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Untersuchung des Zusammenhangs von Gestationsdiabetes und späterem Übergewicht der Nachkommen unter Berücksichtigung des Einflusses von erhöhtem Geburtsgewicht
Untersuchung des Zusammenhangs von Gestationsdiabetes und späterem Übergewicht der Nachkommen unter Berücksichtigung des Einflusses von erhöhtem Geburtsgewicht
Einleitung: Es konnte bereits mehrfach gezeigt werden, dass Gestationsdiabetes (GDM) mit einem gesteigerten Risiko für erhöhtes Geburtsgewicht (Large-for-Gestational-Age/LGA) sowie für das Auftreten von Übergewicht der Nachkommen einhergeht. LGA-Neugeborene sind zudem stärker gefährdet, im späteren Kindes- und Jugendalter an Übergewicht zu leiden. Daraus ergibt sich die Fragestellung, ob ein Zusammenhang zwischen GDM und Übergewicht der Nachkommen insbesondere für Neugeborene mit erhöhtem Geburtsgewicht besteht. Material und Methoden: Die der Untersuchung zugrundeliegenden Daten stammen aus der deutschlandweiten KIGGS-Basiserhebung (2003 bis 2006). Eingeschlossen wurden 10.794 Kinder und Jugendliche (Studienteilnehmer gesamt: 17.640) im Alter von 3 bis 17 Jahren, die mit ihren leiblichen Müttern zusammenleben und zu denen vollständige Informationen hinsichtlich der Hauptvariablen vorlagen. Das Geburtsgewicht wurde mittels Perzentilen nach Voigt et al. (2006) bestimmt, wobei ein Geburtsgewicht über der 90. Perzentile als LGA erfasst wurde. Aktuelles Übergewicht wurde gemäß den Kriterien der International Obesity Task Force (IOTF) ermittelt sowie zusätzlich der BMI Z-Score (WHO-Referenzpopulation) bestimmt. Ergebnisse: Die eingeschlossenen Kinder und Jugendlichen waren im Durchschnitt 10,0 4,2 Jahre alt und in 51,0% Jungen. Es wurden zudem die folgenden Prävalenzen ermittelt: GDM (2,3%), LGA (8,5%), Übergewicht (17,5%). Der BMI Z-Score lag im Mittel bei 0,37 + 1,11. Ein Zusammenhang besteht sowohl zwischen GDM und LGA (Logistische Regression (LR): AOR (95%-KI) 2,19 (1,53; 3,13); p < 0,001) als auch zwischen LGA und Übergewicht (LR: AOR (95%-KI) 1,63 (1,39; 1,92); p < 0,001). Kinder, deren Geburtsgewicht erhöht war, weisen darüber hinaus einen höheren BMI Z-Score auf (Multiple lineare Regression (MLR): (95%-KI) 0,35 (0,28; 0,43); p < 0,001). In der nicht-adjustierten Analyse zeigte sich ein geringer (allerdings nicht statistisch signifikanter) Zusammenhang von GDM und Übergewicht (F-Approximation-Test: OR (95%-KI): 1,26 (0,89; 1,77); p = 0,19) bzw. einer Erhöhung des BMI-Z Scores der Nachkommen (T-Test: GDM–: 0,37 + 1,11; GDM+: 0,51 + 1,21; p = 0,13). Die Stratifizierung hinsichtlich des Geburtsgewichtes ergab keinen Hinweis auf ein ausschließliches Vorhandensein bzw. eine Verstärkung dieser Effekte in der LGA-Untergruppe. Dementsprechend war weder der direkte Effekt von GDM auf Übergewicht bei Kontrolle von LGA (LR: AOR (95%-KI): 1,09 (0,75; 1,58); p = 0,64) noch der Gesamteffekt (LR: AOR (95%-KI): 1,12 (0,78; 1,61); p = 0,55) statistisch signifikant. Dies gilt auch für den BMI Z-Score der Nachkommen (MLR: (95%-KI) 0,05 (0,12; 0,21); p = 0,57 bzw. (95%-KI) 0,07 (0,10; 0,24); p = 0,41). Daraus ergab sich ein durch LGA mediierter Anteil des Gesamteffektes von 19,3% im Falle von Übergewicht bzw. von 26,9% für den BMI Z-Score (Mediationsanalyse nach Imai et al.). Diese Anteile könnten allerdings auch im Falle von statistischer Signifikanz nur als sehr limitiert eingestuft werden. Diskussion: Obwohl ein Zusammenhang von GDM und LGA sowie LGA und Übergewicht nachgewiesen werden konnte und auch der spätere BMI Z-Score LGA-Neugeborener höher ist, scheint LGA die Beziehung zwischen GDM und erhöhtem Gewicht der Nachkommen nicht zu beeinflussen. Die Resultate geben Anlass zu der Vermutung, dass ein erhöhtes Geburtsgewicht nicht als entscheidender Faktor dieser Kausalkette in Frage kommt.
