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Ruderer, Amelie (2017): Erstellung, Implementierung und Evaluation eines wissenschaftlich fundierten verhaltenstherapeutischen Therapiemanuals zur Raucherberatung und -entwöhnung bei stationären Patienten mit komorbider Suchterkrankung. Dissertation, LMU München: Medizinische Fakultät
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Abstract

Zielsetzung: Ziel dieser Arbeit war die Erstellung, Implementierung sowie Evaluation eines wissenschaftlich fundierten verhaltenstherapeutischen Therapiemanuals zur Raucherberatung und -entwöhnung bei stationären Patienten mit komorbider Suchterkrankung. Die Evaluation befasste sich im Einzelnen mit der Akzeptanz, der Umsetzbarkeit sowie der Wirksamkeit des Rauchfrei-Programms Rethink your Smoking. Hintergrund: Bezug nehmend auf die aktuelle Studienlage wurde Mitte 2009 in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LMU München begonnen, eine Rauchfrei-Gruppe im Rahmen des Suchtprogramms auf der Akutstation mit dem Schwerpunkt Abhängigkeitserkrankungen zu implementieren. Als Grundlage für die Durchführung dieser Gruppe diente eine inhaltlich und zeitlich verkürzte Form des Rauchfrei-Programms (Kompaktversion/Trainermanual) des Institutes für Therapieforschung (IFT) von Dr. S. Gradl und Dr. C. Kröger (2008). Hierbei handelt es sich um ein bereits wissenschaftlich evaluiertes, evidenzbasiertes Manual. Das dreiwöchige Rauchfrei-Programm Version Akutstation wurde anhand einer Pilotstudie evaluiert. Deren Ergebnisse zeigten eine gute Akzeptanz des Programms seitens der Suchtpatienten, welche sich in der Aufhörmotivation widerspiegelte. Durch die Manualisierung lies sich das Programm auch in dem klinisch-psychiatrischen Setting gut durchführen. Aufgrund der Studienlage und der beschriebenen Vorerfahrungen wurde das Rauchfrei-Programm weiterentwickelt. Die durchschnittliche Behandlungsdauer eines qualifizierten Entzuges von Alkohol auf einer allgemeinpsychiatrischen Station mit Schwerpunkt Abhängigkeitserkrankungen beträgt in der Klinik etwa zwei Wochen. Aufgrund dessen wurde das Rauchfrei-Programm auf eben diesen Zeitraum umgeschrieben und durchgeführt (Gradl & Kröger, überarbeitet von Ruderer, A., unveröffentlicht). Methodik: Grundlage der Auswertungen ist die durchgeführte quasi-experimentelle Evaluationsstudie mit Kontrollgruppendesign anhand von vier bzw. sieben Messzeitpunkten (Prä-, Posttest, Katamnese-Erhebung nach drei und sechs Monaten bzw. zusätz lich Prozessevaluation von Kursstunden und Einzelberatung). Im Rahmen dieser Studie wurden 102 Patienten nach dem Rauchfrei Programm Rethink your Smoking behandelt. Die 102 Patienten der Kontrollgruppe erhielten keine verhaltenstherapeutische Intervention, sondern lediglich eine kurze Aufklärung über die routinemäßige Vergabe und mögliche Anwendung von Nikotinersatzpräparaten. Die Rekrutierung der tabakabhängigen Patienten erfolgte aus der Patientenpopulation, die sich von Juni 2010 bis September 2011 auf der Akutsuchtstation der Klinik in der Entwöhnungstherapie befanden. Während dieses Zeitraums wurde alle drei Monate zwischen Experimental- und Kontrollgruppe gewechselt. Ergebnisse:. Das Rauchfrei-Programm Rethink your Smoking konnte erfolgreich implementiert werden. Die Ergebnisse sprechen für eine gute Umsetzbarkeit und hohe Akzeptanz sowohl seitens der Patienten als auch seitens der Kursleiter. In Bezug auf die Wirksamkeit, welche über die Änderungsmotivation sowie das Rauchverhalten abgebildet wurde, zeigte sich im Bereich der Aufhörwahrscheinlichkeit ein signifikanter Unterschied nach dem Rauchfrei-Programm, war jedoch der Minimalintervention nicht überlegen. Auch nahmen beide Therapieformen signifikanten Einfluss auf das Rauchverhalten, sowohl beim Menge-Frequenz-Index als auch beim Fagerström-Test. Diskussion: Die Ergebnisse der Arbeit belegen die Machbarkeit, aber auch die Notwendigkeit und Wichtigkeit des Einsatzes einer Rauchberatung und -entwöhnung bei stationären Patienten mit komorbider Suchterkrankung. Auch wenn das Rauchfrei-Programm der Kurzintervention der Kontrollgruppe nicht überlegen war, spricht es für dieses therapeutische Angebot. Im Idealfall sollten alle rauchenden Patienten in Abhängigkeit ihrer Motivation und primären Suchterkrankung Interventionsmöglichkeiten und -angebote erhalten. Bereits Minimalinterventionen mit Informationsvermittlung und Motivierung führen auch bei weniger motivierten Rauchern zu signifikanten Effekten. Darüber hinaus wäre eine übergreifende Behandlung von stationärer zu ambulanter bzw. weiterführender Therapie wünschenswert.