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Leichtes Schädel-Hirn-Trauma unter oraler Gerinnungshemmung. erhöhtes Risiko für intrakranielle Blutungen?
Leichtes Schädel-Hirn-Trauma unter oraler Gerinnungshemmung. erhöhtes Risiko für intrakranielle Blutungen?
Patienten mit leichtem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) stellen im klinischen Alltag eine relevante Herausforderung dar, weil das initiale Erscheinungsbild des Patienten oft nicht mit dem Ausmaß der intrakraniellen Verletzungsfolgen korreliert. Patienten, die zunächst unauffällig erscheinen, können maßgebliche intrakranielle Verletzungen aufweisen oder in der Folge entwickeln. Zwar weisen nur ca. 10% der Patienten mit leichtem SHT eine therapierelevante intrakranielle Verletzung auf, aber Folgen einer zu spät oder gar nicht diagnostizierten intrakraniellen Läsion erhöhen die Morbidität und Letalität maßgeblich. Der diagnostische Goldstandard zum sicheren Erkennen oder Ausschluss relevanter intrakranieller Verletzungsfolge stellt die native Computertomografie des Schädels (CCT) dar. Die CCT ist allerdings mit einer Strahlenbelastung für den Patienten verbunden und kostenintensiv. Daher ist ein risikoadaptiertes, zielgerichtetes diagnostisches Vorgehen bei Patienten mit leichtem SHT zur Sicherung der Behandlungsqualität unter sinnvollem Einsatz der CCT erforderlich. In den verschiedenen internationalen und nationalen Leitlinien, klinischen Richtlinien und Entscheidungsregeln werden Risikofaktoren für intrakranielle Läsionen bei Patienten mit leichtem SHT beschrieben. Die Bedeutung von oralen Antikoagulanzien (z.B. Cumarine, Rivaroxaban, Apixaban, etc.) und Thrombozytenaggregationshemmern (z.B. Acetylsalicylsäure, Clopidogrel, etc.) wird dabei nicht einheitlich interpretiert. Mit zunehmendem Lebensalter und damit einhergehenden kardiovaskulären Erkrankungen steigt aber die Wahrscheinlichkeit des Einsatzes dieser Medikamente. Für die Versorgung von Patienten mit leichtem SHT im klinischen Alltag stellen diese Medikamente daher eine zusätzliche Herausforderung dar. Wir untersuchten aus diesem Grund mittels systemsicher Literaturrecherche und Auswertung eines eigenen Patientenkollektivs die Bedeutung gerinnungshemmender Medikamente als Risikofaktor für eine intrakranielle Läsion bei Patienten mit leichtem SHT. Insgesamt ist die Datenlage aufgrund fehlender Studien, heterogenem Design der vorhandenen Studien und methodischen Schwächen deutlich limitiert. Von den primär 706 relevant erscheinenden Literaturquellen ließen letztlich 20 Studien eine detaillierte Prüfung zu und wurden entsprechend ausgewertet, darunter 12 Fall-Kontroll-Studien und 8 retrospektive (Register-)Datenanalysen. Bezüglich des Risikopotenzials einer gerinnungshemmenden Medikation bei leichtem SHT ergab sich kein einheitliches Bild. In 8 Veröffentlichungen mit insgesamt 4.778 eingeschlossenen Patienten ergaben sich keine eindeutigen Hinweise für ein höheres Risiko intrakranieller Läsionen bei leichtem SHT unter gerinnungshemmender Medikation. Demgegenüber stehen 12 Untersuchungen mit insgesamt 15.360 eingeschlossenen Patienten, die ein erhöhtes Risiko erkennen ließen. Insgesamt scheint die dauerhafte Einnahme gerinnungshemmender Medikamente mit einem höheren Risiko für intrakranielle Verletzungen bei leichtem SHT einherzugehen. Im eigenen Kollektiv von 379 Patienten mit leichtem SHT war der Anteil intrakranieller Läsionen bei den 55 Patienten unter gerinnungshemmender Medikation höher als in der Kontrollgruppe von 324 Patienten ohne gerinnungshemmende Medikation. Wir schließen aus den vorliegenden Daten auf ein erhöhtes Risiko für intrakranielle Läsionen bei leichtem SHT unter gerinnungshemmender Medikation und empfehlen daher alle betreffenden Patienten einer CCT zuzuführen., UNSPECIFIED
