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Erhaltungstherapie mit Hirnstimulationsverfahren. retrospektive Arbeit über die Anwendung einer Universitätsklinik
Erhaltungstherapie mit Hirnstimulationsverfahren. retrospektive Arbeit über die Anwendung einer Universitätsklinik
Nicht-invasive Hirnstimulationsverfahren stellen seit Jahrzehnten einen anerkannten Therapieansatz für psychiatrische Erkrankung dar. Die Elektrokonvulsionstherapie ist bei Patienten und Anwendern wohl am bekanntesten, da sie seit den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts klinische Anwendung findet. (Grözinger 2013). In den letzten 30 Jahren wurden weitere Hirnstimulationsverfahren zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen entwickelt, die neben Psychopharmakotherapie und Psychotherapie zu einer 3. Säule in der Therapie der Depression (Plewnia 2013) wurden. Zudem werden Hirnstimulationsverfahren zur Behandlung weiterer Erkrankungen aus dem psychiatrischen Krankheitsspektrum intensiv beforscht. Die nicht-invasiven Hirnstimulationsverfahren werden in der Literatur häufig als NIBS, d.h. noninvasive-brain-stimulation bezeichnet. Bei der EKT wird mittels Stromapplikation an der Schläfe des Patienten ein epileptischer Anfall induziert. Somit handelt es sich bei der EKT um ein konvulsives Verfahren. An manchen Zentren wird die Magnetkonvulsionstherapie angewendet, ein ebenfalls konvulsives Verfahren, welches über die Applikation von magnetischen Impulsen über die Kalotte einen epileptischen Anfall induziert. Demgegenüber stehen nicht-konvulsive Stimulationsverfahren wie repetitive transkranielle Magnetstimulation und transkranielle elektrische Stimulation (tES) dazu gehören auch die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS), transkranielle Wechselstromstimulation (tACS) und transkranielle Random Noise Stimulation (tRNS) (Kadosh 2014). Moderne bildgebende Verfahren, wie funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT), Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) und Positronenemissionstomographie (PET) zeigten funktionelle und neuroanatomische Veränderungen bei Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen (Plewnia 2012). Neben den nicht-invasiven Hirnstimulationsverfahren etablieren sich auch invasive Stimulationsverfahren wie die tiefe Hirnstimulation, die Vagusnervstimulation und die epidurale kortikale Stimulation. (Plewnia2012). Diese sind nicht Gegenstand dieser Arbeit, da sie während des untersuchten Zeitraums an der Klinik für Psychiatrie der LMU München keine Anwendung fanden. Unterschieden werden Stimulationsverfahren, welche durch Applikation von Strom wirken, wie die EKT, und Stimulationsverfahren, welche magnetische Impulse verwenden, wie die rTMS. Neben den zuvor genannten sind weitere Hirnstimulationsverfahren wie Gleichstromstimulation und Wechselstromstimulation Gegenstand der Forschung an der Klinik für Psychiatrie der LMU. Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) ist ebenfalls eine nicht-invasive Methode der Hirnstimulation, bei der ein Gleichstrom geringer Stärke über an den Kopf angelegte Schwammelektroden appliziert wird. In den 1960er- und 1970er-Jahren erfolgte eine Reihe von Studien zur Anwendung der Gleichstromstimulation. Durch den applizierten Strom wird die Depolarisationsschwelle nicht überschritten und es werden keine Aktionspotentiale ausgelöst. Bei der tDCS wird die Depolarisationsschwelle durch anodale (also exzitatorische) Stimulation erniedrigt, während kathodale (also inhibitorische) Stimulation die neuronale Erregbarkeit reduziert. Dies wird als „sanftes“ Verfahren der Neuromodulation bezeichnet. Postuliert wird eine konsekutiv einsetzende Neuroplastizität, welche Grundlage der Therapieeffekte sein dürfte (Palm 2013). Laut Palm et al. gelten: „10 bis 15 Stimulationen mit einer Stromstärke von 2mA und einer Dauer von 20 Minuten über einen Zeitraum von 2 bis 3 Wochen als sicher und gut verträglich“. (Palm 2013) Die Klinik für Psychiatrie der LMU ist ein wissenschaftlich erfahrenes Zentrum, in der auch intensivere Protokolle durchgeführt werden. Vornehmlich im Rahmen von Studien wird aktuell eine Erweiterung der Indikationsstellung auf andere Erkrankungen geprüft. Die klinische Anwendung gilt dennoch als sicher und nebenwirkungsarm, selbst bei intensivierter Anwendung (Palm 2015). Für EKT und rTMS gibt es inzwischen ausreichende Daten, um eine Empfehlung für die klinische Anwendung auszusprechen. Aus diesem Grunde sind lediglich diese Verfahren Gegenstand dieser Arbeit. An der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LMU wurden zahlreiche Studien zu Hirnstimulationsverfahren durchgeführt. Eine klinische Anwendung im Rahmen der Behandlungsleitlinien ist für die EKT seit langem etabliert, im Rahmen individueller Heilversuche ist eine Behandlung mit rTMS an der Klinik ebenfalls möglich. Bei guter klinischer Wirksamkeit kann eine Erhaltungstherapie diskutiert werden.
