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Calretinin-Expression in Nervenendigungen der äußeren Augenmuskeln beim Menschen
Calretinin-Expression in Nervenendigungen der äußeren Augenmuskeln beim Menschen
Nur durch ein präzises Zusammenspiel der äußeren Augenmuskulatur ist es möglich, unsere Umwelt als scharfes Bild wahrzunehmen. Neben den visuellen Informationen scheint das Auge ebenfalls Propriozeptoren für das binokulare Sehen zu nutzen. Die motorische Innervation der Muskelfasern erfolgt über en plaque-Endigungen an Twitch-Muskelfasern (SIF) und multiple en grappe-Endigungen an Non-twitch-Muskelfasern (MIF). Anhand vorheriger Untersuchungen besagt eine Hypothese, dass Palisadenendigungen an der propriozeptiven Funktion zusammen mit den en grappe-Endigungen beteiligt sind. Um ein besseres Verständnis über die Funktion dieser Endigungen zu erhalten, wurde in dieser Arbeit, wie schon zuvor in Untersuchungen im Affen, die Calretinin-Expression in der Innervation der äußeren Augenmuskulatur, anhand von immunhistochemischen Färbungen an Flachschnitten untersucht. Calretinin (CR) ist ein calcium-bindendes Protein, das unter anderem mit dem sensiblen System assoziiert ist. Um die Zellkörper der Palisadenendigungen auch im Menschen zu identifizieren wurden außerdem Neurone in Hirnstammschnitten im Bereich des Okulomotoriuskerns (nIII) auf die Expression von CR und Cholinacetyltransferase (ChAT) untersucht. In dieser Arbeit konnte in den Augenmuskelschnitten gezeigt werden, dass en plaque-Endigungen stets Calretinin-negativ sind. In allen Augenmuskeln fanden sich Calretinin-negative Palisadenendigungen und en grappe-Endigungen, nur im M. rectus medialis und M. rectus inferior gab es zusätzlich Calretinin-positive Exemplare. Es konnte außerdem gezeigt werden, dass auch Spiralendigungen und Muskelspindeln in einer Calretinin-positiven und Calretinin-negativen Form in der äußeren Augenmuskulatur vorkommen. In allen Augenmuskeln konnten dünne Calretinin-positive Nervenfasern in den Gefäßwänden und zwischen den Muskelfasern identifiziert werden, die kein ChAT exprimieren und vermutlich vegetative oder sensible Endigungen darstellen. Bei der Auswertung der Gehirnschnitte fanden sich zwischen den Okulomotoriuskernen, im Bereich der MIF-Motoneurone eine Subgruppe, die sowohl Calretinin, als auch ChAT exprimiert. An Hand der Daten beim Affen werden diese Neurone als eine Subgruppe der Zellkörper von Palisadenendigungen angesehen. Das selektive Auftreten von Calretinin-positiven Palisadenendigungen nur in den Mm. rectus medialis und rectus inferior legt eine funktionelle Rolle dieser Population von Palisadenendigungen bei Konvergenzbewegungen der Augen nahe. Allerdings konnte in dieser Arbeit nicht gezeigt werden, ob die en grappe- und Palisadenendigungen die Nervenendigungen eines Zellkörpers, oder von zwei unterschiedlichen Zellkörpern sind, es bekräftigt allerdings die Annahme, dass die beiden Endigungen eine funktionelle Einheit bilden.
Calretinin, extraokuläre Muskulatur, Palisadenendigungen, Spiralendigungen
Sänger, Kathrin Ernestine
2018
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Sänger, Kathrin Ernestine (2018): Calretinin-Expression in Nervenendigungen der äußeren Augenmuskeln beim Menschen. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Nur durch ein präzises Zusammenspiel der äußeren Augenmuskulatur ist es möglich, unsere Umwelt als scharfes Bild wahrzunehmen. Neben den visuellen Informationen scheint das Auge ebenfalls Propriozeptoren für das binokulare Sehen zu nutzen. Die motorische Innervation der Muskelfasern erfolgt über en plaque-Endigungen an Twitch-Muskelfasern (SIF) und multiple en grappe-Endigungen an Non-twitch-Muskelfasern (MIF). Anhand vorheriger Untersuchungen besagt eine Hypothese, dass Palisadenendigungen an der propriozeptiven Funktion zusammen mit den en grappe-Endigungen beteiligt sind. Um ein besseres Verständnis über die Funktion dieser Endigungen zu erhalten, wurde in dieser Arbeit, wie schon zuvor in Untersuchungen im Affen, die Calretinin-Expression in der Innervation der äußeren Augenmuskulatur, anhand von immunhistochemischen Färbungen an Flachschnitten untersucht. Calretinin (CR) ist ein calcium-bindendes Protein, das unter anderem mit dem sensiblen System assoziiert ist. Um die Zellkörper der Palisadenendigungen auch im Menschen zu identifizieren wurden außerdem Neurone in Hirnstammschnitten im Bereich des Okulomotoriuskerns (nIII) auf die Expression von CR und Cholinacetyltransferase (ChAT) untersucht. In dieser Arbeit konnte in den Augenmuskelschnitten gezeigt werden, dass en plaque-Endigungen stets Calretinin-negativ sind. In allen Augenmuskeln fanden sich Calretinin-negative Palisadenendigungen und en grappe-Endigungen, nur im M. rectus medialis und M. rectus inferior gab es zusätzlich Calretinin-positive Exemplare. Es konnte außerdem gezeigt werden, dass auch Spiralendigungen und Muskelspindeln in einer Calretinin-positiven und Calretinin-negativen Form in der äußeren Augenmuskulatur vorkommen. In allen Augenmuskeln konnten dünne Calretinin-positive Nervenfasern in den Gefäßwänden und zwischen den Muskelfasern identifiziert werden, die kein ChAT exprimieren und vermutlich vegetative oder sensible Endigungen darstellen. Bei der Auswertung der Gehirnschnitte fanden sich zwischen den Okulomotoriuskernen, im Bereich der MIF-Motoneurone eine Subgruppe, die sowohl Calretinin, als auch ChAT exprimiert. An Hand der Daten beim Affen werden diese Neurone als eine Subgruppe der Zellkörper von Palisadenendigungen angesehen. Das selektive Auftreten von Calretinin-positiven Palisadenendigungen nur in den Mm. rectus medialis und rectus inferior legt eine funktionelle Rolle dieser Population von Palisadenendigungen bei Konvergenzbewegungen der Augen nahe. Allerdings konnte in dieser Arbeit nicht gezeigt werden, ob die en grappe- und Palisadenendigungen die Nervenendigungen eines Zellkörpers, oder von zwei unterschiedlichen Zellkörpern sind, es bekräftigt allerdings die Annahme, dass die beiden Endigungen eine funktionelle Einheit bilden.