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Stellenwert der Positronen-Emissions-Tomographie in der diagnostischen Abklärung von Patienten mit Depression und Verdacht auf eine neurodegenerative Erkrankung
Stellenwert der Positronen-Emissions-Tomographie in der diagnostischen Abklärung von Patienten mit Depression und Verdacht auf eine neurodegenerative Erkrankung
Nuklearmedizinische Verfahren können einen wesentlichen Beitrag bei der Diagnosestellung, bzw. im Rahmen differentialdiagnostischer Überlegungen bei neurodegenerativen Erkrankungen leisten. Neben bereits weitgehend etablierten Methoden, wie der Fluordesoxyglukose Positronen-Emissions-Tomographie (FDG-PET) Bildgebung zur Darstellung des cerebralen Glukosemetabolismus, steht mittlerweile auch die β-Amyloid-PET Bildgebung zur Detektion der für die Alzheimer Demenz charakteristischen Plaque Ablagerungen in der klinischen Routine zur Verfügung. Bei noch begrenzten Ressourcen dieser neuen Modalität war das Ziel dieser Arbeit, deren Bedarf in einem klinischen Kollektiv psychiatrischer Patienten zu erheben und insbesondere Unterschiede zwischen Patienten mit einer zusätzlich diagnostizierten Depression im Kontrast gegen Patienten ohne Depression aufzudecken. Retrospektiv wurden Patienten (N = 430) aus der psychiatrischen Klinik des Klinikums der Universität München analysiert, welche in einem Zeitraum von drei Jahren mit der Verdachtsdiagnose einer neurodegenerativen Erkrankung überwiesen und einer FDG-PET Untersuchung zugeführt wurden. Dieses Kollektiv wurde anhand der Nebendiagnose Depression in zwei Subgruppen unterteilt: Patienten mit Depression (N = 223) und ohne manifeste Depression (N = 207). Neben nuklearmedizinischen Bilddaten wurden klinische Parameter, strukturelle Bildgebung, sowie Labordaten erhoben. Die Auswertung der FDG-PET Daten erfolgte zum einen analog zur klinischen Routine visuell und zum anderen voxelweise mittels statischem parametrischen Mapping gegenüber gesunden Probanden. Bei klinisch weiter unklaren Fällen wurde basierend auf einer interdisziplinären Fallkonferenz über den weiteren Nutzen einer β-Amyloid-PET entschieden. In einem Teil der Fälle (N = 45) wurde die weiterführende Diagnostik mittels β-Amyloid-PET Bildgebung durchgeführt und diese binär mit β-Amyloid positiv/negativ bewertet. Basierend auf diesen Daten wurden die diagnostische Effektivität und der diagnostische Algorithmus von FDG- und β-Amyloid-PET im Vergleich von Patienten mit/ohne Depression untersucht. In Bezug auf die kognitiven Symptome einer möglichen Demenz ergaben sich zwischen Patienten mit und ohne Depression keine signifikanten Unterschiede in der neuropsychologischen Testbatterie. Der Bedarf einer zusätzlichen β-Amyloid-PET Untersuchung nach erfolgter FDG-PET Diagnostik war signifikant geringer, wenn eine diagnostizierte Depression vorlag (22 % vs. 36 % ohne Depression). Dies war darin begründet, dass die FDG-PET in Zusammenschau mit der Klinik bei Patienten mit Depression bereits häufiger konklusiv war und zu einer Diagnosestellung führte. Nach durchgeführter β-Amyloid-PET Bildgebung konnte in vorher unklaren Fällen zu 91% eine finale Diagnose gestellt werden. Sowohl FDG-PET als auch β-Amyloid-PET änderten etwa in einem Drittel der Fälle die primär geäußerte Verdachtsdiagnose, unabhängig von zunächst vermuteter depressiver oder neurodegenerativer Kausalpathologie. Anhand eines partiell hypothetischen Modells konnte gezeigt werden, dass die Sequenz der FDG-PET vor einer möglichen β-Amyloid-PET bei Patienten mit diagnostizierter Depression wahrscheinlich überlegen ist (ca. 12 % Verringerung der Gesamtuntersuchungen). Bei Patienten ohne diagnostizierte Depression könnte sich die Sequenz der β-Amyloid-PET vor einer möglichen FDG-PET jedoch möglicherweise effektiver darstellen. Das Befundmuster der FDG-PET ergab bei Patienten mit finaler klinischer Diagnose einer Depression ohne neurodegenerative Erkrankung in einem Viertel der Fälle einen signifikanten fronto-temporalen und zentralen Hypometabolismus. In der nuklearmedizinischen Routinediagnostik kann dieser Hypometabolismus eine Demenz aus dem fronto-temporalen Formenkreis suggerieren und muss differentialdiagnostisch berücksichtigt werden. Zusammenfassend stellen β-Amyloid- und FDG-PET Untersuchungen einen wichtigen Baustein in der Abklärung neurodegenerativer Erkrankungen bei psychiatrischen Patienten dar. Der erhobene klinische Bedarf und die Effektivität der β-Amyloid-PET Untersuchung zeigen deutlich, dass diese Modalität für das Patientenspektrum zugänglich gemacht werden sollte.
