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Die Erkennung und Verarbeitung emotionaler Gesichtsausdrücke bei Jugendlichen mit Anorexia nervosa. neurophysiologische und behaviorale Aspekte
Die Erkennung und Verarbeitung emotionaler Gesichtsausdrücke bei Jugendlichen mit Anorexia nervosa. neurophysiologische und behaviorale Aspekte
Anorexia nervosa (AN) ist eine erstzunehmende psychische Erkrankung, die besonders häufig Mädchen und Frauen im Jugend- und jungen Erwachsenenalter betrifft. Zusätzlich zu der Kernsymptomatik geht AN häufig auch mit Schwierigkeiten im sozialen und emotionalen Bereich einher, einschließlich Beeinträchtigungen in der Fähigkeit, Emotionen in den Gesichtern anderer Menschen korrekt zu erkennen. Emotionserkennungsdefizite wurden von Studien an erwachsenen Patientinnen mit AN wiederholt berichtet, in jugendlichen Stichproben jedoch bislang nur selten untersucht. Ziel der vorliegenden Dissertation ist es deshalb zu untersuchen, wie Jugendliche mit AN emotionale Gesichtsausdrücke erkennen, wahrnehmen und verarbeiten. Diese Fragestellung wird aus zwei komplementären Blickwinkeln beleuchtet: Studie 1 untersucht die neurophysiologischen Korrelate der Verarbeitung emotionaler Gesichter mit Hilfe von ereigniskorrelierten Potentialen während Studie 2 sich mit Emotionserkennungsfähigkeiten auf der behavioralen Ebene befasst und der Frage nachgeht, inwieweit Defizite in der Emotionserkennung spezifisch für AN sind. In Studie 1 fanden sich Unterschiede in den neurophysiologischen Korrelaten der emotionalen Gesichterverarbeitung zwischen Jugendlichen mit AN und der gesunden Kontrollgruppe. Diese deuten darauf hin, dass für Patientinnen mit AN Gesichter anderer Menschen weniger intrinsisch salient sind, d.h. als weniger „wichtig“ wahrgenommen werden könnten als von gesunden Mädchen. In Studie 2 zeigten weder Patientinnen mit AN noch Patientinnen mit Depression Beeinträchtigungen in der Emotionserkennung. Stattdessen erkannten Patientinnen mit AN bestimmte Emotionen besser als gesunde Mädchen und Mädchen mit Depression. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Jugendliche mit AN Veränderungen in den neurophysiologischen Korrelaten der emotionalen Gesichterverarbeitung aufwiesen, die behavioralen Emotionserkennungsdefizite, die bei erwachsenen Patientinnen mit AN gefunden wurden, bei jugendlichen Patientinnen jedoch nicht vorhanden zu sein schienen., Anorexia nervosa (AN) is a severe mental disorder that affects mostly adolescent and young adult females. It is often accompanied by difficulties in social and emotional functioning including impairments in the correct recognition of emotions in other people’s faces. Studies in adult AN patients have repeatedly reported deficits in emotion recognition but only few studies have investigated emotion recognition in adolescent AN samples. Therefore, the aim of the present dissertation is to investigate how adolescents with AN recognise, perceive, and process emotional facial expressions. This question is addressed from two complementary perspectives: study 1 examines the neurophysiological correlates of emotional face processing using event-related potentials, while study 2 investigates emotion recognition abilities on the behavioural level and addresses the question of disorder specificity. Study 1 found differences in the neurophysiological correlates of emotional face processing between adolescents with AN and the healthy controls. These differences suggest that emotional faces are less intrinsically salient for adolescent patients with AN, i.e. that they might perceive them as less “important” than healthy girls. In study 2, neither patients with AN nor patients with depression showed impairments in emotion recognition. Instead, girls with AN recognised specific emotions better than healthy girls and girls with depression. It can be summarised that adolescents with AN show alterations in the neurophysiological correlates of emotional face processing, but the behavioural deficits that have been found in adult patients with AN do not seem to characterise adolescent patients.
anorexia nervosa, adolescence, event-related potentials (ERPs), emotion recognition, face processing, depression, early posterior negativity (EPN)
Sfärlea, Anca
2018
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Sfärlea, Anca (2018): Die Erkennung und Verarbeitung emotionaler Gesichtsausdrücke bei Jugendlichen mit Anorexia nervosa: neurophysiologische und behaviorale Aspekte. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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823kB

