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Verhalten als Tierschutzindikator für die vergleichende Beurteilung einer Boden- und Kombihaltung für Mastkaninchen unter Praxisbedingungen
Verhalten als Tierschutzindikator für die vergleichende Beurteilung einer Boden- und Kombihaltung für Mastkaninchen unter Praxisbedingungen
Die intensive Kaninchenhaltung in Deutschland unterliegt den Bestimmungen des Tierschutzgesetzes (TSchG) sowie seit 2014 den speziellen Anforderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV). Durch gesetzlich verankerte Mindestvorgaben und der zunehmend kritischen Sicht der Verbraucher, müssen neue Haltungsformen für Mastkaninchen entwickelt und auf Tiergerechtheit geprüft werden. Als Hauptprobleme werden Einschränkungen arttypischer Bewegungen und Verhaltensweisen, Mangel an strukturierten Räumen oder Beschäftigungsmaterialien und zu hohe Besatzdichten genannt. Zwei kommerziell angewandte Haltungssysteme wurden im Feldversuch auf ethologische Aspekte hin untersucht. Es wurden 56 Mastkaninchen pro Bodenhaltungsabteil (12,1 Tiere/m²) und 52 Tiere pro Kombihaltungsabteil (12,7 Tiere/m²) eingestallt. Das Tierverhalten wurde im Alter von 40, 54 und 75 Lebenstagen mit Infrarotvideokameras über 24 Stunden aufgenommen. Die Analyse der Abteilnutzung wurde mithilfe der Scan Sampling-Methode, ausgewählte Verhaltensweisen mit dem Schema des Behaviour Samplings und Continuous Recordings ausgewertet. Kaninchen bevorzugten große erhöhte Ebenen gegenüber kleineren. Dennoch befanden sich nur rund 20 % der Tiere darauf. Zusätzlich waren Heuraufen, Knabberpresslinge und Knabberhölzer installiert. Rohfaserreiches Enrichment wurde bevorzugt. Solitäres Liegen ohne Körperkontakt zu Artgenossen nahm haltungsunabhängig mit jeder Mastwoche zu. Die Besatzdichte erlaubte somit solitäres Ruhen ohne Körperkontakt auch gegen Mastende, wohingegen entspannte Liegepositionen in 50,0 % der Beobachtungen aufgrund eines Artgenossen unterbrochen wurden. Agonistisches Verhalten stieg haltungsunabhängig mit jeder Mastwoche. In beiden Haltungen konnten Kaninchen einander effektiv ausweichen Für raumgreifende Lokomotion (inklusive Spiel) war die Bodenhaltung geeigneter als das langgezogene Kombihaltungsabteil. Ebenso konnten dort die Kaninchen seltener auf der Bodenfreifläche ruhen. Beide Haltungssysteme waren somit für größere Kaninchengruppen geeignet, jedoch ist das Kombisystem aus ethologischer Sicht in der untersuchten Ausführung nicht der Bodenhaltung vorzuziehen, da die Kombihaltung Restriktionen in der Raumnutzung aufwies.
Kaninchen, Mast, Haltungssystem, Tierschutz, Verhalten
Rottler, Sarah
2019
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Rottler, Sarah (2019): Verhalten als Tierschutzindikator für die vergleichende Beurteilung einer Boden- und Kombihaltung für Mastkaninchen unter Praxisbedingungen. Dissertation, LMU München: Faculty of Veterinary Medicine
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Abstract

Die intensive Kaninchenhaltung in Deutschland unterliegt den Bestimmungen des Tierschutzgesetzes (TSchG) sowie seit 2014 den speziellen Anforderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV). Durch gesetzlich verankerte Mindestvorgaben und der zunehmend kritischen Sicht der Verbraucher, müssen neue Haltungsformen für Mastkaninchen entwickelt und auf Tiergerechtheit geprüft werden. Als Hauptprobleme werden Einschränkungen arttypischer Bewegungen und Verhaltensweisen, Mangel an strukturierten Räumen oder Beschäftigungsmaterialien und zu hohe Besatzdichten genannt. Zwei kommerziell angewandte Haltungssysteme wurden im Feldversuch auf ethologische Aspekte hin untersucht. Es wurden 56 Mastkaninchen pro Bodenhaltungsabteil (12,1 Tiere/m²) und 52 Tiere pro Kombihaltungsabteil (12,7 Tiere/m²) eingestallt. Das Tierverhalten wurde im Alter von 40, 54 und 75 Lebenstagen mit Infrarotvideokameras über 24 Stunden aufgenommen. Die Analyse der Abteilnutzung wurde mithilfe der Scan Sampling-Methode, ausgewählte Verhaltensweisen mit dem Schema des Behaviour Samplings und Continuous Recordings ausgewertet. Kaninchen bevorzugten große erhöhte Ebenen gegenüber kleineren. Dennoch befanden sich nur rund 20 % der Tiere darauf. Zusätzlich waren Heuraufen, Knabberpresslinge und Knabberhölzer installiert. Rohfaserreiches Enrichment wurde bevorzugt. Solitäres Liegen ohne Körperkontakt zu Artgenossen nahm haltungsunabhängig mit jeder Mastwoche zu. Die Besatzdichte erlaubte somit solitäres Ruhen ohne Körperkontakt auch gegen Mastende, wohingegen entspannte Liegepositionen in 50,0 % der Beobachtungen aufgrund eines Artgenossen unterbrochen wurden. Agonistisches Verhalten stieg haltungsunabhängig mit jeder Mastwoche. In beiden Haltungen konnten Kaninchen einander effektiv ausweichen Für raumgreifende Lokomotion (inklusive Spiel) war die Bodenhaltung geeigneter als das langgezogene Kombihaltungsabteil. Ebenso konnten dort die Kaninchen seltener auf der Bodenfreifläche ruhen. Beide Haltungssysteme waren somit für größere Kaninchengruppen geeignet, jedoch ist das Kombisystem aus ethologischer Sicht in der untersuchten Ausführung nicht der Bodenhaltung vorzuziehen, da die Kombihaltung Restriktionen in der Raumnutzung aufwies.