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Verletzungsrisiko bei der Verladung von Masthühnern – „manueller Fang“ vs. „maschineller Fang“
Verletzungsrisiko bei der Verladung von Masthühnern – „manueller Fang“ vs. „maschineller Fang“
Es wurde der maschinelle Fang mit der Fangmaschine Apollo Geneation 2 der Firma CMC Industries-Ciemmecalabria, (Cazzago S. Martino, Italien) von Masthühnern mit dem zwei-beinigen manuellen Fang durch kommerzielle Fangkolonnen, anhand der Häufigkeit von Verletzungen und der Zahl an tot am Schlachthof angelieferten Tieren (Dead on Arrival, DOA) verglichen. Die Erfassung der Verletzungen und möglicher Einflussfaktoren erfolgte hierfür während 12 maschinellen und 12 manuellen Verladungen auf vier Untersuchungsebenen. Zunächst wurde bei jeder Herde eine Voruntersuchung zur Erfassung des Status vor Verladung durchgeführt. Es folgte eine weitere Untersuchung auf dem Betrieb direkt nach Verladung und zwei weitere Untersuchungen der entsprechenden Herde am Schlachthof. Hier wurden die Schlachtkörper visuell durch einen Tierarzt und mit Hilfe eines software-gestützten Kamerasystems untersucht. Anschließend folgten die Auswertung und der Vergleich der Häufigkeiten auf den jeweiligen Untersuchungsebenen und die Ermittlung der Entdeckungswahrscheinlichkeit einer Verletzung durch die jeweilige Untersuchungsmethode. Zusätzlich wurden mögliche Einflussfaktoren auf die Häufigkeit der detektierten Verletzungen, auf der Ebene der Untersuchung auf dem Betrieb und auf der Ebene der visuellen Untersuchung am Schlachthof ausgewertet. Unabhängig von der Verlademethode waren auf der Ebene der visuellen Untersuchung des Schlachtkörpers am Schlachthof Hämatome am Flügel mit durchschnittlich 5,57% (SD: 3,26; min: 1,29%; max: 11,33%) neben den Frakturen ohne Hämatom am Flügel (MW: 5,59%; SD: 2,67; min:1,49%; max: 11,36%) die am häufigsten detektierte Verletzungsarten. Frakturen am Flügel mit Hämatom als Hinweis auf einen prämortalen Entstehungszeitpunkt, wurden mit durchschnittlich 2,89% (SD: 1,57; min: 0,37%; max: 5,17%) seltener beobachtet. Auf der Untersuchungsebene der Iris-Kamera zeigte sich ein etwas anderes Bild als auf den vorangegangenen Untersuchungsebenen. Hier wurden mit durchschnittlich 23,89% (SD: 6,16; min: 13,67%; max: 34,89%) Frakturen am Flügel wesentlich häufiger als alle anderen Verletzungsarten detektiert. Nur vereinzelt wurden Hämatome am Rumpf (MW: 1,59%; SD: 0,47; min: 0,75%; max: 3,04%) durch die Iris-Kamera erfasst. Betrachtet man die Verletzungsvariablen auf der Untersuchungsebenen der visuellen Untersuchung des Schlachtkörpers am Schlachthof nach Fangmethode getrennt, so reduzierte sich das Risiko für das Auftreten eines Hämatoms am Flügel um den Faktor 0,45 (95% UI: 0,28; 0,73), wurde eine Herde manuell statt maschinell verladen. Auch auf der Untersuchungsebene des Betriebs sowie des software-gestützten Kamerasystems war dieses Verletzungsrisiko (Hämatome am Flügel) beim manuellen Fang signifikant niedriger. Für das Verletzungsrisiko hinsichtlich einer schwerwiegenden Verletzung, im Sinne einer Fraktur oder Luxation, konnte auch auf der Untersuchungsebene Schlachthof visuell kein signifikanter Unterschied zwischen den Verlademethoden festgestellt werden. Vergleicht man die Untersuchungsebenen anhand der Entdeckungswahrscheinlichkeit für eine Verletzung, so nimmt sie von der Untersuchung auf dem Betrieb über die visuelle Untersuchung am Schlachthof hin zur Iris-Kamerabasierten Untersuchung deutlich zu. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass die Iris- Kamera beim Erfassen der Frakturen/Luxationen nicht zwischen solchen mit Hämatom und solchen ohne Hämatom im umliegenden Gewebe unterscheidet. Bei der visuellen Untersuchung am Schlachthof wurden auch Frakturen ohne Hämatom im umliegenden Gewebe detektiert. Dabei war die Prävalenz der Frakturen/Luxationen ohne Hämatom im umliegenden Gewebe unabhängig von der Fangmethode mit durchschnittlich 5,59% (SD: 2,67; min: 1,49%; max: 11,36%) deutlich höher als die der Frakturen/Luxationen mit Hämatom im umliegenden Gewebe (MW: 2,89%; SD: 1,57; min: 0,37%; max: 5,17%). Hämatome dienen als Hinweis auf einen prämortalen Entstehungszeitpunkt. Die Ergebnisse der visuellen Untersuchung am Schlachthof