Logo Logo
Help
Contact
Switch language to German
Die myokardiale systolische Funktion bei Hunden mit Pulmonalstenose unterschiedlicher Schweregrade und der Effekt der Ballonvalvuloplastie
Die myokardiale systolische Funktion bei Hunden mit Pulmonalstenose unterschiedlicher Schweregrade und der Effekt der Ballonvalvuloplastie
Mit einer Prävalenz von 20 – 34,1 % unter den kongenitalen Herzerkrankungen gehört die Pulmonalstenose (PS) zu einer der häufigsten kardialen Missbildungen beim Hund. Als PS bezeichnet man die Einengung des rechtsventrikulären Ausflusstraktes (RVOT) bzw. des Truncus pulmonalis, wobei die valvuläre PS die mit Abstand am häufigsten vorkommende Form darstellt. Durch diese Obstruktion des RVOT kommt es zu einer Erhöhung des systolischen Drucks im rechten Ventrikel (RV) und kompensatorischer Hypertrophie des Kammermyokards. Bei Hunden mit sehr hohem Druckgradienten (∆p) über der Pulmonalklappe kann es in Folge der ausgeprägten Kammerhypertrophie zu einer Minderperfusion des verdickten Herzmuskels kommen, mit nachfolgender Ischämie und Fibrosierung. In schwerwiegenden Fällen kann bei einigen Hunden im kongestiven Herzversagen eine massive systolische Dysfunktion (SyD) mit dilatiertem Ventrikel als Folge des langfristig hochgradig erhöhten ∆p beobachtet werden. Aktuell ist bei hochgradigen PS (∆p > 80 mmHg) die minimalinvasive Ballonvalvuloplastie (BV) der Goldstandard zur Therapie der PS des Hundes. Das Ziel unserer Studie war es zum einen die RV systolische Funktion bei Hunden mit PS unterschiedlicher Schweregrade mittels konventioneller Ultraschallparameter (Tricuspid Annular Plane Systolic Excursion (TAPSE), Fractional Area Change (FAC), systolische Gewebegeschwindigkeit des lateralen Trikuspidalklappenannulus (RVFW-S‘)) sowie neueren, bisher noch nicht im Kontext der PS beurteilten Quantifizierungsmethoden (mittels Speckle Tracking Echocardiographie (STE) ermittelter longitudinaler Strain (LSt)) zu untersuchen. Zum anderen sollten die ermittelten Ergebnisse mit einer gesunden Kontrollpopulation verglichen werden. Ein weiterer Bestandteil der Studie war die Untersuchung der systolischen Funktion vor und nach BV. Für diesen Zweck wurden in einer prospektiven Studie insgesamt 72 Hunde mit PS mit einer Kohorte von 86 gesunden Hunden verglichen. Dabei wurde eine Unterteilung der PS Gruppe in drei Schweregrade unternommen: Klasse 1 (∆p ≤80 mmHg, n = 22), Klasse 2 (∆p = 81 – 130 mmHg, n = 24) und Klasse 3 (∆p ˃ 130 mmHg, n = 26). Die Hunde, die eine BV aufgrund ihrer PS erhielten (n = 44), wurden einer zusätzlichen Echokardiographie fünf bis sieben Stunden nach dem Eingriff unterzogen. Wir konnten feststellen, dass Hunde mit PS gegenüber der Kontrollgruppe eine signifikant reduzierte systolische Funktion in den meisten Parametern aufwiesen. Die Gruppe mit dem schwerwiegendsten Defekt (Klasse 3) wies zudem die niedrigsten Werte auf. Im Hinblick auf den LSt konnte für die Gesamtheit des RV Myokards (RV-GLS) kein Unterschied zwischen der gesunden und der erkrankten Gruppe festgestellt werden, allerdings wurden segmentale Unterschiede deutlich. Der BL-LSt war in der PS Gruppe deutlich niedriger (-27,27 % ± 8,02) als in der gesunden Gruppe (-30,54 % ± 6,43; p = 0,007), wohingegen der apiko-laterale LSt genau gegenteiliges zeigte, nämlich höhere Werte in der erkrankten im Vergleich zur gesunden Population (34,54 % ± 11,16 vs. 30,47 % ± 8,0; p = 0,013). Die Nachlastsenkung nach BV hatte einen volumenabhängigen Effekt auf die meisten Parameter der systolischen Funktion. Die vorliegende Studie demonstriert, dass eine globale SyD nur bei einem kleinen Anteil an PS erkrankter Hunde mittels STE RV-GLS detektierbar ist. Die Auswertung der segmentalen Analyse zeigt eine regionale (apikale) Hyperkinesie bei lokaler reduzierter systolischer Funktion im basalen Segment, möglicherweise als kompensatorischer Mechanismus zur Aufrechterhaltung der Globalfunktion. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit zur Differenzierung zwischen regionaler und globaler SyD. In Hinblick auf zukünftige Studien liefert diese Publikation Anreize zur Evaluierung der Assoziation einer SyD bei Hunden mit PS und der Langzeitprognose im Hinblick auf die Entwicklung von Symptomen und die Mortalität.
Echokardiographie, Pulmonalstenose, Hund, Systolische Funktion, Speckle Tracking
Keating, Simone Veronica
2023
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Keating, Simone Veronica (2023): Die myokardiale systolische Funktion bei Hunden mit Pulmonalstenose unterschiedlicher Schweregrade und der Effekt der Ballonvalvuloplastie. Dissertation, LMU München: Faculty of Veterinary Medicine
[thumbnail of Keating_Simone.pdf]
Preview
PDF
Keating_Simone.pdf

