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Stürze bei Schwindel- und Gleichgewichtserkrankungen. von der Epidemiologie zur Rehabilitation
Stürze bei Schwindel- und Gleichgewichtserkrankungen. von der Epidemiologie zur Rehabilitation
Das Ziel der vorliegenden Dissertation war es, zunächst das krankheitsspezifische Sturzrisiko bei Schwindel- und Gleichgewichtsstörungen zu ermitteln und daraufhin die Gangstabilität als potentiellen Sturzrisikomarker in den Erkrankungsgruppen mit erhöhter Sturzgefährdung zu untersuchen. Parallel dazu wurde ein spezifisches Gangtraining für Patienten mit Morbus Parkinson, bei denen eine starke Disposition für Stürze bereits durch umfangreiche Forschungsarbeiten bekannt ist, entwickelt und evaluiert. Das Sturzrisiko zeigte sich bei Erkrankungen des Kleinhirns und der Basalganglien stark und bei peripheren Störungen, wie vestibulären Dysfunktionen und Polyneuropathie, moderat ausgeprägt. Dementsprechend waren diese Patienten auch von Angst vor Stürzen betroffen. Patienten mit funktionellen Schwindelbeschwerden berichteten ebenfalls unter Sturzbedenken zu leiden, obwohl das Sturzrisiko im Vergleich zur Kontrollgruppe nicht erhöht war. Bestimmte Gangabweichungen, insbesondere eine erhöhte Variabilität des Gangmusters, stellen Risikofaktoren für das Auftreten von Stürzen in der älteren Bevölkerung dar. Aus diesem Grund wurde eine Studienserie durchgeführt, innerhalb derer die Gangstabilität bei Patienten mit bilateraler Vestibulopathie, Polyneuropathie, Downbeat Nystagmus Syndrom und zerebellärer Ataxie quantifiziert wurde. Bei allen Krankheitsbildern war die Gangvariabilität bei langsamer Ganggeschwindigkeit gesteigert. Bei Patienten mit zerebellärer Ataxie zeigte sie sich zusätzlich bei schneller Ganggeschwindigkeit erhöht. Der Zusammenhang zwischen Gangvariabilität und Sturzhistorie wurde bis dato bei Patienten mit zerebellärer Ataxie überprüft. Eine gesteigerte Gangvariabilität bei langsamer Ganggeschwindigkeit ging mit einer hohen Sturzfrequenz einher, während eine erhöhte Gangvariabilität bei schneller Ganggeschwindigkeit mit einem hohen Ataxie-Schweregrad assoziiert war. Die Messung der Schritt- zu-Schritt-Fluktuation bei langsamem Gehen eignet sich daher für die Einschätzung des individuellen Sturzrisikos bei zerebellären Patienten. Basierend auf der aktuellen Studienlage zur Gangrehabilitation bei Morbus Parkinson wurde eine kombinierte Therapie aus Laufbandtraining und visuellen Schrittvorgaben entwickelt und in einer Pilotstudie mit 23 mittel- bis hochgradig betroffenen Patienten untersucht. Der Trainingserfolg zeigte sich vor allem durch ein verbessertes Ergebnis im Timed Up and Go Test. Dies bedeutet nicht nur eine Besserung der funktionellen Gehfähigkeit, sondern spricht gleichzeitig für eine Reduktion des individuellen Sturzrisikos.
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Schlick, Cornelia
2017
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Schlick, Cornelia (2017): Stürze bei Schwindel- und Gleichgewichtserkrankungen: von der Epidemiologie zur Rehabilitation. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Das Ziel der vorliegenden Dissertation war es, zunächst das krankheitsspezifische Sturzrisiko bei Schwindel- und Gleichgewichtsstörungen zu ermitteln und daraufhin die Gangstabilität als potentiellen Sturzrisikomarker in den Erkrankungsgruppen mit erhöhter Sturzgefährdung zu untersuchen. Parallel dazu wurde ein spezifisches Gangtraining für Patienten mit Morbus Parkinson, bei denen eine starke Disposition für Stürze bereits durch umfangreiche Forschungsarbeiten bekannt ist, entwickelt und evaluiert. Das Sturzrisiko zeigte sich bei Erkrankungen des Kleinhirns und der Basalganglien stark und bei peripheren Störungen, wie vestibulären Dysfunktionen und Polyneuropathie, moderat ausgeprägt. Dementsprechend waren diese Patienten auch von Angst vor Stürzen betroffen. Patienten mit funktionellen Schwindelbeschwerden berichteten ebenfalls unter Sturzbedenken zu leiden, obwohl das Sturzrisiko im Vergleich zur Kontrollgruppe nicht erhöht war. Bestimmte Gangabweichungen, insbesondere eine erhöhte Variabilität des Gangmusters, stellen Risikofaktoren für das Auftreten von Stürzen in der älteren Bevölkerung dar. Aus diesem Grund wurde eine Studienserie durchgeführt, innerhalb derer die Gangstabilität bei Patienten mit bilateraler Vestibulopathie, Polyneuropathie, Downbeat Nystagmus Syndrom und zerebellärer Ataxie quantifiziert wurde. Bei allen Krankheitsbildern war die Gangvariabilität bei langsamer Ganggeschwindigkeit gesteigert. Bei Patienten mit zerebellärer Ataxie zeigte sie sich zusätzlich bei schneller Ganggeschwindigkeit erhöht. Der Zusammenhang zwischen Gangvariabilität und Sturzhistorie wurde bis dato bei Patienten mit zerebellärer Ataxie überprüft. Eine gesteigerte Gangvariabilität bei langsamer Ganggeschwindigkeit ging mit einer hohen Sturzfrequenz einher, während eine erhöhte Gangvariabilität bei schneller Ganggeschwindigkeit mit einem hohen Ataxie-Schweregrad assoziiert war. Die Messung der Schritt- zu-Schritt-Fluktuation bei langsamem Gehen eignet sich daher für die Einschätzung des individuellen Sturzrisikos bei zerebellären Patienten. Basierend auf der aktuellen Studienlage zur Gangrehabilitation bei Morbus Parkinson wurde eine kombinierte Therapie aus Laufbandtraining und visuellen Schrittvorgaben entwickelt und in einer Pilotstudie mit 23 mittel- bis hochgradig betroffenen Patienten untersucht. Der Trainingserfolg zeigte sich vor allem durch ein verbessertes Ergebnis im Timed Up and Go Test. Dies bedeutet nicht nur eine Besserung der funktionellen Gehfähigkeit, sondern spricht gleichzeitig für eine Reduktion des individuellen Sturzrisikos.