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Theatre architecture as embodied space. A phenomenology of theatre buildings in performance
Theatre architecture as embodied space. A phenomenology of theatre buildings in performance
Das Projekt erforscht die Zusammenhänge zwischen Theaterräumen und dem menschlichen Körper mit dem Ziel, eine Phänomenologie der Raumerfahrung in bestimmten Theatergebäuden zu formulieren. Ausgangspunkt ist die These, dass der leibliche Erfahrungsraum veränderlicher ist als der physikalisch verstandene euklidische Raum und dass deshalb auf die Frage, wie Theaterräume wahrgenommen werden, erstaunliche Antworten möglich sind. So kann zum Beispiel ein modernes Guckkastentheater wie das Sadler’s Wells Theatre in London im Moment der Aufführung ‚verschwinden‘, und so erklärt sich auch, wie Schauspieler und Regisseure des Shakespeare’s Globe Theatre ihr Theatergebäude konsequent personifizieren, sogar vermenschlichen können: „It embraces me,“ oder „It tells you what to do.“ Der Theorieteil der Arbeit untersucht phänomenologische und wahrnehmungspsychologische Theorien des gelebten Raumes auf ihre Anwendbarkeit auf das Theater hin: so z.B. das Konzept des ‚gerichteten Raumes‘, entwickelt von Kurt Lewin, dessen Text Kriegslandschaft (1919) die phänomenologische Gerichtetheit der Kriegslandschaft auf die Frontlinie hin beschreibt. Die von ihm identifizierte perzeptive Veränderlichkeit des Raumes ist, so meine These, auch im Theater erfahrbar. Raumwahrnehmung ist, wie Maurice Merleau-Ponty es formuliert hat, ein körperlicher Prozess, der nicht nur Sinnesleistungen, sondern auch aktive Bewegung, Erinnerung und Imagination erfordert – ein Schaffensprozess also, der nicht nur einen Raum, sondern eine Vielfalt an sinnlichen und affektiven Räumen hervorbringt. Gelebter Raum, so die Erkenntnis, ist immer mannigfach. Der zweite Teil der Arbeit wendet diese Erkenntnis auf drei Fallstudien an: Zuerst wird anhand des Globe Theaters in London gezeigt, wie ein Theatergebäude im Erleben der Schauspieler ‚verkörpert‘ und als zu spielendes Instrument begriffen wird. Dann stellt die Inszenierungsanalyse des Tanzstückes I Don’t Believe in Outer Space dar, wie Körpertechniken und ‚Tonarchitekturen‘ den Raum und seine Wahrnehmung verändern können. Zuletzt wird unter Einbeziehung phänomenologischer Blick- und Aufmerksamkeitstheorien die Erfahrung des ‚verschwindenden‘ Sadler’s Wells Theaters untersucht.
Theatre, Architecture, Phenomenology, Embodiment, Space
Bowler, Lisa Marie
2016
English
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Bowler, Lisa Marie (2016): Theatre architecture as embodied space: A phenomenology of theatre buildings in performance. Dissertation, LMU München: Faculty of History and the Arts
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Abstract

Das Projekt erforscht die Zusammenhänge zwischen Theaterräumen und dem menschlichen Körper mit dem Ziel, eine Phänomenologie der Raumerfahrung in bestimmten Theatergebäuden zu formulieren. Ausgangspunkt ist die These, dass der leibliche Erfahrungsraum veränderlicher ist als der physikalisch verstandene euklidische Raum und dass deshalb auf die Frage, wie Theaterräume wahrgenommen werden, erstaunliche Antworten möglich sind. So kann zum Beispiel ein modernes Guckkastentheater wie das Sadler’s Wells Theatre in London im Moment der Aufführung ‚verschwinden‘, und so erklärt sich auch, wie Schauspieler und Regisseure des Shakespeare’s Globe Theatre ihr Theatergebäude konsequent personifizieren, sogar vermenschlichen können: „It embraces me,“ oder „It tells you what to do.“ Der Theorieteil der Arbeit untersucht phänomenologische und wahrnehmungspsychologische Theorien des gelebten Raumes auf ihre Anwendbarkeit auf das Theater hin: so z.B. das Konzept des ‚gerichteten Raumes‘, entwickelt von Kurt Lewin, dessen Text Kriegslandschaft (1919) die phänomenologische Gerichtetheit der Kriegslandschaft auf die Frontlinie hin beschreibt. Die von ihm identifizierte perzeptive Veränderlichkeit des Raumes ist, so meine These, auch im Theater erfahrbar. Raumwahrnehmung ist, wie Maurice Merleau-Ponty es formuliert hat, ein körperlicher Prozess, der nicht nur Sinnesleistungen, sondern auch aktive Bewegung, Erinnerung und Imagination erfordert – ein Schaffensprozess also, der nicht nur einen Raum, sondern eine Vielfalt an sinnlichen und affektiven Räumen hervorbringt. Gelebter Raum, so die Erkenntnis, ist immer mannigfach. Der zweite Teil der Arbeit wendet diese Erkenntnis auf drei Fallstudien an: Zuerst wird anhand des Globe Theaters in London gezeigt, wie ein Theatergebäude im Erleben der Schauspieler ‚verkörpert‘ und als zu spielendes Instrument begriffen wird. Dann stellt die Inszenierungsanalyse des Tanzstückes I Don’t Believe in Outer Space dar, wie Körpertechniken und ‚Tonarchitekturen‘ den Raum und seine Wahrnehmung verändern können. Zuletzt wird unter Einbeziehung phänomenologischer Blick- und Aufmerksamkeitstheorien die Erfahrung des ‚verschwindenden‘ Sadler’s Wells Theaters untersucht.