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Untersuchung zur intrauterinen Übertragung von Mycoplasma suis sowie dem Vorkommen von Mycoplasma suis bei Zuchtsauen in Bayern
Untersuchung zur intrauterinen Übertragung von Mycoplasma suis sowie dem Vorkommen von Mycoplasma suis bei Zuchtsauen in Bayern
Im Rahmen der vorliegenden Studie wurde das Vorkommen intrauteriner Infektionen von Feten mit dem hämotrophen Erreger Mycoplasma suis evaluiert. Die Möglichkeit einer vertikalen Übertragung von M. suis wurde bisher in verschiedenen Studien untersucht, die Autoren kommen jedoch zu keinem einheitlichen Ergebnis. Gleichzeitig wurde die Prävalenz von M. suis in bayerischen Sauenherden bestimmt. Aus einer Liste von 36 ferkelerzeugenden Betrieben wurden 21 Betriebe randomisiert ausgewählt. Aus jedem Betrieb wurden 10 Zuchtsauen und je Zuchtsau jeweils 3 Ferkel in die Untersuchung eingeschlossen. Die Entnahme von EDTA- Blut der Ferkel erfolge direkt nach der Geburt und somit noch vor der Aufnahme von Kolostrum. Die Blutentnahme der Zuchtsauen fand einen Tag nach der Abferkelung statt. Insgesamt wurden von 208 Sauen und von 622 Ferkeln Blutproben entnommen. Mittels quantitativer Real-Time PCR wurden die Blutproben aller Muttertiere auf M. suis untersucht. Zudem wurde das Blut der Ferkel, deren Muttersau M. suispositiv war, ebenfalls mittels PCR auf M. suis untersucht. Innerhalb eines Tages nach der Blutentnahme wurden von allen Proben die Blutparameter Hämatokrit, Hämoglobingehalt, Erythrozyten- und Leukozytenkonzentration ermittelt. Des Weiteren wurde das Geburtsgewicht sowie das Geschlecht der Ferkel bestimmt und Reproduktionsparameter erfasst. Von den 208 untersuchten Blutproben der Muttertiere wiesen 56 (26,9%) ein positives Ergebnis in der quantitativen Real-Time PCR auf. Bei 16 (76,2%) der insgesamt 21 an der Studie teilnehmenden Betriebe konnten M. suis- positive Muttersauen nachgewiesen werden. Die Intraherdenprävalenz lag im Mittel bei 35,2%. Von den 56 M. suis- positiven Muttersauen wurden 165 Ferkel in die molekularbiologische Untersuchung eingeschlossen. Bei 40 der 165 (24,24%) untersuchten Ferkelblutproben wurde M. suis mittels PCR nachgewiesen. Zwischen der Erregermenge im Blut der Sauen und der Wahrscheinlichkeit einer intrauterinen Übertragung auf die Ferkel war kein Zusammenhang erkennbar. Bei den hämatologischen Untersuchungen konnte sowohl bei den Muttertieren als auch bei den untersuchten Ferkeln in keinem der untersuchten Parameter ein signifikanter Unterschied zwischen M. suis- negativen und M. suis- positiven 6. Zusammenfassung 72 Tieren festgestellt werden. Beim Vergleich der Geburtsgewichte, sowie der Geschlechtsverteilung von positiven und negativen Ferkel konnte ebenfalls kein signifikanter Unterschied festgestellt werden. In der vorliegenden Studie wiesen M. suis- positive Betriebe im Mittel 0,41 totgeborene Ferkel pro Sau und Wurf mehr auf als M. suis- negative Betriebe (p= 0,007). Alle anderen untersuchten Reproduktionsparameter unterschieden sich nicht signifikant in Abhängigkeit vom Infektionsstatus. Hinsichtlich des Anteils M. suis- positiver Sauen unterschieden sich die drei Paritätsgruppen (1. Wurf, 2.-4. Wurf, >5. Wurf) nicht signifikant. Jedoch konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Paritätsgruppe und dem M. suis- Infektionsstatus der Ferkel gezeigt werden (p= 0,05): Im Mittel brachten M. suispositive Jungsauen 1,56- mal so viele M. suis- positive Ferkel zur Welt wie Sauen mit dem 2. Bis 4. Wurf und 2,33- mal so viele wie Sauen ab dem 5. Wurf. Mittels eines Fragebogens wurden verschiedene Risikofaktoren für die Einschleppung und Verbreitung von M. suis erfasst. Keiner dieser Faktoren hatten in dieser Studie einen Einfluss auf den M. suis Infektionsstatus des Betriebes. Hingegen konnte gezeigt werden, dass in dieser Studie größere Betriebe im Mittel eine niedrigere Intraherdenprävalenz bei Zuchtsauen aufwiesen als kleinere Betriebe. Bisher galt die indirekte, mechanische Übertragung durch kontaminierte Gerätschaften als wichtigste Quelle für eine Infektion mit M. suis. Mit einem Anteil von 24,24% von M. suis- positiv geborenen Ferkeln in der vorliegenden Studie konnte gezeigt werden, dass die intrauterine Übertragung ebenfalls eine bedeutsame Rolle in der Infektionsdynamik spielen kann. Zudem konnte gezeigt werden, dass M. suis mit einer Prävalenz von 26,9% bei Sauen und 76,2% positiver Betriebe in Bayern weit verbreitet ist.
