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Das Praktikum im Pädagogikstudium. Veränderungen von Studieninteresse, Selbstwertgefühl und berufsrelevanten Dimensionen des Selbstkonzeptes
Das Praktikum im Pädagogikstudium. Veränderungen von Studieninteresse, Selbstwertgefühl und berufsrelevanten Dimensionen des Selbstkonzeptes
Von Studierenden und bildungspolitischen Institutionen werden hohe Erwartungen an Praktika, die in das Studium integriert sind, gestellt. Sie sollen sowohl die Persönlichkeitsentwicklung fördern als auch einen Beitrag zur Employability (Beschäftigungsbefähigung) der Studierenden leisten. Gerade in Studiengängen im Fachbereich Pädagogik werden Praktika ebenso für die Entwicklung pädagogischer Professionalität als wichtig erachtet, um neben theoretischem Wissen auch berufspraktische Kompetenzen zu erwerben. Forschung zum Nutzen und zu Effekten von Praktika innerhalb von pädagogischen Studiengängen existiert bislang vor allem für den Bereich des Lehramts, nicht aber für Bachelorstudiengänge. Zudem zeigen bisherige Studien ambivalente Befunde: Theoretische Inhalte des Studiums werden beispielweise nach Absolvieren des Praktikums kritischer als vorher von den Studierenden betrachtet. Auch konnte das Absinken des Selbstkonzeptes in Bezug auf beruflich relevante Fähigkeiten beobachtet werden. Positiv kann dies als eine Art „Realitätscheck“ interpretiert werden, der den Studierenden aufzeigt, in welchen Fähigkeitsbereichen noch Defizite und entsprechender Handlungsbedarf bestehen. Problematisch wäre allerdings, wenn Studierende durch die Erfahrungen innerhalb des Praktikums das Interesse an den theoretischen Inhalten des Studiums verlieren und deren praktische Relevanz und persönliche Bedeutsamkeit für professionelles pädagogisches Handeln nicht (mehr) erkennen können. Die von bildungspolitischen Institutionen geforderte Employability zielt nicht auf eine reine Verberuflichung der Studierenden ab, welche die Absolventinnen und Absolventen einmalig „fit“ für den Beruf macht, sondern sie sollen vielmehr in die Lage versetzt werden, sich immer wieder neues berufsrelevantes Wissen und Fähigkeiten anzueignen. Aus einer pädagogischen Perspektive ist es daher notwendig, dass die Studierenden bereits im Studium motivationale Orientierungen, zu denen u. a. das Interesse am Studienfach gehört, beibehalten oder weiterentwickeln. Diese begünstigen nicht nur lebenslange Lernprozesse, sondern sind auch im Rahmen der Ausbildung pädagogischer Professionalität relevant. Die vorliegende Arbeit untersucht daher die – auch von Studierenden im Pädagogikstudium (B. A.) erhofften – Effekte eines Praktikums auf das Studieninteresse und das Selbstwertgefühl sowie auf unterschiedliche Dimensionen des berufsbezogenen Selbstkonzeptes. Dabei wird auch danach gefragt, inwiefern die Befriedigung der grundlegenden psychologischen Bedürfnisse nach Kompetenz, Autonomie und sozialer Eingebundenheit einen Beitrag zur Entwicklung der genannten Zielvariablen Studieninteresse, Selbstwertgefühl und berufsbezogenen Selbstkonzepten leistet. Aufgrund der bestehenden Forschungslücke in Bezug auf Praktika im Bereich der Pädagogik wurde zunächst eine qualitative Vorstudie durchgeführt, bei der es sich um eine Dokumentenanalyse bereits vorliegender Praktikumsberichte der Pädagogikstudierenden (B. A.) an der LMU in München handelt. Diese führte zu der Annahme, dass die Studierenden je nachdem, welche Art von Praktikum sie absolvieren, unterschiedliche Effekte beschreiben. Studierende, die ein Praktikum an der Universität als Tutorin bzw. Tutor durchlaufen