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Eine Untersuchung der systematischen und topographischen Anatomie der Atemmuskulatur und der Brusthöhlenorgane des Alpakas (Vicugna pacos)
Eine Untersuchung der systematischen und topographischen Anatomie der Atemmuskulatur und der Brusthöhlenorgane des Alpakas (Vicugna pacos)
Zielsetzung dieser Arbeit war die anatomische sowie topographische Untersuchung der Atmungsmuskulatur sowie des Brustkorbes des Alpakas. Besonders die Topographie der Organe im Thorax soll als Grundlage für Tierärzte, Wissenschaftler und Tierhalter dienen, um die Diagnostik und Behandlung des Alpakas zu verbessern. Des Weiteren wird ein umfangreicher Überblick der Literatur zu diesem Thema gegeben, auch im Vergleich zu den weiteren Kameliden, wie Dromedar und Lama. Hierfür wurden sechs aus medizinischen Gründen euthanasierte Alpakas aus Bayern unterschiedlichen Geschlechts und Alters fixiert und präpariert. Die Tiere hatten keine pathologischen Veränderungen im Bereich des Thorax. Es wurden einige anatomische Unterschiede gefunden, die das Alpaka von anderen Haussäugetieren unterscheidet. So wurden die Klappensegel der Aorten- und der Pulmonalklappe an ihrem freien Rand von dünnen Fäden gehalten, welche von der Mitte des Segels zur Gefäßwand zogen. Des Weiteren war bemerkenswert, dass die Blutversorgung des Herzes vom beidseitigen Typ war. Außerdem gab es lediglich eine V. azygos dexter. An der Lunge war auffällig, dass sie nur sehr schwach untergliedert war. Lediglich ein Lobus accessorius pulmonis dexter und ein kleiner Lobus medius pulmonis dexter konnten abgegrenzt werden, der rechte kraniale Lobus wurde von einem Bronchus trachealis ventiliert. Ein Lc. bronchale konnte nicht zweifelsfrei zugeordnet werden. Da es Quellen gibt, welche Pneumonien beim Alpaka als äußerst selten beschreiben (JOHNSON; SÜß-DOMBROWSKI, 2012), wird hier diskutiert, ob Habitus sowie Habitat des Alpakas in Kombination mit der Anatomie der luftleitenden Wege eine geringe Exposition der Lunge mit Pathogenen zur Folge hat, was wiederum die gering ausgebildeten Schutzmaßnahmen der Lunge zur Folge hat. Der N. vagus wies keinen Ast auf, der als N. laryngeus recurrens hätte angesprochen werden können. Eine Ansa subclavia konnte nicht nachgewiesen werden. Insgesamt fiel die geringe Anzahl an Lymphgewebe im Thorax auf, kraniale, mediale und rechte tracheobronchale sowie kaudale sternale Lymphknoten fehlten. Bei der Atmungsmuskulatur ist vor allem das Fehlen der kranialen Anteile des M. serratus dorsalis als Besonderheit zu nennen, die wohl allen Kameliden gemein ist. Die restlichen Atmungsmuskeln unterschieden sich lediglich in Kleinigkeiten von denen anderer Haussäugetiere, wobei sie insgesamt eher schwach ausgebildet waren. Am Zwerchfell des Alpakas war der weit kaudal liegende Ansatz der Zwerchfellpfeiler auffällig. Sie reichten bis an das Os sacrum heran. Außerdem konnte bei allen untersuchten Tieren ein Zwerchfellknochen im Centrum tendineum gefunden werden. Dies scheint eine weitere Gemeinsamkeit der Kameliden zu sein. Wahrscheinlich dient dieser kleine Knochen, der in Form und Größe variabel ist, der Stabilisation des Foramen venae cavae. Obwohl einige Thesen dieser Arbeit am lebenden Tier bestätigt werden sollten und tiefergehende anatomische, funktionelle und mikroskopische Untersuchungen spezieller Strukturen hilfreich wären, bietet diese Arbeit eine gute Basis, um die Anatomie und Topographie der Atmungsmuskulatur sowie der Organe des Brustkorbes des Alpakas zu verstehen., It was the aim of this study to get more detailed information of the systematic as well as the topographic anatomy of the breathing musculature and the organs of the thorax of the alpaca. Especially the topography of the organs in the thorax should act as a basis for veterinarians, scientists and breeders to improve diagnostics and treatment in alpacas. Furthermore an extensive overview of the literature concerning this topic is given in this work. A comparison between alpacas, other camelids like the dromedary or the lama and domesticated ruminants is drawn here. In this study six alpacas with different ages and sexes were dissected. These animals were bred in Bavaria (Germany) and euthanized because of medical reasons neither related to organs of the thorax nor influencing the structure and topography of this region. Some remarkable differences to other mammals were described: The semilunar cusps of the aortic valve and the pulmonary valve consisted of a thin endothelial duplicature with fine string-like