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Frakturen der langen Röhrenknochen beim Rind. Eine retrospektive Studie über Auftreten, Behandlungen und Heilungsergebnisse (2003-2013)
Frakturen der langen Röhrenknochen beim Rind. Eine retrospektive Studie über Auftreten, Behandlungen und Heilungsergebnisse (2003-2013)
Frakturen der langen Röhrenknochen beim Rind Eine retrospektive Studie über Auftreten, Behandlungen und Heilungsergebnisse (2003-2013) In dieser retrospektiven Studie wurden Patientenakten von 202 Frakturpatienten an der Klinik für Wiederkäuer mit Ambulanz und Bestandsbetreuung der Ludwig-Maximilians-Universität München ausgewertet. Die Studie umfasste einen Zeitraum von zehn Jahren und begann mit dem Tag der Eröffnung der Klinik für Wiederkäuer mit Ambulanz und Bestandsbetreuung in Oberschleißheim als eigenständige Klinik. Im Gegensatz zu vorhergehenden Studien umfasste diese Arbeit Frakturen aller Röhrenknochen bei Rindern aller Altersklassen. Bei der Mehrheit der Patienten handelte es sich um neugeborene Kälber in einem Alter von nicht mehr als zwei Wochen (66,3 %), von denen die überwiegende Mehrheit ihre Frakturen im Zusammenhang mit der Geburt erlitt (89,6 %). Der Hauptanteil hiervon war durch übermäßige Zughilfe (48,6 %) gefolgt von unbeobachteter Geburt entstanden (35,8 %). Bei 66,8 % der Patienten kam es im Behandlungszeitraum zu Begleiterkrankungen, die nicht in direktem Zusammenhang mit der Gliedmaßenfraktur standen. Die häufigsten Begleiterkrankungen waren hierbei Neugeborenendurchfall, Nabelerkrankungen, Lungenentzündungen, Neuromyodysplasia congenita und Sepsis. Begleiterkrankungen hatten in dieser Untersuchung keinen signifikanten Einfluss auf den Therapieausgang. Frakturen traten öfter an der Beckengliedmaße als an der Schultergliedmaße auf. Die am häufigsten betroffenen Knochen in absteigender Reihenfolge waren: Metacarpus (29,3 %), Femur (25,5 %), Metatarsus (21,6 %), Tibia (14,4 %), Antebrachium (5,8 %) und Humerus (3,4 %). Insgesamt lagen 35 Frakturen der Wachstumsfuge vor. Dabei handelte es sich in 19 Fällen um Salter Harris Typ I, in 15 Fällen um Salter Harris Typ II Frakturen und in einem Fall um einen Trümmerbruch. Am häufigsten waren Frakturen der langen Röhrenknochen in der Diaphyse gefolgt von der distalen Metaphyse lokalisiert. Die häufigste Frakturkonfiguration war die einfache Fraktur gefolgt von Trümmerbrüchen. Unter Berücksichtigung aller Knochen traten 24 offene Frakturen (11,5 %) auf. Insgesamt wurden 152 Patienten behandelt. Davon wurde in 65 Fällen (42,8 %) eine chirurgische und in Fällen (57,2 %) eine konservative Behandlungsmethode gewählt. Vor allem Frakturen des Metacarpus und des Metatarsus wurden konservativ mittels Castverbänden behandelt, während Frakturen an proximaleren Gliedmaßenabschnitten in der Regel chirurgisch versorgt wurden. Die häufigste chirurgische Behandlungsmethode war die Plattenosteosynthese (61), wobei bis zum Jahr 2009 vorwiegend die DCP-Technik und danach hauptsächlich die LCP-Technik verwendet wurde. Diese unterschiedlichen Osteosynthesetechniken durch Platten hatten keinen signifikanten Einfluss auf die Heilungsquote. Von den behandelten 152 Patienten konnten 103 (67,8 %) die Klinik geheilt wieder verlassen. Die Erfolgsquote bei chirurgischen Behandlungen lag bei 50,8 % und bei konservativen Behandlungen bei 80,5 %. Die übrigen Tiere starben (5) an Komplikationen oder Begleiterkrankungen im Behandlungsverlauf oder mussten deswegen eingeschläfert werden (44). Sieben Tiere mussten bereits aufgrund intraoperativer Komplikationen eingeschläfert werden. Bei insgesamt 67 Patienten (44,1 %) traten frakturassoziierte Komplikationen im Behandlungsverlauf auf. Das Auftreten von Komplikationen verschlechterte die Heilungsaussicht der Patienten signifikant (p=0,003) und verlängerte auch deren Klinikaufenthalt signifikant (p=0,002). Komplikationen traten signifikant häufiger nach chirurgischen Behandlungen als nach konservativen Behandlungen auf (p<0,001). Günstig auf die Prognose bei Kälbern wirkten sich Laborwerte aus, die auf eine gute Kolostrumversorgung schließen lassen (GGT, GE). So waren die Erfolgsaussichten für konservativ behandeltet Kälber mit guter Kolostumversorgung