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Untersuchung zur Simulation einer zäkalen Azidose beim Pferd durch Raftilosefütterung mittels Caesitec
Untersuchung zur Simulation einer zäkalen Azidose beim Pferd durch Raftilosefütterung mittels Caesitec
In der vorliegenden Arbeit wurde überprüft, ob unter Verwendung des in vitro-Systems „Caesitec“ (Caecum Simulation Technique) der Einfluss von Raftilose auf die Fermentation und Mikroflora des equinen Zäkums nachvollzogen werden kann. Die Untersuchungen umfassten 3 Caesitec-Durchläufe mit insgesamt 11 Versuchsfermentern (8 Probenfermenter, 3 Blindfermenter) und einer Versuchsdauer von jeweils 9 Tagen. Als Inokulum diente direkt nach Schlachtung gewonnener Zäkuminhalt von Pferden. Nach einer Adaptationsphase von 5 Tagen, in der 8g Heu pro Fermenter gefüttert wurden, folgte jeweils nach Probennahme zusätzlich zur täglichen Heuration an den Versuchstagen 5 und 7 eine Provokationsgabe von 16g Raftilose. Eine Bolusgabe von Raftilose führte im Caesitec-System innerhalb von Stunden zu einer Azidierung der Fermenterflüssigkeit mit signifikantem Konzentrationsanstieg von Fettsäuren und Laktat, einer Reduktion von Ammoniak (p< 0,05), der Steigerung der Endotoxinkonzentration (p< 0,05) sowie der vermehrten Produktion von Fermentationsgasen (p< 0,01), insbesondere von Wasserstoff. Nach der zweiten Raftilosegabe wurde im Caesitec ein paralleler Anstieg der Laktat-, Fettsäuren- und Methankonzentrationen beobachtet, eine erneute Steigerung der Wasserstoffproduktion blieb jedoch aus. Die drastischen Veränderungen des Milieus lassen auf einen Wechsel des Mikrofloraprofils mit Untergang säuresensibler und Proliferation säuretoleranter Spezies (Ammoniakverbrauch, Endotoxinanstieg) schließen. Diese im Caesitec gewonnenen Ergebnisse spiegeln die Beobachtungen früherer in vivo-Studien wider. Nach der Konzentratgabe wurde ein Wechsel von der methanogenen Fermentation zu Wasserstoff- und Fettsäuren-produzierenden Stoffwechselwegen beobachtet. Dies resultiert mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Überangebot an Nährstoffen für Spezies mit kurzen Generationsintervallen. Es ist anzunehmen, dass die methanogene Flora aufgrund ihres längeren Generationszyklus zeitweise unterlegen war. Weitere Studien zur Veränderung der Fermentation während einer zäkalen Azidose beim Pferd werden als sinnvoll erachtet.
Pferd, Dysbiose, zäkale Azidose, Fruktane, Caesitec
Buza, Wiebke
2016
German
Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Buza, Wiebke (2016): Untersuchung zur Simulation einer zäkalen Azidose beim Pferd durch Raftilosefütterung mittels Caesitec. Dissertation, LMU München: Faculty of Veterinary Medicine
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Abstract

In der vorliegenden Arbeit wurde überprüft, ob unter Verwendung des in vitro-Systems „Caesitec“ (Caecum Simulation Technique) der Einfluss von Raftilose auf die Fermentation und Mikroflora des equinen Zäkums nachvollzogen werden kann. Die Untersuchungen umfassten 3 Caesitec-Durchläufe mit insgesamt 11 Versuchsfermentern (8 Probenfermenter, 3 Blindfermenter) und einer Versuchsdauer von jeweils 9 Tagen. Als Inokulum diente direkt nach Schlachtung gewonnener Zäkuminhalt von Pferden. Nach einer Adaptationsphase von 5 Tagen, in der 8g Heu pro Fermenter gefüttert wurden, folgte jeweils nach Probennahme zusätzlich zur täglichen Heuration an den Versuchstagen 5 und 7 eine Provokationsgabe von 16g Raftilose. Eine Bolusgabe von Raftilose führte im Caesitec-System innerhalb von Stunden zu einer Azidierung der Fermenterflüssigkeit mit signifikantem Konzentrationsanstieg von Fettsäuren und Laktat, einer Reduktion von Ammoniak (p< 0,05), der Steigerung der Endotoxinkonzentration (p< 0,05) sowie der vermehrten Produktion von Fermentationsgasen (p< 0,01), insbesondere von Wasserstoff. Nach der zweiten Raftilosegabe wurde im Caesitec ein paralleler Anstieg der Laktat-, Fettsäuren- und Methankonzentrationen beobachtet, eine erneute Steigerung der Wasserstoffproduktion blieb jedoch aus. Die drastischen Veränderungen des Milieus lassen auf einen Wechsel des Mikrofloraprofils mit Untergang säuresensibler und Proliferation säuretoleranter Spezies (Ammoniakverbrauch, Endotoxinanstieg) schließen. Diese im Caesitec gewonnenen Ergebnisse spiegeln die Beobachtungen früherer in vivo-Studien wider. Nach der Konzentratgabe wurde ein Wechsel von der methanogenen Fermentation zu Wasserstoff- und Fettsäuren-produzierenden Stoffwechselwegen beobachtet. Dies resultiert mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Überangebot an Nährstoffen für Spezies mit kurzen Generationsintervallen. Es ist anzunehmen, dass die methanogene Flora aufgrund ihres längeren Generationszyklus zeitweise unterlegen war. Weitere Studien zur Veränderung der Fermentation während einer zäkalen Azidose beim Pferd werden als sinnvoll erachtet.