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Medienlogik reloaded?. tagesaktuelle Berichterstattung von Online- und Offline-Medien im Vergleich
Medienlogik reloaded?. tagesaktuelle Berichterstattung von Online- und Offline-Medien im Vergleich
Die Dissertation fragt, nach welchen Prinzipien deutsche Online-Angebote Realität in der tagesaktuellen Nachrichtenberichterstattung konstruieren. Ausgangspunkt ist die Annahme, „dass das Massenmediensystem nach einer eigenen Handlungslogik arbeitet“ (Meyen 2015), sowie die Entwicklung des Online-Kanals und der damit verbundene technische, organisatorische und soziokulturelle Wandel der Herstellung, Verbreitung und Rezeption von Medieninhalten. Als theoretische Grundlage dient hierzu ein auf Basis des Akteur-Struktur-Dynamik-Ansatzes von Uwe Schimank (1988; 2010) gezeichnetes Modell der Online-Medienlogik. Methodisch wird von zwei Seiten an dieses Modell angeknüpft: Eine Inhaltsanalyse der Medieninhalte in jeweils drei Offline- und Online-Medienangeboten (N=1.161 Artikel und Beiträge) untersucht mit den Kategorien Selektion, Präsentation und Interpretation, welche Themen und Themenaspekte Journalisten auswählen und wie sie die Inhalte darstellen und einordnen (vgl. Meyen 2015). Die Dokumentenanalyse von 24 Leitfadeninterviews mit Online- und Offline-Journalisten bildet als zweiter methodischer Teil ab, warum die Realität im Web so konstruiert wird, wie sie sich den Rezipienten darstellt. Die Online-Medienlogik ist mehr denn je kommerziell geprägt: Die Inhalteanbieter ringen um die Aufmerksamkeit eines möglichst großen Publikums und bewegen sich mit Blick auf die Konkurrenz zwischen den beiden Polen „Erster im Rudel“ und „Abgrenzung vom Rudel“. Die Zugriffszahlen prägen vor allem die Themenauswahl und die Komposition der Homepage eines Angebots: Angeklickt wird, was oben steht – dementsprechend wird der Kopfbereich der Homepage in Echtzeit optimiert: Artikel werden ausgetauscht und Überschriften mit Cliffhanger durchgetestet. Der stetige Charakter der Publizität fördert das Prinzip des „Weiterdrehens“ von Themen zu Themenkarrieren, die unabhängig von der sonstigen Verortung einer Medienmarke an die Boulevardpresse erinnern.
Medienlogik, Akteur-Struktur-Dynamik, Online-Medien, Online-Journalismus, tagesaktuelle Berichterstattung
Thieroff, Markus
2016
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Thieroff, Markus (2016): Medienlogik reloaded?: tagesaktuelle Berichterstattung von Online- und Offline-Medien im Vergleich. Dissertation, LMU München: Faculty of Social Sciences
[img] Licence: Creative Commons: Attribution 4.0 (CC-BY)
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Thieroff_Markus.pdf

3MB

Abstract

Die Dissertation fragt, nach welchen Prinzipien deutsche Online-Angebote Realität in der tagesaktuellen Nachrichtenberichterstattung konstruieren. Ausgangspunkt ist die Annahme, „dass das Massenmediensystem nach einer eigenen Handlungslogik arbeitet“ (Meyen 2015), sowie die Entwicklung des Online-Kanals und der damit verbundene technische, organisatorische und soziokulturelle Wandel der Herstellung, Verbreitung und Rezeption von Medieninhalten. Als theoretische Grundlage dient hierzu ein auf Basis des Akteur-Struktur-Dynamik-Ansatzes von Uwe Schimank (1988; 2010) gezeichnetes Modell der Online-Medienlogik. Methodisch wird von zwei Seiten an dieses Modell angeknüpft: Eine Inhaltsanalyse der Medieninhalte in jeweils drei Offline- und Online-Medienangeboten (N=1.161 Artikel und Beiträge) untersucht mit den Kategorien Selektion, Präsentation und Interpretation, welche Themen und Themenaspekte Journalisten auswählen und wie sie die Inhalte darstellen und einordnen (vgl. Meyen 2015). Die Dokumentenanalyse von 24 Leitfadeninterviews mit Online- und Offline-Journalisten bildet als zweiter methodischer Teil ab, warum die Realität im Web so konstruiert wird, wie sie sich den Rezipienten darstellt. Die Online-Medienlogik ist mehr denn je kommerziell geprägt: Die Inhalteanbieter ringen um die Aufmerksamkeit eines möglichst großen Publikums und bewegen sich mit Blick auf die Konkurrenz zwischen den beiden Polen „Erster im Rudel“ und „Abgrenzung vom Rudel“. Die Zugriffszahlen prägen vor allem die Themenauswahl und die Komposition der Homepage eines Angebots: Angeklickt wird, was oben steht – dementsprechend wird der Kopfbereich der Homepage in Echtzeit optimiert: Artikel werden ausgetauscht und Überschriften mit Cliffhanger durchgetestet. Der stetige Charakter der Publizität fördert das Prinzip des „Weiterdrehens“ von Themen zu Themenkarrieren, die unabhängig von der sonstigen Verortung einer Medienmarke an die Boulevardpresse erinnern.