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Schulz, Michaela (2013): Untersuchungen zur saisonalen Populationsdynamik von Ixodes ricinus (Ixodidae) in Süddeutschland, Studies on the seasonal population dynamics of Ixodes ricinus (Ixodidae) in Southern Germany. Dissertation, LMU München: Tierärztliche Fakultät
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Abstract

Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin, die saisonale Aktivität der Schildzecke I. ricinus L. an ausgewählten Standorten in Süddeutschland zu untersuchen und daraus Rückschlüsse auf die Populationsdynamik zu ziehen. Hierzu wurden von Februar 2011 bis Dezember 2011 in monatlichen Abständen an 13 Standorten in drei Bundesländern Zecken gesammelt. Insgesamt wurden 14.394 Zecken (7862 Larven, 5568 Nymphen, 455 weibliche Zecken und 509 männliche Zecken) gesammelt, von denen 14.383 Zecken der Art I. ricinus angehörten, während 11 Zecken der Art D. reticulatus zuzuordnen waren. Zusätzlich wurden an jedem Standort diverse Klimadaten gemessen. Die so erhobenen Daten wurden mittels Poisson-Regression statistisch untersucht. Zecken konnten in den Monaten Februar bis November gesammelt werden und waren bis zu einer Temperatur von 1,1 °C aktiv. An 7 der 13 Standorte zeigte sich ein unimodaler Aktivitätsverlauf mit lediglich einem Aktivitätsmaximum in den Monaten April und Mai. An den restlichen 6 Standorten konnte ein bimodaler Verlauf mit einem zweiten kleineren Aktivitätsmaximum im Herbst beobachtet werden. Die Ergebnisse stützen somit die Hypothese, dass sich der Aktivitätszeitraum von I. ricinus in Mitteleuropa aufgrund von günstiger werdenden klimatischen Bedingungen verlängert. In der Poisson-Regression zeigte sich eine signifikante positive Abhängigkeit der verschiedenen Entwicklungsstadien von Sonnenscheindauer und Luftfeuchtigkeit. Ebenfalls einen signifikanten Einfluss zeigte die Niederschlagsmenge, wobei dieser Wert einen negativen Zusammenhang mit der Zeckendichte aufwies. Insgesamt wiesen die Standorte aber einen relativ einheitlichen Klimaverlauf auf, welcher die teilweise großen Unterschiede bezüglich der Gesamtzeckenzahl und der Verteilung der Entwicklungsstadien zwischen den einzelnen Standorten nicht in voller Zufriedenheit erklären kann. Es müssen deswegen auch die anderen im Habitat herrschenden Bedingungen wie Vegetation und Wirtstiervorkommen in die Betrachtung mit einbezogen werden, da all diese Faktoren ein komplexes System darstellen, in dem jeder Faktor die anderen maßgeblich beeinflusst. An Standorten mit einem geringen Zeckenvorkommen war fast auch immer entweder eine geringe bis nicht vorhandene Laubstreuschicht mit stark sonnenexponierten Flächen und damit fehlende Rückzugsorte insbesondere für subadulte Zecken vorzufinden, oder aber es herrschten ungünstige Lebensbedingungen für ihre Wirtstiere.

Abstract

The aim of this study was to investigate the density of I. ricinus ticks at selected sites in Southern Germany and to allow conclusions on the seasonal population dynamics. For this purpose 13 locations in three German federal states were sampled from February 2011 to December 2011 in monthly intervals. 14.394 ticks (7862 larvae, 5568 nymphs, 455 female ticks and 509 male ticks) were collected in total, of which 14.383 ticks belonged to the species I. ricinus, while 11 ticks were of the species D. reticulatus. In addition various climatic parameters were measured on each location. The collected data was statistically examined using Poisson-regression. Ticks could be found from February to November and were active up to temperatures of 1.1 °C. In 7 out of 13 locations an unimodal host-seeking activity with only a single peak in April and May could be found. The other 6 locations all showed a bimodal activity pattern with a second smaller activity maximum in autumn. These results support the hypothesis that the activity period of I. ricinus in Central Europe is prolonged due to more favourable climatic conditions. Poisson-regression showed a significant positive dependency of the different development stages on sunshine duration and relative humidity. Precipitation showed a significant effect as well, whereby this parameter showed a negative relation with tick density. Overall, the locations showed a relatively uniform climate, which cannot explain the partially huge differences concerning total tick numbers and distribution of the development stages between the single locations to a complete satisfaction. It is therefore necessary to also take into account the other conditions like vegetation and host abundance, since all factors represent a complex system in which each factor significantly affects all others. In locations with low tick numbers there has almost always been a limited undergrowth with areas strongly exposed to sunlight and therefore a missing retreat especially for subadult ticks, or unfavorable conditions for their host animals.