Mycoplasma suis, intrauterine Übertragung, Prävalenz
Willi, Stephan
2017
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Willi, Stephan (2017): Untersuchung zur intrauterinen Übertragung von Mycoplasma suis sowie dem Vorkommen von Mycoplasma suis bei Zuchtsauen in Bayern. Dissertation, LMU München: Faculty of Veterinary Medicine
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Abstract

Im Rahmen der vorliegenden Studie wurde das Vorkommen intrauteriner Infektionen von Feten mit dem hämotrophen Erreger Mycoplasma suis evaluiert. Die Möglichkeit einer vertikalen Übertragung von M. suis wurde bisher in verschiedenen Studien untersucht, die Autoren kommen jedoch zu keinem einheitlichen Ergebnis. Gleichzeitig wurde die Prävalenz von M. suis in bayerischen Sauenherden bestimmt. Aus einer Liste von 36 ferkelerzeugenden Betrieben wurden 21 Betriebe randomisiert ausgewählt. Aus jedem Betrieb wurden 10 Zuchtsauen und je Zuchtsau jeweils 3 Ferkel in die Untersuchung eingeschlossen. Die Entnahme von EDTA- Blut der Ferkel erfolge direkt nach der Geburt und somit noch vor der Aufnahme von Kolostrum. Die Blutentnahme der Zuchtsauen fand einen Tag nach der Abferkelung statt. Insgesamt wurden von 208 Sauen und von 622 Ferkeln Blutproben entnommen. Mittels quantitativer Real-Time PCR wurden die Blutproben aller Muttertiere auf M. suis untersucht. Zudem wurde das Blut der Ferkel, deren Muttersau M. suispositiv war, ebenfalls mittels PCR auf M. suis untersucht. Innerhalb eines Tages nach der Blutentnahme wurden von allen Proben die Blutparameter Hämatokrit, Hämoglobingehalt, Erythrozyten- und Leukozytenkonzentration ermittelt. Des Weiteren wurde das Geburtsgewicht sowie das Geschlecht der Ferkel bestimmt und Reproduktionsparameter erfasst. Von den 208 untersuchten Blutproben der Muttertiere wiesen 56 (26,9%) ein positives Ergebnis in der quantitativen Real-Time PCR auf. Bei 16 (76,2%) der insgesamt 21 an der Studie teilnehmenden Betriebe konnten M. suis- positive Muttersauen nachgewiesen werden. Die Intraherdenprävalenz lag im Mittel bei 35,2%. Von den 56 M. suis- positiven Muttersauen wurden 165 Ferkel in die molekularbiologische Untersuchung eingeschlossen. Bei 40 der 165 (24,24%) untersuchten Ferkelblutproben wurde M. suis mittels PCR nachgewiesen. Zwischen der Erregermenge im Blut der Sauen und der Wahrscheinlichkeit einer intrauterinen Übertragung auf die Ferkel war kein Zusammenhang erkennbar. Bei den hämatologischen Untersuchungen konnte sowohl bei den Muttertieren als auch bei den untersuchten Ferkeln in keinem der untersuchten Parameter ein signifikanter Unterschied zwischen M. suis- negativen und M. suis- positiven 6. Zusammenfassung 72 Tieren festgestellt werden. Beim Vergleich der Geburtsgewichte, sowie der Geschlechtsverteilung von positiven und negativen Ferkel konnte ebenfalls kein signifikanter Unterschied festgestellt werden. In der vorliegenden Studie wiesen M. suis- positive Betriebe im Mittel 0,41 totgeborene Ferkel pro Sau und Wurf mehr auf als M. suis- negative Betriebe (p= 0,007). Alle anderen untersuchten Reproduktionsparameter unterschieden sich nicht signifikant in Abhängigkeit vom Infektionsstatus. Hinsichtlich des Anteils M. suis- positiver Sauen unterschieden sich die drei Paritätsgruppen (1. Wurf, 2.-4. Wurf, >5. Wurf) nicht signifikant. Jedoch konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Paritätsgruppe und dem M. suis- Infektionsstatus der Ferkel gezeigt werden (p= 0,05): Im Mittel brachten M. suispositive Jungsauen 1,56- mal so viele M. suis- positive Ferkel zur Welt wie Sauen mit dem 2. Bis 4. Wurf und 2,33- mal so viele wie Sauen ab dem 5. Wurf. Mittels eines Fragebogens wurden verschiedene Risikofaktoren für die Einschleppung und Verbreitung von M. suis erfasst. Keiner dieser Faktoren hatten in dieser Studie einen Einfluss auf den M. suis Infektionsstatus des Betriebes. Hingegen konnte gezeigt werden, dass in dieser Studie größere Betriebe im Mittel eine niedrigere Intraherdenprävalenz bei Zuchtsauen aufwiesen als kleinere Betriebe. Bisher galt die indirekte, mechanische Übertragung durch kontaminierte Gerätschaften als wichtigste Quelle für eine Infektion mit M. suis. Mit einem Anteil von 24,24% von M. suis- positiv geborenen Ferkeln in der vorliegenden Studie konnte gezeigt werden, dass die intrauterine Übertragung ebenfalls eine bedeutsame Rolle in der Infektionsdynamik spielen kann. Zudem konnte gezeigt werden, dass M. suis mit einer Prävalenz von 26,9% bei Sauen und 76,2% positiver Betriebe in Bayern weit verbreitet ist.