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Rodin-Lektüren. Deutungen und Debatten von der Moderne zur Postmoderne
Rodin-Lektüren. Deutungen und Debatten von der Moderne zur Postmoderne
Die Modernität der Bildhauerkunst Auguste Rodins wurde immer wieder als Zusammentreffen von Gegensätzen beschrieben: Die neuartige Darstellung des menschlichen Körpers als lebendigem Organismus begegnet dem kalkulierten Einsatz des Fragments; der gesteigerte Kult um die bildhauerische Originalität steht im Kontrast zur Reproduktibilität zahlreicher Plastiken. Doch wie sind diese Schauplätze der Debatte um Rodins Modernität entstanden? Wie wurde das Werk des französischen Bildhauers zur ikonischen ›Verkörperung‹ der Moderne? Diese Studie verfolgt am Beispiel exemplarischer Schlüsselmomente die Herausbildung eines vielstimmigen Diskurses, an dem Kunstkritiker wie Gustave Geffroy, Schriftsteller wie Rainer Maria Rilke, Philosophen wie Georg Simmel und Günther Anders sowie Kunsthistoriker wie Leo Steinberg und Rosalind Krauss mitgeschrieben haben. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen dabei die Argumentationsweisen, die theoretischen Einsätze und die methodischen Vorgehensweisen der Autoren: Deren höchst divergente Zugänge zu dem Bildhauer und seinem Werk erstrecken sich von der Kunstkritik des Naturalismus und des Symbolismus über die Lebensphilosophie, die Soziologie um 1900, die philosophische Kulturkritik und die konservative Nachkriegskunstgeschichte bis zur amerikanischen Moderne- und Postmodernedebatte. In den Diskussionen um Rodin, in der jede neue Lektüre frühere Deutungen aufgreift, neu perspektiviert und dadurch umschreibt, begegnet der Leser einem dichten Geflecht an Entwürfen einer Moderne auf der Suche nach sich selbst. Dabei zeigt sich, dass die polaren Gegensätze seines Schaffens – Lebendigkeit und Materialität, Original und Kopie, Präsenz und Repräsentation – seit den Anfängen der Diskussionen in den 1870er Jahren eng verflochten waren, als Momente einer immer schon ambivalenten Moderne., With the works of Auguste Rodin, modernity finally reached the art of sculpture. One might think for example of the French sculptor's innovative depiction of the human body as a living organism (The Age of Bronze) and of the playful proliferation of iconographic and motivic references (The Gates of Hell). But how, one could ask, did this art historical knowledge come into being? How did the work of the French sculptor become an iconic ›incarnation‹ of modernity itself? While art historical research and exhibitions usually tend to use the notion of »modernity« as a conceptual framework which helps to describe the newness of Rodin's works, this study in contrast turns to the historical emergence of this modernist discourse in some of its' key moments. Its main focus is on the highly divergent approaches to the sculptor and his work, as they appeared for example in the art criticism of the naturalist and symbolist schools, but also in vitalist philosophy, in sociology, in cultural criticism, in the rather conservative art historical research of postwar Germany, in the American debate on modernism and in postmodernist interpretations. In the debates about Rodin, every new ›reading‹ of his works and of the artistic persona seems to take up earlier interpretations and reinterprets them. The reader of this study is therefore invited to join into the encounter of a dense network of ideas and concepts about modernity in search of itself.
Rodin, Rezeptionsgeschichte, Kunstgeschichte, Moderne, Postmoderne
Brabant, Dominik
2013
Deutsch
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Brabant, Dominik (2013): Rodin-Lektüren: Deutungen und Debatten von der Moderne zur Postmoderne. Dissertation, LMU München: Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften
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Abstract

Die Modernität der Bildhauerkunst Auguste Rodins wurde immer wieder als Zusammentreffen von Gegensätzen beschrieben: Die neuartige Darstellung des menschlichen Körpers als lebendigem Organismus begegnet dem kalkulierten Einsatz des Fragments; der gesteigerte Kult um die bildhauerische Originalität steht im Kontrast zur Reproduktibilität zahlreicher Plastiken. Doch wie sind diese Schauplätze der Debatte um Rodins Modernität entstanden? Wie wurde das Werk des französischen Bildhauers zur ikonischen ›Verkörperung‹ der Moderne? Diese Studie verfolgt am Beispiel exemplarischer Schlüsselmomente die Herausbildung eines vielstimmigen Diskurses, an dem Kunstkritiker wie Gustave Geffroy, Schriftsteller wie Rainer Maria Rilke, Philosophen wie Georg Simmel und Günther Anders sowie Kunsthistoriker wie Leo Steinberg und Rosalind Krauss mitgeschrieben haben. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen dabei die Argumentationsweisen, die theoretischen Einsätze und die methodischen Vorgehensweisen der Autoren: Deren höchst divergente Zugänge zu dem Bildhauer und seinem Werk erstrecken sich von der Kunstkritik des Naturalismus und des Symbolismus über die Lebensphilosophie, die Soziologie um 1900, die philosophische Kulturkritik und die konservative Nachkriegskunstgeschichte bis zur amerikanischen Moderne- und Postmodernedebatte. In den Diskussionen um Rodin, in der jede neue Lektüre frühere Deutungen aufgreift, neu perspektiviert und dadurch umschreibt, begegnet der Leser einem dichten Geflecht an Entwürfen einer Moderne auf der Suche nach sich selbst. Dabei zeigt sich, dass die polaren Gegensätze seines Schaffens – Lebendigkeit und Materialität, Original und Kopie, Präsenz und Repräsentation – seit den Anfängen der Diskussionen in den 1870er Jahren eng verflochten waren, als Momente einer immer schon ambivalenten Moderne.

Abstract

With the works of Auguste Rodin, modernity finally reached the art of sculpture. One might think for example of the French sculptor's innovative depiction of the human body as a living organism (The Age of Bronze) and of the playful proliferation of iconographic and motivic references (The Gates of Hell). But how, one could ask, did this art historical knowledge come into being? How did the work of the French sculptor become an iconic ›incarnation‹ of modernity itself? While art historical research and exhibitions usually tend to use the notion of »modernity« as a conceptual framework which helps to describe the newness of Rodin's works, this study in contrast turns to the historical emergence of this modernist discourse in some of its' key moments. Its main focus is on the highly divergent approaches to the sculptor and his work, as they appeared for example in the art criticism of the naturalist and symbolist schools, but also in vitalist philosophy, in sociology, in cultural criticism, in the rather conservative art historical research of postwar Germany, in the American debate on modernism and in postmodernist interpretations. In the debates about Rodin, every new ›reading‹ of his works and of the artistic persona seems to take up earlier interpretations and reinterprets them. The reader of this study is therefore invited to join into the encounter of a dense network of ideas and concepts about modernity in search of itself.