besser als für Kälber mit schlechter Versorgung (GGT: p=0,073; GE: p=0,0078). Dieser Trend setzte sich bei den chirurgisch behandelten Kälber nicht fort (GGT: p=0,182; GE: p=0,71). Alter der Fraktur, Gewicht der Patienten und die Qualität des Repositionsergebnisses hatten keinen signifikanten Einfluss auf das Behandlungsergebnis. Allerdings zeigte sich, dass selbst bei schlechten Repositionsergebnissen besonders bei konservativen Behandlungsmethoden eine Frakturheilung möglich war., Longbone Fractures in Cattle A Retrospective Study on Occurrence, Treatment and Outcome (2003-2013) In this retrospective study at the Klinik für Wiederkäuer mit Ambulanz und Bestandsbetreuung of the Ludwig-Maximilians-University of Munich clinical records of 202 patients with fractures of the longbones were evaluated. The study included a period of ten years starting with the opening day of the clinic in Oberschleißheim as an independent institute. In contrast to many previously published studies, this one included fractures of all long bones in cattle of all ages. The majority of the patients were newborn calves with an age not exceeding two weeks (66.3 %), of which most fractures (89.6 %) had developed during birth. The majority of these fractures developed because of excessive traction force (48.6 %) followed by unsupervised partus (35.8 %). In 66.8 % of patients additional disorders, not directly associated with the fracture, were observed during their hospitalization. Neonatal diarrhea, umbilical diseases, pneumonia, congenital neuromyodysplasia and sepsis were seen most frequently. Additional disorders in this study did not have significant influence on the successful outcome. Fractures occurred more often on the hindlimb than on the forelimb. The bones affected by fractures most frequently were: metacarpus (29.3 %), femur (25.5 %), metatarsus (21.6 %), tibia (14.4 %), antebrachium (5.8 %) and humerus (3.4 %). Fractures of the epiphyseal growth plate occurred in 35 cases of which 19 were Salter Harris Type I fractures and 15 were Salter Harris Type II fractures and one was a comminuted fracture. Most of the longbone fractures were located in the diaphysis followed by the distal metaphysis. The configuration seen most frequently was the simple fracture followed by the compound fracture. Fractures were open in 24 cases (11.5 %). Of the 152 patients that received a treatment, 65 (42.8 %) were treated surgically and 87 (57.2 %) were treated conservatively. Fractures of the metacarpus and metatarsus were often treated by castapplication, while upper limb fractures were normally treated surgically. Platefixation was the surgical method chosen most frequently (61). Until 2009 dynamic compression plating was usually performed, afterwards locking compression plating was the technique of choice. The plate used did not have significant influence on the clinical outcome. A successful outcome was achieved in 103 of 152 (67.8 %) patients treated. The success rate of surgical treatment was 50.8 % and of conservative treatment 80.5 %. The remaining animals died (5) of complications , additional disorders or had to be euthanized (44). Seven animals had to be euthanized during surgery because of severe intraoperative complications. Fracture complications occurred in 67 patients (44.1 %). The presence of complications had a significant negative influence on the outcome (p=0,003) and patients had to be kept in hospital significantly longer (p=0,002). Complications occurred significantly more often in surgically treated than in conservatively treated animals (p<0,001). Conservatively treated neonatal calves with blood parameters that suggested good colostral intake (GGT, total protein (TP)) had a better outcome than other calves (GGT: p=0,073; TP: p=0,0078). There was no significant difference regarding the surgically treated calves (GGT: p=0,182; TP: p=0,71). According to this study the time until treatment, the weight of the patient and the quality of fracture reduction all had no significant influence on the outcome. Even if fracture reduction especially in conservatively treated fractures was often classified as poor, there was still a fair chance of fracture healing.