Gestationsdiabetes, Übergewicht, BMI Z-Score, erhöhtes Geburtsgewicht, LGA, KIGGS
Sebelefsky, Christian
2019
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Sebelefsky, Christian (2019): Untersuchung des Zusammenhangs von Gestationsdiabetes und späterem Übergewicht der Nachkommen unter Berücksichtigung des Einflusses von erhöhtem Geburtsgewicht. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Einleitung: Es konnte bereits mehrfach gezeigt werden, dass Gestationsdiabetes (GDM) mit einem gesteigerten Risiko für erhöhtes Geburtsgewicht (Large-for-Gestational-Age/LGA) sowie für das Auftreten von Übergewicht der Nachkommen einhergeht. LGA-Neugeborene sind zudem stärker gefährdet, im späteren Kindes- und Jugendalter an Übergewicht zu leiden. Daraus ergibt sich die Fragestellung, ob ein Zusammenhang zwischen GDM und Übergewicht der Nachkommen insbesondere für Neugeborene mit erhöhtem Geburtsgewicht besteht. Material und Methoden: Die der Untersuchung zugrundeliegenden Daten stammen aus der deutschlandweiten KIGGS-Basiserhebung (2003 bis 2006). Eingeschlossen wurden 10.794 Kinder und Jugendliche (Studienteilnehmer gesamt: 17.640) im Alter von 3 bis 17 Jahren, die mit ihren leiblichen Müttern zusammenleben und zu denen vollständige Informationen hinsichtlich der Hauptvariablen vorlagen. Das Geburtsgewicht wurde mittels Perzentilen nach Voigt et al. (2006) bestimmt, wobei ein Geburtsgewicht über der 90. Perzentile als LGA erfasst wurde. Aktuelles Übergewicht wurde gemäß den Kriterien der International Obesity Task Force (IOTF) ermittelt sowie zusätzlich der BMI Z-Score (WHO-Referenzpopulation) bestimmt. Ergebnisse: Die eingeschlossenen Kinder und Jugendlichen waren im Durchschnitt 10,0 4,2 Jahre alt und in 51,0% Jungen. Es wurden zudem die folgenden Prävalenzen ermittelt: GDM (2,3%), LGA (8,5%), Übergewicht (17,5%). Der BMI Z-Score lag im Mittel bei 0,37 + 1,11. Ein Zusammenhang besteht sowohl zwischen GDM und LGA (Logistische Regression (LR): AOR (95%-KI) 2,19 (1,53; 3,13); p < 0,001) als auch zwischen LGA und Übergewicht (LR: AOR (95%-KI) 1,63 (1,39; 1,92); p < 0,001). Kinder, deren Geburtsgewicht erhöht war, weisen darüber hinaus einen höheren BMI Z-Score auf (Multiple lineare Regression (MLR): (95%-KI) 0,35 (0,28; 0,43); p < 0,001). In der nicht-adjustierten Analyse zeigte sich ein geringer (allerdings nicht statistisch signifikanter) Zusammenhang von GDM und Übergewicht (F-Approximation-Test: OR (95%-KI): 1,26 (0,89; 1,77); p = 0,19) bzw. einer Erhöhung des BMI-Z Scores der Nachkommen (T-Test: GDM–: 0,37 + 1,11; GDM+: 0,51 + 1,21; p = 0,13). Die Stratifizierung hinsichtlich des Geburtsgewichtes ergab keinen Hinweis auf ein ausschließliches Vorhandensein bzw. eine Verstärkung dieser Effekte in der LGA-Untergruppe. Dementsprechend war weder der direkte Effekt von GDM auf Übergewicht bei Kontrolle von LGA (LR: AOR (95%-KI): 1,09 (0,75; 1,58); p = 0,64) noch der Gesamteffekt (LR: AOR (95%-KI): 1,12 (0,78; 1,61); p = 0,55) statistisch signifikant. Dies gilt auch für den BMI Z-Score der Nachkommen (MLR: (95%-KI) 0,05 (0,12; 0,21); p = 0,57 bzw. (95%-KI) 0,07 (0,10; 0,24); p = 0,41). Daraus ergab sich ein durch LGA mediierter Anteil des Gesamteffektes von 19,3% im Falle von Übergewicht bzw. von 26,9% für den BMI Z-Score (Mediationsanalyse nach Imai et al.). Diese Anteile könnten allerdings auch im Falle von statistischer Signifikanz nur als sehr limitiert eingestuft werden. Diskussion: Obwohl ein Zusammenhang von GDM und LGA sowie LGA und Übergewicht nachgewiesen werden konnte und auch der spätere BMI Z-Score LGA-Neugeborener höher ist, scheint LGA die Beziehung zwischen GDM und erhöhtem Gewicht der Nachkommen nicht zu beeinflussen. Die Resultate geben Anlass zu der Vermutung, dass ein erhöhtes Geburtsgewicht nicht als entscheidender Faktor dieser Kausalkette in Frage kommt.