4MB

Abstract

Mit einer Prävalenz von 20 – 34,1 % unter den kongenitalen Herzerkrankungen gehört die Pulmonalstenose (PS) zu einer der häufigsten kardialen Missbildungen beim Hund. Als PS bezeichnet man die Einengung des rechtsventrikulären Ausflusstraktes (RVOT) bzw. des Truncus pulmonalis, wobei die valvuläre PS die mit Abstand am häufigsten vorkommende Form darstellt. Durch diese Obstruktion des RVOT kommt es zu einer Erhöhung des systolischen Drucks im rechten Ventrikel (RV) und kompensatorischer Hypertrophie des Kammermyokards. Bei Hunden mit sehr hohem Druckgradienten (∆p) über der Pulmonalklappe kann es in Folge der ausgeprägten Kammerhypertrophie zu einer Minderperfusion des verdickten Herzmuskels kommen, mit nachfolgender Ischämie und Fibrosierung. In schwerwiegenden Fällen kann bei einigen Hunden im kongestiven Herzversagen eine massive systolische Dysfunktion (SyD) mit dilatiertem Ventrikel als Folge des langfristig hochgradig erhöhten ∆p beobachtet werden. Aktuell ist bei hochgradigen PS (∆p > 80 mmHg) die minimalinvasive Ballonvalvuloplastie (BV) der Goldstandard zur Therapie der PS des Hundes. Das Ziel unserer Studie war es zum einen die RV systolische Funktion bei Hunden mit PS unterschiedlicher Schweregrade mittels konventioneller Ultraschallparameter (Tricuspid Annular Plane Systolic Excursion (TAPSE), Fractional Area Change (FAC), systolische Gewebegeschwindigkeit des lateralen Trikuspidalklappenannulus (RVFW-S‘)) sowie neueren, bisher noch nicht im Kontext der PS beurteilten Quantifizierungsmethoden (mittels Speckle Tracking Echocardiographie (STE) ermittelter longitudinaler Strain (LSt)) zu untersuchen. Zum anderen sollten die ermittelten Ergebnisse mit einer gesunden Kontrollpopulation verglichen werden. Ein weiterer Bestandteil der Studie war die Untersuchung der systolischen Funktion vor und nach BV. Für diesen Zweck wurden in einer prospektiven Studie insgesamt 72 Hunde mit PS mit einer Kohorte von 86 gesunden Hunden verglichen. Dabei wurde eine Unterteilung der PS Gruppe in drei Schweregrade unternommen: Klasse 1 (∆p ≤80 mmHg, n = 22), Klasse 2 (∆p = 81 – 130 mmHg, n = 24) und Klasse 3 (∆p ˃ 130 mmHg, n = 26). Die Hunde, die eine BV aufgrund ihrer PS erhielten (n = 44), wurden einer zusätzlichen Echokardiographie fünf bis sieben Stunden nach dem Eingriff unterzogen. Wir konnten feststellen, dass Hunde mit PS gegenüber der Kontrollgruppe eine signifikant reduzierte systolische Funktion in den meisten Parametern aufwiesen. Die Gruppe mit dem schwerwiegendsten Defekt (Klasse 3) wies zudem die niedrigsten Werte auf. Im Hinblick auf den LSt konnte für die Gesamtheit des RV Myokards (RV-GLS) kein Unterschied zwischen der gesunden und der erkrankten Gruppe festgestellt werden, allerdings wurden segmentale Unterschiede deutlich. Der BL-LSt war in der PS Gruppe deutlich niedriger (-27,27 % ± 8,02) als in der gesunden Gruppe (-30,54 % ± 6,43; p = 0,007), wohingegen der apiko-laterale LSt genau gegenteiliges zeigte, nämlich höhere Werte in der erkrankten im Vergleich zur gesunden Population (34,54 % ± 11,16 vs. 30,47 % ± 8,0; p = 0,013). Die Nachlastsenkung nach BV hatte einen volumenabhängigen Effekt auf die meisten Parameter der systolischen Funktion. Die vorliegende Studie demonstriert, dass eine globale SyD nur bei einem kleinen Anteil an PS erkrankter Hunde mittels STE RV-GLS detektierbar ist. Die Auswertung der segmentalen Analyse zeigt eine regionale (apikale) Hyperkinesie bei lokaler reduzierter systolischer Funktion im basalen Segment, möglicherweise als kompensatorischer Mechanismus zur Aufrechterhaltung der Globalfunktion. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit zur Differenzierung zwischen regionaler und globaler SyD. In Hinblick auf zukünftige Studien liefert diese Publikation Anreize zur Evaluierung der Assoziation einer SyD bei Hunden mit PS und der Langzeitprognose im Hinblick auf die Entwicklung von Symptomen und die Mortalität.