Not available
Müller, Christoph Friedlieb Wolfgang
2017
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Müller, Christoph Friedlieb Wolfgang (2017): Frakturen der langen Röhrenknochen beim Rind: Eine retrospektive Studie über Auftreten, Behandlungen und Heilungsergebnisse (2003-2013). Dissertation, LMU München: Faculty of Veterinary Medicine
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Abstract

Frakturen der langen Röhrenknochen beim Rind Eine retrospektive Studie über Auftreten, Behandlungen und Heilungsergebnisse (2003-2013) In dieser retrospektiven Studie wurden Patientenakten von 202 Frakturpatienten an der Klinik für Wiederkäuer mit Ambulanz und Bestandsbetreuung der Ludwig-Maximilians-Universität München ausgewertet. Die Studie umfasste einen Zeitraum von zehn Jahren und begann mit dem Tag der Eröffnung der Klinik für Wiederkäuer mit Ambulanz und Bestandsbetreuung in Oberschleißheim als eigenständige Klinik. Im Gegensatz zu vorhergehenden Studien umfasste diese Arbeit Frakturen aller Röhrenknochen bei Rindern aller Altersklassen. Bei der Mehrheit der Patienten handelte es sich um neugeborene Kälber in einem Alter von nicht mehr als zwei Wochen (66,3 %), von denen die überwiegende Mehrheit ihre Frakturen im Zusammenhang mit der Geburt erlitt (89,6 %). Der Hauptanteil hiervon war durch übermäßige Zughilfe (48,6 %) gefolgt von unbeobachteter Geburt entstanden (35,8 %). Bei 66,8 % der Patienten kam es im Behandlungszeitraum zu Begleiterkrankungen, die nicht in direktem Zusammenhang mit der Gliedmaßenfraktur standen. Die häufigsten Begleiterkrankungen waren hierbei Neugeborenendurchfall, Nabelerkrankungen, Lungenentzündungen, Neuromyodysplasia congenita und Sepsis. Begleiterkrankungen hatten in dieser Untersuchung keinen signifikanten Einfluss auf den Therapieausgang. Frakturen traten öfter an der Beckengliedmaße als an der Schultergliedmaße auf. Die am häufigsten betroffenen Knochen in absteigender Reihenfolge waren: Metacarpus (29,3 %), Femur (25,5 %), Metatarsus (21,6 %), Tibia (14,4 %), Antebrachium (5,8 %) und Humerus (3,4 %). Insgesamt lagen 35 Frakturen der Wachstumsfuge vor. Dabei handelte es sich in 19 Fällen um Salter Harris Typ I, in 15 Fällen um Salter Harris Typ II Frakturen und in einem Fall um einen Trümmerbruch. Am häufigsten waren Frakturen der langen Röhrenknochen in der Diaphyse gefolgt von der distalen Metaphyse lokalisiert. Die häufigste Frakturkonfiguration war die einfache Fraktur gefolgt von Trümmerbrüchen. Unter Berücksichtigung aller Knochen traten 24 offene Frakturen (11,5 %) auf. Insgesamt wurden 152 Patienten behandelt. Davon wurde in 65 Fällen (42,8 %) eine chirurgische und in Fällen (57,2 %) eine konservative Behandlungsmethode gewählt. Vor allem Frakturen des Metacarpus und des Metatarsus wurden konservativ mittels Castverbänden behandelt, während Frakturen an proximaleren Gliedmaßenabschnitten in der Regel chirurgisch versorgt wurden. Die häufigste chirurgische Behandlungsmethode war die Plattenosteosynthese (61), wobei bis zum Jahr 2009 vorwiegend die DCP-Technik und danach hauptsächlich die LCP-Technik verwendet wurde. Diese unterschiedlichen Osteosynthesetechniken durch Platten hatten keinen signifikanten Einfluss auf die Heilungsquote. Von den behandelten 152 Patienten konnten 103 (67,8 %) die Klinik geheilt wieder verlassen. Die Erfolgsquote bei chirurgischen Behandlungen lag bei 50,8 % und bei konservativen Behandlungen bei 80,5 %. Die übrigen Tiere starben (5) an Komplikationen oder Begleiterkrankungen im Behandlungsverlauf oder mussten deswegen eingeschläfert werden (44). Sieben Tiere mussten bereits aufgrund intraoperativer Komplikationen eingeschläfert werden. Bei insgesamt 67 Patienten (44,1 %) traten frakturassoziierte Komplikationen im Behandlungsverlauf auf. Das Auftreten von Komplikationen verschlechterte die Heilungsaussicht der Patienten signifikant (p=0,003) und verlängerte auch deren Klinikaufenthalt signifikant (p=0,002). Komplikationen traten signifikant häufiger nach chirurgischen Behandlungen als nach konservativen Behandlungen auf (p<0,001). Günstig auf die Prognose bei Kälbern wirkten sich Laborwerte aus, die auf eine gute Kolostrumversorgung schließen lassen (GGT, GE). So waren die Erfolgsaussichten für konservativ behandeltet Kälber mit guter Kolostumversorgung besser als für Kälber mit schlechter Versorgung (GGT: p=0,073; GE: p=0,0078). Dieser Trend setzte sich bei den chirurgisch behandelten Kälber nicht fort (GGT: p=0,182; GE: p=0,71). Alter der Fraktur, Gewicht der Patienten und die Qualität des Repositionsergebnisses hatten keinen signifikanten Einfluss auf das Behandlungsergebnis. Allerdings zeigte sich, dass selbst bei schlechten Repositionsergebnissen besonders bei konservativen Behandlungsmethoden eine Frakturheilung möglich war.

