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Die Zuverlässigkeit kinetischer und kinematischer Daten des gesunden Hundes auf dem instrumentierten Laufband
Die Zuverlässigkeit kinetischer und kinematischer Daten des gesunden Hundes auf dem instrumentierten Laufband
Trotz zahlreicher Studien am instrumentierten Laufband existieren bislang keine zuverlässigen Daten, welche eine tatsächliche Verbesserung einer Lahmheit von rein physiologischen Differenzen oder Gewöhnungseffekten unterscheiden. Solche zu ermitteln war Ziel der vorliegenden Arbeit. Von elf orthopädisch gesunden Hunden wurden mit Hilfe einer instrumentierten Ganganalyse Bodenreaktionskräfte und Range of Motion (ROM, Bewegungsumfang der Gelenke) gemessen, und zwar an drei aufeinander folgenden Untersuchungstagen, sowie einem Untersuchungstermin sechs Wochen später. Signifikante Effekte zwischen den Untersuchungstagen wurden ermittelt und quantifiziert. Als Maß der Reproduzierbarkeit wurde der Variationskoeffizient für Messwiederholungen berechnet, ebenso die nötigen Mindestdifferenzen, um zwischen physiologischer Schwankung und wirklicher Veränderung einer Lahmheit unterscheiden zu können. Die Vertikale Spitzenkraft (peak vertical force, PVF) variierte zwischen den Terminen von 1,5-5,3 % KGW, der Vertikale Impuls (VI) von 0,9-1,8 % KGWs. Die prozentuale Standphasendauer variierte zwischen den Terminen von 0,9-3,2 %, die relative Schrittlänge entsprechend von 1,4-2,9 %. Es zeigte sich eine gute Reproduzierbarkeit der Messwerte der Bodenreaktionskräfte, mit Variationskoeffizienten für Messwiederholungen von max. 8,0 %. Die Werte der prozentualen Standphasendauer zeigten die geringste Streuung und die meisten signifikanten Effekte. Hier ließ sich ein Gewöhnungseffekt vermuten, weniger bei PVF, VI und relativer Schrittlänge. Um eine tatsächliche Veränderung der gemessenen Parameter jenseits physiologischer Schwankung oder Gewöhnungseffekten festzustellen, wurden für PVF Mindestdifferenzen von bis zu 9,9 % KGW ermittelt. Für den VI lagen diese bei bis zu 3,3 % KGWs, für die Standphasendauer bei bis zu 5,8 %, sowie für die relative Schrittlänge bei bis zu 5,4 %. Der ROM variierte am Schultergelenk zwischen 29,9° und 30,8°, am Ellbogengelenk zwischen 49,4° und 52,8° und am Karpalgelenk zwischen 77,7° und 88,1°. Der ROM des Hüftgelenkes lag zwischen 32,9° und 35,8°, der ROM des Kniegelenkes zwischen 33,7° und 36,8° und der ROM des Tarsalgelenkes zwischen 31,7° und 33,5°. Nur am Ellbogengelenk war der ROM in geringem Maße reproduzierbar, die Variationskoeffizienten für Messwiederholungen bis zu 17,42 %. Die Mindestdifferenzen zur Unterscheidung physiologischer Schwankungen von tatsächlichen Veränderungen im Gangbild betrugen 12,0° am Schultergelenk, 14,1° am Ellbogen- und 35,6° am Karpalgelenk sowie 16,2° am Hüft-, 14,0° am Knie- und 9,2° am Tarsalgelenk. Die Bodenreaktionskräfte zeigten sich mit geringeren Streuungswerten als die hier ermittelten ROM als empfindliche und diagnostisch zuverlässige Parameter. Die ROM zeigten sich durch teilweise extrem hohe Varianz als weniger zuverlässig. Im Bereich der Ganganalyse lassen sich zufällige physiologische Schwankungen von systematischen Effekten unterscheiden. Dies zeigt die Wichtigkeit von zuverlässig anwendbaren Grenzwerten für Verlaufsuntersuchungen am instrumentierten Laufband.
