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Therapieeffekte einer biopsychosozialen und multidisziplinären Therapie bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen unter und über 65 Jahren
Therapieeffekte einer biopsychosozialen und multidisziplinären Therapie bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen unter und über 65 Jahren
Ziel: Analyse der Therapieeffekte einer multidisziplinären Therapie nach dem biopsychosozialen Modell bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen unter und über 65 Jahren über den Zeitraum eines Jahres. Design: Prospektive Beobachtungsstudie über einen Zeitraum von 12 Monaten. Die Daten wurden zu den Zeitpunkten Beginn der Behandlung, Ende der Behandlung, sowie zum 12-Monats-Follow-Up erhoben. Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Physikalische Medizin und Rehabilitation des Klinikums der Universität München, Campus Großhadern. Patienten: Zugewiesene Patienten, die die Einschlusskriterien erfüllten. Intervention: Multidisziplinäre Therapie nach dem biopsychosozialen Modell mit dreiwöchiger Laufzeit. Die Behandlungen erfolgen durch Fachärzte und Weiterbildungsassistenten auf dem Gebiet der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin (PRM), Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Psychologen, Masseure und einen Schwimmtrainer in Kleingruppen. Übergeordnete Ziele des Therapieprogramms sind eine Schmerzreduktion, eine Verbesserung der Alltagsfähigkeit beziehungsweise Vermeidung von Behinderung und eine Verbesserung der Lebensqualität. Ergebnismessung und Analysen: Schmerz und körperliche Funktion waren die primären Zielparameter, welche durch das North American Spine Society Outcome Instrument (NASS) gemessen wurden. Sekundäre Zielparameter wie neurologische Symptome, gemessen durch den NASS Fragebogen, die gesundheitsbezogene Lebensqualität, gemessen durch den Short Form 36 Fragebogen (SF-36), oder die Schmerzintensität, gemessen durch die Numerische Rating-Skala (NRS) wurden erhoben. Soziodemographische Daten wurden mit Hilfe von deskriptiven Statistiken analysiert, während für die Auswertung der Therapieeffekte Effektstärken berechnet wurden und eine Signifikanztestung durchgeführt wurde. Ergebnisse: In die Analysen der Kurzzeiteffekte am Ende des Programms (T2) wurden 196 Patienten eingeschlossen, 122 Teilnehmer (62,2%) standen für die Evaluation bis zum 12-Monats-Follow-Up (T3) zur Verfügung. Betrachtet man alle Patienten wurde am Ende der Intervention beim primären Zielparameter eine signifikante Verbesserung mit einem mittelgroßen Effekt (ES = 0,58) erreicht. Die Skala neurologische Symptome zeigte ebenfalls eine signifikante Verbesserung (ES = 0,32). In den weiteren sekundären Zielparametern war der Effekt in der Skala körperliche Schmerzen (SCHM) des SF-36 ähnlich groß (ES = 0,59) wie der Effekt in der NASS-Skala körperliche Schmerz/Funktion. Auch alle anderen Bereiche der mit dem SF-36 gemessenen gesundheitsbezogenen Lebensqualität verbesserten sich statistisch signifikant (ES zwischen 0,19 und 0,38). Die Schmerzintensität gemessen mit den drei Subskalen des NRS verbesserte sich signifikant mit ES an der Grenze zwischen einem geringen und mittelgroßen Effekt (ES zwischen 0,43 und 0,46). Auch nach 12 Monaten war die Verbesserung im Hauptzielparameter NASS Schmerz/Funktion statistisch signifikant. Die Effektstärke reduzierte sich aber leicht (ES = 0,35). Der SF-36 zeigte anhaltende signifikante Werte in fünf von acht Skalen. In den drei Skalen körperliche Funktion (KÖFU), SCHM und allgemeine Gesundheit (AGES) war die ES zwischen 0,20 und 0,34, in den Skalen körperliche Rollenfunktion (KÖRO) und soziale Rollenfunktion (SOFU) lag sie bei 0,16 beziehungsweise bei 0,18. Die Schmerzintensität des NRS zeigte anhaltende Verbesserungen in allen drei Subskalen mit ES zwischen 0,37 und 0,41. Beim Vergleich der über 65-Jährigen und der unter 65-Jährigen bezüglich der Prä-/ Posteffekte nach Intervention konnte bei beiden Gruppen eine signifikante Verbesserung bezüglich des Hauptzielparameters NASS Schmerz/Funktion nachgewiesen werden, wobei dieser