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Trennung in Verbundenheit?. Partnerschaftsleitbilder und Trennungsverläufe von Eltern in Intentionalen Gemeinschaften und anderen sozialen Milieus
Trennung in Verbundenheit?. Partnerschaftsleitbilder und Trennungsverläufe von Eltern in Intentionalen Gemeinschaften und anderen sozialen Milieus
Die Arbeit untersucht den Einfluss verschiedener Partnerschaftsleitbilder – traditionell, symbiotisch, egalitär und gefühlsbetont - auf den Trennungsverlauf von Eltern. Es werden Eltern aus Intentionalen Gemeinschaften (11 Interviews) mit Eltern aus anderen sozialen Milieus der deutschen Gesellschaft (10 Interviews) verglichen. Insgesamt wurden 21 problemzentrierte Interviews durchgeführt und entlang der Methodologie der Grounded Theory ausgewertet. Es konnten sechs Trennungstypen gebildet werden, die sich hinsichtlich ihrer Werteorientierung, ihrer Leitbilder und des Coparenting-Stils nach der Trennung deutlich unterscheiden. Die sechs Trennungstypen liegen auf einem Spektrum zwischen einer egalitären und einer polarisierten, strittigen Nachtrennungselternschaft ab. Die beiden Extreme finden sich in diesem Sample nur in sozialen Milieus der Mehrheitsgesellschaft. Nur in Intentionalen Gemeinschaften (IG) findet sich hingegen der Typus Individuation, der auf einem symbiotischen Partnerschaftsleitbild basiert und von einer hohen Arbeitsbelastung der Partner gekennzeichnet ist, die letztendlich zu Entfremdung und zur Trennung führt. Kernstück der Arbeit bilden drei Trennungstypen, die auf emotionalisierten Partnerschaftsleitbildern fußen und geschlechtshomogen sind, und in diesem Sample sowohl in der Mehrheitsgesellschaft, als auch in IG vorkommen. Vergebung und Abwertung sind rein weiblich, Distanzierung rein männlich. Insbesondere diese drei Typen geben Hinweise darauf, dass Gefühlsbezogenheit und gewaltfreie Kommunikation geschlechtsspezifische Ungleichheiten und Benachteiligungen nicht verhindern, sondern eher verdecken und emotional missbräuchliche Trennungssituationen begünstigen können. Das Coparenting wird in diesen Fällen zwar als positiv geschildert, stellt sich aber bei genauerem Hinsehen als ambivalent heraus. Ein gleichberechtigtes, wenig benachteiligendes Coparenting gelingt in diesem Sample eher durch Vereinbarungen und geteilte Praxen. Die Studie zeigt und beschreibt detailliert den Zusammenhang zwischen bestimmten Partnerschaftsleitbildern, dem Trennungsgrund, -verlauf und dem Coparenting-Stil nach der Trennung und kann auf die "Selektions- und Trennungs-Stress-Bewältiungsperspektive" angewendet werden (Walper und Langmeyer 2019). Außerdem liefert die Studie Hinweise darauf, dass Familie heuten nicht nur eine praktische Herstellungsleistung darstellt (Doing Family, Jurczyk et al. 2014), sondern zunehmend auch eine reflexive. Die vielen verschiedenen Möglichkeiten, Familie zu leben, stehen nicht gleichberechtigt nebeneinander, sondern haben geschlechtsspezifische Implikationen, die gesellschaftlich reflektiert werden sollten. Weitere Forschung in dem heterogenen, innovativen und experimentierfreudigen Milieu der IG sollte auch Kinder, Jugendliche, Kernfamilien und offene Familienkonzepte berücksichtigen. Außerdem sollte die gewaltfreie Kommunikation in Partnerschaften und Familien aus hochindividualisierten Milieus der Mehrheitsgesellschaft genauer in den Blick genommen werden, wo narzisstische Verhaltensweisen verbreitet aber weitgehend unentdeckt sind und nicht selten als Authentizität und Durchsetzungsstärke gedeutet werden. Giddens, A. (1994): Wandel der Intimität. Fischer. Jurczyk, K.; Lange, A.; Thiessen, B. (Hg) (2014): Doing Family. Warum Familienleben heute nicht mehr selbstverständlich ist. Beltz Juventa. Walper, S.; Langmeyer, A. (2019): Belastungs- und Unterstützungsfaktoren für die