitrektomie oder die mikroinzisionale Kataraktoperation keinen Einfluss auf das klinische Ergebnis, welches mittels der OTS-Korrelation bestimmt werden kann. Während in 38,9% der Fälle, die initial keine Lichtscheinwahrnehmung zeigten, eine Visusverbesserung im Verlauf erzielt werden konnte, scheinen neue Operationsmethoden die Prognose des OTS-Scores nicht zu beeinflussen.

Abstract

Purpose: To report characteristics and outcome of patients with open globe injury (OGI) in a current setting of a large German tertiary referral center and investigate a possible impact of recent surgical approaches in the management of ocular trauma. Setting/Venue: Retrospective chart review of 222 consecutive patients in total who presented with OGI and were primarily treated at the LMU University Eye Hospital Munich between June 2008 and October 2013. Methods: The medical records of all patients with OGI after introduction of minimal invasive intraocular surgery standards (23g vitrectomy and 2.2 mm coaxial phacoemulsification, January 2008) were evaluated to determine the functional outcome and prognostic factors. All factors for assessment of the Ocular Trauma Score (OTS) according to the Birmingham Eye Trauma Terminology (BETT) were recorded. Additionally, other factors such as no light perception (NLP) at presentation, the context of trauma or characteristic complications were analysed. Results: The mean age of the 222 patients analysed was 42 years ± 23.99 SD (SD = standard deviation). 80.2% were male and 19.8% female. Work-related (38.3%) or domestic accidents (25.2%) were the most frequent context of trauma. 70.3% of the accidents were caused by a sharp object and metal objects were the most common cause of injury (38.7%). 13.5% of the injuries were fall-related. Mean follow-up time was 8.4 months (range 2d – 84.2 months). On average, patients presented with an OTS-category of 3.33 ± 1.04 SD. The most common mechanism of injury was penetrating trauma (n = 131) and 59 presented with intraocular foreign body (IOFB). Clinical features that resulted in bad functional outcome were poor corrected distance visual acuity (CDVA) at presentation (p < 0.001), increasing interval between trauma and surgical treatment (p = 0.012), posterior extension of wound in accordance with zone III (p < 0.001) and vitreous hemorrhage during follow-up (p = 0.011). Most frequent postoperative complications were traumatic cataract (38.7%), choroidal detachment (20.3%), vitreous hemorrhage (18%) and retinal detachment (14.4%). Trauma associated endophthalmitis (TAE) occurred in 2.7% after 20 days on average (range 2 – 52d) and 50% of these had an IOFB. Initial NLP showed a reduced outcome (p < 0.001). However, 38.9% of patients with NLP initially had a final CDVA of light perception or better. Overall, a good correlation of our results with OTS was observed (R2 = 0.242). 32.9% of the patients needed additional surgery involving vitrectomy or cataract extraction. In these patients correlation with OTS was also found (R2 = 0.208). Conclusions: The importance of the classification by BETT and its prospective significance in a more current collective of patients with OGI could be demonstrated. It seems that recent surgical developments such as 23g vitrectomy or small incision cataract surgery do not have an impact on outcome as measured by OTS correlation. While NLP at presentation showed an increase of VA in 38.9% of cases, new surgical techniques don’t seem to affect the prognosis of the OTS.