filaments at its free margin. Furthermore the arterial blood supply of the heart was provided by both of the coronary arteries. Also there was only a right azygos vein notable. It seems that this is a common situation in all camelids. The lungs had no obvious fissures, except for the middle lobe and the accessory lobe. The cranial lobe of the right lung was ventilated by a tracheal bronchus. It was remarkable that there were no lymph nodes which could faultlessly be assigned to the trachea or the lungs building a Lc. bronchale. There are some references (JOHNSON; SÜß-DOMBROWSKI, 2012) which lead to the assumption that pneumonia in alpacas is a rare disease. Thus it is discussed here that habitus and habitat of the alpaca in combination with the anatomy of the air-ducting structures leads to a less exposed lung concerning pathogens. Therefore extensive safety precautions are not necessary. There were no recurrent parts of the vagus nerve found. Also an ansa subclavia was missing. Overall the poorly evolved lymphatic structures in the thorax were conspicuous. Caudal sternal lymph nodes were missing as well as tracheobronchial right, medial und cranial nodes. Concerning the breathing musculature, the missing of the cranial parts of the M. serratus dorsalis is a characteristic all camelids have in common. The other breathing musculatures differ only slightly from the ones in other mammals. Altogether they are only poorly developed in the alpaca. It was remarkable that the caudal insertion of the tendon of the diaphragm reached till the Os sacrum. Furthermore a little bone in the center of the diaphragm was found in all examined animals. This seems to be a further characteristic all camelids have in common. Probably this bone, which differs in size and shape, stabilizes the Foramen venae cavae. Some thesis proposed in this study should be confirmed in living animals and deeper anatomic, functional and microscopic examinations of single structures would be helpful. Nevertheless this study gives a scientifically sound overview of the macroscopic anatomy as well as the topographic anatomy of the breathing musculature and the organs of the thorax of the alpaca.
Alpaka, Vicugna pacos, Anatomie, anatomy, Atemmuskulatur, Thorax, Herz, Breathing musculature, Heart
Weiß-Krammer, Sophia Roswitha
2019
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Weiß-Krammer, Sophia Roswitha (2019): Eine Untersuchung der systematischen und topographischen Anatomie der Atemmuskulatur und der Brusthöhlenorgane des Alpakas (Vicugna pacos). Dissertation, LMU München: Faculty of Veterinary Medicine
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Abstract

Zielsetzung dieser Arbeit war die anatomische sowie topographische Untersuchung der Atmungsmuskulatur sowie des Brustkorbes des Alpakas. Besonders die Topographie der Organe im Thorax soll als Grundlage für Tierärzte, Wissenschaftler und Tierhalter dienen, um die Diagnostik und Behandlung des Alpakas zu verbessern. Des Weiteren wird ein umfangreicher Überblick der Literatur zu diesem Thema gegeben, auch im Vergleich zu den weiteren Kameliden, wie Dromedar und Lama. Hierfür wurden sechs aus medizinischen Gründen euthanasierte Alpakas aus Bayern unterschiedlichen Geschlechts und Alters fixiert und präpariert. Die Tiere hatten keine pathologischen Veränderungen im Bereich des Thorax. Es wurden einige anatomische Unterschiede gefunden, die das Alpaka von anderen Haussäugetieren unterscheidet. So wurden die Klappensegel der Aorten- und der Pulmonalklappe an ihrem freien Rand von dünnen Fäden gehalten, welche von der Mitte des Segels zur Gefäßwand zogen. Des Weiteren war bemerkenswert, dass die Blutversorgung des Herzes vom beidseitigen Typ war. Außerdem gab es lediglich eine V. azygos dexter. An der Lunge war auffällig, dass sie nur sehr schwach untergliedert war. Lediglich ein Lobus accessorius pulmonis dexter und ein kleiner Lobus medius pulmonis dexter konnten abgegrenzt werden, der rechte kraniale Lobus wurde von einem Bronchus trachealis ventiliert. Ein Lc. bronchale konnte nicht zweifelsfrei zugeordnet werden. Da es Quellen gibt, welche Pneumonien beim Alpaka als äußerst selten beschreiben (JOHNSON; SÜß-DOMBROWSKI, 2012), wird hier diskutiert, ob Habitus sowie Habitat des Alpakas in Kombination mit der Anatomie der luftleitenden Wege eine geringe Exposition der Lunge mit Pathogenen zur Folge hat, was wiederum die gering ausgebildeten Schutzmaßnahmen der Lunge zur Folge hat. Der N. vagus wies keinen Ast auf, der als N. laryngeus recurrens hätte