Effekt bei den über 65-Jährigen noch stärker ausgeprägt war. Bezüglich der 12 sekundären Zielparameter verbessern sich die Jüngeren in allen signifikant, die Älteren in zehn von 12 Zielparametern (nicht signifikant waren KÖRO und emotionale Rollenfunktion (EMRO)). In sechs Skalen des SF-36 zeigen die jüngeren Patienten größere Effekte (KÖFU, KÖRO, Vitalität (VITA), SOFU, EMRO, psychische Rollenfunktion (PSYC)), während die Älteren in zwei Kategorien mehr profitierten (SCHM und AGES). Die Schmerzintensität gemäß NRS besserte sich hinsichtlich der maximalen Schmerzintensität bei den Älteren etwas mehr, hinsichtlich der durchschnittlichen Schmerzintensität in den letzten 24 Stunden profitierten die Jüngeren stärker. Betrachtet man nun die gleichen Parameter für das 12-Monats-Follow-Up zeigt sich eine ähnliche Konstellation. Beim Hauptzielparameter konnten wiederum die älteren Patienten eine stärkere Verbesserung vorweisen. Die ES waren bei beiden Gruppen weiterhin signifikant, reduzierten sich jedoch etwas (< 65Jahre ES von 0,54 auf 0,31, ≥ 65Jahre ES von 0,64 auf 0,41). Die NASS-Skala neurologische Symptome war bei jungen und alten Patienten nicht signifikant unterschiedlich zum Ausgangswert. Die ES der SF-36 Skalen zeigten für KÖFU und SCHM fast identische Werte bei jungen und alten Patienten. Die jüngeren Patienten zeigten jedoch größere 12-Monats-Effekte für KÖRO, AGES, SOFU und EMRO. In den NRS Schmerzskalen wiesen die älteren Patienten größere Verbesserungen auf, am ausgeprägtesten in der maximalen Schmerzintensität (< 65Jahre ES = 0,20, ≥ 65Jahre ES = 0,48). Schlussfolgerung In dieser prospektiven Beobachtungsstudie konnte gezeigt werden, dass durch ein multidisziplinäres, teilstationäres Therapieprogramm nach dem biopsychosozialen Modell, auch über 65-jährige Patienten mit chronic low back pain (CLBP) und ambulanter Therapieresistenz eine langfristige Reduktion von Schmerzen und Verbesserung der körperlichen Funktionsfähigkeit erreichen können. Dies zeigt die Notwendigkeit, auch für ältere Patienten solche Interventionen anzubieten.
Not available
Prötzel, Stephan
2020
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Prötzel, Stephan (2020): Therapieeffekte einer biopsychosozialen und multidisziplinären Therapie bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen unter und über 65 Jahren. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Ziel: Analyse der Therapieeffekte einer multidisziplinären Therapie nach dem biopsychosozialen Modell bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen unter und über 65 Jahren über den Zeitraum eines Jahres. Design: Prospektive Beobachtungsstudie über einen Zeitraum von 12 Monaten. Die Daten wurden zu den Zeitpunkten Beginn der Behandlung, Ende der Behandlung, sowie zum 12-Monats-Follow-Up erhoben. Einrichtung: Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Physikalische Medizin und Rehabilitation des Klinikums der Universität München, Campus Großhadern. Patienten: Zugewiesene Patienten, die die Einschlusskriterien erfüllten. Intervention: Multidisziplinäre Therapie nach dem biopsychosozialen Modell mit dreiwöchiger Laufzeit. Die Behandlungen erfolgen durch Fachärzte und Weiterbildungsassistenten auf dem Gebiet der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin (PRM), Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Psychologen, Masseure und einen Schwimmtrainer in Kleingruppen. Übergeordnete Ziele des Therapieprogramms sind eine Schmerzreduktion, eine Verbesserung der Alltagsfähigkeit beziehungsweise Vermeidung von Behinderung und eine Verbesserung der Lebensqualität. Ergebnismessung und Analysen: Schmerz und körperliche Funktion waren die primären Zielparameter, welche durch das North American Spine Society Outcome Instrument (NASS) gemessen wurden. Sekundäre Zielparameter wie neurologische Symptome, gemessen durch den NASS Fragebogen, die gesundheitsbezogene Lebensqualität, gemessen durch den Short Form 36 Fragebogen (SF-36), oder die Schmerzintensität, gemessen durch die Numerische Rating-Skala (NRS) wurden erhoben. Soziodemographische Daten wurden mit Hilfe von