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Grammatische Hierarchien in der Sprache von Menschen mit Aphasie. Implikationen für die Sprachtherapie
Grammatische Hierarchien in der Sprache von Menschen mit Aphasie. Implikationen für die Sprachtherapie
Das übergeordnete Ziel der vorliegenden Dissertationsschrift kann mit zwei Fragestellungen beschrieben werden: Einerseits ging es darum, mithilfe von sprachpathologischen, genauer genommen aphasischen Sprachdaten, die Existenz und den Aufbau von grammatischen Hierarchien in der Sprache - in diesem Fall der Hierarchie von verbalen grammatischen Kategorien - zu veranschaulichen und genügend Evidenz für ihr Vorhandensein zu sammeln. Andererseits ging es aber auch darum, basierend auf den ATMM-hierarchischen Erkenntnissen ein sogenanntes diagnostisches Instrumentarium für Sprachtherapeuten zu erstellen, welches als Werkzeug zur richtigen Beschreibung von aphasischen Störungsgraden ohne festgelegte Testverfahren eingesetzt werden kann. Für die erste Fragestellung sind aphasische Sprachdaten (Broca-Aphasie) insofern nützlich, dass die Reihenfolge des sprachlichen Abbaus bei einer vorliegenden Aphasie des Broca-Typs der Reihenfolge des hierarchischen Aufbaus der sprachlichen Hierarchien generell und der ATMMHierarchie im Spezifischen in umgekehrter Reihenfolge entspricht. Grundsätzlich gilt, dass sich sprachpathologische Sprachdaten besonders gut als Quelle für die Untersuchung von sprachlichen Abläufen und insbesondere von hierarchischen Prozessen sowie vom Aufbau sprachlicher Komplexitätsgefüge eignen, da man erst bei ihrer nicht mehr vollständigen Funktionsfähigkeit am besten erkennen und erklären kann, wie diese Prozesse zu funktionieren scheinen. Für die zweite Fragestellung sind wiederum die Erkenntnisse zum hierarchischen Aufbau der ATMM-Hierarchie besonders aussagekräftig, da sie eine wichtige Grundlage für die Analyse des aphasischen Sprachoutputs ausschließlich mit Mitteln der theoretischen Linguistik bereitstellen. Der Einsatz des linguistischen Wissens zur Beurteilung eines vorliegenden aphasischen Sprachoutputs und zu der damit verbundenen möglichen Optimierung der Therapieplanung und -einstellung ist ein wertvoller Mechanismus, der zum jetzigen Zeitpunkt kaum Anwendung und Verbreitung in sprachtherapeutischen Kreisen findet.
Grammatische Hierarchien, Broca-Aphasie, Agrammatismus, Jakobson, grammatische Kategorien, Aspekt, Tempus, Modus, Modalität
Bader, Katharina
2020
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Bader, Katharina (2020): Grammatische Hierarchien in der Sprache von Menschen mit Aphasie: Implikationen für die Sprachtherapie. Dissertation, LMU München: Faculty for Languages and Literatures
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Abstract

Das übergeordnete Ziel der vorliegenden Dissertationsschrift kann mit zwei Fragestellungen beschrieben werden: Einerseits ging es darum, mithilfe von sprachpathologischen, genauer genommen aphasischen Sprachdaten, die Existenz und den Aufbau von grammatischen Hierarchien in der Sprache - in diesem Fall der Hierarchie von verbalen grammatischen Kategorien - zu veranschaulichen und genügend Evidenz für ihr Vorhandensein zu sammeln. Andererseits ging es aber auch darum, basierend auf den ATMM-hierarchischen Erkenntnissen ein sogenanntes diagnostisches Instrumentarium für Sprachtherapeuten zu erstellen, welches als Werkzeug zur richtigen Beschreibung von aphasischen Störungsgraden ohne festgelegte Testverfahren eingesetzt werden kann. Für die erste Fragestellung sind aphasische Sprachdaten (Broca-Aphasie) insofern nützlich, dass die Reihenfolge des sprachlichen Abbaus bei einer vorliegenden Aphasie des Broca-Typs der Reihenfolge des hierarchischen Aufbaus der sprachlichen Hierarchien generell und der ATMMHierarchie im Spezifischen in umgekehrter Reihenfolge entspricht. Grundsätzlich gilt, dass sich sprachpathologische Sprachdaten besonders gut als Quelle für die Untersuchung von sprachlichen Abläufen und insbesondere von hierarchischen Prozessen sowie vom Aufbau sprachlicher Komplexitätsgefüge eignen, da man erst bei ihrer nicht mehr vollständigen Funktionsfähigkeit am besten erkennen und erklären kann, wie diese Prozesse zu funktionieren scheinen. Für die zweite Fragestellung sind wiederum die Erkenntnisse zum hierarchischen Aufbau der ATMM-Hierarchie besonders aussagekräftig, da sie eine wichtige Grundlage für die Analyse des aphasischen Sprachoutputs ausschließlich mit Mitteln der theoretischen Linguistik bereitstellen. Der Einsatz des linguistischen Wissens zur Beurteilung eines vorliegenden aphasischen Sprachoutputs und zu der damit verbundenen möglichen Optimierung der Therapieplanung und -einstellung ist ein wertvoller Mechanismus, der zum jetzigen Zeitpunkt kaum Anwendung und Verbreitung in sprachtherapeutischen Kreisen findet.