Entwicklung von Kindern in Trennungsfamilien. In: Volbert, R.; Jocob, A; Huber, A., Kannegießer, A. (Hg.): Empirische Grundlagen der familienrechtlichen Betrachtung. Hogrefe, S. 13-50., This study examines the influence of different concepts of partnership – traditional, symbiotic, egalitarian and emotionalized (“pure”, Giddens 1993) – on the course of separation. Separations of parents in Intentional Communities (eleven Interviews) are compared to parental separations in other social Milieus (ten interviews). Altogether 21 qualitative problem-centered interviews were conducted and analyzed according to the principles of the Grounded Theory. Six types of separation could be found on a spectrum between an egalitarian and a high conflict style of separation, both extremes are not found in the sample of IC. A third style of separation – individuation - is only found in IC and is connected to a symbiotic concept of partnership. Parents fuse and share a common goal (here: sustainability). These partnerships are characterized by an amazing workload which in the end leads to estrangement and separation. The central piece of the study lies in the description of three types of separation which are based on highly emotionalized gender concepts: forgiveness, devaluation and distancing. These types are found mostly but not exclusively in IC. Forgiveness and devaluation are all female and distancing all male in this sample. These three styles of separation are characterized by a complex mix and re-interpretation of traditional and “pure” concepts of partnership. This may lead to a concealment of gender specific disadvantages in the course of separation. Often cause and consequence are shifted; to feel, the inner work and to work with ones feelings are gender specifically enacted. The in-depth analysis of the separation-narratives show different directions of feeling, which cause a power differential between the sexes and even emotionally abusive situations during the course of separation. Men and women are both affected but in different ways. The findings implicate that nonviolent communication and emotional mindfulness do not prevent genderspecific disadvantages but may make them invisible. Coparenting in these cases is therefore considered ambiguous even though the interviewees describe it as very positive. In this sample an egalitarian coparenting-style is achieved by contracts and agreements between the parents and shared care work. The study shows and describes in detail the influence of different concepts of partnership on the separation and coparenting after separation. It also shows that "Doing Family" (Jurczyk et al. 2014) is no longer just a practical challenge but should also be considered a reflexive one. The multiple concepts of partnership and family imply specific gender specific power structures and disadvantages especially after separation which should be reflected. More family research should be done in this highly innovative and experimental field. Further research should include children, juveniles, core families and more communal family practices. More research is needed on so-called non-violent communication in partnerships and families in highly individualized milieus of the broad society where narcissistic behavior seems to be widely undetected and even considered assertive and authentic. Giddens, A. (1994): Wandel der Intimität. Fischer. Jurczyk, K.; Lange, A.; Thiessen, B. (Hg) (2014): Doing Family. Warum Familienleben heute nicht mehr selbstverständlich ist. Beltz Juventa. Walper, S.; Langmeyer, A. (2019): Belastungs- und Unterstützungsfaktoren für die Entwicklung von Kindern in Trennungsfamilien. In: Volbert, R.; Jocob, A; Huber, A., Kannegießer, A. (Hg.): Empirische Grundlagen der familienrechtlichen Betrachtung. Hogrefe, S. 13-50.
