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Meditation nach Maly als Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung bei Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom
Meditation nach Maly als Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung bei Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom
Das lokal fortgeschrittene oder bereits metastasierte duktale Pankreaskarzinom hat im Vergleich zu anderen onkologischen Erkrankungen trotz intensiver Forschungsbemühungen auch weiterhin eine infauste Prognose. Ziel dieser Studie war es, erstmalig im Rahmen einer prospektiven Untersuchung potentielle Effekte der Meditation nach Maly als komplementärmedizinischen Ansatz in Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung zu überprüfen. Primäres Ziel war die Erfassung der 1-Jahres-Überlebensrate. Sekundär wurden mit Hilfe von Speichelproben der Cortisolspiegel als objektiver Indikator des Stresserlebens bestimmt und die Zeitverläufe in Hinblick auf Schmerzintensität und Schmerzmitteleinnahme, Karnofsky Performance Status, Körpergewicht, Lebensqualität, subjektiv erlebten Stresses und spirituellen Wohlbefindens sowie Ängstlichkeit und Depression untersucht. Insgesamt 9 von 20 Studienteilnehmern überlebten das Studienjahr. Das mediane Überleben seit erster Chemotherapie lag für Patienten mit lokal fortgeschrittenem Pankreaskarzinom bei 11 Monaten (95% KI: 0 bis 24,7 Monate), für Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom bei 10 Monaten (95% KI: 7,5 bis 12,5 Monate). In der Gesamtgruppe von 20 Patienten zeigte sich seit Beginn der ersten Chemotherapie (bzw. seit Studieneinschluss bei einem Patienten ohne Chemotherapie) eine mediane Überlebenszeit von 10 Monaten (95% Konfidenzintervall (KI): 6,8 bis 13,2 Monate). Im Verlauf des Studienjahres zeigten sich signifikante Ergebnisse hinsichtlich einer Abnahme des Karnofsky Performance Status und einer Reduktion des Körpergewichtes. Die Schmerzintensität und Schmerzmitteleinnahme hingegen wiesen keine signifikanten Veränderungen auf. Signifikante, klinisch relevante Anstiege der Lebensqualität wurden mit dem Schedule for the Evaluation of the Individual Quality of Life (Seiqol) und einer Visuellen Analog Skala (VAS) gemessen. Keine Signifikanz, aber einen moderaten Effekt im Sinne einer Verbesserung der Lebensqualität ergab sich im Functional Assessment of Cancer Therapy (FACT-G). Im Perceived Stress Questionnaire (PSQ20) zur Erfassung des Stresserlebens konnte in der Gesamtbewertung keine signifikante, aber eine klinisch bedeutsame Abnahme des erlebten Stresses durch die Effektstärke nach Cohen erfasst werden. Die Subskala Anforderung/Belastung des PSQ20 zeigte eine signifikante, klinisch relevante Abnahme. Kein bedeutsamer Rückgang konnte bezogen auf Ängstlichkeit und Depression, gemessen mit der Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS), festgestellt werden. Im Functional Assessment of Chronic Illness Therapy – Spiritual Wellbeing 12 (FACIT- Sp-12-C) zeigte sich in der Gesamtauswertung keine Verbesserung des spirituellen Wohlbefindens, jedoch aber eine signifikante Zunahme des Glaubens als einen Teilaspekt des Testverfahrens. Anders als hypothetisch angenommen, wies der im Speichel gemessene Cortisolspiegel im Verlauf keine signifikanten Tendenzen hinsichtlich einer Zu- oder Abnahme auf. Als einzig mögliche Assoziation mit einem längeren Überleben konnte im Rahmen dieser Studie eine deutliche Abnahme des subjektiven Stresserlebens identifiziert werden. D.h. Patienten mit größerer Stressreduktion lebten länger als Patienten mit geringerer Stressreduktion. Ob hierbei ein kausaler Zusammenhang mit der regelmäßigen Durchführung der Maly-Meditation besteht, kann jedoch nur im Rahmen einer randomisierten klinischen Studie mit ausreichend hoher Fallzahl geklärt werden. Da die Studienpatienten nicht ausschließlich die Maly-Meditation zur Behandlung ihrer Pankreaskarzinomerkrankung anwendeten, ergaben sich verschiedene Kofaktoren, die möglichen Einfluss auf die Zielgrößen genommen haben und damit ein nicht zu vernachlässigendes Potential an Verzerrungen der Studienergebnisse bieten. Um valide Aussagen hinsichtlich einer Wirksamkeit oder Nichtwirksamkeit der Maly Meditation treffen zu können, müssten die potentiellen Wirkungen der Meditation im Rahmen einer größeren, randomisierten Studie mit strukturgleicher Kontrollgruppe überprüft werden. Dabei sind vermengende Effekte durch zusätzliche Behandlungsformen wie einer begleitenden palliativen Chemotherapie auszuschließen.
