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Breitkopf, Oliver (2008): Variationen im BDNF-Gen im Zusammenhang mit kognitiven Phänotypen. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Kognitive Fähigkeiten des Menschen sind von Individuum zu Individuum sehr verschieden. Inwieweit einerseits genetische Faktoren und andererseits Umweltfaktoren die Intelligenzleistung beeinflussen, ist Gegenstand der aktuellen Forschung. In dieser Arbeit wurde eine natürlich auftretende Variation im Genom, der funktionelle single-nucleotide polymorphism (SNP) rs6265, in Bezug auf Kognition untersucht. Dieser SNP ist ein Basenaustauschpolymorphismus zwischen den Basen Guanin und Adenin und bewirkt einen Valin66-zu-Methionin-Austausch. Er liegt im BDNF-Gen auf dem neunten Exon. In früheren Arbeiten konnte bereits gezeigt werden, dass der brain-derived neurotrophic factor (BDNF) einen signifikanten Einfluss auf die Hirnmorphologie und kognitive Fähigkeiten hat und eine wichtige Rolle bei der Pathologie psychiatrischer Erkrankungen spielen kann. In dieser Assoziationsstudie wurden 284 neuropsychologisch und neuropsychiatrisch gesunde Probanden deutscher Abstammung zwischen dem 19. und 79. Lebensjahr auf den SNP rs6265 hin untersucht. Anschließend wurde eine Intelligenztestung mit dem Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene, Revision 1991 (HAWIE-R), durchgeführt. Es konnte eine statistisch signifikante Assoziation des Methionin-Allels mit einem höheren Intelligenzquotienten (IQ) gezeigt werden. Zusätzlich zeigte sich bei den Met-Allel-Trägern eine Assoziation mit drei Subtests des Handlungsteils des HAWIE. Probanden, die das Met-Allel trugen, erreichten signifikant höhere Werte im Gesamt-IQ und in den Untertests Gemeinsamkeitenfinden, Bilderergänzen und dem Mosaik-Test. Vergleichbare Studien, bei denen kognitive Fähigkeiten in Bezug zum SNP rs6265 untersucht wurden, zeigten überwiegend bessere kognitive Leistungen bei homozygoten Val-Allel-Trägern. Die Anwesenheit des Met-Allels zeigte sich in vorausgegangen hirnmorphologischen Untersuchungen verantwortlich für eine Volumenverminderung im Hippocampus. Diese Studien nutzten andere neuropsychiatrische Tests, um das Intelligenzniveau zu bestimmen, und definierten andere Einschlusskriterien als die vorliegende Arbeit. Diese Voraussetzungen könnten als Ursache für die divergenten Ergebnisse zu sehen sein. Die Ursachen für die unterschiedlichen Ergebnisse in den einzelnen Studien müssen kritisch betrachtet und diskutiert werden.