Familie, Familienforschung, Trennung und Scheidung, Trennungs- und Scheidungsforschung, Gemeinschaft, Gemeinschaftsbildung, Intentionale Gemeinschaften, Ökodörfer, Doing Family, Gender, Genderforschung, Hegemoniale Männlichkeit, Narzissmus, emotionaler Missbrauch, Familienleitbilder, Partnerschaftsleitbilder, Elternschaft, Coparenting, Nachtrennungselternschaft, Nachhaltigkeit, soziale Nachhaltigkeit, gewaltfreie Kommunikation, Kommunikation, Persönlichkeit, separation, family, divorce, concepts of partnerschip, concepts of family, sustainability, social sustainability, community, community building, Doing Family, Intentional Communities, eco villages, emotional abuse, narcissistic abuse, non-violent communication, gender, hegemonic masculinity
Burschel, Maria
2020
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Burschel, Maria (2020): Trennung in Verbundenheit?: Partnerschaftsleitbilder und Trennungsverläufe von Eltern in Intentionalen Gemeinschaften und anderen sozialen Milieus. Dissertation, LMU München: Faculty of Psychology and Educational Sciences
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Abstract

Die Arbeit untersucht den Einfluss verschiedener Partnerschaftsleitbilder – traditionell, symbiotisch, egalitär und gefühlsbetont - auf den Trennungsverlauf von Eltern. Es werden Eltern aus Intentionalen Gemeinschaften (11 Interviews) mit Eltern aus anderen sozialen Milieus der deutschen Gesellschaft (10 Interviews) verglichen. Insgesamt wurden 21 problemzentrierte Interviews durchgeführt und entlang der Methodologie der Grounded Theory ausgewertet. Es konnten sechs Trennungstypen gebildet werden, die sich hinsichtlich ihrer Werteorientierung, ihrer Leitbilder und des Coparenting-Stils nach der Trennung deutlich unterscheiden. Die sechs Trennungstypen liegen auf einem Spektrum zwischen einer egalitären und einer polarisierten, strittigen Nachtrennungselternschaft ab. Die beiden Extreme finden sich in diesem Sample nur in sozialen Milieus der Mehrheitsgesellschaft. Nur in Intentionalen Gemeinschaften (IG) findet sich hingegen der Typus Individuation, der auf einem symbiotischen Partnerschaftsleitbild basiert und von einer hohen Arbeitsbelastung der Partner gekennzeichnet ist, die letztendlich zu Entfremdung und zur Trennung führt. Kernstück der Arbeit bilden drei Trennungstypen, die auf emotionalisierten Partnerschaftsleitbildern fußen und geschlechtshomogen sind, und in diesem Sample sowohl in der Mehrheitsgesellschaft, als auch in IG vorkommen. Vergebung und Abwertung sind rein weiblich, Distanzierung rein männlich. Insbesondere diese drei Typen geben Hinweise darauf, dass Gefühlsbezogenheit und gewaltfreie Kommunikation geschlechtsspezifische Ungleichheiten und Benachteiligungen nicht verhindern, sondern eher verdecken und emotional missbräuchliche Trennungssituationen begünstigen können. Das Coparenting wird in diesen Fällen zwar als positiv geschildert, stellt sich aber bei genauerem Hinsehen als ambivalent heraus. Ein gleichberechtigtes, wenig benachteiligendes Coparenting gelingt in diesem Sample eher durch Vereinbarungen und geteilte Praxen. Die Studie zeigt und beschreibt detailliert den Zusammenhang zwischen bestimmten Partnerschaftsleitbildern, dem Trennungsgrund, -verlauf und dem Coparenting-Stil nach der Trennung und kann auf die "Selektions- und Trennungs-Stress-Bewältiungsperspektive" angewendet werden (Walper und Langmeyer 2019). Außerdem liefert die Studie Hinweise darauf, dass Familie heuten nicht nur eine praktische Herstellungsleistung darstellt (Doing Family, Jurczyk et al. 2014), sondern zunehmend auch eine reflexive. Die vielen verschiedenen Möglichkeiten, Familie zu leben, stehen nicht gleichberechtigt nebeneinander, sondern haben geschlechtsspezifische Implikationen, die gesellschaftlich reflektiert werden sollten. Weitere Forschung in dem heterogenen, innovativen und experimentierfreudigen Milieu der IG sollte auch Kinder, Jugendliche, Kernfamilien und offene Familienkonzepte berücksichtigen. Außerdem sollte die gewaltfreie Kommunikation in Partnerschaften und Familien aus hochindividualisierten Milieus der Mehrheitsgesellschaft genauer in den Blick genommen werden, wo narzisstische Verhaltensweisen verbreitet aber weitgehend unentdeckt sind und nicht selten als Authentizität und Durchsetzungsstärke gedeutet werden. Giddens, A. (1994): Wandel der Intimität. Fischer. Jurczyk, K.; Lange, A.; Thiessen, B. (Hg) (2014): Doing Family. Warum Familienleben heute nicht mehr selbstverständlich ist. Beltz Juventa. Walper, S.; Langmeyer, A. (2019): Belastungs- und Unterstützungsfaktoren für die Entwicklung von Kindern in Trennungsfamilien. In: Volbert, R.; Jocob, A; Huber, A., Kannegießer, A. (Hg.): Empirische Grundlagen der familienrechtlichen Betrachtung. Hogrefe, S. 13-50.

