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Anforderungen und Ressourcen im Lehramtsreferendariat. Implikationen für die Stressprävention
Anforderungen und Ressourcen im Lehramtsreferendariat. Implikationen für die Stressprävention
Die vorliegende Untersuchung beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel zwischen be-rufs(phasen)spezifischen Arbeitsanforderungen und -ressourcen sowie personalen Faktoren in ihrem Einfluss auf Symptome psychischer Belastung im Lehramtsreferendariat. Aus den Erkenntnissen zu gesundheitsförderlichen Merkmalskonstellationen werden Ansatzpunkte für stresspräventive Maßnahmen auf verhältnis- und verhaltenspräventiver Ebene abgeleitet. Im Hinblick auf Verhaltensprävention werden zudem zwei Präventionsmaßnahmen evaluiert: „AGIL – Arbeit und Gesundheit im Lehrerberuf“ (ein Stressbewältigungstraining) und „PAUER – Sicher und erfolgreich im Lehrerberuf“ (ein Klassenführungstraining). Beide Trainings wurden im Rahmen des Projekts „LeguPan – Lehrergesundheit: Prävention an Schulen“ des Lehrstuhls für Schulpädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität München, das den Rahmen der vorliegenden Arbeit bildet, für Lehramtsreferendare angeboten. Denn obwohl viele Beschreibungen das Krisenhafte des Lehramtsreferendariats sowie seinen belastenden Charakter betonen, liegen bislang nur wenig empirische Befunde zur tatsächlichen gesundheitsbezogenen Bedeutung beruflicher Anforderungen und Ressourcen im Zusammenspiel mit personalen Faktoren vor. Darüber hinaus ist bislang nur wenig über Nutzen und Wirksamkeit von Stressbewältigungs- und vor allem Klassenführungstrainings im Lehramtsreferendariat bekannt. Dies ist nicht nur im Hinblick auf die Gesundheitsförderung im Lehramtsreferendariat problematisch, sondern auch im Hinblick darauf, dass der Lehrerberuf auch an berufserfahrene Lehrkräfte viele und komplexe Anforderungen stellt, die es zu bewältigen gilt. Dabei gehen eine hohe Beanspruchung und negative gesundheitliche Folgen nicht nur mit starken Einschränkungen für die betroffenen Lehrkräfte einher, sondern haben auch negative Auswirkungen auf ihre Schüler und verursachen hohe Kosten für die Gesellschaft und das, obwohl dem Lehrerberuf eine große gesellschaftliche Bedeutung zugesprochen wird. Deshalb sollten bereits in der Phase der Ausbildung wichtige Kompetenzen geschult werden, die, im Sinne einer Professionalisierung und beruflichen Qualifizierung, auch Ressourcen für den adaptiven Umgang mit beruflichen Anforderungen darstellen. Im Rahmen des LeguPan-Projekts nahmen insgesamt 103 bayerische Referendare aus dem Gymnasial- und Realschulbereich an einem der beiden Trainings und drei Fragebogenuntersuchungen teil, die eine Baseline-Erhebung circa 3 Monate vor dem Training, eine Prä- und eine Post-Messung umfasste. In Bezug auf den Einfluss beruflicher Arbeitsanforderungen und -ressourcen auf das Befinden erweisen sich vor allem die Unsicherheit in der Lehrerrolle und der subjektive Berufserfolg von Bedeutung. Bei den personalen Faktoren sind von den Skalen zum Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten das Zutrauen im Umgang mit Unterrichtsstörungen und vom Erholungserleben die Skala Anregung/Stimulation am einflussreichsten. Daneben scheinen von den Strate-gien der Stressbewältigung die Resignation und von den dysfunktionalen Kognitionen das Meiden sozialer Unterstützung den größten Einfluss zu haben. Die Befunde zum Zusammenspiel zwischen beruflichen und personalen Einflussfaktoren auf das Befinden zeigen sich vielfältig. Allerdings finden sich kaum moderierende, sondern vor allem mediierende Zusammenhänge. Die Evaluation der beiden Trainingsprogramme PAUER und AGIL ergibt keinen Einfluss der Trainings auf Symptome psychischer Belastung (Arbeitsengagement und Depressivität). Es finden sich allerdings Effekte auf den Aufbau personaler Ressourcen für die Bewältigung von Stress und die Verringerung personaler Stressverstärker. Dabei profitieren von AGIL vor allem stark beanspruchte Lehramtsreferendare, während die bei den Referendaren vorliegende Beanspruchung keinen Einfluss auf die Wirksamkeit von PAUER zu haben scheint. Insgesamt zeigt die vorliegende Arbeit verschiedene Möglichkeiten auf, Fähigkeiten bei den Lehramtsreferendaren aufzubauen, die im Sinne einer Professionalisierung nicht nur für den Vorbereitungsdienst, sondern auch für die spätere berufliche Laufbahn von Lehrkräften von Bedeutung sind und dazu beitragen, dass Lehrkräfte langfristig und gesund ihrem Beruf nachgehen können.