haben, nehmen eher eine Steigerung ihres Studieninteresses wahr, Studierende in einer externen Praktikumseinrichtung hielten das Praktikum im Nachgang vor allem zur Entwicklung beruflicher Orientierungen für hilfreich. Die qualitativ gewonnenen Erkenntnisse sind jedoch mit einigen Limitationen verbunden und dürfen nur vorsichtig interpretiert werden. Sie decken sich z. B. mit den Hoffnungen und Erwartungen, die Studierende auch in anderen Erhebungen in Bezug auf Praktika äußern und müssen daher auch im Zusammenhang mit der Vermeidung kognitiver Dissonan-zen betrachtet werden. Mit Hilfe einer von 2017 bis 2019 an der LMU in München durchgeführten Längsschnittuntersuchung, die die Hauptuntersuchung der vorliegenden Arbeit darstellt, wurden diese ersten Befunde überprüft. Insgesamt zeigt sich, dass sich das anfänglich niedrigere Selbstwertgefühl der Studierenden des internen Praktikums im Vergleich zu denjenigen des externen Praktikums durch die Praktikumserfahrung nicht kompensieren lässt. Es wird allerdings auch deutlich, dass beide Praktikumsarten vor allem positive bzw. keine negativen Effekte nach sich ziehen: Studieninteresse und Selbstwertgefühl bleiben insgesamt stabil und hinsichtlich einzelner Dimensionen des berufsbezogenen Selbstkon-zeptes lassen sich mithin positive Veränderungen identifizieren. Daneben wird auch deutlich, dass die grundlegenden psychologischen Bedürfnisse – vor allem das Erleben von Kompetenz und Autonomie während des Praktikums bzw. innerhalb begleitender Lehrveranstaltungen – für die Veränderungen eine Rolle spielen. Aus diesen Erkenntnissen werden in einem Schlusskapitel praktische Implikationen abgeleitet, beispielsweise zu einer autonomiefördernden Gestaltung von praktikumsbegleitenden Lehrveranstaltungen.
Not available
Wieser, Vera
2020
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Wieser, Vera (2020): Das Praktikum im Pädagogikstudium: Veränderungen von Studieninteresse, Selbstwertgefühl und berufsrelevanten Dimensionen des Selbstkonzeptes. Dissertation, LMU München: Faculty of Psychology and Educational Sciences
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Abstract

Von Studierenden und bildungspolitischen Institutionen werden hohe Erwartungen an Praktika, die in das Studium integriert sind, gestellt. Sie sollen sowohl die Persönlichkeitsentwicklung fördern als auch einen Beitrag zur Employability (Beschäftigungsbefähigung) der Studierenden leisten. Gerade in Studiengängen im Fachbereich Pädagogik werden Praktika ebenso für die Entwicklung pädagogischer Professionalität als wichtig erachtet, um neben theoretischem Wissen auch berufspraktische Kompetenzen zu erwerben. Forschung zum Nutzen und zu Effekten von Praktika innerhalb von pädagogischen Studiengängen existiert bislang vor allem für den Bereich des Lehramts, nicht aber für Bachelorstudiengänge. Zudem zeigen bisherige Studien ambivalente Befunde: Theoretische Inhalte des Studiums werden beispielweise nach Absolvieren des Praktikums kritischer als vorher von den Studierenden betrachtet. Auch konnte das Absinken des Selbstkonzeptes in Bezug auf beruflich relevante Fähigkeiten beobachtet werden. Positiv kann dies als eine Art „Realitätscheck“ interpretiert werden, der den Studierenden aufzeigt, in welchen Fähigkeitsbereichen noch Defizite und entsprechender Handlungsbedarf bestehen. Problematisch wäre allerdings, wenn Studierende durch die Erfahrungen innerhalb des Praktikums das Interesse an den theoretischen Inhalten des Studiums verlieren und deren praktische Relevanz und persönliche Bedeutsamkeit für professionelles