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Thaler-Kall, Kathrin (2016): Untersuchung des Zusammenhangs von Anämie und Veränderungen in spatio-temporalen Gangparametern mit dem Sturzrisiko bei Senioren. Dissertation, LMU München: Medizinische Fakultät
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Abstract

Mit dem Anstieg der Lebenserwartung und dem Abfall der Geburtenrate ändert sich die Zusammensetzung der Gesellschaft in Deutschland: Der Anteil der Senioren steigt. Da die gesundheitlichen Probleme von Senioren andere sind als die von jüngeren Menschen, erfordert dies Anpassungen im Gesundheitswesen. So treten bei Senioren häufig mehrere Erkrankungen gemeinsam auf, man spricht von Multimorbidität. Die verlängerte Lebenserwartung verursacht außerdem einen erhöhten Pflegebedarf bei Gebrechlichkeit und Behinderung. Ein weiteres großes Thema in der geriatrischen Medizin sind Stürze. Diese bilden sowohl aufgrund der gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen als auch aufgrund der dadurch entstehenden hohen wirtschaftlichen Kosten ein zunehmendes Problem für die Gesellschaft. So können Stürze zu schwerwiegenden Verletzungen bis hin zum Tode führen. Die Identifikation von behandelbaren Risiken für Stürze gewinnt deshalb an Bedeutung. Die vorgelegte Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Anämie und Veränderungen im Gang eines Menschen mit dem Sturzrisiko dieser Person. Die Datenbasis bildeten sowohl Interviewdaten als auch Untersuchungsdaten von 967 zu Hause lebenden Personen, die älter als 64 Jahre waren. Die Daten stammen aus der KORA Studie, eine Studie, die seit über 20 Jahren den Gesundheitszustand der Bevölkerung der Region Augsburg untersucht. Es konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen Anämie und Stürzen festgestellt werden. Jedoch konnte ein additiver Effekt der Anämie auf das Sturzrisiko in der Gruppe der gebrechlichen und behinderten Senioren festgestellt werden. Die Untersuchung der Gangparameter lieferte die Erkenntnis, dass gebrechliche, multimorbide, behinderte und ältere Menschen langsamer und mit weniger Schritten pro Minute laufen. Außerdem machen sie kürzere Schritte und haben einen breiteren Gang. Dasselbe gilt für die Personen, die mindestens 5 Medikamente eingenommen hatten – sehr wahrscheinlich ist diese hohe Medikamentenanzahl eine Folge des Gesundheitszustandes der Probanden. Frauen hatten im Gegensatz zu Männern einen schmäleren Gang und bewegten sich langsamer mit weniger Schritten pro Minute und kürzeren sowie schnelleren Schritten. Außerdem konnte gezeigt werden, dass bei älteren Männern (75+) eine erhöhte Schrittanzahl und eine verkürzte Schrittlänge auf ein erhöhtes Sturzrisiko hinweisen. Die Geschwindigkeit hingegen zeigte keine signifikanten Zusammenhänge mit dem Sturzrisiko. Zusätzlich beschreibt diese Arbeit zum ersten Mal das Sturzverhalten einer Gruppe von älteren zu Hause lebenden Personen aus der deutschen Allgemeinbevölkerung. Der Anteil an Personen, die im letzten Jahr gestürzt sind, lag dabei bei 10,4% bei den Männern und 16,6% bei den Frauen. Aufgrund des Studiendesigns können keine kausalen Aussagen zu untersuchten Faktoren und dem damit verbundenen Sturzrisiko getroffen werden. Die hier vorliegenden Ergebnisse beschreiben aber eine Gruppe von deutschen Senioren detailliert und geben Hinweise darauf, dass es sinnvoll ist, bei Anzeichen von Multimorbidität, Gebrechlichkeit oder Behi

Abstract

Today, the percentage of older people (65 and older) of the German society increases due to an extending life expectancy and a decreasing birth rate. Whereas diseases appear isolated in younger people, older people do often suffer from so called multimorbidity where different diseases occur at the same time. The longer life expectancy also extents the need for home and outpatient care caused by frailty and disability. Another serious problem in geriatrics are falls. They emerge as a big challenge for the society because of serious health consequences for the affected person as well as high economical costs. Falls can lead to serious injuries and even to death. The identification for treatable risk factors therefore gains importance. This work investigates on the relationship between anemia and changes in the gait of a person and their risk to fall. Data were collected via interviews or physical examinations of 967 community-dwelling people aged 65 and older. The data were collected during the KORA study, which analyses the health status of the population of the region Augsburg (Germany) since 20 years. In this data no significant relationship between anemia and falls were found. But an additive effect of anemia on the fall risk in the frail and disabled group was found. Furthermore the analysis of gait parameters showed, that frail, multimorbid, disabled and older people walk slower, with less steps per minute, shorter steps and a wider gait. The same applies for people which take five or more drugs regularly – something which is probably caused by the health status of a person. Women have a decreased gait width compared to men; they walk slower with fewer steps per minute and make shorter, faster steps. It was also shown that the fall risk increases with an increasing step number and decreasing step length in men aged 75 and older. There was found no significant relationship between speed and fall risk. Additionally this work is the first to describe falls in elderly, community-dwelling, German people: 10.4% of all men and 16.6% of all women aged 65+ did fall at least once during the last year. The study design did not allow us to give evidence to some causal correlations regarding the analyzed risk factors. But the results describe a group of German seniors in detail and imply to take fall prevention measures in case one finds indications of multimorbidity, frailty or disability in seniors.