deskriptiven Statistiken analysiert, während für die Auswertung der Therapieeffekte Effektstärken berechnet wurden und eine Signifikanztestung durchgeführt wurde. Ergebnisse: In die Analysen der Kurzzeiteffekte am Ende des Programms (T2) wurden 196 Patienten eingeschlossen, 122 Teilnehmer (62,2%) standen für die Evaluation bis zum 12-Monats-Follow-Up (T3) zur Verfügung. Betrachtet man alle Patienten wurde am Ende der Intervention beim primären Zielparameter eine signifikante Verbesserung mit einem mittelgroßen Effekt (ES = 0,58) erreicht. Die Skala neurologische Symptome zeigte ebenfalls eine signifikante Verbesserung (ES = 0,32). In den weiteren sekundären Zielparametern war der Effekt in der Skala körperliche Schmerzen (SCHM) des SF-36 ähnlich groß (ES = 0,59) wie der Effekt in der NASS-Skala körperliche Schmerz/Funktion. Auch alle anderen Bereiche der mit dem SF-36 gemessenen gesundheitsbezogenen Lebensqualität verbesserten sich statistisch signifikant (ES zwischen 0,19 und 0,38). Die Schmerzintensität gemessen mit den drei Subskalen des NRS verbesserte sich signifikant mit ES an der Grenze zwischen einem geringen und mittelgroßen Effekt (ES zwischen 0,43 und 0,46). Auch nach 12 Monaten war die Verbesserung im Hauptzielparameter NASS Schmerz/Funktion statistisch signifikant. Die Effektstärke reduzierte sich aber leicht (ES = 0,35). Der SF-36 zeigte anhaltende signifikante Werte in fünf von acht Skalen. In den drei Skalen körperliche Funktion (KÖFU), SCHM und allgemeine Gesundheit (AGES) war die ES zwischen 0,20 und 0,34, in den Skalen körperliche Rollenfunktion (KÖRO) und soziale Rollenfunktion (SOFU) lag sie bei 0,16 beziehungsweise bei 0,18. Die Schmerzintensität des NRS zeigte anhaltende Verbesserungen in allen drei Subskalen mit ES zwischen 0,37 und 0,41. Beim Vergleich der über 65-Jährigen und der unter 65-Jährigen bezüglich der Prä-/ Posteffekte nach Intervention konnte bei beiden Gruppen eine signifikante Verbesserung bezüglich des Hauptzielparameters NASS Schmerz/Funktion nachgewiesen werden, wobei dieser Effekt bei den über 65-Jährigen noch stärker ausgeprägt war. Bezüglich der 12 sekundären Zielparameter verbessern sich die Jüngeren in allen signifikant, die Älteren in zehn von 12 Zielparametern (nicht signifikant waren KÖRO und emotionale Rollenfunktion (EMRO)). In sechs Skalen des SF-36 zeigen die jüngeren Patienten größere Effekte (KÖFU, KÖRO, Vitalität (VITA), SOFU, EMRO, psychische Rollenfunktion (PSYC)), während die Älteren in zwei Kategorien mehr profitierten (SCHM und AGES). Die Schmerzintensität gemäß NRS besserte sich hinsichtlich der maximalen Schmerzintensität bei den Älteren etwas mehr, hinsichtlich der durchschnittlichen Schmerzintensität in den letzten 24 Stunden profitierten die Jüngeren stärker. Betrachtet man nun die gleichen Parameter für das 12-Monats-Follow-Up zeigt sich eine ähnliche Konstellation. Beim Hauptzielparameter konnten wiederum die älteren Patienten eine stärkere Verbesserung vorweisen. Die ES waren bei beiden Gruppen weiterhin signifikant, reduzierten sich jedoch etwas (< 65Jahre ES von 0,54 auf 0,31, ≥ 65Jahre ES von 0,64 auf 0,41). Die NASS-Skala neurologische Symptome war bei jungen und alten Patienten nicht signifikant unterschiedlich zum Ausgangswert. Die ES der SF-36 Skalen zeigten für KÖFU und SCHM fast identische Werte bei jungen und alten Patienten. Die jüngeren Patienten zeigten jedoch größere 12-Monats-Effekte für KÖRO, AGES, SOFU und EMRO. In den NRS Schmerzskalen wiesen die älteren Patienten größere Verbesserungen auf, am ausgeprägtesten in der maximalen Schmerzintensität (< 65Jahre ES = 0,20, ≥ 65Jahre ES = 0,48). Schlussfolgerung In dieser prospektiven Beobachtungsstudie konnte gezeigt werden, dass durch ein multidisziplinäres, teilstationäres Therapieprogramm nach dem biopsychosozialen Modell, auch über 65-jährige Patienten mit chronic low back pain (CLBP) und ambulanter Therapieresistenz eine langfristige Reduktion von Schmerzen und Verbesserung der körperlichen Funktionsfähigkeit erreichen können. Dies zeigt die Notwendigkeit, auch für ältere Patienten solche Interventionen anzubieten.