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Sabaß, Leandra (2014): Verhalten des Farmnerzes (Neovison vison, Behaviour of the farm mink (Neovison vison): eine Studie zur Aufzucht und Jungtiergruppenhaltung gemäß der aktuellen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, a study on the breeding and grouphousing of juveniles according to the Ordinance on the protection of animals kept for fur farming purposes (Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung). Dissertation, LMU München: Tierärztliche Fakultät
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Abstract

Das Züchten und Töten von Tieren zur Gewinnung von Luxusartikeln ist in der gesellschaftlichen Diskussion stark ethisch umstritten. Viele Europäische Länder haben auf diese Debatten reagiert und die Intensivhaltung von Pelztieren gesetzlich untersagt. Laut Deutschem Pelzinstitut nehmen der Umsatz von Pelzen und ihre Relevanz in der Modebranche, auch innerhalb Europas, im letzten Jahrzehnt stetig zu. Der Amerikanische Nerz (Neovison vison) ist einer der häufigsten und bedeutsamsten Vertreter der Pelztiere. Die bisherige kommerzielle Haltung gemäß den Empfehlungen des Europäische Übereinkommens zum Schutz von Pelztieren (1999) wird den Bedürfnissen dieses semiaquatischen Raubtieres nach offenen Wasserflächen, Bewegungsfreiheit und Klettermöglichkeiten nicht gerecht. Deutsche Pelztierzüchter sind seit 2006 durch die TierSchNutztV verpflichtet die Nerzhaltung bis 2016 neuen Mindeststandards anzupassen. Die hier vorgestellte Studie befasst sich mit dem Verhalten des Farmnerzes unter Haltungsbedingungen, die diesen Standards entsprechen. Hierzu wurde 2009 zunächst eine Pilotstudie mit einer geringeren Zahl von Fokustieren durchgeführt. Im Anschluss an die Pilotstudie wurde das Volierensystem evaluiert und optimiert und im Rahmen der Hauptstudie 2010 das Verhalten der Nerze unter diesen veränderten Haltungsbedingungen untersucht. Hauptveränderungen zwischen der Haltung von Pilot- zu Hauptstudie waren der Einbau des Volierensystems in ein geschlossenes Stallgebäude und die Integration der Schwimmgelegenheit in die Volieren. Es wurden in beiden Studien das Spontanverhalten, insbesondere die Gehegenutzung und das Badeverhalten, und der Tagesrhythmus der Muttertiere während der Aufzucht und der abgesetzten Jungtiere in Gruppenhaltung bis zu einem Alter von ca. sieben Monaten analysiert. Aufzucht Jede Familie, bestehend aus Muttertier und Wurf, wurde bis zur 10. Lebenswoche der Jungen zusammen gehalten. Zum Zeitpunkt des Absetzens ergab sich eine mittlere Wurfgröße von 4,0 Welpen. Die Welpensterblichkeit von den Geburten bis zum Absetzen betrug in der Pilotstudie 32,8 % und in der Hauptstudie 18,4 %. Die Muttertiere zeigten einen eher tagaktiven Aktivitätsrhythmus. Sie hielten sich mehr außerhalb der Nestboxen auf, umso älter ihre Welpen wurden. Alle Fokusfähen nutzten die angebotenen Bademöglichkeiten und wurden regelmäßig beim Schwimmen beobachtet – dabei unterlag die Schwimmaktivität keinem erkennbaren Tagesrhythmus. Die Fähen schwammen weniger sobald die Jungen die Nestboxen verließen und die Volieren erkundeten. Ab diesem Zeitpunkt ruhten die Fähen auch mehr außerhalb der Nestboxen. Zudem nutzen die Fähen die Einstreukisten höchst zuverlässig (in der Hauptstudie in 100 % der Fälle), um sich nach dem Schwimmen und vor Betreten der Nestboxen die Pelze trocken zu reiben. In der Hauptstudie konnten die Muttertiere regelmäßig bei solitärem Spiel beobachtet werden, wobei dieses verstärkt im Zusammenhang mit Schwimmverhalten auftrat. Einzelne Fähen zeigten selten stereotype Verhaltensweisen, diese korrelierten allerdings nicht mit dem Alter der Welpen. Daher können sie nicht in Verbindung mit zunehmendem Stress durch die gemeinsame Haltung des Familienverbandes bis zur 10. Lebenswoche gebracht werden. Einzelne Welpen wurden in der Hauptstudie ab dem 49. Tag post natum beim Schwimmen beobachtet. Kein Welpe ertrank in den angebotenen Badebecken. Jungtiergruppen In der Pilotstudie wurden die Jungtiere nach dem Absetzen von den Müttern in gemischtgeschlechtlichen Gruppen von vier bis sechs Tieren gehalten, in der Hauptstudie in gleichgeschlechtlichen Gruppen von drei Tieren. Verglichen mit Jungnerzen in seminatürlicher Haltung zeigten die Nerze in Volierenhaltung Aktivitätspeaks in den Dämmerungsstunden, aber keine verstärkte Nachtaktivität. Die Tiere hielten sich 4,4 % (Pilotstudie) bzw. 2,3 % (Hauptstudie) der Beobachtungszeit an den Wasserbecken auf. In den Pilotstudien schwammen sie jedoch deutlich weniger (< 0,01 %) als in der Hauptstudie (Fähen: 0,5 %, Rüden: 0,1 %). Es zeigte sich, dass alle Jungfähen regelmäßig schwammen, wohingegen die Rüden signifikant weniger schwammen und zwei der Rüden nie beim Schwimmen beobachtet wurden. Bei den Rüden schwammen die Tiere mit Farbschlag demi-buff signifikant mehr als die Rüden mit anderen Fellfarben (silverblue oder pearl). Auf die Beteiligung an positivem Sozialkontakt oder Agonistik hatte der Farbschlag keinen nachweisbaren Effekt. Die Jungrüden spielten mehr als die Jungfähen. Das Spielverhalten reduzierte sich bei beiden Geschlechtern nicht mit zunehmendem Alter. In der Hauptstudie wurde kaum stereotypes oder agonistisches Verhalten beobachtet und, im Gegensatz zur Pilotstudie, wiesen nur einzelne Tiere sehr geringfügige Schwanzverletzungen auf. Die Tiere im Haltungssystem der Hauptstudie zeigten somit insgesamt kaum stereotype Verhaltensstörungen und Agonistik, spielten regelmäßig und wiesen einen guten Gesundheitszustand auf. Zusammenfassend scheint daher dieses Haltungssystem die Bedürfnisse von Nerzfähen und ihren Welpen während der Aufzucht und der gleichgeschlechtlichen Jungtiergruppen bis zum siebten Lebensmonat soweit zu befriedigen, dass es als tiergerecht bewertet werden kann.

