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Therapie zerebraler Wahrnehmungsstörungen. Evaluation eines standardisierten Förderprogramms für Kinder mit CVI
Therapie zerebraler Wahrnehmungsstörungen. Evaluation eines standardisierten Förderprogramms für Kinder mit CVI
Zerebrale visuelle Wahrnehmungsstörungen (CVI) sind der häufigste Auslöser für kindliche Sehstörungen in westlichen Ländern. Trotz ihrer Häufigkeit existieren bis heute aber kaum wissenschaftlich geprüfte Behandlungsprogramme für die Betroffenen. Ein Lösungsansatz für dieses Problem ist die Adaptation bereits evaluierter Verfahren aus dem Erwachsenenbereich. Diesem Konzept folgend, wurden im Rahmen der vorliegenden Untersuchung die beiden von Zihl (2011) entwickelten Behandlungsverfahren SEARCH und Pro*Text bei 11 Schulkindern mit CVI (Alter: 9-16 Jahre) angewendet und ihre Wirkung auf die visuelle Suche bzw. Lesefähigkeit der Probanden evaluiert. Zur Beurteilung der Leistungsentwicklung der Schüler wurden an fünf Messzeitpunkten Tests der visuellen Suche bzw. des Überblicks, der Leseleistung und der fokussierten Aufmerksamkeit durchgeführt. Die Ergebnisse der Analyse ergaben signifikante, aber verhältnismäßig geringe Leistungssteigerungen bzgl. visueller Suche und Lesefähigkeit, die eine positive, aber unspezifische Wirkung beider Verfahren nahelegen. Zudem zeigte sich ein deutlich positiver Effekt der Behandlung auf die fokussierte Aufmerksamkeit. Die Anwendungsreihenfolge der Verfahren hatte keinen Einfluss auf den Behandlungserfolg. Obwohl sich nach Behandlungsabschluss auf Gruppenebene keine signifikanten Leistungsveränderungen mehr zeigten, kam es bei einzelnen Probanden zu erheblichen Leistungsschwankungen. Das Vorliegen von Gesichtsfeldausfällen minderte die Wirksamkeit der Behandlungsverfahren. Einflüsse nicht-visueller Entwicklungsdefizite oder Alterseffekte zeigten sich dagegen nicht. Die Befunde der Untersuchung wurden dahingehend interpretiert, dass SEARCH und Pro*Text bei den Kindern nur eingeschränkt wirken konnten, da der Hauptauslöser für Defizite in visueller Suche und Lesefähigkeit bei dieser Stichprobe ein anderer ist als bei erwachsenen Patienten, für die die Behandlungsverfahren eigentlich konzipiert sind. Die unspezifischen Leistungsverbesserungen entstanden vermutlich durch Behandlungseffekte auf die Top-Down-Kontrolle der visuell-räumlichen Aufmerksamkeit.
zerebrale Wahrnehmungsstörung, Kinder, Therapie
Moll, Simon
2017
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Moll, Simon (2017): Therapie zerebraler Wahrnehmungsstörungen: Evaluation eines standardisierten Förderprogramms für Kinder mit CVI. Dissertation, LMU München: Faculty of Psychology and Educational Sciences
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Abstract

Zerebrale visuelle Wahrnehmungsstörungen (CVI) sind der häufigste Auslöser für kindliche Sehstörungen in westlichen Ländern. Trotz ihrer Häufigkeit existieren bis heute aber kaum wissenschaftlich geprüfte Behandlungsprogramme für die Betroffenen. Ein Lösungsansatz für dieses Problem ist die Adaptation bereits evaluierter Verfahren aus dem Erwachsenenbereich. Diesem Konzept folgend, wurden im Rahmen der vorliegenden Untersuchung die beiden von Zihl (2011) entwickelten Behandlungsverfahren SEARCH und Pro*Text bei 11 Schulkindern mit CVI (Alter: 9-16 Jahre) angewendet und ihre Wirkung auf die visuelle Suche bzw. Lesefähigkeit der Probanden evaluiert. Zur Beurteilung der Leistungsentwicklung der Schüler wurden an fünf Messzeitpunkten Tests der visuellen Suche bzw. des Überblicks, der Leseleistung und der fokussierten Aufmerksamkeit durchgeführt. Die Ergebnisse der Analyse ergaben signifikante, aber verhältnismäßig geringe Leistungssteigerungen bzgl. visueller Suche und Lesefähigkeit, die eine positive, aber unspezifische Wirkung beider Verfahren nahelegen. Zudem zeigte sich ein deutlich positiver Effekt der Behandlung auf die fokussierte Aufmerksamkeit. Die Anwendungsreihenfolge der Verfahren hatte keinen Einfluss auf den Behandlungserfolg. Obwohl sich nach Behandlungsabschluss auf Gruppenebene keine signifikanten Leistungsveränderungen mehr zeigten, kam es bei einzelnen Probanden zu erheblichen Leistungsschwankungen. Das Vorliegen von Gesichtsfeldausfällen minderte die Wirksamkeit der Behandlungsverfahren. Einflüsse nicht-visueller Entwicklungsdefizite oder Alterseffekte zeigten sich dagegen nicht. Die Befunde der Untersuchung wurden dahingehend interpretiert, dass SEARCH und Pro*Text bei den Kindern nur eingeschränkt wirken konnten, da der Hauptauslöser für Defizite in visueller Suche und Lesefähigkeit bei dieser Stichprobe ein anderer ist als bei erwachsenen Patienten, für die die Behandlungsverfahren eigentlich konzipiert sind. Die unspezifischen Leistungsverbesserungen entstanden vermutlich durch Behandlungseffekte auf die Top-Down-Kontrolle der visuell-räumlichen Aufmerksamkeit.