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Wagner, Maximilian (2016): Entwicklung und Überprüfung eines konsolidierten Akzeptanzmodells für Lernmanagementsysteme: Ein Vergleich zwischen Lehrkräften und Studierenden. Dissertation, LMU München: Fakultät für Psychologie und Pädagogik
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Abstract

Wie alle anderen Bereiche des täglichen Lebens, sind auch Bildungseinrichtungen von der immer schnelleren Entwicklung der Medien betroffen. Unter neuen Medien werden Anwendungen verstanden, die es dem Nutzer ermöglichen digitale Daten abzurufen, hochzuladen, zu verändern und mit anderen Nutzern auszutauschen, beispielsweise also Web-2.0-Anwendungen, Messenger und ähnliche Technologien, wie auch Lernmanagementsysteme. Von neuen Medien wird angenommen, dass durch ihren richtigen Einsatz Lernen gefördert werden kann (Rinn & Bett, 2003). Neue Medien müssen jedoch nicht immer positiv angenommen werden. Die positive oder negative Annahme äußert sich in einer Nutzung oder Nicht-Nutzung und hängt zu einem großen Teil von ihrer Akzeptanz ab (Venkatesh, Morris, Davis & Davis, 2003). Hinsichtlich der Lernmanagementsysteme lassen sich vor allem zwei Nutzergruppen unterscheiden: die Lehrenden, die die Lerninhalte anbieten und die Lernenden, die die Lerninhalte konsumieren. Aufgrund ihrer stark unterschiedlichen Nutzungsweise der Lernmanagementsysteme stellt sich die Frage, ob und inwiefern sich für diese Nutzergruppen die Faktoren unterscheiden, die ihre Akzeptanz beein-flussen. Um die Ursachen für die Nutzung oder Nicht-Nutzung zu identifizieren, ist es wichtig zu verstehen, wodurch die Akzeptanz von Lernmanagementsystemen beein-flusst wird. Es gibt mittlerweile eine große Anzahl Akzeptanzmodelle. Die einzelnen Modelle legen den Fokus auf unterschiedliche Faktoren, die die Akzeptanz beein-flussen könnten. Zudem werden sie immer wieder überarbeitet und um weitere Fak-toren erweitert. Es besteht daher keine Klarheit, welches Modell beziehungsweise welche Faktoren wirklich essentiell für die Akzeptanz sind. Deshalb stellt sich die Frage, ob sich ein Modell finden lässt, das möglichst alle relevanten Faktoren bein-haltet, um Akzeptanz bzw. Verhalten vorauszusagen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, ein konsolidiertes Modell zu entwickeln und auf seine Gültigkeit hinsichtlich der Nutzergruppen der Anbieter und Konsumenten zu überprüfen. Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil werden aus mehre-ren Modellen die Kernkonstrukte herausgearbeitet. Anschließend wird deren Bedeu-tung anhand einer Metaanalyse überprüft. Aus den Ergebnissen wird ein konsoli-diertes Modell entwickelt. Im zweiten Teil wird das Modell in zwei empirischen Stu-dien auf die beiden Nutzergruppen angewandt. Mit dem zweiten Teil werden drei Forschungsfragen untersucht. Erstens die Frage ob ein konsolidiertes Modell, das auf den bisherigen Modellen beruht, für die Nutzung von Lernmanagementsystemen für Lernende und Lehrende angewandt werden kann. Zweitens wird die Frage untersucht, welche Konstrukte einen moderierenden Effekt auf den Zusammenhang von Nutzungsabsicht und Nutzung haben. Drittens wird die Frage untersucht, inwiefern sich signifikante Effekte zwischen den Nutzergruppen der Lehrenden und Lernenden ergeben. Im ersten Teil der Arbeit werden zunächst verschiedene Akzeptanzmodelle in einem historisch ordnenden Überblick dargestellt. Aufbauend auf diesem theoretischen Überblick sowie einem systematischen Review und einer Metaanalyse von 116 Stu-dien wird überprüft, welche Modelle und Konstrukte in bisher durchgeführten Stu-dien Verwendung finden. Anhand dieser Ergebnisse wird ein konsolidiertes Modell erstellt. Dieses soll möglichst alle zur Messung von Akzeptanz relevanten Konstrukte enthalten, ohne dabei zu viele oder zu spezifische Konstrukte zu berücksichtigen. Das Modell übernimmt die Grundannahme der meisten Akzeptanzmodelle. Auch hier gilt, dass die Nutzung direkt von einer Nutzungsabsicht beeinflusst wird. Die Nutzungsabsicht wird von einer Kosten-Nutzen-Abwägung beeinflusst, die mit den Variablen „erwarteter Aufwand“ und „erwarteter Nutzen“ operationalisiert wird. Diese Abwägung wiederum wird von mehreren Prädiktoren beeinflusst. Diese sind soziale Einflüsse, Selbstwirksamkeit, Computerängstlichkeit, erleichternde Umstände und Computerwissen. Das konsolidierte Modell wird im zweiten Teil für zwei empirische