Pankreaskarzinom, Komplementärmedizin, Meditation, Palliativmedizin
Eggers, Christine
2019
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Eggers, Christine (2019): Meditation nach Maly als Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung bei Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Das lokal fortgeschrittene oder bereits metastasierte duktale Pankreaskarzinom hat im Vergleich zu anderen onkologischen Erkrankungen trotz intensiver Forschungsbemühungen auch weiterhin eine infauste Prognose. Ziel dieser Studie war es, erstmalig im Rahmen einer prospektiven Untersuchung potentielle Effekte der Meditation nach Maly als komplementärmedizinischen Ansatz in Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung zu überprüfen. Primäres Ziel war die Erfassung der 1-Jahres-Überlebensrate. Sekundär wurden mit Hilfe von Speichelproben der Cortisolspiegel als objektiver Indikator des Stresserlebens bestimmt und die Zeitverläufe in Hinblick auf Schmerzintensität und Schmerzmitteleinnahme, Karnofsky Performance Status, Körpergewicht, Lebensqualität, subjektiv erlebten Stresses und spirituellen Wohlbefindens sowie Ängstlichkeit und Depression untersucht. Insgesamt 9 von 20 Studienteilnehmern überlebten das Studienjahr. Das mediane Überleben seit erster Chemotherapie lag für Patienten mit lokal fortgeschrittenem Pankreaskarzinom bei 11 Monaten (95% KI: 0 bis 24,7 Monate), für Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom bei 10 Monaten (95% KI: 7,5 bis 12,5 Monate). In der Gesamtgruppe von 20 Patienten zeigte sich seit Beginn der ersten Chemotherapie (bzw. seit Studieneinschluss bei einem Patienten ohne Chemotherapie) eine mediane Überlebenszeit von 10 Monaten (95% Konfidenzintervall (KI): 6,8 bis 13,2 Monate). Im Verlauf des Studienjahres zeigten sich signifikante Ergebnisse hinsichtlich einer Abnahme des Karnofsky Performance Status und einer Reduktion des Körpergewichtes. Die Schmerzintensität und Schmerzmitteleinnahme hingegen wiesen keine signifikanten Veränderungen auf. Signifikante, klinisch relevante Anstiege der Lebensqualität wurden mit dem Schedule for the Evaluation of the Individual Quality of Life (Seiqol) und einer Visuellen Analog Skala (VAS) gemessen. Keine Signifikanz, aber einen moderaten Effekt im Sinne einer Verbesserung der Lebensqualität ergab sich im Functional Assessment of Cancer Therapy (FACT-G). Im Perceived Stress Questionnaire (PSQ20) zur Erfassung des Stresserlebens konnte in der Gesamtbewertung keine signifikante, aber eine klinisch bedeutsame Abnahme des erlebten Stresses durch die Effektstärke nach Cohen erfasst werden. Die Subskala Anforderung/Belastung des PSQ20 zeigte eine signifikante, klinisch relevante Abnahme. Kein bedeutsamer Rückgang konnte bezogen auf Ängstlichkeit und Depression, gemessen mit der Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS), festgestellt werden. Im Functional Assessment of Chronic Illness Therapy – Spiritual Wellbeing 12 (FACIT- Sp-12-C) zeigte sich in der Gesamtauswertung keine Verbesserung des spirituellen Wohlbefindens, jedoch aber eine signifikante Zunahme des Glaubens als einen Teilaspekt des Testverfahrens. Anders als hypothetisch angenommen, wies der im Speichel gemessene Cortisolspiegel im Verlauf keine signifikanten Tendenzen hinsichtlich einer Zu- oder Abnahme auf. Als einzig mögliche Assoziation mit einem längeren Überleben konnte im Rahmen dieser Studie eine deutliche Abnahme des subjektiven Stresserlebens identifiziert werden. D.h. Patienten mit größerer Stressreduktion lebten länger als Patienten mit geringerer Stressreduktion. Ob hierbei ein kausaler Zusammenhang mit der regelmäßigen Durchführung der Maly-Meditation besteht, kann jedoch nur im Rahmen einer randomisierten klinischen Studie mit ausreichend hoher Fallzahl geklärt werden. Da die Studienpatienten nicht ausschließlich die Maly-Meditation zur Behandlung ihrer Pankreaskarzinomerkrankung anwendeten, ergaben sich verschiedene Kofaktoren, die möglichen Einfluss auf die Zielgrößen genommen haben und damit ein nicht zu vernachlässigendes Potential an Verzerrungen der Studienergebnisse bieten. Um valide Aussagen hinsichtlich einer Wirksamkeit oder Nichtwirksamkeit der Maly Meditation treffen zu können, müssten die potentiellen Wirkungen der Meditation im Rahmen einer größeren, randomisierten Studie mit strukturgleicher Kontrollgruppe überprüft werden. Dabei sind vermengende Effekte durch zusätzliche Behandlungsformen wie einer begleitenden palliativen Chemotherapie auszuschließen.