angesprochen werden können. Eine Ansa subclavia konnte nicht nachgewiesen werden. Insgesamt fiel die geringe Anzahl an Lymphgewebe im Thorax auf, kraniale, mediale und rechte tracheobronchale sowie kaudale sternale Lymphknoten fehlten. Bei der Atmungsmuskulatur ist vor allem das Fehlen der kranialen Anteile des M. serratus dorsalis als Besonderheit zu nennen, die wohl allen Kameliden gemein ist. Die restlichen Atmungsmuskeln unterschieden sich lediglich in Kleinigkeiten von denen anderer Haussäugetiere, wobei sie insgesamt eher schwach ausgebildet waren. Am Zwerchfell des Alpakas war der weit kaudal liegende Ansatz der Zwerchfellpfeiler auffällig. Sie reichten bis an das Os sacrum heran. Außerdem konnte bei allen untersuchten Tieren ein Zwerchfellknochen im Centrum tendineum gefunden werden. Dies scheint eine weitere Gemeinsamkeit der Kameliden zu sein. Wahrscheinlich dient dieser kleine Knochen, der in Form und Größe variabel ist, der Stabilisation des Foramen venae cavae. Obwohl einige Thesen dieser Arbeit am lebenden Tier bestätigt werden sollten und tiefergehende anatomische, funktionelle und mikroskopische Untersuchungen spezieller Strukturen hilfreich wären, bietet diese Arbeit eine gute Basis, um die Anatomie und Topographie der Atmungsmuskulatur sowie der Organe des Brustkorbes des Alpakas zu verstehen.

Abstract

It was the aim of this study to get more detailed information of the systematic as well as the topographic anatomy of the breathing musculature and the organs of the thorax of the alpaca. Especially the topography of the organs in the thorax should act as a basis for veterinarians, scientists and breeders to improve diagnostics and treatment in alpacas. Furthermore an extensive overview of the literature concerning this topic is given in this work. A comparison between alpacas, other camelids like the dromedary or the lama and domesticated ruminants is drawn here. In this study six alpacas with different ages and sexes were dissected. These animals were bred in Bavaria (Germany) and euthanized because of medical reasons neither related to organs of the thorax nor influencing the structure and topography of this region. Some remarkable differences to other mammals were described: The semilunar cusps of the aortic valve and the pulmonary valve consisted of a thin endothelial duplicature with fine string-like filaments at its free margin. Furthermore the arterial blood supply of the heart was provided by both of the coronary arteries. Also there was only a right azygos vein notable. It seems that this is a common situation in all camelids. The lungs had no obvious fissures, except for the middle lobe and the accessory lobe. The cranial lobe of the right lung was ventilated by a tracheal bronchus. It was remarkable that there were no lymph nodes which could faultlessly be assigned to the trachea or the lungs building a Lc. bronchale. There are some references (JOHNSON; SÜß-DOMBROWSKI, 2012) which lead to the assumption that pneumonia in alpacas is a rare disease. Thus it is discussed here that habitus and habitat of the alpaca in combination with the anatomy of the air-ducting structures leads to a less exposed lung concerning pathogens. Therefore extensive safety precautions are not necessary. There were no recurrent parts of the vagus nerve found. Also an ansa subclavia was missing. Overall the poorly evolved lymphatic structures in the thorax were conspicuous. Caudal sternal lymph nodes were missing as well as tracheobronchial right, medial und cranial nodes. Concerning the breathing musculature, the missing of the cranial parts of the M. serratus dorsalis is a characteristic all camelids have in common. The other breathing musculatures differ only slightly from the ones in other mammals. Altogether they are only poorly developed in the alpaca. It was remarkable that the caudal insertion of the tendon of the diaphragm reached till the Os sacrum. Furthermore a little bone in the center of the diaphragm was found in all examined animals. This seems to be a further characteristic all camelids have in common. Probably this bone, which differs in size and shape, stabilizes the Foramen venae cavae. Some thesis proposed in this study should be confirmed in living animals and deeper anatomic, functional and microscopic examinations of single structures would be helpful. Nevertheless this study gives a scientifically sound overview of the macroscopic anatomy as well as the topographic anatomy of the breathing musculature and the organs of the thorax of the alpaca.