Studien eingesetzt. In diesen werden für eine Stichprobe aus Studierenden und eine Stichprobe aus Lehrkräften Strukturgleichungsmodelle berechnet. Die erste Stichprobe besteht aus N = 292 Lehramts-Studierenden verschiedener Lehrämter der LMU München. Die zweite Stichprobe setzt sich aus N = 298 Lehrkräften von 53 bayerischen Schulen zusammen. In der bisherigen Forschung wurde der Zusammenhang der Nut-zungsabsicht mit der Nutzung als selbstverständlich angenommen und wenig unter-sucht. Daher wird in beiden Studien überprüft, ob sich moderierende Effekte für diesen Zusammenhang zeigen. Um die Stichproben zu vergleichen, werden Kon-fidenzintervalle der einzelnen Pfade verglichen. Dies dient dazu, signifikante Unter-schiede zwischen den Nutzergruppen zu identifizieren. In den beiden empirischen Studien zeigt sich, dass das konsolidierte Modell weitge-hend für beide Stichproben Gültigkeit hat. Für den Zusammenhang zwischen Nut-zungsabsicht und Nutzung ergeben sich ambivalente Ergebnisse, ebenso für die Effekte der Kosten-Nutzen-Abwägung auf die Nutzungsabsicht. Hinsichtlich der Prädiktoren der Kosten-Nutzen-Abwägung ist der stärkste Prädiktor in beiden Stichproben die Konstrukte „erleichternde Umstände“. Die Selbstwirksamkeit zeigt nur für die Studierenden signifikante Effekte auf die Kosten-Nutzen-Abwägung. Die übrigen untersuchten Prädiktoren zeigen in beiden Studien Effekte auf den er-warteten Aufwand oder den erwarteten Nutzen. Lediglich die Computerängstlichkeit zeigt in beiden Stichproben keine Effekte als Prädiktor der Kosten-Nutzen-Abwägung. Jedoch hatte die Computerängstlichkeit einen starken moderierenden Effekt auf den Zusammenhang von Nutzungsabsicht und Nutzung. Der Erkenntnisgewinn dieser Arbeit besteht in der Entwicklung des konsolidierten Modells aus der theoretischen Analyse der Modelle und der Metaanalyse. Hinsichtlich dieses Modelles zeigt sich, dass die Akzeptanz, zumindest weitgehend, mit einem sparsamen konsolidierten Modell mit relativ wenig Konstrukten gemessen werden kann. Weitergehender Erkenntnisgewinn liegt in der Anwendung des konsolidierten Modells in den beiden Studien mit Studierenden und Lehrkräften. Hierbei ist vor allem die Berücksichtigung von Moderatoren auf den Effekt zwischen Nut-zungsabsicht und Nutzung von Interesse, da an dieser Stelle bislang nahezu keine Moderatoranalysen stattgefunden haben. Zudem wird ein Vergleich zwischen objek-tiv und subjektiv gemessener Nutzung durchgeführt. Dabei zeigt sich, dass die sub-jektive Messung von Nutzung die tatsächliche Nutzung möglicherweise nicht zuver-lässig abbildet. Es besteht also einige Evidenz, dass der Zusammenhang von Nut-zungsabsicht und Nutzung genauerer Untersuchung bedarf. Dieser Zusammenhang wurde in der bisherigen Forschung vernachlässigt. Die Einschränkungen der Studie bestanden darin, dass die Erhebung für Studierende am Ende des Semesters durchgeführt wurde. Dies könnte zum Teil den Zusam-menhang der Nutzungsabsicht und Nutzung negativ beeinflusst haben. Die Studie mit Lehrkräften wurde ausschließlich per Fragebogen durchgeführt und ist damit den Gefahren reiner Fragebogenerhebungen ausgesetzt. Eine Einschränkung der Metaanalyse ergibt sich daraus, dass diese für das generierte Kernmodell nur signifi-kante Pfade berücksichtigt. Dies wurde so durchgeführt, um das Modell möglichst von nicht relevanten Zusammenhängen zu entlasten. Jedoch hätte der Vergleich zu den in den ursprünglichen Modellen angenommenen Pfaden interessante Ergebnisse liefern können. Es sollte also davon abgesehen werden, Akzeptanzmodelle um zusätzliche Prä-diktoren zu erweitern. Das Ziel zukünftiger Forschung müsste vielmehr sein, ein konsolidiertes Modell zu finden, dass sich möglichst gut auf möglichst viele Nutzer-gruppen anwenden lässt. Zudem sollte der Zusammenhang zwischen Nutzungsab-sicht und Nutzung genauer untersucht werden, wobei hier ein starker Fokus auf die Messung mit subjektiven Daten gelegt werden sollte. Aus praktischer Sicht sollte auf Seite der Prädiktoren vor allem auf die erleichternden Umstände und sozialen Ein-flüsse eingewirkt werden. Auf Seite der Moderatoren scheint die Computerängst-lichkeit als ein vielversprechender Ansatzpunkt. Durch Workshops mit mediendi-daktischem Hintergrund zu den Lernumgebungen könnte vermutlich auf die meisten dieser Konstrukte eingewirkt werden (Abbad, Morris & Nahlik, 2009; Chua, Chen & Wong, 1999; Leso & Peck, 1992; Venkatesh et al., 2003).