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Pietsch, Sebastian
2021
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Pietsch, Sebastian (2021): Die Zuverlässigkeit kinetischer und kinematischer Daten des gesunden Hundes auf dem instrumentierten Laufband. Dissertation, LMU München: Faculty of Veterinary Medicine
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Abstract

Trotz zahlreicher Studien am instrumentierten Laufband existieren bislang keine zuverlässigen Daten, welche eine tatsächliche Verbesserung einer Lahmheit von rein physiologischen Differenzen oder Gewöhnungseffekten unterscheiden. Solche zu ermitteln war Ziel der vorliegenden Arbeit. Von elf orthopädisch gesunden Hunden wurden mit Hilfe einer instrumentierten Ganganalyse Bodenreaktionskräfte und Range of Motion (ROM, Bewegungsumfang der Gelenke) gemessen, und zwar an drei aufeinander folgenden Untersuchungstagen, sowie einem Untersuchungstermin sechs Wochen später. Signifikante Effekte zwischen den Untersuchungstagen wurden ermittelt und quantifiziert. Als Maß der Reproduzierbarkeit wurde der Variationskoeffizient für Messwiederholungen berechnet, ebenso die nötigen Mindestdifferenzen, um zwischen physiologischer Schwankung und wirklicher Veränderung einer Lahmheit unterscheiden zu können. Die Vertikale Spitzenkraft (peak vertical force, PVF) variierte zwischen den Terminen von 1,5-5,3 % KGW, der Vertikale Impuls (VI) von 0,9-1,8 % KGWs. Die prozentuale Standphasendauer variierte zwischen den Terminen von 0,9-3,2 %, die relative Schrittlänge entsprechend von 1,4-2,9 %. Es zeigte sich eine gute Reproduzierbarkeit der Messwerte der Bodenreaktionskräfte, mit Variationskoeffizienten für Messwiederholungen von max. 8,0 %. Die Werte der prozentualen Standphasendauer zeigten die geringste Streuung und die meisten signifikanten Effekte. Hier ließ sich ein Gewöhnungseffekt vermuten, weniger bei PVF, VI und relativer Schrittlänge. Um eine tatsächliche Veränderung der gemessenen Parameter jenseits physiologischer Schwankung oder Gewöhnungseffekten festzustellen, wurden für PVF Mindestdifferenzen von bis zu 9,9 % KGW ermittelt. Für den VI lagen diese bei bis zu 3,3 % KGWs, für die Standphasendauer bei bis zu 5,8 %, sowie für die relative Schrittlänge bei bis zu 5,4 %. Der ROM variierte am Schultergelenk zwischen 29,9° und 30,8°, am Ellbogengelenk zwischen 49,4° und 52,8° und am Karpalgelenk zwischen 77,7° und 88,1°. Der ROM des Hüftgelenkes lag zwischen 32,9° und 35,8°, der ROM des Kniegelenkes zwischen 33,7° und 36,8° und der ROM des Tarsalgelenkes zwischen 31,7° und 33,5°. Nur am Ellbogengelenk war der ROM in geringem Maße reproduzierbar, die Variationskoeffizienten für Messwiederholungen bis zu 17,42 %. Die Mindestdifferenzen zur Unterscheidung physiologischer Schwankungen von tatsächlichen Veränderungen im Gangbild betrugen 12,0° am Schultergelenk, 14,1° am Ellbogen- und 35,6° am Karpalgelenk sowie 16,2° am Hüft-, 14,0° am Knie- und 9,2° am Tarsalgelenk. Die Bodenreaktionskräfte zeigten sich mit geringeren Streuungswerten als die hier ermittelten ROM als empfindliche und diagnostisch zuverlässige Parameter. Die ROM zeigten sich durch teilweise extrem hohe Varianz als weniger zuverlässig. Im Bereich der Ganganalyse lassen sich zufällige physiologische Schwankungen von systematischen Effekten unterscheiden. Dies zeigt die Wichtigkeit von zuverlässig anwendbaren Grenzwerten für Verlaufsuntersuchungen am instrumentierten Laufband.