Referendariat, Stress, Prävention, Anforderungen, Ressourcen
Leiendecker, Stefanie
2020
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Leiendecker, Stefanie (2020): Anforderungen und Ressourcen im Lehramtsreferendariat: Implikationen für die Stressprävention. Dissertation, LMU München: Faculty of Psychology and Educational Sciences
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Abstract

Die vorliegende Untersuchung beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel zwischen be-rufs(phasen)spezifischen Arbeitsanforderungen und -ressourcen sowie personalen Faktoren in ihrem Einfluss auf Symptome psychischer Belastung im Lehramtsreferendariat. Aus den Erkenntnissen zu gesundheitsförderlichen Merkmalskonstellationen werden Ansatzpunkte für stresspräventive Maßnahmen auf verhältnis- und verhaltenspräventiver Ebene abgeleitet. Im Hinblick auf Verhaltensprävention werden zudem zwei Präventionsmaßnahmen evaluiert: „AGIL – Arbeit und Gesundheit im Lehrerberuf“ (ein Stressbewältigungstraining) und „PAUER – Sicher und erfolgreich im Lehrerberuf“ (ein Klassenführungstraining). Beide Trainings wurden im Rahmen des Projekts „LeguPan – Lehrergesundheit: Prävention an Schulen“ des Lehrstuhls für Schulpädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität München, das den Rahmen der vorliegenden Arbeit bildet, für Lehramtsreferendare angeboten. Denn obwohl viele Beschreibungen das Krisenhafte des Lehramtsreferendariats sowie seinen belastenden Charakter betonen, liegen bislang nur wenig empirische Befunde zur tatsächlichen gesundheitsbezogenen Bedeutung beruflicher Anforderungen und Ressourcen im Zusammenspiel mit personalen Faktoren vor. Darüber hinaus ist bislang nur wenig über Nutzen und Wirksamkeit von Stressbewältigungs- und vor allem Klassenführungstrainings im Lehramtsreferendariat bekannt. Dies ist nicht nur im Hinblick auf die Gesundheitsförderung im Lehramtsreferendariat problematisch, sondern auch im Hinblick darauf, dass der Lehrerberuf auch an berufserfahrene Lehrkräfte viele und komplexe Anforderungen stellt, die es zu bewältigen gilt. Dabei gehen eine hohe Beanspruchung und negative gesundheitliche Folgen nicht nur mit starken Einschränkungen für die betroffenen Lehrkräfte einher, sondern haben auch negative Auswirkungen auf ihre Schüler und verursachen hohe Kosten für die Gesellschaft und das, obwohl dem Lehrerberuf eine große gesellschaftliche Bedeutung zugesprochen wird. Deshalb sollten bereits in der Phase der Ausbildung wichtige Kompetenzen geschult werden, die, im Sinne einer Professionalisierung und beruflichen Qualifizierung, auch Ressourcen für den adaptiven Umgang mit beruflichen Anforderungen darstellen. Im Rahmen des LeguPan-Projekts nahmen insgesamt 103 bayerische Referendare aus dem Gymnasial- und Realschulbereich an einem der beiden Trainings und drei Fragebogenuntersuchungen teil, die eine Baseline-Erhebung circa 3 Monate vor dem Training, eine Prä- und eine Post-Messung umfasste. In Bezug auf den Einfluss beruflicher Arbeitsanforderungen und -ressourcen auf das Befinden erweisen sich vor allem die Unsicherheit in der Lehrerrolle und der subjektive Berufserfolg von Bedeutung. Bei den personalen Faktoren sind von den Skalen zum Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten das Zutrauen im Umgang mit Unterrichtsstörungen und vom Erholungserleben die Skala Anregung/Stimulation am einflussreichsten. Daneben scheinen von den Strate-gien der Stressbewältigung die Resignation und von den dysfunktionalen Kognitionen das Meiden sozialer Unterstützung den größten Einfluss zu haben. Die Befunde zum Zusammenspiel zwischen beruflichen und personalen Einflussfaktoren auf das Befinden zeigen sich vielfältig. Allerdings finden sich kaum moderierende, sondern vor allem mediierende Zusammenhänge. Die Evaluation der beiden Trainingsprogramme PAUER und AGIL ergibt keinen Einfluss der Trainings auf Symptome psychischer Belastung (Arbeitsengagement und Depressivität). Es finden sich allerdings Effekte auf den Aufbau personaler Ressourcen für die Bewältigung von Stress und die Verringerung personaler Stressverstärker. Dabei profitieren von AGIL vor allem stark beanspruchte Lehramtsreferendare, während die bei den Referendaren vorliegende Beanspruchung keinen Einfluss auf die Wirksamkeit von PAUER zu haben scheint. Insgesamt zeigt die vorliegende Arbeit verschiedene Möglichkeiten auf, Fähigkeiten bei den Lehramtsreferendaren aufzubauen, die im Sinne einer Professionalisierung nicht nur für den Vorbereitungsdienst, sondern auch für die spätere berufliche Laufbahn von Lehrkräften von Bedeutung sind und dazu beitragen, dass Lehrkräfte langfristig und gesund ihrem Beruf nachgehen können.