Positronen-Emissions-Tomographie, Neurodegeneration, Depression
Brendel, Stephanie Eva
2018
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Brendel, Stephanie Eva (2018): Stellenwert der Positronen-Emissions-Tomographie in der diagnostischen Abklärung von Patienten mit Depression und Verdacht auf eine neurodegenerative Erkrankung. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Nuklearmedizinische Verfahren können einen wesentlichen Beitrag bei der Diagnosestellung, bzw. im Rahmen differentialdiagnostischer Überlegungen bei neurodegenerativen Erkrankungen leisten. Neben bereits weitgehend etablierten Methoden, wie der Fluordesoxyglukose Positronen-Emissions-Tomographie (FDG-PET) Bildgebung zur Darstellung des cerebralen Glukosemetabolismus, steht mittlerweile auch die β-Amyloid-PET Bildgebung zur Detektion der für die Alzheimer Demenz charakteristischen Plaque Ablagerungen in der klinischen Routine zur Verfügung. Bei noch begrenzten Ressourcen dieser neuen Modalität war das Ziel dieser Arbeit, deren Bedarf in einem klinischen Kollektiv psychiatrischer Patienten zu erheben und insbesondere Unterschiede zwischen Patienten mit einer zusätzlich diagnostizierten Depression im Kontrast gegen Patienten ohne Depression aufzudecken. Retrospektiv wurden Patienten (N = 430) aus der psychiatrischen Klinik des Klinikums der Universität München analysiert, welche in einem Zeitraum von drei Jahren mit der Verdachtsdiagnose einer neurodegenerativen Erkrankung überwiesen und einer FDG-PET Untersuchung zugeführt wurden. Dieses Kollektiv wurde anhand der Nebendiagnose Depression in zwei Subgruppen unterteilt: Patienten mit Depression (N = 223) und ohne manifeste Depression (N = 207). Neben nuklearmedizinischen Bilddaten wurden klinische Parameter, strukturelle Bildgebung, sowie Labordaten erhoben. Die Auswertung der FDG-PET Daten erfolgte zum einen analog zur klinischen Routine visuell und zum anderen voxelweise mittels statischem parametrischen Mapping gegenüber gesunden Probanden. Bei klinisch weiter unklaren Fällen wurde basierend auf einer interdisziplinären Fallkonferenz über den weiteren Nutzen einer β-Amyloid-PET entschieden. In einem Teil der Fälle (N = 45) wurde die weiterführende Diagnostik mittels β-Amyloid-PET Bildgebung durchgeführt und diese binär mit β-Amyloid positiv/negativ bewertet. Basierend auf diesen Daten wurden die diagnostische Effektivität und der diagnostische Algorithmus von FDG- und β-Amyloid-PET im Vergleich von Patienten mit/ohne Depression untersucht. In Bezug auf die kognitiven Symptome einer möglichen Demenz ergaben sich zwischen Patienten mit und ohne Depression keine signifikanten Unterschiede in der neuropsychologischen Testbatterie. Der Bedarf einer zusätzlichen β-Amyloid-PET Untersuchung nach erfolgter FDG-PET Diagnostik war signifikant geringer, wenn eine diagnostizierte Depression vorlag (22 % vs. 36 % ohne Depression). Dies war darin begründet, dass die FDG-PET in Zusammenschau mit der Klinik bei Patienten mit Depression bereits häufiger konklusiv war und zu einer Diagnosestellung führte. Nach durchgeführter β-Amyloid-PET Bildgebung konnte in vorher unklaren Fällen zu 91% eine finale Diagnose gestellt werden. Sowohl FDG-PET als auch β-Amyloid-PET änderten etwa in einem Drittel der Fälle die primär geäußerte Verdachtsdiagnose, unabhängig von zunächst vermuteter depressiver oder neurodegenerativer Kausalpathologie. Anhand eines partiell hypothetischen Modells konnte gezeigt werden, dass die Sequenz der FDG-PET vor einer möglichen β-Amyloid-PET bei Patienten mit diagnostizierter Depression wahrscheinlich überlegen ist (ca. 12 % Verringerung der Gesamtuntersuchungen). Bei Patienten ohne diagnostizierte Depression könnte sich die Sequenz der β-Amyloid-PET vor einer möglichen FDG-PET jedoch möglicherweise effektiver darstellen. Das Befundmuster der FDG-PET ergab bei Patienten mit finaler klinischer Diagnose einer Depression ohne neurodegenerative Erkrankung in einem Viertel der Fälle einen signifikanten fronto-temporalen und zentralen Hypometabolismus. In der nuklearmedizinischen Routinediagnostik kann dieser Hypometabolismus eine Demenz aus dem fronto-temporalen Formenkreis suggerieren und muss differentialdiagnostisch berücksichtigt werden. Zusammenfassend stellen β-Amyloid- und FDG-PET Untersuchungen einen wichtigen Baustein in der Abklärung neurodegenerativer Erkrankungen bei psychiatrischen Patienten dar. Der erhobene klinische Bedarf und die Effektivität der β-Amyloid-PET Untersuchung zeigen deutlich, dass diese Modalität für das Patientenspektrum zugänglich gemacht werden sollte.