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Bauer, Ingrid
2020
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Bauer, Ingrid (2020): Erhaltungstherapie mit Hirnstimulationsverfahren: retrospektive Arbeit über die Anwendung einer Universitätsklinik. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Nicht-invasive Hirnstimulationsverfahren stellen seit Jahrzehnten einen anerkannten Therapieansatz für psychiatrische Erkrankung dar. Die Elektrokonvulsionstherapie ist bei Patienten und Anwendern wohl am bekanntesten, da sie seit den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts klinische Anwendung findet. (Grözinger 2013). In den letzten 30 Jahren wurden weitere Hirnstimulationsverfahren zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen entwickelt, die neben Psychopharmakotherapie und Psychotherapie zu einer 3. Säule in der Therapie der Depression (Plewnia 2013) wurden. Zudem werden Hirnstimulationsverfahren zur Behandlung weiterer Erkrankungen aus dem psychiatrischen Krankheitsspektrum intensiv beforscht. Die nicht-invasiven Hirnstimulationsverfahren werden in der Literatur häufig als NIBS, d.h. noninvasive-brain-stimulation bezeichnet. Bei der EKT wird mittels Stromapplikation an der Schläfe des Patienten ein epileptischer Anfall induziert. Somit handelt es sich bei der EKT um ein konvulsives Verfahren. An manchen Zentren wird die Magnetkonvulsionstherapie angewendet, ein ebenfalls konvulsives Verfahren, welches über die Applikation von magnetischen Impulsen über die Kalotte einen epileptischen Anfall induziert. Demgegenüber stehen nicht-konvulsive Stimulationsverfahren wie repetitive transkranielle Magnetstimulation und transkranielle elektrische Stimulation (tES) dazu gehören auch die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS), transkranielle Wechselstromstimulation (tACS) und transkranielle Random Noise Stimulation (tRNS) (Kadosh 2014). Moderne bildgebende Verfahren, wie funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT), Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) und Positronenemissionstomographie (PET) zeigten funktionelle und neuroanatomische Veränderungen bei Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen (Plewnia 2012). Neben den nicht-invasiven Hirnstimulationsverfahren etablieren sich auch invasive Stimulationsverfahren wie die tiefe Hirnstimulation, die Vagusnervstimulation und die epidurale kortikale Stimulation. (Plewnia2012). Diese sind nicht Gegenstand dieser Arbeit, da sie während des untersuchten Zeitraums an der Klinik für Psychiatrie der LMU München keine Anwendung fanden. Unterschieden werden Stimulationsverfahren, welche durch Applikation von Strom wirken, wie die EKT, und Stimulationsverfahren, welche magnetische Impulse verwenden, wie die rTMS. Neben den zuvor genannten sind weitere Hirnstimulationsverfahren wie Gleichstromstimulation und Wechselstromstimulation Gegenstand der Forschung an der Klinik für Psychiatrie der LMU. Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) ist ebenfalls eine nicht-invasive Methode der Hirnstimulation, bei der ein Gleichstrom geringer Stärke über an den Kopf angelegte Schwammelektroden appliziert wird. In den 1960er- und 1970er-Jahren erfolgte eine Reihe von Studien zur Anwendung der Gleichstromstimulation. Durch den applizierten Strom wird die Depolarisationsschwelle nicht überschritten und es werden keine Aktionspotentiale ausgelöst. Bei der tDCS wird die Depolarisationsschwelle durch anodale (also exzitatorische) Stimulation erniedrigt, während kathodale (also inhibitorische) Stimulation die neuronale Erregbarkeit reduziert. Dies wird als „sanftes“ Verfahren der Neuromodulation bezeichnet. Postuliert wird eine konsekutiv einsetzende Neuroplastizität, welche Grundlage der Therapieeffekte sein dürfte (Palm 2013). Laut Palm et al. gelten: „10 bis 15 Stimulationen mit einer Stromstärke von 2mA und einer Dauer von 20 Minuten über einen Zeitraum von 2 bis 3 Wochen als sicher und gut verträglich“. (Palm 2013) Die Klinik für Psychiatrie der LMU ist ein wissenschaftlich erfahrenes Zentrum, in der auch intensivere Protokolle durchgeführt werden. Vornehmlich im Rahmen von Studien wird aktuell eine Erweiterung der Indikationsstellung auf andere Erkrankungen geprüft. Die klinische Anwendung gilt dennoch als sicher und nebenwirkungsarm, selbst bei intensivierter Anwendung (Palm 2015). Für EKT und rTMS gibt es inzwischen ausreichende Daten, um eine Empfehlung für die klinische Anwendung auszusprechen. Aus diesem Grunde sind lediglich diese Verfahren Gegenstand dieser Arbeit. An der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LMU wurden zahlreiche Studien zu Hirnstimulationsverfahren durchgeführt. Eine klinische Anwendung im Rahmen der Behandlungsleitlinien ist für die EKT seit langem etabliert, im Rahmen individueller Heilversuche ist eine Behandlung mit rTMS an der Klinik ebenfalls möglich. Bei guter klinischer Wirksamkeit kann eine Erhaltungstherapie diskutiert werden.