Abstract

Longbone Fractures in Cattle A Retrospective Study on Occurrence, Treatment and Outcome (2003-2013) In this retrospective study at the Klinik für Wiederkäuer mit Ambulanz und Bestandsbetreuung of the Ludwig-Maximilians-University of Munich clinical records of 202 patients with fractures of the longbones were evaluated. The study included a period of ten years starting with the opening day of the clinic in Oberschleißheim as an independent institute. In contrast to many previously published studies, this one included fractures of all long bones in cattle of all ages. The majority of the patients were newborn calves with an age not exceeding two weeks (66.3 %), of which most fractures (89.6 %) had developed during birth. The majority of these fractures developed because of excessive traction force (48.6 %) followed by unsupervised partus (35.8 %). In 66.8 % of patients additional disorders, not directly associated with the fracture, were observed during their hospitalization. Neonatal diarrhea, umbilical diseases, pneumonia, congenital neuromyodysplasia and sepsis were seen most frequently. Additional disorders in this study did not have significant influence on the successful outcome. Fractures occurred more often on the hindlimb than on the forelimb. The bones affected by fractures most frequently were: metacarpus (29.3 %), femur (25.5 %), metatarsus (21.6 %), tibia (14.4 %), antebrachium (5.8 %) and humerus (3.4 %). Fractures of the epiphyseal growth plate occurred in 35 cases of which 19 were Salter Harris Type I fractures and 15 were Salter Harris Type II fractures and one was a comminuted fracture. Most of the longbone fractures were located in the diaphysis followed by the distal metaphysis. The configuration seen most frequently was the simple fracture followed by the compound fracture. Fractures were open in 24 cases (11.5 %). Of the 152 patients that received a treatment, 65 (42.8 %) were treated surgically and 87 (57.2 %) were treated conservatively. Fractures of the metacarpus and metatarsus were often treated by castapplication, while upper limb fractures were normally treated surgically. Platefixation was the surgical method chosen most frequently (61). Until 2009 dynamic compression plating was usually performed, afterwards locking compression plating was the technique of choice. The plate used did not have significant influence on the clinical outcome. A successful outcome was achieved in 103 of 152 (67.8 %) patients treated. The success rate of surgical treatment was 50.8 % and of conservative treatment 80.5 %. The remaining animals died (5) of complications , additional disorders or had to be euthanized (44). Seven animals had to be euthanized during surgery because of severe intraoperative complications. Fracture complications occurred in 67 patients (44.1 %). The presence of complications had a significant negative influence on the outcome (p=0,003) and patients had to be kept in hospital significantly longer (p=0,002). Complications occurred significantly more often in surgically treated than in conservatively treated animals (p<0,001). Conservatively treated neonatal calves with blood parameters that suggested good colostral intake (GGT, total protein (TP)) had a better outcome than other calves (GGT: p=0,073; TP: p=0,0078). There was no significant difference regarding the surgically treated calves (GGT: p=0,182; TP: p=0,71). According to this study the time until treatment, the weight of the patient and the quality of fracture reduction all had no significant influence on the outcome. Even if fracture reduction especially in conservatively treated fractures was often classified as poor, there was still a fair chance of fracture healing.