Abstract

Anorexia nervosa (AN) ist eine erstzunehmende psychische Erkrankung, die besonders häufig Mädchen und Frauen im Jugend- und jungen Erwachsenenalter betrifft. Zusätzlich zu der Kernsymptomatik geht AN häufig auch mit Schwierigkeiten im sozialen und emotionalen Bereich einher, einschließlich Beeinträchtigungen in der Fähigkeit, Emotionen in den Gesichtern anderer Menschen korrekt zu erkennen. Emotionserkennungsdefizite wurden von Studien an erwachsenen Patientinnen mit AN wiederholt berichtet, in jugendlichen Stichproben jedoch bislang nur selten untersucht. Ziel der vorliegenden Dissertation ist es deshalb zu untersuchen, wie Jugendliche mit AN emotionale Gesichtsausdrücke erkennen, wahrnehmen und verarbeiten. Diese Fragestellung wird aus zwei komplementären Blickwinkeln beleuchtet: Studie 1 untersucht die neurophysiologischen Korrelate der Verarbeitung emotionaler Gesichter mit Hilfe von ereigniskorrelierten Potentialen während Studie 2 sich mit Emotionserkennungsfähigkeiten auf der behavioralen Ebene befasst und der Frage nachgeht, inwieweit Defizite in der Emotionserkennung spezifisch für AN sind. In Studie 1 fanden sich Unterschiede in den neurophysiologischen Korrelaten der emotionalen Gesichterverarbeitung zwischen Jugendlichen mit AN und der gesunden Kontrollgruppe. Diese deuten darauf hin, dass für Patientinnen mit AN Gesichter anderer Menschen weniger intrinsisch salient sind, d.h. als weniger „wichtig“ wahrgenommen werden könnten als von gesunden Mädchen. In Studie 2 zeigten weder Patientinnen mit AN noch Patientinnen mit Depression Beeinträchtigungen in der Emotionserkennung. Stattdessen erkannten Patientinnen mit AN bestimmte Emotionen besser als gesunde Mädchen und Mädchen mit Depression. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Jugendliche mit AN Veränderungen in den neurophysiologischen Korrelaten der emotionalen Gesichterverarbeitung aufwiesen, die behavioralen Emotionserkennungsdefizite, die bei erwachsenen Patientinnen mit AN gefunden wurden, bei jugendlichen Patientinnen jedoch nicht vorhanden zu sein schienen.

Abstract

Anorexia nervosa (AN) is a severe mental disorder that affects mostly adolescent and young adult females. It is often accompanied by difficulties in social and emotional functioning including impairments in the correct recognition of emotions in other people’s faces. Studies in adult AN patients have repeatedly reported deficits in emotion recognition but only few studies have investigated emotion recognition in adolescent AN samples. Therefore, the aim of the present dissertation is to investigate how adolescents with AN recognise, perceive, and process emotional facial expressions. This question is addressed from two complementary perspectives: study 1 examines the neurophysiological correlates of emotional face processing using event-related potentials, while study 2 investigates emotion recognition abilities on the behavioural level and addresses the question of disorder specificity. Study 1 found differences in the neurophysiological correlates of emotional face processing between adolescents with AN and the healthy controls. These differences suggest that emotional faces are less intrinsically salient for adolescent patients with AN, i.e. that they might perceive them as less “important” than healthy girls. In study 2, neither patients with AN nor patients with depression showed impairments in emotion recognition. Instead, girls with AN recognised specific emotions better than healthy girls and girls with depression. It can be summarised that adolescents with AN show alterations in the neurophysiological correlates of emotional face processing, but the behavioural deficits that have been found in adult patients with AN do not seem to characterise adolescent patients.