zeigen somit, wie wichtig die Unterscheidung zwischen Frakturen mit und ohne Hämatom ist, um den Entstehungszeitpunkt einer entsprechenden Verletzung in prä- und postmortal einordnen zu können und somit als möglicherweise fangbedingte Verletzung zu betrachten sind. Es wird somit deutlich, dass für eine Beurteilung der Verladung selbst eine Untersuchung der Tiere auf dem Betrieb notwendig ist, da am Schlachthof höhere Verletzungsraten vorzufinden sind. Diese sind möglicherweise auf den Transport oder weitere Prozesse vor und während der Schlachtung zurückzuführen. Bei der Ermittlung möglicher Einflussfaktoren auf die Prävalenz der visuell am Schlachthof detektierten Verletzungen, abseits der Wahl der Fangmethode, hat sich ein sehr inhomogenes Bild, mit zum Teil sehr widersprüchlichen Ergebnissen gezeigt. Daraus ist zu schließen, dass es schwierig ist bei einer so großen Zahl an Faktoren konkret einzelne Einflussfaktoren und die Art ihres Einflusses zu bestimmen. Möglicherweise bedarf es hierfür wesentlich größere Stichprobenumfänge, um echte Einflüsse herausarbeiten zu können. Die hier vorliegende Studie zeigte, dass unabhängig von der Untersuchungsebene das Risiko für die Entstehung eines Hämatoms am Flügel bei maschinellen Fang mit der hier eingesetzten Fangmaschine höher war, verglichen mit dem manuellen zwei-beinigen Fang. Hingegen konnte kein Unterschied im Risiko für die Entstehung schwerwiegender Verletzungen wie Frakturen oder Luxationen festgestellt werden. Die Auswertung möglicher Einflussfaktoren hat außerdem gezeigt, dass das Verletzungsrisiko nicht nur von der Wahl der Fangmethode abhängig ist. Der Vergleich der drei Untersuchungsebenen konnte zeigen, dass es bei der Bewertung des Verletzungsrisikos einer Fangmethode für Masthühner ganz erheblich auf die Methodik der Untersuchung ankommt. Um sichere Schlüsse ziehen zu können, ist eine genaue Definition untersuchter Verletzungsparameter sowie die Wahl des Untersuchungszeitpunktes unerlässlich und Voraussetzung für eine gute Vergleichbarkeit von Studienergebnissen.
maschineller Fang, manueller Fang, Broiler, Verletzungsrisiko, DOA
Mönch, Julia
2021
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Mönch, Julia (2021): Verletzungsrisiko bei der Verladung von Masthühnern – „manueller Fang“ vs. „maschineller Fang“. Dissertation, LMU München: Faculty of Veterinary Medicine
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Abstract

Es wurde der maschinelle Fang mit der Fangmaschine Apollo Geneation 2 der Firma CMC Industries-Ciemmecalabria, (Cazzago S. Martino, Italien) von Masthühnern mit dem zwei-beinigen manuellen Fang durch kommerzielle Fangkolonnen, anhand der Häufigkeit von Verletzungen und der Zahl an tot am Schlachthof angelieferten Tieren (Dead on Arrival, DOA) verglichen. Die Erfassung der Verletzungen und möglicher Einflussfaktoren erfolgte hierfür während 12 maschinellen und 12 manuellen Verladungen auf vier Untersuchungsebenen. Zunächst wurde bei jeder Herde eine Voruntersuchung zur Erfassung des Status vor Verladung durchgeführt. Es folgte eine weitere Untersuchung auf dem Betrieb direkt nach Verladung und zwei weitere Untersuchungen der entsprechenden Herde am Schlachthof. Hier wurden die Schlachtkörper visuell durch einen Tierarzt und mit Hilfe eines software-gestützten Kamerasystems untersucht. Anschließend folgten die Auswertung und der Vergleich der Häufigkeiten auf den jeweiligen Untersuchungsebenen und die Ermittlung der Entdeckungswahrscheinlichkeit einer Verletzung durch die jeweilige Untersuchungsmethode. Zusätzlich wurden mögliche Einflussfaktoren auf die Häufigkeit der detektierten Verletzungen, auf der Ebene der Untersuchung auf dem Betrieb und auf der Ebene der visuellen Untersuchung am Schlachthof ausgewertet. Unabhängig von der Verlademethode waren auf der Ebene der visuellen Untersuchung des Schlachtkörpers am Schlachthof Hämatome am Flügel mit durchschnittlich 5,57% (SD: 3,26; min: 1,29%; max: 11,33%) neben den Frakturen ohne Hämatom am Flügel (MW: 5,59%; SD: 2,67; min:1,49%; max: 11,36%) die am häufigsten detektierte Verletzungsarten. Frakturen am Flügel mit Hämatom als Hinweis auf einen prämortalen Entstehungszeitpunkt, wurden mit durchschnittlich 2,89% (SD: 1,57; min: 0,37%; max: 