Abstract

This study examines the influence of different concepts of partnership – traditional, symbiotic, egalitarian and emotionalized (“pure”, Giddens 1993) – on the course of separation. Separations of parents in Intentional Communities (eleven Interviews) are compared to parental separations in other social Milieus (ten interviews). Altogether 21 qualitative problem-centered interviews were conducted and analyzed according to the principles of the Grounded Theory. Six types of separation could be found on a spectrum between an egalitarian and a high conflict style of separation, both extremes are not found in the sample of IC. A third style of separation – individuation - is only found in IC and is connected to a symbiotic concept of partnership. Parents fuse and share a common goal (here: sustainability). These partnerships are characterized by an amazing workload which in the end leads to estrangement and separation. The central piece of the study lies in the description of three types of separation which are based on highly emotionalized gender concepts: forgiveness, devaluation and distancing. These types are found mostly but not exclusively in IC. Forgiveness and devaluation are all female and distancing all male in this sample. These three styles of separation are characterized by a complex mix and re-interpretation of traditional and “pure” concepts of partnership. This may lead to a concealment of gender specific disadvantages in the course of separation. Often cause and consequence are shifted; to feel, the inner work and to work with ones feelings are gender specifically enacted. The in-depth analysis of the separation-narratives show different directions of feeling, which cause a power differential between the sexes and even emotionally abusive situations during the course of separation. Men and women are both affected but in different ways. The findings implicate that nonviolent communication and emotional mindfulness do not prevent genderspecific disadvantages but may make them invisible. Coparenting in these cases is therefore considered ambiguous even though the interviewees describe it as very positive. In this sample an egalitarian coparenting-style is achieved by contracts and agreements between the parents and shared care work. The study shows and describes in detail the influence of different concepts of partnership on the separation and coparenting after separation. It also shows that "Doing Family" (Jurczyk et al. 2014) is no longer just a practical challenge but should also be considered a reflexive one. The multiple concepts of partnership and family imply specific gender specific power structures and disadvantages especially after separation which should be reflected. More family research should be done in this highly innovative and experimental field. Further research should include children, juveniles, core families and more communal family practices. More research is needed on so-called non-violent communication in partnerships and families in highly individualized milieus of the broad society where narcissistic behavior seems to be widely undetected and even considered assertive and authentic. Giddens, A. (1994): Wandel der Intimität. Fischer. Jurczyk, K.; Lange, A.; Thiessen, B. (Hg) (2014): Doing Family. Warum Familienleben heute nicht mehr selbstverständlich ist. Beltz Juventa. Walper, S.; Langmeyer, A. (2019): Belastungs- und Unterstützungsfaktoren für die Entwicklung von Kindern in Trennungsfamilien. In: Volbert, R.; Jocob, A; Huber, A., Kannegießer, A. (Hg.): Empirische Grundlagen der familienrechtlichen Betrachtung. Hogrefe, S. 13-50.