Leichtes Schädel-Hirntrauma, orale Gerinnungshemmung, CCT
Günther, Stefan
2017
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Günther, Stefan (2017): Leichtes Schädel-Hirn-Trauma unter oraler Gerinnungshemmung: erhöhtes Risiko für intrakranielle Blutungen?. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Patienten mit leichtem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) stellen im klinischen Alltag eine relevante Herausforderung dar, weil das initiale Erscheinungsbild des Patienten oft nicht mit dem Ausmaß der intrakraniellen Verletzungsfolgen korreliert. Patienten, die zunächst unauffällig erscheinen, können maßgebliche intrakranielle Verletzungen aufweisen oder in der Folge entwickeln. Zwar weisen nur ca. 10% der Patienten mit leichtem SHT eine therapierelevante intrakranielle Verletzung auf, aber Folgen einer zu spät oder gar nicht diagnostizierten intrakraniellen Läsion erhöhen die Morbidität und Letalität maßgeblich. Der diagnostische Goldstandard zum sicheren Erkennen oder Ausschluss relevanter intrakranieller Verletzungsfolge stellt die native Computertomografie des Schädels (CCT) dar. Die CCT ist allerdings mit einer Strahlenbelastung für den Patienten verbunden und kostenintensiv. Daher ist ein risikoadaptiertes, zielgerichtetes diagnostisches Vorgehen bei Patienten mit leichtem SHT zur Sicherung der Behandlungsqualität unter sinnvollem Einsatz der CCT erforderlich. In den verschiedenen internationalen und nationalen Leitlinien, klinischen Richtlinien und Entscheidungsregeln werden Risikofaktoren für intrakranielle Läsionen bei Patienten mit leichtem SHT beschrieben. Die Bedeutung von oralen Antikoagulanzien (z.B. Cumarine, Rivaroxaban, Apixaban, etc.) und Thrombozytenaggregationshemmern (z.B. Acetylsalicylsäure, Clopidogrel, etc.) wird dabei nicht einheitlich interpretiert. Mit zunehmendem Lebensalter und damit einhergehenden kardiovaskulären Erkrankungen steigt aber die Wahrscheinlichkeit des Einsatzes dieser Medikamente. Für die Versorgung von Patienten mit leichtem SHT im klinischen Alltag stellen diese Medikamente daher eine zusätzliche Herausforderung dar. Wir untersuchten aus diesem Grund mittels systemsicher Literaturrecherche und Auswertung eines eigenen Patientenkollektivs die Bedeutung gerinnungshemmender Medikamente als Risikofaktor für eine intrakranielle Läsion bei Patienten mit leichtem SHT. Insgesamt ist die Datenlage aufgrund fehlender Studien, heterogenem Design der vorhandenen Studien und methodischen Schwächen deutlich limitiert. Von den primär 706 relevant erscheinenden Literaturquellen ließen letztlich 20 Studien eine detaillierte Prüfung zu und wurden entsprechend ausgewertet, darunter 12 Fall-Kontroll-Studien und 8 retrospektive (Register-)Datenanalysen. Bezüglich des Risikopotenzials einer gerinnungshemmenden Medikation bei leichtem SHT ergab sich kein einheitliches Bild. In 8 Veröffentlichungen mit insgesamt 4.778 eingeschlossenen Patienten ergaben sich keine eindeutigen Hinweise für ein höheres Risiko intrakranieller Läsionen bei leichtem SHT unter gerinnungshemmender Medikation. Demgegenüber stehen 12 Untersuchungen mit insgesamt 15.360 eingeschlossenen Patienten, die ein erhöhtes Risiko erkennen ließen. Insgesamt scheint die dauerhafte Einnahme gerinnungshemmender Medikamente mit einem höheren Risiko für intrakranielle Verletzungen bei leichtem SHT einherzugehen. Im eigenen Kollektiv von 379 Patienten mit leichtem SHT war der Anteil intrakranieller Läsionen bei den 55 Patienten unter gerinnungshemmender Medikation höher als in der Kontrollgruppe von 324 Patienten ohne gerinnungshemmende Medikation. Wir schließen aus den vorliegenden Daten auf ein erhöhtes Risiko für intrakranielle Läsionen bei leichtem SHT unter gerinnungshemmender Medikation und empfehlen daher alle betreffenden Patienten einer CCT zuzuführen.

Abstract