5,17%) seltener beobachtet. Auf der Untersuchungsebene der Iris-Kamera zeigte sich ein etwas anderes Bild als auf den vorangegangenen Untersuchungsebenen. Hier wurden mit durchschnittlich 23,89% (SD: 6,16; min: 13,67%; max: 34,89%) Frakturen am Flügel wesentlich häufiger als alle anderen Verletzungsarten detektiert. Nur vereinzelt wurden Hämatome am Rumpf (MW: 1,59%; SD: 0,47; min: 0,75%; max: 3,04%) durch die Iris-Kamera erfasst. Betrachtet man die Verletzungsvariablen auf der Untersuchungsebenen der visuellen Untersuchung des Schlachtkörpers am Schlachthof nach Fangmethode getrennt, so reduzierte sich das Risiko für das Auftreten eines Hämatoms am Flügel um den Faktor 0,45 (95% UI: 0,28; 0,73), wurde eine Herde manuell statt maschinell verladen. Auch auf der Untersuchungsebene des Betriebs sowie des software-gestützten Kamerasystems war dieses Verletzungsrisiko (Hämatome am Flügel) beim manuellen Fang signifikant niedriger. Für das Verletzungsrisiko hinsichtlich einer schwerwiegenden Verletzung, im Sinne einer Fraktur oder Luxation, konnte auch auf der Untersuchungsebene Schlachthof visuell kein signifikanter Unterschied zwischen den Verlademethoden festgestellt werden. Vergleicht man die Untersuchungsebenen anhand der Entdeckungswahrscheinlichkeit für eine Verletzung, so nimmt sie von der Untersuchung auf dem Betrieb über die visuelle Untersuchung am Schlachthof hin zur Iris-Kamerabasierten Untersuchung deutlich zu. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass die Iris- Kamera beim Erfassen der Frakturen/Luxationen nicht zwischen solchen mit Hämatom und solchen ohne Hämatom im umliegenden Gewebe unterscheidet. Bei der visuellen Untersuchung am Schlachthof wurden auch Frakturen ohne Hämatom im umliegenden Gewebe detektiert. Dabei war die Prävalenz der Frakturen/Luxationen ohne Hämatom im umliegenden Gewebe unabhängig von der Fangmethode mit durchschnittlich 5,59% (SD: 2,67; min: 1,49%; max: 11,36%) deutlich höher als die der Frakturen/Luxationen mit Hämatom im umliegenden Gewebe (MW: 2,89%; SD: 1,57; min: 0,37%; max: 5,17%). Hämatome dienen als Hinweis auf einen prämortalen Entstehungszeitpunkt. Die Ergebnisse der visuellen Untersuchung am Schlachthof zeigen somit, wie wichtig die Unterscheidung zwischen Frakturen mit und ohne Hämatom ist, um den Entstehungszeitpunkt einer entsprechenden Verletzung in prä- und postmortal einordnen zu können und somit als möglicherweise fangbedingte Verletzung zu betrachten sind. Es wird somit deutlich, dass für eine Beurteilung der Verladung selbst eine Untersuchung der Tiere auf dem Betrieb notwendig ist, da am Schlachthof höhere Verletzungsraten vorzufinden sind. Diese sind möglicherweise auf den Transport oder weitere Prozesse vor und während der Schlachtung zurückzuführen. Bei der Ermittlung möglicher Einflussfaktoren auf die Prävalenz der visuell am Schlachthof detektierten Verletzungen, abseits der Wahl der Fangmethode, hat sich ein sehr inhomogenes Bild, mit zum Teil sehr widersprüchlichen Ergebnissen gezeigt. Daraus ist zu schließen, dass es schwierig ist bei einer so großen Zahl an Faktoren konkret einzelne Einflussfaktoren und die Art ihres Einflusses zu bestimmen. Möglicherweise bedarf es hierfür wesentlich größere Stichprobenumfänge, um echte Einflüsse herausarbeiten zu können. Die hier vorliegende Studie zeigte, dass unabhängig von der Untersuchungsebene das Risiko für die Entstehung eines Hämatoms am Flügel bei maschinellen Fang mit der hier eingesetzten Fangmaschine höher war, verglichen mit dem manuellen zwei-beinigen Fang. Hingegen konnte kein Unterschied im Risiko für die Entstehung schwerwiegender Verletzungen wie Frakturen oder Luxationen festgestellt werden. Die Auswertung möglicher Einflussfaktoren hat außerdem gezeigt, dass das Verletzungsrisiko nicht nur von der Wahl der Fangmethode abhängig ist. Der Vergleich der drei Untersuchungsebenen konnte zeigen, dass es bei der Bewertung des Verletzungsrisikos einer Fangmethode für Masthühner ganz erheblich auf die Methodik der Untersuchung ankommt. Um sichere Schlüsse ziehen zu können, ist eine genaue Definition untersuchter Verletzungsparameter sowie die Wahl des Untersuchungszeitpunktes unerlässlich und Voraussetzung für eine gute Vergleichbarkeit von Studienergebnissen.