pädagogisches Handeln nicht (mehr) erkennen können. Die von bildungspolitischen Institutionen geforderte Employability zielt nicht auf eine reine Verberuflichung der Studierenden ab, welche die Absolventinnen und Absolventen einmalig „fit“ für den Beruf macht, sondern sie sollen vielmehr in die Lage versetzt werden, sich immer wieder neues berufsrelevantes Wissen und Fähigkeiten anzueignen. Aus einer pädagogischen Perspektive ist es daher notwendig, dass die Studierenden bereits im Studium motivationale Orientierungen, zu denen u. a. das Interesse am Studienfach gehört, beibehalten oder weiterentwickeln. Diese begünstigen nicht nur lebenslange Lernprozesse, sondern sind auch im Rahmen der Ausbildung pädagogischer Professionalität relevant. Die vorliegende Arbeit untersucht daher die – auch von Studierenden im Pädagogikstudium (B. A.) erhofften – Effekte eines Praktikums auf das Studieninteresse und das Selbstwertgefühl sowie auf unterschiedliche Dimensionen des berufsbezogenen Selbstkonzeptes. Dabei wird auch danach gefragt, inwiefern die Befriedigung der grundlegenden psychologischen Bedürfnisse nach Kompetenz, Autonomie und sozialer Eingebundenheit einen Beitrag zur Entwicklung der genannten Zielvariablen Studieninteresse, Selbstwertgefühl und berufsbezogenen Selbstkonzepten leistet. Aufgrund der bestehenden Forschungslücke in Bezug auf Praktika im Bereich der Pädagogik wurde zunächst eine qualitative Vorstudie durchgeführt, bei der es sich um eine Dokumentenanalyse bereits vorliegender Praktikumsberichte der Pädagogikstudierenden (B. A.) an der LMU in München handelt. Diese führte zu der Annahme, dass die Studierenden je nachdem, welche Art von Praktikum sie absolvieren, unterschiedliche Effekte beschreiben. Studierende, die ein Praktikum an der Universität als Tutorin bzw. Tutor durchlaufen haben, nehmen eher eine Steigerung ihres Studieninteresses wahr, Studierende in einer externen Praktikumseinrichtung hielten das Praktikum im Nachgang vor allem zur Entwicklung beruflicher Orientierungen für hilfreich. Die qualitativ gewonnenen Erkenntnisse sind jedoch mit einigen Limitationen verbunden und dürfen nur vorsichtig interpretiert werden. Sie decken sich z. B. mit den Hoffnungen und Erwartungen, die Studierende auch in anderen Erhebungen in Bezug auf Praktika äußern und müssen daher auch im Zusammenhang mit der Vermeidung kognitiver Dissonan-zen betrachtet werden. Mit Hilfe einer von 2017 bis 2019 an der LMU in München durchgeführten Längsschnittuntersuchung, die die Hauptuntersuchung der vorliegenden Arbeit darstellt, wurden diese ersten Befunde überprüft. Insgesamt zeigt sich, dass sich das anfänglich niedrigere Selbstwertgefühl der Studierenden des internen Praktikums im Vergleich zu denjenigen des externen Praktikums durch die Praktikumserfahrung nicht kompensieren lässt. Es wird allerdings auch deutlich, dass beide Praktikumsarten vor allem positive bzw. keine negativen Effekte nach sich ziehen: Studieninteresse und Selbstwertgefühl bleiben insgesamt stabil und hinsichtlich einzelner Dimensionen des berufsbezogenen Selbstkon-zeptes lassen sich mithin positive Veränderungen identifizieren. Daneben wird auch deutlich, dass die grundlegenden psychologischen Bedürfnisse – vor allem das Erleben von Kompetenz und Autonomie während des Praktikums bzw. innerhalb begleitender Lehrveranstaltungen – für die Veränderungen eine Rolle spielen. Aus diesen Erkenntnissen werden in einem Schlusskapitel praktische Implikationen abgeleitet, beispielsweise zu einer autonomiefördernden Gestaltung von praktikumsbegleitenden Lehrveranstaltungen.