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Die Bedeutung der Plättchenreaktivität für das Auftreten von Blutungsereignissen und ischämischen Ereignissen nach transfemoralem Aortenklappenersatz
Die Bedeutung der Plättchenreaktivität für das Auftreten von Blutungsereignissen und ischämischen Ereignissen nach transfemoralem Aortenklappenersatz
Periprozedurale Blutungen stellen aktuell eine der häufigsten Komplikationen nach einem perkutanen Aortenklappenersatz (TAVI) dar. Der Großteil an TAVI Patienten erhält derzeit eine duale antithrombozytäre Therapie. Diese Doktorarbeit zielte darauf ab zu untersuchen, ob die Höhe der ADP-induzierten Thrombozytenaggregation unter dualer antithrombozytärer Therapie Blutungsereignisse und ischämische Ereignisse bis 30 Tage nach TAVI vorhersagen kann. Insgesamt wurden hierzu am Klinikum der Universität München 146 TAVI Patienten unter dualer antithrombozytärer Therapie, bei denen eine Plättchenreaktivitätstestung mit dem Multiplate Analyzer durchgeführt wurde, eingeschlossen. Die Definition der Blutungsereignisse wurde anhand der Valve Academic Research Consortium-2 (VARC-2) Klassifikation vorgenommen. In der untersuchten Kohorte zeigte sich bei 79 Patienten (54%) eine niedrige Plättchenreaktivität (LPR, ≤ 18 Units), was einem verstärkten Ansprechen auf die Plättchenhemmung entsprach. Dem gegenüber wiesen 18 Patienten (12%) eine hohe Plättchenreaktivität (HPR, ≥ 46 Units) auf, was dem Nichterreichen einer adäquaten Plättchenhemmung entsprach. Zum Zeitpunkt des 30-Tages-Follow- Ups lag die Inzidenz an VARC-2 Blutungen bei 45.6% (n=36) der LPR Patienten sowie bei 23.9% (n=16) der Patienten ohne LPR (Hazard-Ratio (HR) 2.1, 95% Konfidenzintervall (CI) 1.17 – 3.79; p=0.01). In einer altersbereinigten multivariaten Analyse erwies sich ein LPR-Status als unabhängig mit VARC-2 Blutungsereignissen assoziiert (HRadj 2.06, 95% CI 1.14 – 3.71; p=0.02). Ein HPR-Status wiederum war nicht mit dem 30-Tages- Auftretensrisiko von ischämischen Ereignissen assoziiert (p≥0.43). Zusammenfassend erlaubt das Vorliegen eines LPR-Status in der Plättchenfunktionsmessung die Prognose von Blutungsereignissen bei TAVI Patienten. Das Vorliegen eines HPR-Status war jedoch nicht mit ischämischen Endpunkten bis 30 Tagen nach TAVI assoziiert. Der Nutzen einer standardmäßigen Plättchenfunktionstestung zur Vorhersage von Blutungsrisiken und als mögliche Entscheidungshilfe für die antithrombotische Therapie bei älteren TAVI Patienten bedarf noch weiterer Forschung.
TAVI, Plättchenreaktivität, Blutungsereignisse
Nitschke, Tobias
2019
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Nitschke, Tobias (2019): Die Bedeutung der Plättchenreaktivität für das Auftreten von Blutungsereignissen und ischämischen Ereignissen nach transfemoralem Aortenklappenersatz. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Periprozedurale Blutungen stellen aktuell eine der häufigsten Komplikationen nach einem perkutanen Aortenklappenersatz (TAVI) dar. Der Großteil an TAVI Patienten erhält derzeit eine duale antithrombozytäre Therapie. Diese Doktorarbeit zielte darauf ab zu untersuchen, ob die Höhe der ADP-induzierten Thrombozytenaggregation unter dualer antithrombozytärer Therapie Blutungsereignisse und ischämische Ereignisse bis 30 Tage nach TAVI vorhersagen kann. Insgesamt wurden hierzu am Klinikum der Universität München 146 TAVI Patienten unter dualer antithrombozytärer Therapie, bei denen eine Plättchenreaktivitätstestung mit dem Multiplate Analyzer durchgeführt wurde, eingeschlossen. Die Definition der Blutungsereignisse wurde anhand der Valve Academic Research Consortium-2 (VARC-2) Klassifikation vorgenommen. In der untersuchten Kohorte zeigte sich bei 79 Patienten (54%) eine niedrige Plättchenreaktivität (LPR, ≤ 18 Units), was einem verstärkten Ansprechen auf die Plättchenhemmung entsprach. Dem gegenüber wiesen 18 Patienten (12%) eine hohe Plättchenreaktivität (HPR, ≥ 46 Units) auf, was dem Nichterreichen einer adäquaten Plättchenhemmung entsprach. Zum Zeitpunkt des 30-Tages-Follow- Ups lag die Inzidenz an VARC-2 Blutungen bei 45.6% (n=36) der LPR Patienten sowie bei 23.9% (n=16) der Patienten ohne LPR (Hazard-Ratio (HR) 2.1, 95% Konfidenzintervall (CI) 1.17 – 3.79; p=0.01). In einer altersbereinigten multivariaten Analyse erwies sich ein LPR-Status als unabhängig mit VARC-2 Blutungsereignissen assoziiert (HRadj 2.06, 95% CI 1.14 – 3.71; p=0.02). Ein HPR-Status wiederum war nicht mit dem 30-Tages- Auftretensrisiko von ischämischen Ereignissen assoziiert (p≥0.43). Zusammenfassend erlaubt das Vorliegen eines LPR-Status in der Plättchenfunktionsmessung die Prognose von Blutungsereignissen bei TAVI Patienten. Das Vorliegen eines HPR-Status war jedoch nicht mit ischämischen Endpunkten bis 30 Tagen nach TAVI assoziiert. Der Nutzen einer standardmäßigen Plättchenfunktionstestung zur Vorhersage von Blutungsrisiken und als mögliche Entscheidungshilfe für die antithrombotische Therapie bei älteren TAVI Patienten bedarf noch weiterer Forschung.