Abstract

The breeding and killing of animals for the production of luxury goods is highly ethically controversial in social debate. Many European countries have responded to these debates and prohibited the intensive rearing of fur animals by law. According to the Deutsches Pelzinstitut in the last decade the sales of furs and their relevance in the fashion industry, even within Europe, is steadily increasing. The American mink (Neovison vison) is one of the most common and most important representatives of fur-bearing animals. Previous commercial housing systems in accordance with the recommendation of the European Convention for the protection of fur-bearing animals (1999) do not meet the needs of this semiaquatic predator for open water access, freedom of movement and possibilities for climbing. German fur breeders are obliged since 2006 by the TierSchNutztV to adapt the housing of minks to new minimum standards until 2016. The present study is concerned with the behaviour of farm mink under housing conditions that meet these standards. To this end, a pilot study was carried out initially in 2009 with a smaller number of focal animals. Following the pilot study, the enclosure system was evaluated and optimized, and in 2010 the main study examined the behaviour of mink under these changed housing conditions. From the pilot study to the main study the main changes in housing were the installation of the enclosure system in a closed barn and the integration of swimming areas in the enclosures. Both studies analysed spontaneous behaviour, in particular the use of the enclosure and bathing behaviour, and the daily rhythm of the mother animals during rearing and the weaned kits in group housing up to the age of about seven months. Rearing the offspring Each family, consisting of mother and litter, was kept together up to the 10th week of life of the kits. At the time of weaning mean litter size was 4.0 kits. The kits mortality rate from birth to weaning was in the pilot study 32.8 % and in the main study 18.4 %. The dams showed a more diurnal activity rhythm. They stayed more often outside the nest boxes the older the kits grew. All focal dams used the offered bathing possibilities and were observed regularly when swimming –hence the swimming activity underlay no apparent diurnal rhythm. The dams swam less once the kits left the nest boxes and explored the enclosures. From this point on, also the dams rested more outside the nest boxes. In addition, the dams use the sawdust boxes highly reliably (in the main study in 100 % of the cases) to rub their furs dry after swimming and before entering the nest boxes. In the main study, the dams were observed regularly in solitary play, where this occurred increasingly in connection with swimming behaviour. Individual dams rarely showed stereotypical behaviours, but these did not correlate with the age of the kits. Therefore, they cannot be connected with increasing stress caused by family housing up to the 10th week of life. In the main study individual kits were observed swimming starting the 49th day after birth. No kits drowned in the provided swimming pool. Grouphousing of juveniles In the pilot study, after weaning the kits were kept in mixed-sex groups of four to six animals, in the main study in same-sex groups of three animals. Compared with young mink kept in semi-natural housing conditions the mink housed in enclosures showed activity peaks in the twilight hours, but no increased night activity. The animals spent 4.4 % (pilot study) and respectively 2.3 % (main study) of the observed time at the water pool. However, in the pilot study they swam significantly less (< 0.01 %) than in the main study (dams: 0.5 %, males: 0.1 %). It was found that all females swam regularly, whereas the males swam significantly less, and two of the males were never observed swimming. Male animals with fur colour demi-buff swam significantly longer than males with other fur colours (silverblue or pearl). Fur colour had no detectable effect on the participation in positive social contact or the agonistic. The young males played more than the young females. In both sexes the playing behaviour did not decrease with increasing age. In the main study hardly any stereotypical or agonistic behaviour was observed and, in contrast to the pilot study, only individual animals showed very slight tail injuries. Thus, the animals in the housing system of the main study showed little overall stereotypical behaviour disorders and agonistic behaviour, they played regularly and had a good state of health. In summary, therefore, this housing system seems to meet the needs of mink dams and their kits during rearing and of same-sex young animal groups until the 7th month of life.